An eine Freundin in Straßburg

Textdaten
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Autor: Johann Peter Hebel
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Titel: An eine Freundin in Straßburg
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aus: J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 2, S. 186–190
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Erscheinungsdatum: 1834
Verlag: Chr. Fr. Müller’sche Hofbuchhandlung
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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[186]
An eine Freundin in Straßburg.[1]

Fürwahr ihr habt ein Kühnes g’wagt,
Ihr fallt mir in eine poetische Zeit,
Meine Nacht zum rosigten Morgen tagt,
Die Fürstin der Elfen ist nimmer weit.

5
     Schon rauschen die Lüfte,

     Es wallen die Düfte,

[187]

Und ihr spannt noch den Bogen zum mißlichen Streit?
Wollt ihr mich necken?
Ihr strebt nach gefährlichen Zwecken,

10
Ich bin zu jedem Zweikampfe bereit.

     Nehmt Euch in Acht!
     Sie leiht mir den Wagen;
     Von Drachen getragen,
     Reis’ ich in sternloser Nacht,

15
     Ohne Geld,

     Durch die Welt,
     Ohne Paß,
     Ohne Spaß,
Den unser einer nicht macht.

20
Mir weichen die blinkenden Lanzen,

Euch schützen nicht Gräben noch Schanzen,
Wenn um mich die Zauber der Königin tanzen.
Das habt ihr wohl schwerlich bedacht.
          Euer Necken

25
     Werd ich durch Träume erschrecken;

     Eine Schlange, ein Bär,
     Eine feurige Ratt’,
     Eine brennende Stadt,
     Ein kochendes Meer,

30
     Ein zerplatzender Berg,

     Ein Riese, ein Zwerg,

[188]

Gaukl’ ich vor euren Sinnen umher;
Ein Igel mit stachlichter Brust,
Droh ich euch zärtlich zu küssen,

35
Und thu’s auch. Ich will meine Lust,

Ihr sollt den Frevel mir büßen.
     Doch nein, euer Necken
     Kann ich anderst bestehn.
     Ich will Alles gestehn,

40
So bleibt ihr am sichersten stecken.

Ihr Schlaue seyd nur zum Scherzen erbötig,
Ich zur Wahrheit, Wahrheit ist sechszehnlöthig,
Die Verse müssen mich decken.

     Frau Prosa ist gar eine züchtige Dam’,

45
Wenn man ihr soll beichten, man vergeht schier vor Scham,

     In so ehrbarer Ruh
Hört einem die alte Begine zu.
     Aber die Musen,
     O die Holden,

50
     Zum Vergolden,

Wehen selbst den Verliebten Wahnsinn zum Busen,
     Lösen das Grämen,
     Schenken das Schämen,

[189]

Loben, was Madam Prosa schilt,

55
Schelten, was sie mit Beifall vergilt.

     Rosigt und mädchenhaft
     Blühen sie in ewiger Jugendkraft,
     Die zehnte nicht minder,
     Als die neun andern lieben Kinder.

60
Und nicht zu verachten die neune,

Ist die zehnte von nun an die Meine.
In wen sie verliebt ist, das frag’ ich sie nie,
Sie liebe wen sie will, ich liebe doch sie.
     Ihr solltet sie schauen,

65
     Diese Perle von Frauen,

Diesen Kindskopf, diesen Mann, dieses Weib,
In der nämlichen Seel, in dem nämlichen Leib,
Und kosten den seligen Zeitvertreib.
Nun hab’ ichs gestanden, nun ist es heraus,

70
Und weinet ihr um mich, so lach ich euch aus.

     Eine Thorheit mehr,
     Verliert sich im übrigen Heer,
Wie im Pelze des Juden eine neue Laus.

     Nun sind wir des Scherzes am Ziele,

75
Aber die Heldin des Hippels[2] treibt grausame Spiele,
[190]

     Doch lieber noch heut
     Als morgen bereut,
Eh’ Gram die Herzen durchwühle.

     Euer Wort

80
Für den Kehler[3] findt günstigen Ort,

Ich führ ihn durch Sturm und durch Nebel
Hinein in den sichern Port,
Fallir ich, so heiß ich nicht Hebel.

     Wollt Ihr mir ferner in Versen schreiben,

85
Ich werd Euch die Antwort nicht schuldig bleiben.



  1. Hebel war für die große mimische Künstlerin, Madame Hendel-Schütz, die im rheinländischen Hausfreunde als Schwiegermutter vorkommt, sehr eingenommen, und von hoher Bewunderung durchdrungen. Eine Freundin in Straßburg neckte ihn deßwegen in einem Gedichte, das sie ihm zusandte, und worin sie die Hendel eine Elfenkönigin aus einem andern Stern nannte. Darauf antwortet Hebel in dieser poetischen Epistel.
  2. Heldin des Hippels. Hierunter versteht Hebel ein Mädchen, das damals seinen Bräutigam eben aufgegeben hatte.
  3. Ein Geistlicher, den die Freundin, an welche die poetische Epistel gerichtet ist, empfohlen hatte.