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Artikel „Petersdorff, Friedrich von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 493–495, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Petersdorff,_Friedrich_von&oldid=- (Version vom 19. Oktober 2019, 05:06 Uhr UTC)
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Petersdorff: Christian Friedrich Engel v. P., preußischer Generallieutenant, ward am 3. Juni 1775 zu Hanau geboren. Sein Vater war damals Hauptmann im kurfürstlich braunschweigisch-lüneburgischen 1. Infanterieregiment von Scheither, welches als Schutz- und Ehrenwache der von ihrem Gemahl, dem Landgrafen Friedrich II. von Hessen-Cassel, seit dessen Uebertritt zum Katholicismus getrennt lebenden Landgräfin Maria, einer Vatersschwester König Georg III. von Großbritannien, dort in Garnison stand. P. trat 1789 als Kadet bei demselben Regiment, welchem sein Vater angehörte, in den Dienst, ward 1791 Fähnrich, 1794 Lieutenant und machte die Feldzüge gegen die Franzosen von 1793, 1794 und 1795 in den Niederlanden mit; in der Friedenszeit besuchte er die Militärschule zu Hannover und die Universität Göttingen. Nachdem die hannoversche Armee im J. 1803 aufgelöst war, trat er im April 1804 in das preußische Infanterieregiment vac. Nr. 30 v. Borcke, welches einen Theil der Besatzung von Stettin bildete, nahm mit diesem am Feldzuge des Jahres 1806 theil, wußte sich nach dem Gefechte von Lübeck der bevorstehenden Capitulation zu entziehen und begab sich nach Pommern, wo er am 13. December in Greifenberg zu Schill stieß. Dieser entsandte ihn am folgenden Tage nach Colberg, um mit dem Commandanten Obrist v. Lucadou den Entwurf zu einem gemeinsamen Unternehmen gegen die Stadt Stargard zu besprechen und zugleich die Organisation des Schill’schen Corps zu fördern, welches für seine Ausrüstung auf die allerdings sehr geringen Hilfsquellen angewiesen war, welche Colberg bot. Er fand wenig Gehör; der Commandant ging auf keines seiner Gesuche ein, sondern wies P. an in der Festung zu bleiben und aus den zuströmenden Flüchtlingen eine Compagnie für das Grenadierbataillon von Waldenfels zu bilden. Nach einiger Zeit gelang es ihm jedoch, wieder zu Schill nach Greifenberg zu kommen. Am 22. Januar 1807 erhielt dieser die königliche Ermächtigung zur Bildung eines Freicorps. Beide machten sich nun mit verdoppeltem Eifer an die Organisation desselben; es sollte aus allen Waffen bestehen, um fremder Unterstützung entbehren und ganz selbständig handeln zu können; zu seiner Ausrüstung aber fehlte es, außer an Menschen, so ziemlich an allem, was nöthig war. P. befehligte zunächst die Fußjäger. Als Schill am 17. Februar in dem Gefechte bei Naugard verwundet wurde und nach Colberg ging, übernahm er das Commando des Corps. Es sollte jetzt versucht werden durch England Ausrüstungsgegenstände zu erhalten und diese Macht zu einer Landung an einem Punkte der Ostseeküste zu veranlassen; dazu sollte ein Officier dorthin gesandt werden. Vermuthlich mit Rücksicht auf seine Herkunft als Hannoveraner und weil er englisch sprach, fiel die Wahl auf P. Am 18. März reiste dieser zu Schiff von Colberg ab, war am 12. April in London bei dem preußischen Gesandten v. Jacobi-Klöst, reiste am 21. wieder ab und traf am 2. Mai in Stralsund ein, der reichen Sendung an Kriegsgeräth voraus eilend, welche England zur Verfügung stellte; mit dem zweiten Theile seiner Aufgabe hatte er nicht so viel Glück gehabt, mit der thätigen Theilnahme [494] am Kriege haperte es wie gewöhnlich. Für die geschickte Ausführung seines Auftrages wurde er vom Könige belobt; für das Gefecht bei Naugard erhielt er den Orden pour le mérite. Als nach Friedensschluß