ADB:Keller, Johann Michael Claudius

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Keller, Johann Michael Claudius“ von Josef Lautenbacher in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 51 (1906), S. 105–106, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Keller,_Johann_Michael_Claudius&oldid=- (Version vom 23. November 2020, 20:20 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
Nächster>>>
Keller, Franz
Band 51 (1906), S. 105–106 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Wikipedia-logo-v2.svg Johann Michael Claudius Keller in der Wikipedia
GND-Nummer 116119276
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|51|105|106|Keller, Johann Michael Claudius|Josef Lautenbacher|ADB:Keller, Johann Michael Claudius}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116119276}}    

Keller: Johann Michael Claudius K. gehört zu den bedeutendsten katholischen Kirchencomponisten in deutschen Landen während des 19. Jahrhunderts. Er wurde am 29. December 1800 in dem Dorfe Oberelchingen nicht weit von Ulm als das einzige Kind der in guten Verhältnissen lebenden Krämerseheleute Johannes und Elisabet K. in dem Hause Nr. 18 geboren. Mönche der aufgelösten Klöster in Oberelchingen und Wettenhausen waren seine ersten Lehrer in den gewöhnlichen Schulgegenständen, dann aber auch im Latein und in Gesang und Clavierspiel. Später kam er nach Augsburg, wo er neben seinen schulgemaßen Studien auch seine musikalische Fortbildung bei dem Domcapellmeister Franz Bühler betrieb. Die musikalischen Anlagen des jungen K. entwickelten sich immer reicher und verheißungsvoller, so daß er bald seinen frühgehegten Wunsch, sich ausschließlich der Musik widmen zu können, erfüllt sah. Nun begannen erst recht die Jahre ernsten Lernens und Uebens in der von ihm so treu geliebten Kunst. Bald wurde er denn auch bei St. Georg und später bei St. Ulrich als Organist angestellt und von dieser Zeit ab ist er auch ganz der Kirchenmusik und zwar der ernsten und strengen Richtung ergeben geblieben. Aus dem eifrigen Schüler wurde bald ein eifriger vielgesuchter Lehrer. Als solcher wirkte er mit besonderem Erfolg an dem Benedictiner-Gymnasium St. Stephan in Augsburg. Seit 1837 wirkte er an der St. Ulrichskirche als Chorregent, als welcher er das damals noch seltene Wagniß unternahm, neben den besten neuen Werken auch die guten alten Meister, Palästrina, Allegri, Orlando di Lasso aufzuführen. Am 1. October 1839 übernahm er die Domcapellmeisterstelle, die er bis zu seinem Tode, am 3. April 1865, innehatte.

Seiner Compositionen sind nicht eben Viele. Aber sie ragen durch ihre Eigenart, Kraft und ihren unvergleichlichen Wohlklang fast über Alles hinaus, was von Anderen in jener Zeit an Kirchenmusik geschrieben worden ist. Eine Reihe von vierstimmigen, zum Theil instrumentirten Hymnen für die verschiedenen Kirchenfeste zeigt das nachdrücklich. Von zartester Wirkung ist ein „Salve Regina“, für 4 Knaben- oder Frauenstimmen gesetzt. Sein „Sanctus“ und „Benedictus“ für Chor mit Begleitung von 4 Posaunen, 2 Hörnern, 2 Clarinetten und Pauken ist oft der Ehre gewürdigt worden, bei Aufführungen von Mozart’s Requiem die diesem fehlenden Stücke ergänzen zu dürfen. Sein Hauptwerk ist die Composition des „Canticum Zachariae“ für Doppelchor und Soloquartett, 1847 (nach Anderen 1842) entstanden und zunächst nur für den Augsburger Dom bestimmt. Es gibt eine beträchtliche Anzahl von achtungswerthen und guten Compositionen dieses zur Composition auch geradezu herausfordernden Benedictus Dominus Deus (Lucas 1, 68 f.); aber wol keine hat je so kühn und mächtig, so formenstreng und kirchlich hehr, so farbenprächtig und ergreifend zu wirken gewußt, wie Keller’s Meisterwerk. Lange Jahre wurde es ja am Karfreitag gegen den Schluß der Mette nur im Dome zu Augsburg aufgeführt und von fern und nah kamen die Freunde der Kunst, um den „Contrapunkt“, wie das Werk im Volksmunde heißt, genießen zu können. Ich lese, daß die Composition, die 1881 im Drucke erschien, später auch in anderen Städten aufgeführt wurde. Ein Hauptverdienst an der Verbreitung des schwierigen Werkes gebührt dem Stiftskanonikus Wilhelm Müller in München, der es Ende der 90er Jahre in der bairischen Hauptstadt einzuführen suchte, ebenderselbe, der auch die von Hahn gedichtete neue „Kreuzesschule“ von Oberammergau in Musik gesetzt hat.

Sehr bekannt sind die Werke Keller’s nicht geworden. Sie sind nicht nur nicht leicht ausführbar, sondern sie erfordern zu ihrem richtigen Verständniß auch einen musikgebildeten Hörer. Gleichwol hatte Alt und Jung [106] und Reich und Arm in Augsburg seiner Zeit einen gewaltigen Respect vor dem Tonmeister Michael Keller, ihrem Domcapellmeister, und es war eine sinnige Ehrung, wenn die Liedertafel im Verein mit dem Damengesangverein bei seiner Beerdigungsfeier eine Nummer aus dem „Contrapunkt“ sang.

Eine eingehendere, erschöpfende Würdigung scheint es nicht zu geben; an gedruckten Nachrichten über ihn war außer ein paar sehr kurzen Nekrologen und Lexikonsartikeln[WS 1] nichts zu finden als eine kurze Biographie im „Schwäbischen Postboten“ 1901, Nr. 3.


Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Lexikonsarkiteln