An einen Freund zu Hausen, bei Uebersendung der allemannischen Gedichte

Textdaten
<<< >>>
Autor: Johann Peter Hebel
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: An einen Freund zu Hausen
Untertitel: bei Uebersendung der allemannischen Gedichte
aus: J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 2, S. 201–203
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1834
Verlag: Chr. Fr. Müller’sche Hofbuchhandlung
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Karlsruhe
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]
[201]
An einen Freund zu Hausen
bei
Uebersendung der allemannischen Gedichte.

Hoch von der langen schwarzen Möhr[1] herab,
Vom Platzberg her, auf wohlbekanntem Pfad
Erschein ich dir, o Freund, den Blumenkranz
Dir bringend, den ich jüngst in Wald und Flur

5
Und von der Wiese duftigem Gestad

Und um die stillen Dörfer her gepflückt.
Zwar nur Gamänderlein und Ehrenpreis,
Nur Erdbeerblüthen, Dolden, Wohlgemuth,
Und zwischendurch ein dunkles Rosmarin,

10
Geringe Gabe. Doch so gut sie kann,

Hat lächelnd und mit ungezwungner Hand

[202]

Des Feldes Muse sie in diesen Kranz
Gewunden, und der reine Freundessinn,
Der dir ihn bietet, sey allein sein Werth.

15
Und hieng er nun hier unterm Spiegel schön,

So schwankt er schöner doch im Lindenast,
In freier Weitung, leichter Weste Spiel.
Dort schwank’ er denn! Und sammelt um sich her
Die Linde unterm Sonntagshimmel blau

20
Das frohe Völklein aus dem nahen Dorf,

Das gute Völklein, das dich liebt und ehrt,
Und unter ihnen mancher mir von Blut
Verwandt, und mancher aus der goldnen Zeit
Der frohen Kindheit mir noch werth und lieb,

25
So theilst du gern des kleinen Spaßes Freuden

Mit ihnen. „Seht zu diesem leichten Strauße“
So sagst du, „sind die besten Blümlein doch
Von unsrer Flur, und unser Eigenthum
Mit Recht.“ – Io weger uffem Alzebühl,

30
Io weger uffem Maiberg hen sie blüeiht;

Und bini nit im frische Morgethau
Dur d’Matte gstreift, und über d’Gräbe gumpt?
Und hani nit ab mengem hoche Berg
Mit nasse Auge abe gluegt ins Dorf –

[203]
35
Und hanich Fried und guete Stunde gwünscht?

S’isch weger wohr, und glaubsch mers nit, se frog
De Bammert, mengmole het er mi verscheucht
Im Habermark und im verhängte Wald.
Se b’schauet denn mi Bluemechränzli au

40
Am Lindenast, und ’s freut mi, wenn’s ich gfallt;

Und nehmet so verlieb; es isch nit viel.


  1. Möhr und Platzberg, Berge bei Hausen.