aus der Infanterie des Schill’schen Corps das leichte Bataillon des Leib-Infanterieregiments Nr. 9 gebildet ward, wurde P. bei demselben als Hauptmann angestellt; Berlin ward seine Garnison. Am 28. April 1809 brach Schill von hier mit dem ihm unterstellten 2. brandenburgischen Husarenregiment zu seinem bekannten Zuge auf; am 4. Mai folgte ihm Lieutenant August von Quistorp mit etwa 150 Mann des Bataillons. Der Gouverneur L’Estocq sandte P. hinterher, um Quistorp zur Umkehr zur bewegen. Bei Neuendorf, schon auf königlich sächsischem Gebiete, traf dieser zuerst auf den Lieutenant von Blomberg, einen inactiven Officier, welcher Schill ebenfalls Mannschaften zuführen wollte und Quistorp’s Vorhut bildete; P. verhaftete denselben; auf den dadurch entstandenen Lärm eilte aber Quistorp herbei und drohte, wenn P., welcher die Soldaten anredete, zu sprechen fortführe, Feuer geben zu lassen, sodaß dieser unverrichteter Sache nach Berlin zurückkehren mußte. Als 1812 der Krieg mit Rußland in Sicht war, bat P. um seine Entlassung. Er hatte seinem Bruder Karl, welcher mit ihm im hannoverschen 1. Infanterieregiment gestanden hatte und jetzt der englisch-deutschen Legion angehörte († als hannoverscher Oberstlieutenant a. D. am 13. März 1834 zu Witzenhausen), das Versprechen gegeben, nie für Napoleon zu kämpfen. Den erbetenen Abschied erhielt er als Major mit der Erlaubniß seine Uniform forttragen zu dürfen; in der betreffenden Cabinetsordre hieß es, daß der König ihm auch ferner in Huld und Gnade zugethan verbleiben wolle; sie war in den schmeichelhaftesten Ausdrücken abgefaßt. Bevor ein Jahr zu Ende war, trat er von neuem in preußische Dienste. Als der Aufruf vom 3. Febr. ergangen war, trug er in Gemeinschaft mit Lützow (s. d.) dem Könige schon am 9. desselben Monats die Bitte vor, ein Freicorps errichten zu dürfen; am 18. d. M. ward ihnen dieselbe gewährt; Lützow wurde Chef, P. Commandeur des Corps. Letzterer blieb zunächst in Breslau, um die Herbeischaffung der Mittel und die Annahme der Freiwilligen, sowie deren Eintheilung zu leiten. Im Gasthofe zum Goldenen Szepter hatte er sein Werbebüreau aufgeschlagen; von allen Seiten strömten die Freiwilligen herbei; daß bei ihrer Annahme nicht immer mit der wünschenswerthen Sorgsamkeit verfahren wurde, hat dem Corps manche unlautere und ungeeignete Elemente zugeführt und sich bald fühlbar gemacht. Auch ist den Errichtern des Corps nicht mit Unrecht der Vorwurf gemacht worden, daß sie durch den Aufenthalt in Breslau sich des Vortheils begaben von vornherein persönlich und unmittelbar auf dasselbe einzuwirken, die Mitglieder schon in Zobten und Rogau recht gründlich zu erziehen und anzuleiten. Als das Corps nach dem Kriegsschauplatze aufbrach, marschirte auch P. mit demselben. Für die unzweckmäßige Verwendung in dieser Periode des Feldzuges gebührt Lützow die Verantwortlichkeit allein. Um die Mitte des Mai hatten die Streifzüge auf dem linken Elbufer der Schaar zahlreiche Rekruten zugeführt, zu deren Einreihung einige Ruhe nöthig war, gleichzeitig sollten drei leichte Geschütze ausgerichtet werden. P. sollte das alles besorgen, während Lützow mit der Cavallerie zu seinem Zuge nach Thüringen und Franken aufbrach. Ersterer ging zu diesem Zweck am 20. Mai nach Havelberg und war, nachdem er denselben erfüllt, die Infanterie des Corps auf ca. 2000 Mann gebracht und die Geschütze marschfähig gemacht hatte, im Begriff nach dem Harz zu gehen um, den Absichten der obersten Heeresleitung entsprechend, von hier aus das Land im Rücken der französischen Armee zu insurgiren, als der russische General Woronzow ihn dringend aufforderte, sich mit ihm zu einem Unternehmen gegen Leipzig