An eine Freundin im Oberlande

Textdaten
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Autor: Johann Peter Hebel
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Titel: An eine Freundin im Oberlande
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aus: J. P. Hebels sämmtliche Werke: Band 2, S. 191–195
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1834
Verlag: Chr. Fr. Müller’sche Hofbuchhandlung
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Quelle: Commons
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[191]

An eine Freundin im Oberlande.

Frau Vögtin[1] in dem Unterröcklein,
Was treibt Sie und was macht Sie Guts,
Spinnt Sie vielleicht vergnügten Muths
Manschetten-Zwirn an einem Zöcklein?

5
     Ich seh’ Sie zwar dafür nicht an,

Daß Sie aus Kuder,
So fein er ist,
Garn zu Battist,
Aus Kienruß Puder

10
Erhexen kann.

[192]

     Das hat der leidige Reim gethan,
Auf Unterröcklein
Reimt Flachs sich schlecht,
Allein ein Zöcklein

15
Thuts eben recht.


     Einst spann ein Zöcklein
Im schwarzen Röcklein
Zwar selbst Battist
Für manchen Christ,

20
Das fromme Möcklein,

Das in Eimeldingen verstorben ist.

     Dasselbe Zöcklein,
Das Hexen besser als wir verstand,
Denn seine Hand

25
Hat aus einem Bröcklein

Vom winzigsten Text
Dreitausend Ellen Faden gehext.
Das war mir ein Zöcklein!

     Sanft schlafe der Müde,

30
Und Gottes Friede

Wall’ auf ihn herab.

[193]

Ein Rosenstöcklein
Schmücke sein Grab,
Der mir einmal sechs Schnupftücher gab,

35
Die ich schon alle verloren hab.

Einst hab ich, wenn Ihrs zu gedenken beliebt,
Einen schlauen Schnupftuchhandel verübt.
So sehr ichs dem Spitzbub verargte,
Daß er mich so entsetzlich geprellt,

40
That er doch, was ihm die Klugheit gebot;

Schickt man die Narren zu Markte
Lösen die Krämer viel Geld.
Blau war das eine, das andere roth.
Das was mir im schlechten Handel zerronnen,

45
Hab ich wieder an guten Leuten gewonnen,

Wies Gelegenheit gab.
Manch Schnupftuch zum Beispiel hab ich Euch gemaust
Und hättet Ihr nicht so weise gehaust,
Ihr putztet die Nasen am Ermel ab,

50
Oder gar am niedlichen Röcklein.


     Frau Vögtin, ich plaudre so gerne mit Euch

[194]

In Scherzen, im Ernste; sel gilt mir gleich
Schon läutet zur Schule das Glöcklein,
Es hüpfen die Knaben wie Böcklein;

55
Ich lasse sie hüpfen, und bin mit Euch,

     In Gedanken,
     Ohne Wanken.
Wenn Ihr an den Bäumen schüttelt,
Oder die Dukätlein rüttelt,

60
Hühnernester visitiret,

Oder Eiern-Anken rühret,
Schliechte machet, Federn zupfet,
Gänse füttert, Tauben rupfet,
Bin ich in stillen Gedanken bei Euch.

65
     Gott segne Euer Haus,

Vom Mann bis zu der Maus;
     Trauben reif und süß,
     Saftig das Gemüß,
     Aepfel roth und nett,

70
     Gänslein zart und fett,

Alles Euer Thun gelinge,
Und der volle Nußbaum bringe
Viel tausend tausend Höcklein,
Die Schafe zarte Böcklein.

[195]

75
     Frau Vögtin in dem Röcklein,

Nun ist es aus, nun muß ich gehn,
Und nach den lustigen Knaben sehn,
Sie zausen einander am Röcklein.
Nun Asse denn, nach altem Brauch,

80
Behüt Euch Gott, und schreibt mir auch.

  1. Frau Vögtin wird die Freundin, an welche dieser poetische Brief gerichtet ist, bloß scherzweise genannt.