ADB:Sauterleute, Franz Joseph

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Artikel „Sauterleute, Joseph“ von Paul Beck in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 30 (1890), S. 770–772, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Sauterleute,_Franz_Joseph&oldid=- (Version vom 8. August 2020, 21:53 Uhr UTC)
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Sauterleute **): Franz Joseph S., bedeutender Glasmaler, geboren am 4. März 1793 zu Altdorf-Weingarten in Oberschwaben, machte zunächst die (dem Glasmaler damals fast unentbehrliche) Schule der Porzellanmalerei durch, war u. A. zu Anfang der 1820er Jahre als Schmelzmaler in der rühmlichst bekannten Ludwigsburger Porzellanfabrik unter Isopi beschäftigt und hatte durch anhaltendes Studium die Glasschmelzmalerei (Cabinetsglasmalerei) gelernt [771] und sich überhaupt sein Material und Verfahren auf dem Weg eigenen Nachdenkens und Selbstausübens geschaffen. Von hier aus begab er sich nach Nürnberg, woselbst er mit Michael Sigismund Frank bekannt wurde, welcher mit einigen anderen die alte so lange darniedergelegene Glasmalerei wieder zu Ehren gebracht, woran S. übrigens auch ein wesentlicher Antheil zukommt. Im Anfang that S. zwar etwas schwer, bis der Erfolg seine unendlichen Mühen und Versuche lohnte; nicht wenig litt er auch in der ersten Zeit unter der Eifersucht und vermeintlicher Zurücksetzung und Nichtanerkennung. Bald aber zeichneten sich seine Glasgemälde durch Entschiedenheit und Klarheit des Tones, sowie durch das Incarnat aus und scheint S. auch schon die in der Fritte gefärbten Gläser (Mosaikglasmalerei) angewendet zu haben; seine ersten Bilder waren Erasmus v. Rotterdam nach Albrecht Dürer, in welchem man eine Hinneigung zu Christoph Maurer’s Manier zu erkennen glaubte, aus sechs Stücken zusammengesetzt und verbleit; Dürer’s Porträt auf einer Glastafel, welch’ letzteres sich jetzt mit 7 Transparentbildern aus Dürer’s Leben im germanischen Museum zu Nürnberg befindet. Nachdem er eine Zeitlang unter, bezw. mit Frank gearbeitet, betrieb er diese Kunst, von König Ludwig I. unterstützt, selbständig und verfertigte er nach unermüdlichen Versuchen eine Reihe von Glasgemälden in die Hertel’sche Kunstsammlung zu Nürnberg, zu deren Gegenständen er meist Dürer’sche Stiche und Holzschnitte, wie das Leben der heiligen Jungfrau Maria und die Leidensgeschichte Jesu wählte. Diese Darstellungen fanden alle in Anbetracht der kräftigen und harmonischen Färbung, namentlich der guten Luftsperspective und der durchaus fleißigen Ausführung ein lobendes Anerkennen. Ihnen folgte eine Grablegung nach einem Gemälde der Boisserée’schen Sammlung, ein Bildniß Pirkheimer’s und eine Scene aus dem Leben; letzte beiden Stücke waren auf der Stuttgarter Kunstausstellung im Mai 1833 zu sehen. Fast alle diese neuerlichen Werke waren aus einer Scheibe mit besonderem technischen Geschick ausgeführt und entsprachen vollkommen den Anforderungen der Kritik. Nachdem er für die Stadtkirche in Fürth ein Chorfenster mit reichen Compositionen ausgestattet hatte, erhielt er im J. 1835 den ehrenvollen Ruf, in der über der fürstlich Thurn- u. Taxis’schen Familiengruft sich erhebenden Begräbnißcapelle zu Regensburg sämmtliche zwölf (20 Fuß hohe) Fenster mit Gemälden zu schmücken. Er führte diesen großartigen Auftrag bis zum Jahre 1837 meisterhaft aus, so daß diese Leistung zu dem Besten, was alte und neue Kunst in der Art hervorgebracht hat, gezählt werden darf. Ebenso malte er auf Schloß Landsberg bei Meiningen mit Wilhelm Vörtel aus Dresden zusammen die Fenster des Minnesängerzimmers. Bald verschaffte ihm sein Ruf neue Aufträge, bei deren Ausführung er sich Schüler (Rettinger, der nachmals in Zürich die Glasmalerei betrieb; Phil. Böhmländer zu Nürnberg; Itzel, der sich aber später der Lithographie zuwandte etc.) heranbildete, welche ihm auch bei Vollendung seiner letzten Arbeiten während seines Leidens hülfreich beistanden. So malte er mehrere Fenster für den kunstsinnigen Grafen Wilhelm von Württemberg, auf die damals in mittelalterlichem Stil und Geschmack sich neu erhebende, von Wilhelm Hauff idealisirte Burg Lichtenstein im romantischen Echatzthale, ein großes Kirchenfenster für die Stadt Nördlingen i. Ried und eines für Rottweil nach der Zeichnung von Heideloff. Auch für die Königin Hortense auf Arenenberg hatte er einige kleinere Arbeiten auszuführen gehabt. Im J. 1841, wie schon im J. 1834, hatte S. sich vorübergehend in seiner Heimath und in dem benachbarten Ravensburg aufgehalten, woselbst er eine Anzahl seiner neuen Schöpfungen ausstellte, welche ungetheilte Bewunderung und Wohlgefallen erregten. In den in der Nähe gelegenen fürstl. Fürstenberg’schen Glashütten, namentlich im Lauchertthal, in [772] welchen er sich umgesehen, hatte er manches für die Technik seiner Kunst gelernt. Ueberall hatte der heitere, gesellige Mann zahlreiche Bekanntschaften angeknüpft, so mit dem bekannten Alterthumsforscher v. Laßberg auf Schloß Meersburg etc. Schon war die Ausführung weiterer großer Aufträge vorbereitet, als ihn unerwartet am 21. März 1843 zu Nürnberg der Tod mitten aus einer so glücklich und ruhmvoll begonnenen Laufbahn, viel zu frühe für seine Kunst, entriß. Eine Rückenmarkskrankheit, deren unsägliche Schmerzen er mit männlicher Gelassenheit ertrug, endigte sein allzu kurzes Leben. – Nach Frank’s Hingang wurde S. allgemein als dessen Nachfolger angesehen und gehört er auch ganz dessen Schule – und nicht der Boisserée’schen – an; er zeichnet, das Princip möglichster Durchsichtigkeit verfolgtnd, mehr mit Schwarzloth und illuminirt seine Zeichnungen, als daß er auf eine rein malerische Durchführung des Bildes hält. „Schon die Wahl der Aufgabe, die er sich zu setzen pflegte, das Copiren Dürer’scher Holzschnitte, in deren Geiste außer dem Auftrage der Localtöne Alles mehr auf Conturen und Schraffirung zurückgeführt werden will, spricht diese seine Richtung aus.“ In der Technik hatte S. es, wenn er auch jetzt natürlich überholt ist, schon sehr weit gebracht, so daß er von etwas überschwänglicher Seite aus als der Restaurator und Wiedererfinder der Glasmalerei gefeiert wurde; doch wird die Färbung von vielen etwas kalt und hie und da mit Recht auch grell gefunden. Ein Oelbildniß Sauterleute’s existirt von der Hand des Nürnberger Malers Kreul.

M. A. Geffert, Geschichte der Glasmalerei etc. Von ihrem Ursprung bis auf die neueste Zeit, Stuttgart und Tübingen 1839 u. a.

**) Zu S. 422.