zu vereinigen. Die Aussicht auf einen glänzenden Erfolg lockte ihn. Am 2. Juni brach er mit 900 Mann, welche [495] auf Wagen befördert wurden, und einer neu formirten Escadron, auf; der Rest des Corps sollte in einigen Tagen nach dem Harz abmarschiren. Am 10. Morgens standen die Verbündeten vor Leipzig, von den Höhen bei Gohlis sahen sie die Stadt vor sich liegen, bereits hatte ihre Cavallerie der französischen ein glückliches Gefecht geliefert; und schon hielten sie den dort commandirenden Herzog von Padua mit der Garnison für ihre sichere Beute, da machte die Kunde von dem geschlossenen Waffenstillstande den Feindseligkeiten ein vorläufiges Ende. P. kehrte nach Havelberg zurück und widmete sich von neuem den Organisationsarbeiten, welche durch die Mißgriffe bei der ersten Aufstellung, durch die bei Kitzen erlittenen Verluste und durch die Neuwerbungen nöthig geworden waren. Sie hatten guten Fortgang und günstigen Erfolg. Am 17. August begann der Krieg von neuem. Dem Major v. P. gab er Gelegenheit zu besonderer Auszeichnung, als der Oberbefehlshaber General Graf Wallmoden mit dem größten Theile der ihm unterstellten Truppen auf das linke Elbufer gegangen war, wo er am 16. September den von Marschall Davout dorthin entsandten General Pecheux bei der Göhrde schlug, und auf dem rechten Ufer des Stromes nur schwache Kräfte zurückgelassen hatte, zu denen 1500 Infanteristen und 4 Geschütze des Freicorps nebst 400 Mann hanseatischer Reiterei und 120 Kosaken unter Petersdorff’s Commando gehörten. Davout griff diese am 18. bei Zarrenthin mit überlegenen Kräften an, warf ihre Vorposten und drängte P. eine Strecke Weges zurück; es gelang diesem indeß sowol am 18., wie am folgenden Tage, wo Davout von neuem vorging, demselben durch seine feste Haltung so zu imponiren, daß er von energischeren Versuchen den Schleier, welchen jener gebildet hatte, zu zerreißen abstand. Da Lützow bei der Göhrde verwundet war, so übernahm P. bis zum 25. November, wo dieser zurückkehrte, das Commando des Corps und blieb mit der Hauptmasse desselben den Franzosen im Mecklenburgischen gegenüber. Für das Gefecht bei Zarrenthin erhielt er das Eiserne Kreuz. Als Lützow am 25. December aus dem Holsteinischen mit der Cavallerie nach Frankreich abmarschirte, übernahm P. das Commando von neuem, ging dann aber, auf Grund einer vom 14. December datirten Cabinetsordre, am 11. Januar 1814 von Holstein aus nach Kassel, um unter Leitung des Kurprinzen Wilhelm bei der Errichtung der hessischen Truppen mitzuwirken, eine Aufgabe, welche er trotz großer damit verbundener Schwierigkeiten, mit vielem Geschick löste (vgl. Kurhessen seit den Befreiungskriegen von C. W. Wippermann, Kassel 1850). Am 25. März 1815 wurde er zum Commandeur des aus der Infanterie des Lützow’schen Corps gebildeten preußischen 25. Infanterieregiments ernannt; dasselbe in den Krieg zu führen hinderte ihn ein im März erlittener Beinbruch; jedoch konnte er bald wieder im militärischen Verwaltungsdienste thätig sein; es geschah zuerst in Düsseldorf, dann in Aachen. Am 12. October 1815 ward er zum Commandanten von Memel ernannt, vertauschte diesen Posten 1827 mit dem nämlichen zu Pillau, ward 1837 in gleicher Eigenschaft nach Thorn versetzt und trat, nachdem er inzwischen zum Generalmajor aufgestiegen war, 1842 mit dem Charakter als Generallieutenant in den Ruhestand. Am 4. Mai 1854 starb er zu Plauenthin bei Colberg.

Archiv des preußischen Kriegsministeriums. – Zeitschrift für Kunst, Wissenschaft und Geschichte des Krieges, 93. Band 3. Heft, Berlin 1855. – Oesterreichischer Soldatenfreund vom 12. Juli 1854. – Stawitzky, Geschichte des 25. Infanterie-Regiments, Koblenz 1857, S. 57.