ADB:Thomsen, Christian Nikolaus Theodor Heinrich

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Artikel „Thomsen, Christian Nikolaus Theodor Heinrich“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 38 (1894), S. 113–114, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Thomsen,_Christian_Nikolaus_Theodor_Heinrich&oldid=- (Version vom 19. September 2020, 23:13 Uhr UTC)
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Thomsen: Christian Nikolaus Theodor Heinrich Th., gelehrter Theolog. Er war geboren in der Stadt Schleswig am 21. December 1803 als der Sohn eines Lehrers an der Bürgerschule daselbst, besuchte die Domschule der Vaterstadt und studirte dann Theologie und Philosophie auf den Universitäten Kiel und Berlin von Ostern 1822–1828. Er ward dann Lehrer an dem Taubstummeninstitut in Schleswig bis 1832. In diesem Jahre promovirte er in Kiel zum Dr. philos. Seine Inaugural-Dissertation: „Systematis Leibnitziani in philosophia maxime expositio“ Sles. 1832, 189 S., bezeugte schon ein umfassendes und tiefgehendes Wissen, von Bedeutung ist namentlich der Appendix theologica S. 156–189. Ostern 1833 habilitirte er sich als Privatdocent an der Kieler Universität und Ostern 1835 bestand er das theologische Amtsexamen in Schleswig mit dem ersten Charakter. 1841 ward er prof. extraord. der Theologie, 1844 prof. ord. Die Kieler Facultät creirte ihn 1841 zum Dr. theol. 1860 erhielt er den Charakter Kirchenrath. Er starb am 22. December 1872. Als Privatdocent, obwohl er anfangs mit dem Ausdruck sehr zu ringen hatte, auch überhaupt einen anziehenden Vortrag sich nicht aneignen konnte, hat er, ganz unbemittelt, sich doch rühmlichst Bahn gebrochen und ist als Manuducteur vielen Studirenden nützlich geworden. Seine Privatissima wurden fleißig benützt. Sein Wissen umfaßte das ganze theologische Gebiet im reichsten Maaße, doch beschränkte er seine Vorlesungen meist auf die historische Theologie, deren Quellen und Litteratur er sorgsamst durchforscht hatte. Es ist nur wenig, was er veröffentlicht hat, indem der bescheidene Mann sich selbst nimmer genügte und es immer besser machen wollte. Was von ihm dem Druck übergeben worden ist, ist für seine Zeit immer von Bedeutung gewesen. In Pelt’s Mitarbeiten erschien von ihm ein Artikel über das seiner Zeit Sensation erregende Buch von Dr. R. Rothe: Anfänge der christlichen Kirche und ihrer Verfassung I, 4 und III, 3. Ferner: Die Schleiermacher’sche philosophische Grundansicht, auch separat gedruckt 1840. Der Verfasser spricht hierin seine Ansicht über das Verhältniß zwischen Theologie und Philosophie dahin aus, daß eine Theologie, die über ihr Verhältniß zu den Forderungen heutiger Philosophie kein Bewußtsein hätte und sich darum nicht bekümmerte, mindestens als Theologie gar nicht vorhanden wäre. Eine gründliche Beruhigung über unsere kirchlichen Zustände sei heut zu Tage [114] nur denkbar im Zusammenhang mit theologischer Verständigung nach Seiten der grundwissenschaftlichen Fragen hin. Bei der hundertjährigen Geburtstagsfeier Schleiermacher’s hielt Th. die akademische Festrede, die gedruckt vorliegt (1868). Er zählt Schleiermacher zu den Reformatoren nach der Reformation in Theologie und Kirche. In den Studien und Kritiken 1845, Hft. 3 erschien von ihm ein Beitrag zur Theorie und Geschichte der Mystik. Zu Piper’s evangelischem Kalender 1850, S. 92 lieferte er den Artikel S. Anschar. Zum Königsgeburtstag 1854 erschien seine akademische Rede: „Imago Christiani III“. Seines Collegen Mau Schrift: Die schleswig-holsteinische Sache, gab er nach dessen Tod 1850 mit Vorrede heraus, und im theol. Litteraturblatt zur allg. Kirchenzeitung 1851, Nr. 1 widmete er ihm einen Nekrolog. Von Natur zurückhaltenden, bescheidenen Wesens, trat er doch muthig hervor, wo es galt seine theologische oder politische Ueberzeugung zu vertheidigen. Seine fortgesetzten Studien hatten ihn immer mehr der freieren Richtung genähert, er blieb dabei eine fromme und liebevolle Seele und begeistert für seinen Beruf, in demselben treu und thätig, wie Wenige.

Alberti, Schlesw.-Holst. Schriftstellerlexikon II, 465; Forts. II, 312. – Carstens, Geschichte der theol. Facultät zu Kiel 1875. S. 94. – Kieler Universitätsschriften 1873: Worte beim Begräbniß, von Lüdemann.