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Textdaten
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Autor: Dante Alighieri
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Titel: Minne, du wirkst herab vom Himmelszelte
Untertitel:
aus: Die unbekannten Meister – Dantes Werke, S. 89–91
Herausgeber: Albert Ritter
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1922
Verlag: Gustav Grosser
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer: Albert Ritter (Karl Förster, Karl Ludwig Kannegießer)
Originaltitel: Amor, che movi tua vertù dal cielo
Originalsubtitel: {{{ORIGINALSUBTITEL}}}
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Quelle: Commons
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Minne, du wirkst herab vom Himmelszelte

So, wie die Sonne blinkt,
Die dort am leuchtendsten den Sieg erringt,
Wo ihre lichten Strahlen Edles finden;

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Und wie vor ihr entweichen Nacht und Kälte,

So, holde Herrin, weicht
Vor dir, was jedem Herz zur Schmach gereicht.
Schnell kannst du Groll im Kampfe überwinden;
Aus dir muß alles Gute sich entbinden,

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Um das die ganze Welt sich plagt und wirbt;

Und ohne dich erstirbt,
Was uns zu edlem Tun an Kräften eigen.
Auch ein Gemälde kann in finstrem Raum
Ja seinen Wert nicht zeigen,

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Und Freude gibt die farb’ge Kunst dort kaum.


Stets hast du meinem Herzen Licht gegeben,
Wie Sonnenglanz dem Stern,
Vom ersten Augenblick, da dir als Herrn

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Gleich einer Magd sich hingab meine Seele.
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Und ein Gedanke kam in mir zum Leben,

Der süß und hold mich lehrt:
Mein Blick sei schönem Wesen zugekehrt,
Und um so lieber, wenn kein Reiz ihm fehle.
So schaute ich und merkte bald: es stehle

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Sich eine Maid in meinen Geist; und sacht

Fängt sie mich und entfacht
Mir eine Glut, wie Wasser spiegelnd flimmert.
Denn als sie kam, auflohten deine Flammen,
Darin sie mir erschimmert,

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Und ballten sich in ihrem Aug’ zusammen.


Wie schön sie ist, wie edel ihr Gebaren,
Wie liebreich und wie gut!
So schmückt die Phantasie, die nimmer ruht,
Sie in dem Geist, darin ich sie behalten.

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Wohl ist sie nicht aus sich in dem erfahren,

Was so erhaben ragt; –
Nein, deiner Macht sei Dank, wenn mehr sie wagt,
Als Kräfte von Natur jemals gestalten.
Durch Schönheit lehrt sie deiner Stärke Walten,

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Denn nach der Wirkung urteilt erst der Geist,

Was uns wohl würdig’ heißt.
Für Feuer zeugt der Sonne lichte Helle,
Das ihr nicht Kräfte raubt noch auch entfacht,
Und doch an andrer Stelle

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In seiner Wirkung segensreicher macht.


Darum, du Herrin, die so reich an Hulden,
Daß nirgends weit und breit
Wohl Güte lebt in Adels stolzem Kleid,
Die nicht allein aus deiner Hoheit rinne:

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Behüt’ mein Leben, denn es muß viel dulden,

Und gib dem Mitleid Raum;
Denn deine Glut bedrängt (ich trag’ es kaum!)
Durch ihre Schönheit mir ja Herz und Sinne.

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Gib gnädig denn, daß sie verspür’, o Minne,
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Mein brünstiges Verlangen, sie zu sehn.

Du darfst nicht zugestehn,
Daß ihre Jugend mich zum Tode führe.
Sie weiß ja nicht, wie ihre Schönheit blinkt,
Welch heiße Lieb’ ich spüre

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Und daß ihr Auge mir den Frieden bringt.


Wenn du mir hilfst, wird’s dir viel Ehre bringen
Und mir reichen Gewinn.
Ach, ich erkenn’ es wohl: ich kam dahin,
Wo ich mein Leben nimmer kann beschützen;

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Denn meine Lebensgeister müssen ringen

Mit einem Feinde, den
Sie lebend werden schwerlich wohl bestehn,
Willst du sie nicht durch deine Gnade stützen.
So lasse sie auch deine Macht doch nützen,

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Und dieser Fraue sei sie zugeführt.

Denn wahrlich, es gebührt
Ihr wohl, teilhaftig jeden Gut’s zu werden
Als einer, die vom Himmel war geschickt,
Um jeden Mann auf Erden

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Stolz zu beherrschen, wenn er sie erblickt.