ADB:Kärcher, Ernst Friedrich

Empfohlene Zitierweise:

Artikel „Kärcher, Ernst Friedrich“ von Friedrich von Weech in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 15 (1882), S. 118–119, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:K%C3%A4rcher,_Ernst_Friedrich&oldid=- (Version vom 27. November 2020, 20:05 Uhr UTC)
Allgemeine Deutsche Biographie
>>>enthalten in<<<
[[ADB:{{{VERWEIS}}}|{{{VERWEIS}}}]]
<<<Vorheriger
Karben, Victor von
Nächster>>>
Karchne, Simon
Band 15 (1882), S. 118–119 (Quelle).
Wikisource-logo.png [[| bei Wikisource]]
Kein Wikipedia-Artikel
(Stand März 2013, suchen)
GND-Nummer 116024194
Datensatz, Rohdaten, Werke, Deutsche Biographie, weitere Angebote
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Kopiervorlage  
* {{ADB|15|118|119|Kärcher, Ernst Friedrich|Friedrich von Weech|ADB:Kärcher, Ernst Friedrich}}    

{{Normdaten|TYP=p|GND=116024194}}    

Kärcher: Ernst Friedrich K., Director des Lyceums zu Karlsruhe, Philologe und Schulmann, geb. zu Ichenheim bei Kehl am 4. August 1789, † zu Karlsruhe am 12. April 1855. Auf dem Pädagogium zu Durlach und dem Lyceum zu Karlsruhe wohl vorbereitet, bezog K. 1807 die Universität Heidelberg, mit der Absicht, sich dort dem Studium der Theologie zu widmen. Unter dem Einfluß von Creuzer und Böckh wandte er sich indeß bald mit großem Eifer dem Studium der klassischen Sprachen und Litteratur zu, ohne doch der Theologie untreu zu werden, da ihm, nach den damals bestehenden Bestimmungen, nur die Absolvirung des für die Candidaten des Predigtamtes vorgeschriebenen Examens die Aussicht auf ein Lehramt eröffnete. Nachdem er dieses Examen im Herbst 1810 bestanden hatte, trat er als Hauslehrer in die Familie des westfälischen Gesandten Girard in Stuttgart ein, wo er nicht allein Gelegenheit fand, sich im Französischen eine bei Deutschen seltene Vollkommenheit zu erwerben, sondern auch durch den bekannten Lexikographen Abbé Mozin zur Mitarbeit an dessen großem Wörterbuch herangezogen wurde. Nachdem K. zwei Jahre lang in dieser Stellung zu Stuttgart thätig gewesen war, wurde er als Lehrer an die Pagerie nach Karlsruhe berufen und 1815 zum ersten Lehrer am Pädagogium in Durlach ernannt. Von da kam er 1820 an das Lyceum nach Karlsruhe, wo er fortan 35 Jahre lang, bis zu seinem Tode als Lehrer wirkte, 18 Jahre lang die Direction der wichtigen Gelehrtenschule führte. Er galt als ein sehr [119] anregender Lehrer und war als Director mit Erfolg bestrebt, Humanität und straffe Schulzucht in harmonischer Weise zur Geltung zu bringen. Sein Einfluß erstreckte sich seit 1837 über die Mauern der eigenen Anstalt hinaus auf das ganze Land, da er von da an dem Oberstudienrath angehörte. In dieser Eigenschaft war er rastlos für eine zeitgemäße Umgestaltung und Fortbildung des Gelehrtenschulwesens thätig. Die Aufnahme des Turnunterrichtes in den Lehrplan und die eingehendere Berücksichtigung des Zeichnen- und Gesangunterrichtes ist wesentlich Kärcher’s Verdienst. Litterarisch war er hauptsächlich auf lexikographischem Felde thätig. Sein etymologisches Wörterbuch der lateinischen Sprache, welches den vielverbreiteten Scheller in mehr als einer Hinsicht übertraf, erlebte drei Auflagen und wurde in deutschen und ausländischen Schulen eingeführt, ins Französische, Holländische und Englische übersetzt. 1826 vollendete er das von Ruhkopf begonnene lateinisch-deutsche Wörterbuch in alphabetischer Ordnung und bearbeitete den deutsch-lateinischen Theil nach Scheller-Lünemann. Die zweite Auflage des Werkes (1840) kann als eine ganz neue und K. allein zugehörende Arbeit betrachtet werden. Für den Schulgebrauch bearbeitete er Handausgaben sowohl des etymologischen als des alphabetischen Wörterbuches. Von seinen vielen in Programmbeilagen und Zeitschriften zerstreuten Arbeiten soll hier nur auf die Abhandlung in Schneidewins Philologus (1853 und 54) hingewiesen werden, in welcher er den Nachweis liefert, daß Cato’s Carmen de moribus in Versen geschrieben sei, eine Ansicht, welcher A. Böckh in einem in der Akademie der Wissenschaften zu Berlin gehaltenen Vortrage wenigstens bezüglich aller wesentlichen Ausführungen seinen Beifall schenkte. – Im dienstlichen wie im Privatverkehr werden K. Gewandtheit, Thatkraft und gewinnende Liebenswürdigkeit nachgerühmt.

Gockel, E. F. Kärcher, Karlsruhe 1837. – v. Weech, Badische Biographien I, 444 ff. von Th. Löhlein.