Amalie Joachim †

Textdaten
<<< >>>
Autor:
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Amalie Joachim †
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 132 d
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[132 d] Amalie Joachim †. Eine Sängerin ersten Ranges, welche sich um die Pflege des Liedergesangs hervorragende Verdienste erworben hat, ist in Amalie Joachim dahingegangen, die am 3. Februar in Berlin schwerem Leiden erlag. Sie war eine Oesterreicherin; in Marburg in Steiermark kam Amalie Schneeweiß am 10. Mai 1839 als Tochter eines kaiserlichen Rates zur Welt. Für die Ausbildung ihrer schönen Altstimme bot die kleine Provinzialstadt nur unzulänglich Gelegenheit. Aber der häufige Besuch der guten Oper in Graz, der dem heranwachsenden Mädchen gewährt ward, ermöglichte es ihm wenigstens, aus eigenem Antrieb sich nach tüchtigen Mustern zu bilden. Sehr früh regte sich in ihr der Drang zur Bühne; ihr erstes Auftreten erfolgte in Troppau. Ihre seltene Begabung entwickelte sich hier schnell, und als sie im folgenden Jahr in Wien vor Cornet, dem Direktor des Operntheaters am Kärntner Thor, Probe sang, beeilte sich dieser, sie für seine Bühne zu engagieren. 1862 erhielt sie einen Ruf an das hannoversche Hoftheater als erste Altistin, wo sie mit glänzendem Erfolg wirkte.

Ihre Verheiratung mit dem berühmten Geigenvirtuosen Joseph Joachim wurde jedoch schon im folgenden Jahre zum Anlaß, daß sie ihre Kunst dem Theater entzog und sich hinfort auf den Konzert- und Oratoriengesang beschränkte. Und auf diesem Gebiete entfaltete sich ihr reiches Können erst in seiner ganzen machtvollen Eigenart. Die seelenvolle Auffassung, die innige Durchgeistigung, mit der sie die herrlichen Lieder Franz Schuberts, Robert Schumanns, Felix Mendelssohns und ihrer Nachfolger zum Vortrag brachte, fanden überall enthusiastische Aufnahme. Auch im Ausland erlebte ihre edle Liederkunst begeisterte Anerkennung; namentlich in England gewann sich Frau Joachim als Lieder- und Oratoriensängerin eine große treue Gemeinde. Für einen Cyklus von Sonderkonzerten, der vier Abende umfaßte, stellte sie sich ein Programm „Das deutsche Lied“ zusammen, das in geschmackvollster Auswahl eine Uebersicht über die Entwickelung des deutschen Liedes darbot; die Kraft der Nachempfindung, mit welcher sie dem Reichtum der hier sich folgenden Stimmungen gerecht zu werden vermochte, erregte allgemeine Bewunderung.

Auch als Lehrerin ihrer Kunst hat Amalie Joachim sich große Verdienste erworben; zahlreiche Schüler und Schülerinnen trauern ihr nach und lohnen ihr mit treuer Anhänglichkeit die Fülle von Belehrung und Anregung, welche sie ihrem Unterricht und ihrer Kunstbegeisterung zu danken haben. Zu ihren erfolgreichsten Schülerinnen gehört auch eine ihrer Töchter, welche heute am Kasseler Hoftheater als erste Altistin wirkt. Seit 1868 lebte Frau Joachim in Berlin, wo ihr Gatte damals die Direktion der neuerrichteten Hochschule für Musik übertragen erhielt. Ihren Wohnsitz hatte die Künstlerin zuletzt in Charlottenburg.