ADB:Rabinowitz, Raphael Nathan

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Rabinowitz, Raphael Nathan“ von Adolf Brüll in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 53 (1907), S. 186–187, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Rabinowitz,_Raphael_Nathan&oldid=- (Version vom 10. August 2020, 19:59 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Raders, Ludwig
Band 53 (1907), S. 186–187 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Raphael Nathan Rabinowitz in der Wikipedia
GND-Nummer 130185531
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|53|186|187|Rabinowitz, Raphael Nathan|Adolf Brüll|ADB:Rabinowitz, Raphael Nathan}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=130185531}}    

Rabinowitz: Raphael Nathan R., hervorragender Talmudgelehrter, geboren am 4. Juni 1835 in Scharagin, † am 29. November 1888 in Kiew. Schon als Jüngling erregte R., nachdem er die in Rußland üblich gewesene talmudische Ausbildung genossen, durch seine ungewöhnliche Begabung, verbunden mit einem bewundernswerthen Gedächtniß und lichtvollem Scharfblick, Aufsehen in fachgenössischen Kreisen, und war er wie selten einer besonders dazu geeignet, im Talmud und den dazu gehörigen Litteraturgebieten mit Erfolg zu arbeiten. Im J. 1860 gab R. das Gutachten des R. Meir ben Baruch aus Rothenburg aus dem achten Jahrhundert heraus und bekundete schon damals Tüchtigkeit in der kritischen Behandlung von Handschriften. Angezogen durch die an hebräischen und rabbinischen Manuscripten reiche Hof- und Staatsbibliothek in München, nahm R. 1862 daselbst seinen bleibenden Wohnsitz und bereitete mit Hülfe eines edlen Förderers der Wissenschaft, des Numismatikers Abraham Merzbacher, welcher ihm Geldmittel und eine auserlesene Fachbibliothek zur Verfügung stellte, den kritischen Apparat zu einer neuen Talmudausgabe auf Grund der in der Münchener Hof- und Staatsbibliothek, als Unicum befindlichen Talmud-Handschrift (cod. Hebr. 95) vor. Zum Zwecke seiner Studien auf diesem Gebiete besuchte R. viele Bibliotheken des Auslandes. Im J. 1868 erschien der erste Band seines großangelegten Werkes: „Variae lectiones in Mischnam et in Talmud Babylonicum“ auf Grund von Handschriften und alten Drucken mit wissenschaftlichen Anmerkungen. In rascher Folge erschienen fünfzehn Bände dieses Werkes, etwa über die Hälfte des gesammten Babylonischen Talmud sich erstreckend. Mitten im Drucke des sechzehnten Bandes über den Tractat Chulin wurde R. auf einer Reise im Kiew vom Tode ereilt und erschien derselbe redigirt von Dr. Ehrentreu.

Neben diesem Hauptwerke, durch welches sich R. ein dauerndes Denkmal unermüdlichen Fleißes und großer Gelehrsamkeit gesetzt hat, erschienen von ihm: 1863 „Ikre ha-Aboda, Zusammenstellung der Gesetze und Vorschriften über die Opfer; „Gaon Jakob, Novellen zum Tractat Erubin von dem Gaon [187] R. Jacob aus Wien“, nach einer Handschrift geordnet und herausgegeben; 1874: „Jechuse Tanaim we Amoraim“, nach einer in der Oxforder Bibliothek befindlichen Handschrift, herausgegeben vom Verein „Mekize Nirdamim“ mit Quellennachweis und Glossen; 1888: „Ohel Abraham, Catalog der Bibliothek des sel. Herrn Abraham Merzbacher in München“, in welchem 156 Handschriften und 4332 Druckwerke verzeichnet sind. Zu erwähnen wäre noch der Separatabdruck aus dem neunten Bande seiner „Variae lectiones“: „Kritische Ausgabe der Gesammt- und Einzelausgaben des Babylonischen Talmuds seit dem Jahre 1484“. Durch die wissenschaftlichen Reisen, die R. nach Frankreich, England, Italien und Rußland unternommen, wurde der Ankauf seltener Druckwerke und Handschriften für die großen Bibliotheken Deutschlands vermittelt und verdankt ihm besonders die Münchener Hof- und Staatsbibliothek eine wesentliche Bereicherung ihrer hebräischen Abtheilung, von der wir die Erwerbung der kostbaren Bibelhandschrift (cod. Hebr. 422) besonders hervorheben.