Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Schleich, August“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 31 (1890), S. 392–393, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Schleich,_August&oldid=- (Version vom 23. Februar 2020, 18:06 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Band 31 (1890), S. 392–393 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand Dezember 2015, suchen)
GND-Nummer 117322164
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|31|392|393|Schleich, August|Hyacinth Holland|ADB:Schleich, August}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=117322164}}    

Schleich: August S., Radirer und Thiermaler, geboren 1814 zu München, genoß gleich seinen zahlreichen Brüdern die erste artistische Anleitung von seinem Vater, dem Kupferstecher und Inspector am k. topographischen Bureau Johann Karl S. (1759–1842), besuchte zur weiteren Ausbildung die Akademie und gab schon damals Beweise eines bedeutenden Kunsttalentes. Mit besonderer Vorliebe aber warf er sich auf die Darstellung lebender und todter Thiere, deren eigenthümlichen Charakter in Form und Ausdruck er trefflich aufzufassen und wiederzugeben wußte. Zu diesem Zwecke streifte er oft wochen- und monatelang durch Berg und Thal, durch Flur, Moor und Wald, aber nicht als leidenschaftlicher Nimrod und Jagdfreund, sondern als harmloser Naturbummler; bei solchen Wandergängen bediente er sich ebensowenig der Büchse wie des Zeichenstifts; er suchte und sammelte nur Eindrücke und Wahrnehmungen, welche sein helles Auge und seine treue Erinnerung festhielt und nachgehends erst auf das Papier oder die Leinwand brachte. Dabei erreichte er eine Vollkommenheit und Wahrheit, die ihm eine der ersten Stellen unter den Jagdthierzeichnern seiner Zeit anweist, während er für die Ausführung in Oel nicht die nöthige Geduld besaß, um sich darin auf die gleiche Stufe der Vollendung emporzuschwingen. Deshalb waren nächst seinen Zeichnungen auch seine Radirungen beliebt, seine Hundeköpfe, Gemsen, Füchse, Hasen, lebendes und todtes Geflügel, also dasselbe Repertoire, welches ihm später in seinen „Rauchbildern“ so leicht und wohlgefällig aus der Hand ging. Auch lithographirte S. viele Folgen von „Jagdthieren“, obwol in dieser Technik oftmals leichte Brot- oder Bierarbeiten (z. B. für das lithographische Kunstinstitut von Thomas Driendl) mit unterliefen. Für den Holzschnitt zeichnete er eine Reihe von Jagdthierköpfen, welche H. Rühling xylographirte. Ebenso lieferte S. Bilder („Hunde“ und einen „Alpenjäger“) zu den ersten Platten der von Professor Dr. Franz v. Kobell erfundenen Galvanographie (1842). Den besten Klang jedoch gewann Schleich’s Name durch seine ganz vorzüglichen „Rauchbilder“. Ein zufällig über das qualmende Talglicht gehaltener Teller, in dessen angesammelten Ruß der Maler mit einem Fidibus kritzelte, gab unserem S. erwünschte Gelegenheit, seiner Genialität ein neues Terrain zu eröffnen. Der leicht darüber gegossene Firniß versprach Haltbarkeit und Dauer. Nun construirte S. eine eigene Lampe, welche nicht nur das Anschwärzen der Teller, sondern auch des Zeichnungspapiers in beliebiger Abtonung ermöglichte. „Er übte sich, die Zeichnungsfläche mit Ruß abzustimmen und durch alle Nuancen virtuos ausklingen zu lassen; ein verbessertes Bindemittel von transparenten Harzen ermöglichte die Nichtbeschädigung des fertigen Bildes gegen äußere Einflüsse. Holzgriffel, Nadel, Wischer und Lampenruß waren seine Werkzeuge, welche sich höchst raffinirt, gleichsam wie Zauberdinge in seiner Hand bewegten. Trotz der Schnelligkeit, ja man darf wohl sagen Flüchtigkeit Schleich’s wurden [393] die kleinsten Nüancen, die anscheinend unbedeutendsten Farbentöne nicht übersehen und durch mehrmaliges Nachschwärzen der Rauchflächen über der Flamme erhielten viele seiner Schöpfungen erst den rechten Stempel ausgezeichneter Künstlerschaft.“ Schleich’s Rauchbilder waren keine „Skizzen“, sondern trugen neben einer festen Contour das Gepräge der Durchführung bis zur feinsten Abtönung und zugleich die gelungenste Charakteristik des jeweiligen Thieres. (In neuerer Zeit hat der Schlachtenmaler Heinrich Lang mit seinen, in gleicher Technik hergestellten Pferdeporträts denselben durchschlagenden Erfolg erreicht.) Der Photograph Franz Neumeyer in München etablirte einen ganzen Rauchbildersalon mit mehr als hundert der größten und prächtigsten Exemplare; doch war S. nicht zu bewegen, für eine photographische Reproduction seine Zustimmung zu ertheilen. Andere Liebhaber bestellten einen Cyclus von lebensgroßen Thierbildern, welche abwechselnd durch Anwendung von Aquarell- und Oelfarben von dem Künstler in Effect gesetzt wurden, die Ausführung blieb aber hinter der Erwartung zurück. Die Theilnahme des Publicums erkaltete und war bei dem am 26. December 1865 erfolgten Tode Schleich’s schon ziemlich erloschen. Wie ehedem beim Beginne seines Ruhmes, lieferte S. zuletzt seine Erzeugnisse auch wieder auf der Bierbank, welche zeitweise Atelier und Heimath für den Künstler bildete, dessen Originalität wol alle die Märchen und Legenden von Adrian Brouwer, Jan Steen und anderen dieses Schlages wieder in Fluß brachte. – Hübsche Handzeichnungen finden sich in der sog. „Maillinger-Sammlung“ und ein „Hirschlager“ (lithographirt von C. Straub) im „König-Ludwig-Album“.

Vgl. Nagler, 1845. XV, 269. – Kunstvereins-Bericht für 1865, S. 56. – Gartenlaube 1867, S. 311 ff.