Hauptmenü öffnen

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Peters, Christian Friedrich August“ von Siegmund Günther in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 485–487, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Peters,_Christian_Friedrich_August&oldid=- (Version vom 15. September 2019, 14:33 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Peters, August
Nächster>>>
Peters, Friedrich
Band 25 (1887), S. 485–487 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Christian August Friedrich Peters in der Wikipedia
GND-Nummer 116108185
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|25|485|487|Peters, Christian Friedrich August|Siegmund Günther|ADB:Peters, Christian Friedrich August}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116108185}}    

Peters: Christian Friedrich August P., Astronom, geb. am 7. September 1806 in Hamburg, † am 8. Mai 1880 in Kiel. Sohn eines Kaufmanns, konnte P. durch die Sorgfalt des Vaters seine natürlichen mathematischen Anlagen voll und ganz ausbilden, so daß ihn der Altonaer Astronom Schumacher schon frühzeitig zur Theilnahme an seinen geodätischen und astronomischen Arbeiten heranzuziehen in der Lage war. Im Alter von 19 Jahren betheiligte er sich bereits lebhaft an den Vorbereitungen für die Kartirung des Hamburger Landes, auch fing er jetzt schon an, Artikel für die „Astr. Nachr.“ zu schreiben. Dann erst bezog er die Universität Königsberg, an welcher damals Bessel lehrte, und promovirte mittelst der Dissertation „Disquisitio de motu penduli in aere resistente“ (Astr. Nachr., 12. Band). Von 1834–1838 prakticirte er in Hamburg, hauptsächlich mit dem dortigen Passageninstrument von Repsold beschäftigt, und vom 1. October 1839 an sehen wir P., der sich inzwischen einen eigenen Hausstand gegründet hatte, als Directorialassistenten bei der russischen Reichssternwarte in Pulkowa thätig, 1842 wurde er Adjunct, 1847 außerordentliches Mitglied der St. Petersburger Akademie. Am 4. September 1849 folgte er einem ehrenvollen Rufe als Professor der Astronomie nach Königsberg; [486] die Direction der Sternwarte war zwar zu diesem Zeitpunkte nicht mehr, wie früher, mit der Professur verbunden, doch erhielt P. zu seiner besondern Verfügung das berühmte Besselsche Heliometer. Verschiedene bedeutende Astronomen, wie Marth und Radau, haben sich in Königsberg unter Peter’s Leitung ausgebildet. Als jedoch nach Petersens Tode (s. u. S. 495) gleichzeitig die Sternwarte in Altona und die Redaction des angesehensten Fachblattes verwaist waren, ließ sich P. bereit finden, nach jener Stadt überzusiedeln. Er hat in 25½ Jahren 58 Bände der „Astr. Nachr.“ herausgegeben, doch hat sich, wie nicht geleugnet werden kann, gegen seine Art der Geschäftsleitung mancherlei Opposition geltend gemacht. In Verbindung mit Pape (s. O. S. 139), seinem Assistenten und Schwiegersohn, gab P. auch die „Zeitschrift für populäre Mittheilungen aus der Astronomie“ heraus, von welcher jedoch nur drei Bände erschienen sind. Der Plan einer Verlegung des Altonaer Observatoriums nach der Universitätsstadt Kiel ward von P. unmittelbar nach dem Kriege von 1864 der preußischen Regierung vorgelegt und von dieser günstig aufgenommen; im Jahre 1872 verlegte er selbst seinen Wohnsitz nach Kiel und wieder zwei Jahre später wurde er daselbst zum ordentlichen Professor in der philosophischen Facultät ernannt, doch ließ ihn lange und schwere Krankheit in diesem Amte nicht mehr recht heimisch werden. Ein Sohn von P. ist völlig in dessen Fußtapfen getreten und bekleidet gegenwärtig die früher von seinem Vater verwaltete Professur an der Kieler Hochschule. – Aus Peter’s Pulkowaer Zeit sind besonders die 1842 erschienene Schrift „Numerus constans nutationis ex ascensionibus rectis stellae polaris in specula Dorpatensi annis 1822 ad 1838 observatis deductus“ (Petersburg 1842) und die „Recherches sur la parallaxe des étoiles fixes“ (ibid 1832) zu erwähnen; für beide Abhandlungen erhielt deren Verfasser die Medaille der englischen astronomischen Gesellschaft. In Pulkowa stellte er auch interessante Untersuchungen an über die Ablenkung, welche die Blase der Libelle unter der attractiven Einwirkung von Sonne und Mond erleidet (Petersb. Abhandl. 1845); in Gemeinschaft mit seinen Collegen v. Fuß, Sabler und Döllen lieferte er die ersten schärferen Ortsbestimmungen für den neu entdeckten Neptun (Astr. Nachr., 25. Band). Spätere selbständige Arbeiten waren die „Bestimmung der Bahn des Kometen von 1585“ (Altona 1848) und die zur Vertheidigung der Besselschen Ansichten gegen Struve geschriebene Schrift „Ueber die eigene Bewegung des Sirius“ (Königsberg 1851). Die naturforschende Gesellschaft zu Danzig krönte Peters’ wesentlich gegen Leverrier gerichtete Monographie über die Abweichungen des von Bradley gebrauchten Greenwicher Passageninstrumentes mit ihrem Preise. Von Peters’ zahlreichen Aufsätzen in seiner eigenen Zeitschrift registriren wir nur seine Kritik der Mädlerschen Hypothesen über die Eigenbewegung der Fixsterne und die physikalischen Beobachtungen während der totalen Finsterniß vom 28. Juli 1851 (Astr. Nachr., 28.33. Band). Seit 1855 beschäftigte sich P. unausgesetzt mit der Revision der dänischen Gradmessung; diesem Bestreben verdanken die von ihm ins Werk gesetzten galvanischen Bestimmungen der Längenunterschiede gewisser Hauptsternwarten sowie die Untersuchungen über die Länge des Sekundenpendels auf Schloß Güldenstein (Astr. Nachr., 40. Band) ihr Dasein. Der europäischen Gradmessungskommission gehörte P. in der speciellen Eigenschaft eines Vertreters ihres Vorstandes, des Generals v. Baeyer, an. Der Plan, gemeinschaftlich mit A. Repsold ein umfassendes Handbuch der praktischen Astronomie zu liefern, gelangte leider nicht zur Ausführung, doch hat sich P. um die wissenschaftliche Litteratur durch seine Edition des Gauß-Schumacherschen Briefwechsels (6 Bände, Altona 1860–62) ein nicht gering zu schätzendes Verdienst erworben.

[487] Vierteljahrsschrift der astronomischen Gesellschaft, 16. Jahrg. S. 5 ff.– Wolf, Geschichte der Astronomie, S. 483, 490, 521, 544, 743, 767.