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Artikel „Klenze, Hippolyt von“ von Hyacinth Holland in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 212–213, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Klenze,_Hippolyt_von_(Chemiker)&oldid=- (Version vom 16. Dezember 2019, 08:15 Uhr UTC)
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Klenze: Hippolyt von K., Gutsbesitzer, Chemiker und Thiermaler, geboren am 12. August 1849 in München, † am 30. April 1892 zu Mittelberg im Walserthal (Vorarlberg). Sein Vater Hippolyt M. Heinrich v. K., geboren 1814 zu München, der Sohn des berühmten Baumeisters Leo v. Klenze (s. A. D. B. XVI, 162), trat in das Cadettencorps und diente dann 34 Jahre lang in der bairischen Armee, wo derselbe schon während seines ersten Commandos, in das 6. Jägerbataillon einen frischeren Geist brachte, als dem damaligen Gamaschenknopf-Wesen beliebt war; so kam es beispielsweise vor, daß die Jäger zum allgemeinen Staunen, in französischem ziemlich legerem Laufschritt durch die Stadt trotteten. Voll Uneigennützigkeit und Aufopferung für Andere, sorgte K. wie ein Vater für seine Mannschaft. Streng und unerbittlich im Dienst, versäumte er keinen Anlaß ihnen auf seine Kosten eine Freude zu machen: unter großen Schwierigkeiten führte er zuerst den Morgenkaffee und dann auch die Abendsuppe in seinem Bataillon ein. Später commandirte er als Oberst das 3., dann das 2. Infanterieregiment. König Max II. beehrte ihn mit seiner besonderen Attention. Nach dem Ableben desselben 1864 schied K. infolge persönlicher Differenzen ganz aus dem Dienst und lebte nunmehr einzig der Familie bis zu seinem am 6. März 1888 erfolgten Tode, selbstlos nur für Andere bedacht.

Bei seinem gleichnamigen Sohne Hippolyt K. trat frühzeitig die Neigung zur landwirthschaftlichen Praktik hervor, womit der Urgroßvater, trotz seiner juridischen Bildung, als physiokratischer Oekonom auf seinem kleinen Besitzthum zu Bokenau (bei Hildeesheim) experimentirt hatte. Theils im mütterlichen Hause, theils in einem Institut zu Cannstatt erzogen, absolvirte H. K. die landwirthschaftliche Schule zu Weihenstephan und verwaltete selbständig ein kleines Gut, oblag 1875 zu München wissenschaftlichen Studien am Polytechnikum und der Universität, wo er in physiologischer Chemie und namentlich in Milchchemie experimentirte. Mit einer Schrift „Untersuchungen über die kapillare Wasserleitung im Boden und die Sättigungskapazität desselben für Wasser“ (Berlin 1876) promovirte K. zu Göttingen. Nach München zurückgekehrt, arbeitete K. fast ausschließlich im Fache der Milchchemie und wurde 1877 zum Vorstand des neuerrichteten Molkereiinstituts in Weihenstephan ernannt. Da die Entwicklung dieses Etablissements nicht in der von ihm gewünschten Weise erfolgen konnte, nahm er seine Entlassung und trat in die Dienste des Prinzen Ludwig von Baiern, wo K. auf den ungarischen Gütern desselben das Molkereiwesen betrieb. Indessen zwangen ihn die Pußtenfieber auch aus dieser Stellung zu scheiden, worauf er sich aufs neue den physikalischen und chemischen Wissenschaften zuwendete und seine Erfahrungen auf vielen Reisen in England, Deutschland, Schweiz und Italien erweiterte. Die Resultate seiner Forschungen verarbeitete K. in seinen Büchern. Dazu gehören: „Die Alpenwirthschaft im Fürstenthum Lichtenstein, ihre Anfänge, Entwicklung und gegenwärtiger Zustand“ (Stuttgart 1878); die Broschüre über „Die deutsche Grenzsperre gegen Oesterreich und die baierische Landwirthschaft“ (Stuttgart 1880) und sein umfangreiches Hauptwerk „Handbuch der Käserei-Technik“ (mit 194 Holzschnitten und 33 autotyp. Tafeln. Bremen 1884. XVI, 643 S.), worauf noch (mit Pfarrer Jos. Fink) die Monographie über „Mittelberg“ („Geschichte, Landes- und Volkskunde des ehemal. gleichnamigen [213] Gerichts“, Mittelberg 1891) erfolgte. Auch veröffentlichte K. viele Abhandlungen in der „Milch-Zeitung“ und in der „Zeitschrift des Landwirthschaftlichen Vereins in Baiern“, insbesondere Studien über die englische Landwirthschaft; als besondere Anerkennung erhielt K. die Coburgische Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft und das Ritterkreuz des Sächsischen Ernestinischen Hausordens.

