ADB:Praetorius, Hieronymus (hamburgischer Organist)

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Artikel „Praetorius, Hieronymus“ von Robert Eitner in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 26 (1888), S. 516–517, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Praetorius,_Hieronymus_(hamburgischer_Organist)&oldid=- (Version vom 28. Januar 2021, 01:47 Uhr UTC)
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Praetorius: Hieronymus P. (Schultz), ein tüchtiger Hamburger Organist und Componist, der um 1560 in Hamburg geboren sein soll, doch habe ich bereits in den Monatsheften für Musikgeschichte (III, 65) darauf hingewiesen, daß diese Jahreszahl wohl um gut zehn Jahre zu spät angenommen ist. Sein Vater, Jacob P., war Organist an St. Jacob in Hamburg und ließ sich die musikalische Ausbildung seines Sohnes sehr angelegen sein, so daß er nicht nur einen tüchtigen Organisten, sondern einen hervorragenden Componisten in ihm erzog. P. erhielt zuerst eine Cantorstelle in Erfurt, und als im J. 1582 sein Vater starb, berief man ihn an dessen Stelle in Hamburg, wo er am 27. Januar 1629 starb. Er hinterließ nebst dem gleichnamigen Sohn (s. u.) zwei Söhne: Jacob und Johann, von denen besonders der erstere sich großen Ruhm als Musiker erwarb (s. u. S. 518). Hieronymus hat uns eine Anzahl Compositionen hinterlassen, die schon zu seiner Lebenszeit in mehreren Auflagen erschienen. Es sind dies 1 Band „Cantiones sacrae“ zu 5 bis 8 Stimmen (Hamburg bei Philipp v. Ohr), die zuerst 1599, dann 1607, 1609, 1622 und 1623 erschienen; von 1607 ab vermehrt mit Gesängen bis zu 12 Stimmen; die letzte Ausgabe gab Stein in Frankfurt heraus. Die erste Auflage umfaßt 47 Motetten, Gesänge von oft großem Umfange. Ihr Charakter ist ernst, oft herbe im Ausdruck. Der weiche, volle, wahrhaft berauschende Klangeffect, den die Italiener dieser Zeit entwickelten, geht ihm völlig ab. Kraftvoll, gemüthvoll, innig, ernst bis zur Rauheit, das sind die durchgehenden Charakterzüge in seinen Werken. Die Kunst der Stimmenführung hat er mit den Italienern gemein, doch das nordische Klima hat ihn aus derberem Stoffe geschaffen und der alten Niederländer Kunst liegt ihm näher als der Italiener weiches Klangcolorit. – Diesen Motetten ließ er 1602, ebenfalls bei v. Ohr in Hamburg, eine Sammlung Magnificats folgen, die dann als „Tomus secundus“ im Jahre 1622 wieder neu aufgelegt wurden. Die im J. 1616 folgenden Messen zu 5 bis 8 Stimmen tragen schon in der ersten Ausgabe die Bezeichnung „Tomus tertius“. Der 4. Band, 1618 erschienen, enthält 39 Motetten zu 5 bis 20 Stimmen und der 5. 30 Motetten zu 5 bis 15 Stimmen, 1618 und 1625 in Hamburg bei Hering erschienen. Die ersten 4 Bände kommen zahlreich vor, so auf der Kgl. Bibl. zu Berlin, in Frankfurt a. M., Stadtbibliothek in Hamburg, Stadtbibliothek Breslau u. a. O., während der 5. Band sich bisher nur in Königsberg, Berlin und Upsala fand. [517] Noch sei erwähnt, daß die späteren Ausgaben den Gesammttitel[WS 1]: „Opus musicum quatuor tomis distinctum, denuo ab ipso autore revisum, correctum et auctum et Basso continuo adornatum“ tragen.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Gesammtitel