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Artikel „Thaulow, Gustav Ferdinand“ von Carsten Erich Carstens in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 37 (1894), S. 659–660, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Thaulow,_Gustav_Ferdinand&oldid=- (Version vom 23. Oktober 2019, 12:31 Uhr UTC)
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Thaurer, Benedict
Band 37 (1894), S. 659–660 (Quelle).
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Thaulow: Gustav Ferdinand Th., Philosoph und Patriot. Er war geboren am 6. Juli 1817 in der Stadt Schleswig, wo sein Vater, ein geborener Norweger, damals Hardesvogt, später Amtsverwalter in Apenrade war. Er besuchte die Domschule in Schleswig und studirte dann von 1837 an Theologie und Philosophie in Kiel und Berlin. Weil ihm die Mittel zu weiterer Fortsetzung seiner Studien fehlten, ward er Hauslehrer auf Bothkamp und promovirte dann 1842 zum Dr. philos. in Kiel. 1843 habilitirte er sich an dieser Universität als Privatdocent der Philosophie und vorzugsweise der Pädagogik. 1846 ward er außerordentlicher Professor der Philosophie und 1854 ordentlicher Professor der Philosophie und Pädagogik, zuletzt war er auch Docent an der Marine-Akademie und Ritter des Kronenordens III, 1878 Geheimer Regierungsrath. Er starb am 11. März 1883.

In der Philosophie gehörte er der damals blühenden Hegelschen Schule an. Seine schriftstellerische Wirksamkeit eröffnete er 1845 mit den beiden pädagogischen Schriften: „Die Erhebung der Pädagogik zur philosophischen Wissenschaft“ und „Nothwendigkeit und Bedeutung eines pädagogischen Seminars auf der Universität“, 1846 „Die Schule der Zukunft“ und 1848 „Plan einer Nationalerziehung“. Diesen folgte eine verdienstliche Zusammenstellung der Aussprüche Hegel’s über Pädagogik: „Hegels Ansicht über Erziehung und Unterricht“ 1853, 3 Bde., und „Gymnasial-Pädagogik im Grundriß“ 1857. Er gründete 1849 die noch bestehende Schleswig-holsteinische Schulzeitung. Zum hundertjährigen Geburtstag Hegel’s gab er heraus „Acten, den hundertjährigen Geburtstag Hegels betr.“, Kiel 1870/72, 2 Hefte. Außerdem zur Philosophie: „Fünfundfünfzig Themata aus der Rechtsphilosophie“ 1858. „Einleitung in die Philosophie und Encyclopädie der Philosophie im Grundriß oder Methode des philosophischen Studiums“. An der Politik betheiligte sich Th. durch verschiedene Schriften: „Die Neugestaltung Deutschlands mit dem Prager Frieden vom 23. August 1866“ (Kiel 1867). „Das Europäische Gleichgewicht durch den Prager Frieden d. J. 1866“. Daneben bewies er sich als ein besonders eifriger Kunstfreund und thätiges Mitglied des Kieler Kunstvereins. Er verfaßte „Das Kieler Kunstmuseum. Ein Wegweiser durch dasselbe und zugleich eine kurze Einleitung in das Studium der Kunst“, Kiel 1857, 2. Aufl. 1860. Insbesondere bethätigte er aber seinen Kunstsinn dadurch, daß er in seinem Hause eine Sammlung von Holzschnittarbeiten anlegte. Er schenkte später diese ansehnliche Sammlung, wofür er bedeutende Geldopfer gebracht, noch bei Lebzeiten, 1876, der Provinz, welche darauf auf einem von der Stadt Kiel geschenkten Platze das schöne Thaulow-Museum errichtete, das noch fortwährend vermehrt wird. Er hat auch im Stillen junge heimische Künstler vielfach durch Rath und That unterstützt und ihnen die [660] Wege, auf welchen sie später zu ihrer künstlerischen Entwicklung gelangt sind, geebnet.

Als bei der Abtrennung von Dänemark die Sammlung schleswig-holsteinischer Alterthümer nach Kopenhagen abgeführt worden war, verdankt man es hauptsächlich seiner energischen Wirksamkeit, daß diese werthvolle Sammlung wieder zurückgegeben wurde und nun ganz mit dem Kieler Alterthums-Museum vereinigt ist.

Schon im J. 1861 faßte Th. den Gedanken, daß bei der im J. 1865 bevorstehenden 200jährigen Universitätsjubelfeier das Land seiner Hochschule als Ehrengeschenk ein neues zeitgemäßes Universitätsgebäude bringen müsse. Er sandte deshalb eine Ansprache an die Bewohner der Herzogthümer aus und veröffentlichte im folgenden Jahre „Die Feierlichkeiten bei der Einweihung der Kieler Universität in den Octobertagen 1665“, (Kiel 1862, n. A. 1876). Durch seine Bemühungen entstanden 72 Localkomitees, und dadurch die Grundlage zu dem Unternehmen, das dann 1876 mit Hülfe der Staatsregierung zur Ausführung gekommen ist. Drei Sendschreiben wurden zu dem Behuf veröffentlicht und ein ansehnlicher Baufonds ward in der Provinz gesammelt. Es beschäftigte ihn zugleich der Plan, ein größeres Gebäude herstellig zu machen, in dem als einem Christian-Albrechts-Stift unbemittelte Studenten freie Wohnung erhalten sollten. Diesen Plan durchzuführen gelang ihm zwar nicht, aber eine ansehnliche Summe dafür hat er schon zuwege gebracht und diese Gelder sind belegt und die Zinsen werden zum Capital geschlagen bis dieses die erforderliche Höhe erreicht hat. Seine Schrift „das Christian-Albrechts-Stift an der Kieler Universität“ Kiel 1881 gibt darüber Nachricht. Eine ausgezeichnete Wirksamkeit hat Th. ferner dem Gustav-Adolph-Verein gewidmet. Als er nach Professor Fricke’s Weggang an die Universität von Leipzig das Directorium des schleswig-holsteinischen Hauptvereins übernahm, hat er auch dieser Angelegenheit mit gewohnter Energie 16 Jahre hindurch sich gewidmet und Großes erreicht.

Als Docent an der Marine-Akademie war er gerade 10 Jahre hindurch thätig. Der Director derselben (Nachruf Kieler Ztg. 13. März 1883) hat ihm bezeugt, daß er ein außerordentlich reges Interesse für die Marine und eine hohe Begeisterung für sein Lehramt an den Tag gelegt habe. Aus dieser Wirksamkeit ist ein Vortrag „Rathschläge für anthropologische Untersuchungen auf Expeditionen der Marine“ (Berlin 1874) gedruckt. Großes und Edles hat er für das Land, die heimische Hochschule, die vaterländische Kunst und ihre Jünger erstrebt und Vieles hat er erreicht.

S.-H. Schulzeitung 1883 Nr. 12. – Alberti, S.-H. Schriftstellerlexikon II 454 und Fortsetzung II 306. – F. Volbehr in Kieler Universitäts-Chronik 1884/85 und separat.