Inzwischen erfolgte eine Veränderung. Das Künstlerblut regte sich: K., welcher bisher als Dilettant immer malte, begann unter dem Landschaftsmaler Philipp Roth und den Thiermalern Guido v. Maffei und Jos. Schmitzberger ernstliche Studien über die Thiere der Alpenwelt und Jagd darzustellen. In wenig Jahren schuf er eine Reihe von Bildern, die durch Naturwahrheit und Technik ihm einen geachteten Namen in der Künstlerwelt erwarben; darunter „Wilderers Ende“ (in „Die Kunst unserer Zeit“ 1892 S. 64). Der edle Jagdsport kann auf internationales Verständniß rechnen. Seine verbellenden Hunde, Edelwildstücke, Gemsen und Geier, Marder und balzende Auerhähne (Nr. 2654 Illustr. Ztg., 12. Mai 1894), Schneehühner, Wildkatzen, Fasanen und Adler, waren in Deutschland ebenso gut bekannt wie in London, Amerika und Ungarn, sogar der Schah von Persien, der im Sommer 1889 durch Kassel kam und dort die Sportausstellung besuchte, erwarb drei Bilder Klenze’s, der es übrigens mit einer den Laien verblüffenden Findigkeit bestens verstand alle Thiere als Modelle seinem Atelier dienstbar zu machen. Auch die Radirnadel handhabte K. mit excellenter Sicherheit, wie die Blätter „Hühnerjagd“, „Auerhahnbalz“ und „Kämpfende Gemsböcke“ beweisen. Ob allerlei Vorkommnissen bei den Jahres-Kunstausstellungen gründete K. 1891 mit anderen Gesinnungsgenossen und Freunden die Gesellschaft der „Achtundvierziger“ (ihr Name entstand aus der Anzahl der ersten Mitglieder, welche sich später nur sehr mäßig ergänzten) und gleich der „Secession“ und anderen ähnlichen Gründungen, wie die „Scholle“, die „Elfer“ und „Dachauer“ mit großen, meist sehr bescheiden verwirklichten Zukunftsplänen zum Heile der Kunst sich trugen. (Vgl. den Bericht ihres Stifters in Nr. 75 Allg. Ztg. vom 15. März 1892.)

Seit 1873 mit Miß Ellie van Bokhelen verheirathet, richtete er sich 1879 im schöngelegenen Dörfchen Mittelberg (im Vorarlberger Walserthale) eine behagliche Villeggiatur ein; hierher hatte er sich am 28. April 1892 begeben, um nach einem unbehaglichen Münchner Winter als Jäger und Maler der Spielhahnbalz obzuliegen und Studien zu einem bekannten österreichischen Volkstrachtenwerk zu sammeln. Eine leise bange Ahnung schwebte ihm vor; am 30. Morgens erhob er sich ganz heiter, bestellte seine frugale Frühkost; als diese gebracht wurde, hatte ein Schlag sein Leben schon beendet. Sein Begräbniß am 3. Mai in der Familiengruft des Campo santo zu München gestaltete sich zu einer ehrenreichen Ovation von Adel und Künstlerschaft. Reger Geist, vielseitige Bildung, Witz und Humor machten ihn zum angenehmsten Gesellschafter; seine liebenswürdige Hülfsbereitheit und unermüdliche Gefälligkeit schufen ihm in allen Kreisen Freundschaft und anerkennende Hochachtung.

Vgl. Kunstvereins-Bericht für 1892, S. 70. – Fr. von Bötticher, 1895. I, 695. – Singer, 1896. II, 349.