ADB:Jäger, Georg Friedrich von

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Artikel „Jaeger, Georg Friedrich von“ von Wilhelm von Gümbel in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 648–649, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:J%C3%A4ger,_Georg_Friedrich_von&oldid=- (Version vom 2. Juli 2020, 13:15 Uhr UTC)
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Jaeger: Dr. Georg Friedrich v. J., württembergischen Obermedicinalrath, bekannt als Geognost hauptsächlich durch seine paläontologischen Arbeiten. J., geb. am 25. Decbr. 1785 zu Stuttgart, war der Sohn des Professors der Medicin, späteren Leibarztes Dr. Christ. Friedr. J., der sich auch mit naturwissenschaftlichen Studien befaßte, und jüngerer Bruder des als Naturforscher nicht unberühmten Obermedicinalrathes Dr. Karl Christoph J. Seine Jugendbildung erhielt er in seiner Vaterstadt. Später besuchte J. behufs des Studiums der Medicin die Universität Tübingen (1803–1307[1]) und promovirte mit der Inauguraldissertation „De effect. arsenici albi in varios organismos“, 1808. Zu seiner weiteren Ausbildung begab sich J. alsdann auf Reisen, besuchte Göttingen und Paris, wo er namentlich an Cuvier durch seinen Vater, welcher mit dem berühmten Anatomen in Folge seiner Beschäftigung mit der Untersuchung fossiler Knochen vielfach verkehrt hatte, gut empfohlen und von diesem freundlich unterstützt in den naturwissenschaftlichen Sammlungen ausgiebige Studien machte. Von Paris aus bereiste er das südliche Frankreich, die Schweiz, und kehrte nach seiner Vaterstadt zurück, um sich der ärztlichen Praxis zu widmen. Nebenbei fuhr er emsig fort, sich mit Naturwissenschaft zu beschäftigen. 1817 trat er hier als Nachfolger seines obengenannten älteren Bruders die Stelle eines Inspectors an dem Naturaliencabinete, dessen Verwaltung auch schon sein Vater geführt hatte, an und wurde 1822 auch Professor der Chemie und Naturwissenschaft am oberen Gymnasium in Stuttgart. In dieser Stellung betrieb J. besonders fleißig geognostische Studien. Bereits 1811 war ein kleines Buch von ihm erschienen: „Anleitung zur Gebirgskunde“, dessen Brauchbarkeit daraus hervorgeht, daß es rasch zwei neue Auflagen 1815 und 1816 erlebte, wobei es den Titel „Das wissenswürdigste aus der Gebirgskunde“ annahm. Von 1821 an folgten rasch aufeinander mehrere geschätzte Abhandlungen über paläontologische Gegenstände, zuerst über: „Fossile Knochen, welche bei Stuttgart und Cannstatt gefunden worden waren“, dann 1854[2]: „De Ichthyosauri seu Protosauri speciminibus prope Boll in Wirtembergia repertis“. Besonders bemerkenswerth ist die Schrift, in welcher J. 1827 die schönen Pflanzenreste aus [649] dem Schilfsandstein von Stuttgart vortrefflich beschrieb und abbildete. Zahlreiche andere Aufsätze handeln über die in Württemberg gefundenen Knochenreste von Säugethieren und Sauriern. Mit Vorliebe befaßte sich J. mit den Mißbildungen bei Pflanzen, Thieren und Menschen. Eine Schrift über die Mißbildungen der Gewächse brachte ihn in nähere Berührung mit Goethe, der sich damals mit der Metamorphose der Pflanzen beschäftigte. Auch auf dem Gebiete der Medicin und pathologischen Anatomie war J. schriftstellerisch thätig. Im medicinischen Fache fortarbeitend wurde er 1834 zuerst außerordentliches, dann 1836 ordentliches Mitglied des Medicinalcollegiums und erhielt 1841 den Titel eines Obermedicinalrathes. Seit 1842 war er von seiner Lehrthätigkeit zurückgetreten. Aus dieser Zeit stammt eine fleißige geognostische Arbeit: „Beobachtungen und Untersuchungen über die regelmäßigen Formen der Gebirgsarten“, 1846. Daran reihen sich als bemerkenswerth die Publicationen: „Ueber die Fortpflanzungsweise des Ichthyosaurus“ (Münchener Gelehrt. Anzeig. 1852) und „Ueber einige fossile Zähne und Knochen von Säugethieren aus dem Diluvium von Langenbrunn und aus dem Bohnerz“ (Das. 1856). Aus späteren Jahren sind unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen als die wichtigeren hervorzuheben: „Ueber eine neue Species[WS 1] von Ichthyosaurus“ (Nov. act. Ac. Car. Leop. Bd. 25); „Bemerkungen über die Veränderung der Zähne von Säugethieren im Verlauf ihrer Entwicklung“; „Ueber fossile Pflanzen im Keuper und deren lebende Analogien in Chili“; „Bemerkungen über Sumpfschildkröten im fossilen Zustande“; „Bemerkungen über die Organisation des Gavialis gemgeticus“ etc. J. stand durch eine ausgedehnte Correspondenz mit den weitesten wissenschaftlichen Kreisen in Verbindung und konnte sich der Mitgliedschaft von 35 gelehrten Gesellschaften, so namentlich der Akademie der Wissenschaften in München, der Acad. royale de Médecine in Paris, der Akad. zu Catania etc. rühmen. Auch bekleidete er die Würde eines Adjunctus bei der Academia Car. Leop. nat. curios. Seine vielfachen Verdienste um die Paläontologie wurden dadurch anerkannt, daß zahlreiche Arten von Versteinerungen ihm zu Ehren genannt wurden; eine südamerikanische Pflanzengattung aus der Gruppe der Synanthaceen wurde von Kunth mit der Bezeichnung Jaegeria beehrt, um ihm auch in dieser Richtung die Anerkennung der Wissenschaft auszusprechen. 1850 ertheilte ihm sein König den Orden der württembergischen Krone; auch wurde er mit dem Ritterkreuz des baierischen Ordens vom heil. Michael ausgezeichnet. J. starb in hohem Alter am 10. Septbr. 1867 zu Stuttgart. Ein vollständiges Verzeichniß seiner zahlreichen Schriften findet sich im 20. Band der Jahreshefte des Vereins für vaterl. Naturkunde in Württemberg S. 315.[3]

Nekrolog in Württemb. naturw. Jahreshefte, Bd. 23. S. 31.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 648. Z. 23 v. u. l.: 1807 (st. 1307) [Bd. 21, S. 795]
  2. Z. 3 v. u. l.: 1824 (st. 1854). [Bd. 21, S. 795]
  3. S. 649. Z. 18 v. u. ff. muß es heißen: Im 20. Bande der Jahresh. d. V. f. v. Naturk. in Württ. S. 315 findet sich ein Verzeichniß von den in diesen Jahresheften enthaltenen Aufsätzen Jäger’s. [Bd. 21, S. 795]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: „Specis“