ADB:Sebastian von Rostock

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Sebastian von Rostock“ von Conrad Wutke in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 33 (1891), S. 503–504, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sebastian_von_Rostock&oldid=- (Version vom 27. Oktober 2021, 17:00 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Seback, Vincenz
Band 33 (1891), S. 503–504 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Sebastian von Rostock in der Wikipedia
GND-Nummer 115667636
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|33|503|504|Sebastian von Rostock|Conrad Wutke|ADB:Sebastian von Rostock}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=115667636}}    

Sebastian Rostock, Bischof von Breslau 1664–1671, eifriger Vorkämpfer für die Rekatholisirung Schlesiens, geboren am 24. August 1607 als Sohn einfacher Leute zu Grottkau im Fürstenthum Neisse, genoß seine erste Ausbildung auf der heimathlichen Stadtschule, besuchte dann die katholische Schule zu Neisse und studirte darauf 1627–1633 Philosophie und Theologie auf der Jesuitenuniversität zu Olmütz. Nach erlangter priesterlicher Weihe wurde er zunächst Kaplan an der Pfarrkirche zu Neisse und schon 1635 infolge seines Eifers für die Sache des Katholicismus Pfarrer dieser größten Pfarrei des Breslauer Bisthums; 1636 erwarb er sich in Olmütz die theologische Doctorwürde. Wegen seiner pflichttreuen, streng kirchlichen Wirksamkeit in der Seelsorge, besonders unter den Kriegsnöthen des dreißigjährigen Krieges, wurde er mit seinen Neffen vom Kaiser Ferdinand in den Adelstand erhoben und mit mehreren Kanonikaten bewidmet, darauf 1649 in das Archidiakonat der Breslauer Kathedrale und zum Domprediger berufen, in welch’ letzterem Amte er sich bald durch seine Controverspredigten einen Ruf erwarb. 1653 zum Generalvicar und Official ernannt, wurde er bischöfliches delegirtes Mitglied der Commission, welche im Auftrag des Kaisers auf Grund des Westfälischen Friedens in den unmittelbaren schlesischen Fürstenthümern die Reduction der Kirchen d. h. die Einziehung der protestantischen Kirchen und ihre Ueberweisung zum katholischen Gottesdienst vorzunehmen hatte, in welcher Eigenschaft er den größten Eifer entfaltete und vorzugsweise in den Fürstenthümern Schweidnitz-Jauer thätig war. Hatte S. durch seine Mitwirkung den Protestantitzmus durch die Wegnahme der Kirchen und die Entfernung der Prädicanten in einem großen Theile Schlesiens unterbunden, so bemühte er sich bald auch durch Anstellung tüchtiger katholischer Geistlichen die protestantische Bevölkerung für den Katholicismus zu gewinnen, wobei man dann bald durch gelinderen, bald durch stärkeren Druck sie zum Glaubenswechsel und zum Besuch des katholischen Gottesdienstes zu bestimmen beflissen war und im Fall hartnäckigen Widerstandes sie zur Auswanderung zu zwingen keinen Anstand nahm, obgleich der Kaiser seinen schlesischen Adligen und deren Unterthanen im westfälischen Friedenstractat Gewissensfreiheit verbürgt hatte. 1664 wurde S. nach dem Ableben des Breslauer Bischofs Karl Joseph Erzherzogs von Oesterreich von der Mehrzahl seiner Mitcapitulare, da dem Capitel diesmal die Wahl freigegeben worden war, trotz der vom kaiserlichen Hofe stark begünstigten Bewerbung des Prager Erzbischofes zu ihrem geistlichen Oberhaupte gewählt. Indessen wurde diese Wahl anläßlich der unkanonischen Wahlcapitulation, welche die Capitulare der Anschuldigung der Simonie aussetzte, vom Papste verworfen, dagegen nach längeren Verhandlungen und unter großen Geldkosten S. von Alexander VII. aus eigener Machtvollkommenheit zum Bischof von Breslau ernannt. Als solcher wurde er, da auch die kaiserliche Bestätigung nicht ausblieb, zugleich noch Fürst von Neisse und Herzog von Grottkau, „wohl das letztemal, daß ein deutscher [504] Bürgerssohn durch die Kirche zu einem wirklichen Fürstenthum gelangt ist“. Wie genehm Sebastian’s Persönlichkeit dem Wiener Hofe war, obwohl derselbe zuvor bei der Wahl den Prager Erzbischof begünstigt hatte, erhellt daraus, daß der Kaiser ihn auch zum Oberlandeshauptmann von Schlesien ernannte und damit an die Spitze der weltlichen Verwaltung seines Sprengels stellte. Als Bischof nahm nun S. seine Bestrebungen, den katholischen Glauben zur Herrschaft in Schlesien zu bringen, mit verstärktem Eifer wieder auf; hatte er früher für die Vertreibung der evangelischen Seelsorger gewirkt, so bewirkte er jetzt die Entfernung der lutherischen Schulmeister, an welchen die protestantischen Schlesier doch noch immer einen Rückhalt zum Verharren in ihrem Bekenntniß gefunden hatten. Alle Anordnungen, welche die kaiserliche Regierung traf, um den Katholicismus zur Alleinherrschaft in den unmittelbaren schlesischen Fürstenthümern zu bringen, fanden ihren Ausfluß von S., welcher es für seine Gewissenspflicht erachtete, die Häretiker von ihrem Irrglauben zu bekehren; anderseits sorgte er aber auch auf alle Weise dafür, daß sein Diöcesanklerus sich seiner Aufgabe gewachsen zeige, und bemühte sich unablässig durch Visitationen und Verfügungen denselben zu heben. Als er 1671 die Kirchenreduction auch auf den Trebnitzer Stiftsgütern vornehmen wollte und sich plötzlich durch ein kaiserliches Verbot, welches den Protesten der Oelser Herzöge zu Hülfe kam, daran gehindert sah, erregte dies Verbot ihn in dem Maße, daß ein Schlaganfall ihn traf und seinem Leben (9. Juni 1671) ein jähes Ende machte. Die katholische Kirche verlor in ihm einen ihrer streitbarsten Kämpen, welcher den Kampf gegen den Protestantismus sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte; seiner Wirksamkeit ist zum guten Theile die Wiederausbreitung des Katholicisms in den schlesischen Landen zuzuerkennen, wie ihm auch das Verdienst gebührt, die Grundlagen für einen tüchtigen katholischen Clerus geschaffen zu haben. Betrachtet man Sebastian’s Vorgehen gegen die Protestanten vom Standpunkt seiner Zeit aus, so verdient sein Wirken wenigstens im Interesse der katholischen Kirche alle Anerkennung. Sein Charakter war lauter und sein Wandel rein. Er entbehrte auch nicht gewinnender Züge, beschränkt fanatisch war er nicht, dies beweist schon allein der Umstand, daß er auch unter den Protestanten sich Freunde zu erwerben gewußt hat, mit denen er in herzlichem Briefwechsel stand. Den Breslauer Bischofsstuhl hat weder vor ihm noch nach ihm auf lange Zeit ein Mann von einer so hervorragenden Tüchtigkeit wie S. gewesen ist, innegehabt, ein Bürgerlicher hat nach ihm erst in unserem Jahrhundert wieder diese Würde zu erringen vermocht.

J. Jungnitz, Sebastian von Rostock, Bischof von Breslau. Breslau 1891.