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Artikel „Marnix, Johann von“ von Karl Theodor Wenzelburger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 396–397, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Marnix,_Johann_von&oldid=- (Version vom 13. November 2019, 09:34 Uhr UTC)
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Band 20 (1884), S. 396–397 (Quelle).
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Marnix: Johann v. M., Herr von Tholouse und Beaudrenghien, der Bruder Philipps, studirte wie dieser in Genf unter Calvin und Beza Theologie und schloß sich nach seiner Rückkehr in die Niederlande der Partei der unzufriedenen Edeln an und war einer der eifrigsten Gegner der Placate. Er nahm an dem Bund der Edeln Theil, war auf der Versammlung in St. Truijen und unterzeichnete die Bittschrift an den König von Spanien, in der demselben 3 Millionen Gulden für die Duldung der reformirten Religion geboten wurden. Mit Brederode, Hoogstraaten, Hoorne und einigen anderen Edeln begab er sich Anfangs Februar 1567 zu Oranien nach Breda, um über die der Statthalterin zu überreichende Bittschrift, in der die freie Religionsübung für die Reformirten gefordert wurde, zu berathen. Margaretha ließ aber die Edeln nicht vor sich und da Brederode dies als eine offene Kriegserklärung der Statthalterin ansah, begann er Kriegsvolk zu werben, indem er es auf eine Ueberrumpelung der Insel Walcheren abgesehen hatte. Die Werbungen waren schon ziemlich weit gediehen, als Oranien auf Drängen der Statthalterin ein Verbot dagegen ergehen ließ, worauf sich Brederode nach dem Norden begab, um hier seine Werbungen fortzusetzen. Eine kleine Flotte, deren Befehlshaber M. war, die in keinem der seeländischen Häfen zugelassen wurde, da Margaretha, von dem Anschlag unterrichtet, zeitig Vorsichtsmaßregeln genommen hatte, segelte die Schelde herauf und die Besatzung stieg bei dem Dorfe Austruweel, eine Meile von Antwerpen, ans Land, wo sie sich in äußerst vortheilhafter Stellung befand. Philipp von Lannoy, Herr von Beauvoir bot sich an, mit der unter ihm stehenden Leibwache und unterstützt von 400 alten wallonischen Soldaten, die ihm Egmont zur Verfügung stellte, die Aufrührer zu vernichten. In aller Stille rückten diese Truppen aus Brüssel und [397] mit Tagesanbruch standen sie am 14. März 1567[WS 1] den Truppen von M. gegenüber. Obwol dieser sein Möglichstes that, um in der Eile sich in Vertheidigungszustand zu setzen, so war es für die schlachtgewohnten Truppen Beauvoir’s doch ein Leichtes, die Verschanzungen zu übersteigen und in weniger als einer Stunde war das ganze Heer von M. vernichtet; 300 Gefangene ließ Beauvoir noch niedermachen, weil die Calvinisten von Antwerpen, von dessen Mauern man den ganzen Vorgang mit angesehen hatte, trotz Oraniens Widerstand sich anschickten, ihren Glaubensgenossen zu Hilfe zu kommen. M. selbst war unter den Todten, sein Leichnam wurde buchstäblich in Stücke gehauen. M., der der Sache der Reformation sein Leben zum Opfer gebracht, war kaum dem Jünglingsalter entwachsen, war ein hochbegabter Mann, der der Sache seines Landes sicher noch große Dienste geleistet hätte, wenn nicht das Schicksal seiner Laufbahn ein so jähes Ziel gesetzt hätte.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. recte: 13. März 1567