ADB:Kohut, Alexander

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Artikel „Kohut, Alexander“ von Adolf Brüll in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 320–321, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Kohut,_Alexander&oldid=- (Version vom 21. September 2020, 10:23 Uhr UTC)
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Kohut: Alexander K., hervorragender Theologe, Sprachforscher und Kanzelredner, geboren am 22. April 1842 in Félegyhara (Ungarn), † am 25. Mai 1894 in New-York. Er stammt aus einer jüdischen Gelehrtenfamilie und war sein Vater, Jacob K., durch reiche Kenntnisse auf dem Gebiete der rabbinischen Litteratur ausgezeichnet. K. besuchte zuerst das Gymnasium in Kesckemet und genoß gleichzeitig Unterricht im Talmud bei Rabbi Gerson Lövinger. Von Kesckemet kam K. nach Budapest und dann nach beendeten Gymnasialstudien an das jüdisch-theologische Seminar in Breslau, wo er gleichzeitig die Universität besuchte und besonders den Studien der orientalischen Sprachen mit Eifer und Fleiß hingegeben war. Im Jahre 1867, nach sechsjährigem Aufenthalte in Breslau, erhielt er in Leipzig auf Grund einer Abhandlung „Ueber die Angelologie und Dämonologie in ihrer Abhängigkeit vom Parsismus“ (abgedruckt in der Zeitschrift der D. M. G. 1867) den Doctorgrad. In demselben Jahre folgte er einem Rufe als Rabbiner nach Stuhlweißenburg und war er 1868 Secretär des jüdischen Congresses in Ungarn. K. war besonders auf dem Gebiete der talmudischen Sprachforschung und Alterthumskunde durch hervorragende Kenntnisse ausgezeichnet. 1871 erschien seine „Kritische Untersuchung der persischen Pentateuch-Uebersetzung des Jacob ben Joseph Tawus“. K. bekleidete, ehe er 1885 einem Rufe an die Abavath-Chesed-Gemeinde in New-York folgte, noch die Rabbinate Fünfkirchen und Gr.-Wardein. Neben einzelnen werthvollen Arbeiten: „Biblische Quellennachweise einiger Zoroaster-Legenden“; „Agadische Elemente in den muhamedanischen Legenden“; „Die talmudisch-midraschische Adams-Sage in ihrer Rückbeziehung auf die persische Yima und Meselua-Sage“; „Etwas über die Abfassungszeit und die Moral des Buches Tobia“; „Der Talmud und der Parsismus“ – ging er 1873 an die Herausgabe seines Lebenswerkes: Neubearbeitung des Aruch (Aruch completum) (Berlin), zu dessen Abfassung er ein Vierteljahrhundert fleißiger hingebender Arbeit bedurfte. Das Werk besteht aus acht Bänden, die mehr als 4000 doppelseitige Kleinfolioseiten enthalten, und aus einem Index und einem äußerst werthvollen Supplementband. Das von Rabbi Nathan 1155 abgeschlossene Werk „Aruch“, dem ältere Talmudlexika vorlagen, die er benutzte, hat sich für das Studium des Talmud, der viele fremdsprachliche Wörter enthält, als unentbehrlich erwiesen und war das erste systematisch angelegte Wort- und Sachlexikon, welches von den späteren Lexicographen, von Buxtorf u. A., benutzt wurde. Der Text des Aruch, der acht Mal edirt wurde, erlitt viele Verstümmelungen und bedeutete die letzte sogenannte wissenschaftliche Ausgabe von Landau darin keinen Fortschritt, [321] wodurch der Mangel einer auf der Höhe der Wissenschaft stehenden Arbeit erst recht fühlbar wurde. K. hat dieselbe mit Erfolg vollführt und sich dadurch ein ehrend Denkmal für alle Zeiten gesetzt. Kohut’s auf sieben verschiedene Handschriften sich stützende Aruch-Ausgabe ist mehr als eine Bearbeitung des Werkes anzusehen, denn über zwei Dritttheile des ganzen Buches rühren von ihm her. Der Index enthält in 19 Capiteln alle Bibel-, Talmud-, Tarquin- und Midraschstellen, welche im Aruch vorkommen, nebst dem Nachweis der Quellen aus welchen Aruch schöpft. K. entwickelte in New-York auch eine reiche praktische Thätigkeit und war als Kanzelredner – er predigte deutsch, englisch und ungarisch – sehr geschätzt. Auf seine Anregung hin wurde in New-York ein Rabbinerseminar ins Leben gerufen und werden noch viele von ihm gestiftete Institutionen sein Andenken in der Geschichte des amerikanischen Judenthums ehrend erhalten.