ADB:Parix, Johann

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Artikel „Parix, Johann“ von Karl Steiff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 25 (1887), S. 173–175, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Parix,_Johann&oldid=- (Version vom 10. August 2020, 08:49 Uhr UTC)
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Parix: Johann P. nennt sich ein deutscher Buchdrucker des 15. Jahrhunderts in Toulouse. Zwar wird als sein Name oft auch Paris angegeben und als der Ort seiner Druckerthätigkeit wird – und wurde namentlich in früherer Zeit – auch Tolosa in Spanien bezeichnet. Das erste ist vollständig unbegründet, denn unser Meister schreibt sich immer nur Parix. Die andere Angabe hat einen Stützpunkt in dem Umstand, daß in den Schlußschriften seiner Drucke regelmäßig die (lateinische bezw. spanische) Namensform Tholosa oder Tolosa steht, sowie auch darin, daß unter diesen Drucken, die sonst alle lateinische Texte enthalten, auch drei spanische sich finden. Allein für die kleine spanische Provincialstadt ist dies so wenig beweisend, als es die analogen Erscheinungen bei Parix’ Berufsgenossen in Toulouse, Heinrich Mayer (s. A. D. B. XXI, 95) sind. Daß vielmehr auch P. so gut wie dieser in Toulouse druckte, geht mit Sicherheit aus der näheren Wohnungsangabe „juxta pontem veterem“, die sich in einem seiner Drucke findet, hervor. Denn wie Desbarreaux-Bernard in der Schrift „L’imprimerie à Toulouse aux XVe, XVIe et XVIIe siècles, 2. éd.“ 1868, p. 27 und 59 mitheilt, hat es in Toulouse mehrere Ponts vieux gegeben und existirt dort heute noch eine Rue du Pont Vieux, während von Tolosa Aehnliches sich nicht nachweisen läßt. Auch auf den andern Umstand möchten [174] wir aufmerksam machen, daß in einem von Parix’ Drucken (der „Legenda aurea“ des Jacobus de Voragine, s. a.) ein „professor fidei“ Jacobi als Corrector vorkommt. In Tolosa hat es nie einen „professor fidei“ gegeben, wohl aber in Toulouse, wo an der Universität eine theologische Facultät bestand. - Daß an diese Stadt auch bei dem „Tholosa“ der Parix’schen Drucke zu denken ist, steht somit außer Frage. Wie lange aber P. in Toulouse als Buchdrucker thätig gewesen, ist weniger sicher. Sein Name kommt überhaupt nur auf Drucken der Jahre 1479, 1480 (vielleicht auch 1481) und – in Verbindung mit dem sonst unbekannten Drucker Stephan Cleblat – 1489 vor. (Falsch ist die Namensform Clebat für den Genossen des P. und unrichtig ist es auch, wenn oben Band XXI S. 95 gesagt ist, der Letztere, P., habe bis 1486 gedruckt.) Aber wie jedenfalls in der Zwischenzeit zwischen den genannten Jahren, so ist er möglicher Weise auch vor und nach denselben thätig gewesen. Insbesondere ist es durchaus nicht ausgeschlossen, daß die fünf ohne Bezeichnung des Druckers erschienenen Toulouser Drucke, welche Desbarreaux-Bernard a. a. O. S. 35 ff. aus den Jahren 1476–14?9 unter dem Titel: „Les ouvriers de Schoiffer (?)“ aufführt, aus des P. Presse hervorgegangen sind, wenn sie gleich andere, ältere Typen aufweisen. P. wäre in diesem Fall der Prototypograph von Toulouse. Hiervon abgesehen beträgt die Zahl der Drucke, welche sei es nach der Schlußschrift sei es nach den Typen diesem Meister zugehören, nach der Aufzählung bei Desbarreaux-Bernard (bezw. bei Mendez, s. weiter unten) zehn. (In einem derselben nennt sich P. Johannes Theutonicus, welche Bezeichnung also keineswegs, wie vielfach geschieht, auf einen andern, sonst unbekannten Meister zu beziehen ist.) Hervorgehoben