ADB:Hoburg, Christian

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Artikel „Hohburg, Christian“ von Heinrich Heppe in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 12 (1880), S. 655–656, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hoburg,_Christian&oldid=- (Version vom 5. Juni 2020, 23:33 Uhr UTC)
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Hohburg: Christian H., mystischer Theolog, 1607 zu Lüneburg geboren und frühzeitig verwaist, bezog, nachdem er sich unter den allergrößten (aus seiner Armuth herrührenden) Hindernissen die nöthigste Schulbildung angeeignet, die Universität Königsberg, wo er sich nur einen kurzen Aufenthalt zu ermöglichen vermochte. Daher verließ er die Universität bald, ohne daß er sich in das Studium der Theologie wirklich hatte vertiefen können. Er übernahm zu Lauenburg die Stelle eines Cantors, mit welcher auch eine Hülfspredigerstelle verbunden war. Hier wurde für ihn sein Studium der Schriften Arndt’s und Caspar Schwenckfeld’s entscheidend. Schon jetzt befestigte sich in ihm der Gedanke, daß das äußere kirchliche Leben nichts tauge und daß der Geist Gottes in den einzelnen Kirchengliedern unmittelbar ein ganz neues Leben erwecken müsse, wenn der verderbten Kirche geholfen werden sollte. Im J. 1640 als Subconrector und Hülfsprediger nach Uelzen berufen, arbeitete er ein ganz auf diesem Gedanken beruhendes Gebet aus, welches er – zum größten Aergerniß aller orthodoxen Lutheraner – nach jeder Predigt vorzulesen pflegte. Endlich wurde ihm diese liturgische Willkür untersagt. H. gebrauchte jedoch sein Gebet nach wie vor und wurde daher seines Dienstes entlassen. Er lebte nun eine Zeit lang mit seiner Familie erst als Informator in Hamburg, dann als Corrector in der berühmten Sterner Druckerei zu Lüneburg. Ebendamals veröffentlichte er (pseudonym) zwei seiner bedeutendsten Werke, den „Spiegel der Mißbräuche“ (unter dem Namen Prätorius) und das „Aergerliche Christenthum“ (unter dem Namen Bernhard Baumann). Der Herzog August von Wolfenbüttel, der auf ihn aufmerksam geworden, und von einer Probepredigt Hohburg’s mächtig erfaßt war, offerirte ihm drei Pfarreien, unter denen er die geringste, im Dorfe Borne, erwählte. Bald aber erhob sich hier von allen Seiten her die lebhafteste Polemik gegen ihn und seine mystische Ketzerei. Auch das Consistorium wollte ihn schließlich nicht länger dulden, so daß ihn der Herzog endlich fallen lassen mußte. Mit großer Rohheit von seinem Amte und aus seinem Hause entfernt, zog er unter sehr zerrütteten Vermögensverhältnissen (die er sich durch seine große Mildthätigkeit zugezogen) aus dem braunschweiger Lande hinweg, fand dann zwar bald bei einem Landedelmann in Geldern Aufnahme, der ihn unter der Bedingung, daß er nur Christum und die Nachfolge Christi predige und sich aller Polemik enthalte, als seinen Schloßprediger anstellte. Doch mußte er, weil er sich nun einmal des Eiferns gegen das äußere Kirchenthum und dessen Gebrechen nicht enthalten konnte, auch diese Stelle bald wieder verlassen, worauf er einem Rufe der reformirten Gemeinde in dem Flecken Latum auf die dasige Predigerstelle folgte. Sechzehn Jahre war er nun reformirter Prediger; allein seine Mystik und seine seltsamen Reformpläne brachten ihn schließlich auch hier mit der Gemeinde in Conflikt. Vom Amte suspendirt, legte er seine Stelle nieder und wurde, nach einem kurzen Aufenthalt in Amsterdam Prediger der Mennonitengemeinde in Hamburg, als welcher er am 24. October 1675 starb. – Neben den beiden bereits genannten Schriften wollen wir unter den anderen Werken, die H. hinterließ, nur zwei hervorheben, nämlich seine „Theologia mystica“ und seine „Postilla mystica“ [656] (Amsterdam 1665). – H. war ein mystischer Theolog, ohne daß seine Mystik einen bestimmten positiven Charakter gehabt hätte, der ihm in der Geschichte eine bestimmte eigenthümliche Stelle zuweisen könnte. Er sprach von dem verderbten äußeren Kirchenthum und von der Nothwendigkeit einer inneren unmittelbaren Erleuchtung und Heiligung des Menschen ganz ebenso wie zahllose andere Mystiker jener Zeit, verwarf die orthodoxe Lehre von der Rechtfertigung, von der Wiedergeburt, von der Wirksamkeit der Sacramente, vom Predigtamt und von der pastoralen Sündenvergebung, bekämpfte auch das akademische Promotionswesen und die ganze gelehrte Theologie der Zeit und verfocht die Lehre vom tausendjährigen Reiche. Dabei war aber sein ganzes inneres Leben in einer fortlaufenden Gährung und in einem Kampfe einander widerstrebender Elemente, wobei es niemals zur Ausgestaltung einer klaren festen Mystik kommen konnte.

Vgl. Arnold’s Kirchen- und Ketzerhistorie, Bd. III, S. 130–136.