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Titel: Aeußere Offizierabzeichen.
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aus: Die Gartenlaube, Heft 26, S. 452
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1888
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[452] Aeußere Offizierabzeichen. Wie als bestimmt verlautet, stehen dem Offiziercorps des deutschen Reichsheeres verschiedene Aenderungen in der Uniformirung und Ausrüstung bevor, über welche Kaiser Friedrich III. endgültigen Entschluß gefaßt hatte. Wenngleich derartige Anordnungen von nur untergeordneter Bedeutung sind, so hat doch alles, was das äußere und innere Wesen des deutschen Volks in Waffen betrifft, ein so ausgebreitetes Interesse, daß Mitteilungen über beabsichtigte Veränderungen hier ihren Platz finden dürfen.

Zunächst sollen die Tage der Epauletten gezählt, oder richtiger, diese sollen auf eine noch geringere Zahl beschränkt werden, als sie in der letzten Zeit schon im Gebrauch waren. Ursprünglich waren die Epauletten ein Schutzmittel zur Deckung der Schultern, hauptsächlich gegen Hiebe von Kavalleristen, und sollen im vorigen Jahrhundert zuerst in Frankreich aufgekommen sein. In veränderter Form würden sie sodann von der russischen Armee angenommen und im Jahre 1813 von König Friedrich Wilhelm III. in der preußischen Armee für alle Offiziersgrade eingeführt. (Der hochselige Kaiser Wilhelm empfing seine ersten Epauletten aus der Hand seines Vaters am 2. Oktober 1813 zu Breslau, unter gleichzeitiger Ernennung zum Kapitän.) Dieselben hatten zuletzt den Zweck, durch ihre Form, Farbe und Verzierung den Truppentheil, dem ihr Träger angehört, oder den von ihm bekleideten Rang erkennen zu lassen. Außerdem sind die Epauletten Kennzeichen einer besonderen Waffengattung, nämlich der Ulanen, und werden hier auch von Unteroffizieren und Gemeinen getragen; sie sind jedoch dann an den Seiten mit Metallschuppen besetzt und können leicht von den Offiziersepauletten unterschieden werden.

Seit dem deutsch-dänischen Feldzuge von 1864 legen die Offiziere im Felde die Epauletten ab, damit der Metallglanz derselben nicht die Träger zu deutlich als Zielscheibe dem feindlichen Feuer verrathe. An deren Stelle traten im genannten Jahre die Achselstücke bezw. Achselschnüre.

Der Ursprung der Achselstücke ist sehr alt und soll auf das 16. Jahrhundert zurückgeführt werden können. Es wird berichtet, daß sich damals ein wallonisches Regiment in den Niederlanden bei den Spaniern so sehr gefürchtet gemacht habe, daß letztere gedroht hätten, jeden Gefangenen dieses Regiments aufzuhängen. Die Antwort auf diese Drohung bestand jedoch darin, daß sich das ganze Regiment Stricke auf die Achseln gebunden und die Enden mit Nägeln versehen hat, damit die Spanier gleich alles Erforderliche zur Hand hätten, falls sie nämlich einen Wallonen fassen sollten. Auf diese Weise wurde der Strick zu einer Ehrenauszeichnung und endlich zu einem besonders schmückenden Kennzeichen für die Befehlshaber und für diejenigen, welche in deren Auftrag Befehle zu überbringen hatten.

Die heutigen Achselstücke bestehen aus einer silbernen Treffe, die mit zwei schmalen Streifen eingefaßt ist und die Abzeichen des Ranges mit der Nummer oder dem Namenszug des Regiments aufweist. Für die Stabsoffiziere sind die Achselstücke aus einer starken silbernen Schnur hergestellt, die nach einem bestimmten Muster verschlungen ist, und die Generalschulterstücke sind mit einer Goldschnur eingeflochten. Wenn auch die Achselstücke kein so prunkendes Ausrüstungsstück für die Offiziere sind wie die Epauletten, so ist doch nicht zu verkennen, daß Sie gerade durch ihre geschmackvolle Einfachheit den besten Eindruck machen und ihre Zwecke durchaus entsprechen.