ADB:Riesenburg, Alsch von

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Artikel „Riesenburg, Alsch von“ von Adolf Bachmann in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 28 (1889), S. 581–582, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Riesenburg,_Alsch_von&oldid=- (Version vom 15. August 2020, 02:53 Uhr UTC)
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Riesenburg: Alsch (Alscho, Alesch = Albert) v. R., aus der ritterbürtigen Familie dieses Namens, deren Stammsitz gleichen Namens bei Nachod in Ostböhmen lag, während das Herrengeschlecht der Riesenburge sich von der Riesenburg bei Dux in Westböhmen nannte. Den Beinamen „Vřeštówský“ (Wrscheschtjowŝky) führt A. von dem Gute Wřeštów, das nach allem seine Großmutter an die Familie brachte. A., geboren um 1380, ward ca. 1402 mündig. Er hatte sich mit Oheim und Vettern in den nicht zu großen Hausbesitz zu theilen. Im Gegensatze zu diesen trat er zu Beginn der Hussitenkämpfe auf die Seite der Gegner König Sigmund’s und lenkte durch die mit den Rittern von Mrkrovous und Chwalkowitz an der Spitze der Orebiten vollbrachte Eroberung von Königgrätz (25. Juni 1420) die Aufmerksamkeit auf sich. Zwar erlitt er dann bei dem Versuche, sich Opotschno’s zu bemächtigen, große Verluste, aber sein Ansehen in Ostböhmen blieb trotzdem aufrecht, und als Hauptmann von Königgrätz hat er offenbar auch in den nachfolgenden Jahren auf hussitischer Seite gekämpft. Wann darin eine Aenderung eintrat, ist unbekannt. Aber 1433 sehen wir A. auf Seite Kaiser Sigmund’s zugleich mit der Hauptmasse des böhmischen Adels, und als dieser sich stark genug fühlte, offen gegen die taboritischen und Waisenheere aufzutreten, und das Heft in die Hand zu nehmen, war es A. v. R., der am 1. December 1433 vom Landtage, auf dem die Adels- und Friedenspartei weitaus im Uebergewichte war, zum Verweser (spravce) [582] des Königsreiches Böhmen und der Markgraffschaft Mähren gewählt wurde (Archiv český III, 412–415). Wenn auch „hinter und über ihm“ Meinhard von Neuhaus und Ulrich von Rosenberg als allgewaltige Adelshäupter standen, jedenfalls führte A. v. R., zumal seitdem ihn zufolge der Schlacht bei Lipan ganz Böhmen anerkannt hatte, sein Amt mit Geschick und Erfolg bis zur endgültigen Verständigung Kaiser Sigismund’s mit den Böhmen, an der er lebhaften Antheil hatte. Als Lohn empfing A., von Kaiser Sigmund mit Besitzungen, die vordem dem Kloster Opatowitz gehört hatten, reichlich ausgestattet, das Amt des Oberstlandschreibers, des rangletzten der vier obersten Landesbeamten. Er behauptete sich nun umsomehr in einflußreicher Stellung bis über die Tage Kaiser Sigismund’s hinaus, als er, der weitverbreiteten Unzufriedenheit mit den Maßregeln des Kaisers Rechnung tragend, sich wie es scheint frühzeitig an die von Heinrich Ptatschko (Vöglein) von Bürgstein geführte Opposition angeschlossen hatte. Als deren eifriges Mitglied unterzeichnete er zugleich mit seinem gleichnamigen Sohne „den Sühnbrief“ der vier ostböhmischen Kreise, und wurde er als einer der Vertreter der Ritterschaft in den Wahlausschuß des Landtages (Juni 1440) gewählt, der die böhmische Königskrone frei vergeben wollte. Den Ausgang der Wirren nach mißglückter Wahl hat R. nicht erlebt. Er starb am 4. Juni 1442.

F. Palacky, Geschichte von Böhmen III, 2 u. 3, IV, 1. – A. Sedláček, Hrady tvrze a zamky kralowství českého (Burgen, Schlösser und Festen des Königreichs Böhmen) II. – Vgl. Slovnik naučni VII zu „Risenburk“.