mag unter diesen Drucken des Angelus de Gambiglionibus de Aretio Lectura super titulo de actionibus institutionum 1480 werden, welche Desbarreaux-Bernard a. a. O. S. 54 eines der schönsten Druckdenkmale Frankreichs aus den Anfängen der Buchdruckerkunst nennt. Die genannte Zahl bezeichnet übrigens nicht sämmtliche Erzeugnisse von Parix’ Presse. Aus ihr ist gewiß noch mancher der undatirten Toulouse-Drucke (s. Desbarreaux-Bernard a. a. O. S. 64 ff.) hervorgegangen; von mit des Meisters Namen gezeichneten aber sind dem erwähnten Bibliographen jedenfalls zwei entgangen, des Vincente Arias de Balboa „Comentarios sobre el Ordenamiento de Alcala“, Jahr unbekannt, (s. Fr. Mendez, Tipografia española 2. ed. corr. etc. por D. Hidalgo“, 1861, p. 292) und des Petrus de Osoma „Commentaria in Sinbolum [sic] quicunque vult,“ s. a. (s. A. Claudin „Origines de l’imprimerie à Albi“, 1880, p. 64 sq. Not. 3), Drucke, welche auch dadurch bemerkenswerth sind, daß in ihnen (jedenfalls im zweitgenannten) neben dem Namen des Druckers auch der Ort seiner Herkunft angegeben ist, nämlich Heidelberg. Auf diese letztere Notiz beschränkt sich zugleich alles, was wir über die persönlichen Verhältnisse des Mannes wissen. Wir können höchstens noch aus dem Nichtvorkommen seines Namens in der Heidelberger und mancher anderen Universitätsmatrikel mit einiger Wahrscheinlichkeit den Schluß ziehen, daß er nicht zu den gelehrten Buchdruckern zählte und daß das Magister, welches er vor seinen Namen setzte, nur den Meister, nicht den Magister artium bezeichnet. Möglich, daß er aus einer der Mainzer Druckerwerkstätten hervorgegangen ist, wiewol es hiefür nach dem, was wir nun über seine Heimat wissen, keine Bedeutung mehr hat, daß der Name Paris (= Parix?), wie v. d. Linde „Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst“, 1886, III S. 717 mittheilt, in Mainz vorkommt. Zum Schluß müssen wir noch das Signet erwähnen, das in des P. Drucken aus der Zeit seiner Verbindung mit Stephan Cleblat sich findet (vorher scheint er keines gehabt zu haben). Es ist auf schwarzem Grund ein weißes Kreuz mit zwei Querbalken und einem Stern unter denselben. An den Fuß des Kreuzes lehnen sich die Monogramme der Drucker an; aber während links ganz deutlich [175] S und C zu lesen ist, steht rechts ein eigenthümlich geformtes J und ein ganz unverkennbares R, nicht ein P; höchstens könnte man sagen, daß in dem R auch das P steckt. Und merkwürdig, dasselbe Monogramm (J R), wieder mit dem eigenthümlichen J und wieder an ein weißes, wenn auch etwas anders geformtes und anders gestelltes Kreuz mit zwei Balken angelehnt findet sich in den Drucken des Joh. Rosenbach (s. Mendez a. a. O. S. 60), der von 1494 ab in Barcelona und andern Orten Spaniens als Buchdrucker thätig war. Nehmen wir dazu, daß auch Rosenbach Heidelberg als seine Heimath bezeichnet, so liegt in der That der Gedanke nahe, daß zwischen P. und ihm irgend eine Beziehung bestehen müsse. Durch Vergleichung von Rosenbachs Drucken ließe sich dies vielleicht des Näheren feststellen. Da uns solche aber nicht zu Gebote stehen, so möge es genügen, hier zum ersten Male auf die auffallende Erscheinung hingewiesen zu haben.

Vergl. die oben genannten Schriften von Desbarreaux-Bernard und Mendez, in welchen man auch Reproductionen aus Parix’ Drucken und zwar bei Desbarreaux-Bernard Taf. 15 Fig. 2 und bei Mendez S. 379 das besprochene Druckerwappen, bei Ersterem Taf. 1 ff. auch Wasserzeichen und Taf. 7 und 8 Typenproben findet.