ADB:Hellwig, Rudolf Friedrich von

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Artikel „Hellwig, Rudolf Friedrich von“ von Bernhard von Poten in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 13 (1881), S. 499–500, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Hellwig,_Rudolf_Friedrich_von&oldid=- (Version vom 27. November 2020, 00:42 Uhr UTC)
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Hellwig *): Rudolf Friedrich v. H., preußischer Generallieutenant, am 18. Januar 1775 zu Braunschweig geboren, wo sein Vater Professor am Carolinum war, trat durch Vermittelung des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand in das preußische Husarenregiment v. Köhler. Mit diesem machte er die Feldzüge von 1792–95 am Rhein mit. Den Orden pour le mérite, welchen er hier verdient hatte, als er mit abgesessenen Husaren Schloß Münchweiler in der Nähe von Trier erstürmte, den aber durch ein Versehen ein anderer Offizier erhielt, welcher die Gefangenen ablieferte, sollte ihm das Jahr 1806 eintragen. In der Nacht vom 16./17. October zwischen Gotha und Eisenach auf Vorposten, erfuhr er, daß am folgenden Tage 10,200 Gefangene des Weges kommen würden. Mit Mühe erhielt er die Erlaubniß mit 50 Husaren einen Versuch zu ihrer Befreiung machen zu dürfen und führte diesen, obgleich der Transport von einem ganzen Bataillon Infanterie begleitet wurde, mit vollständigstem Erfolge durch. Außer dem Orden war die Beförderung vom dritten Secondelieutenant zum Escadronchef sein Lohn. Aus der Auflösung der Armee gelang es ihm später sich nach Schlesien zu retten; eine Verwundung, welche er bei Glatz erhielt, beendete hier seine Theilnahme am Kriege. Bei Ausbruch der Feindseligkeiten im J. 1813 war er Major im zweiten schlesischen Husarenregiment. Wieder lächelte ihm das Glück. Am 10. April erhielt er Befehl mit seiner Escadron die Verbindung zwischen Magdeburg und Erfurt unsicher zu machen. Man hatte den rechten Mann gewählt. Schon am 12. April überfiel er 2200 Baiern unter General v. Rechberg in Langensalza und nahm ihnen fünf Geschütze ab und am 17. griff [500] er in Wanfried westfälische Truppen überraschend mit großem Erfolge an. Das zweite eiserne Kreuz 2. Klasse und das erste 1. Klasse, welche verliehen wurden, waren die Anerkennung dieser Waffenthaten; eine weitere bildete der Auftrag ein „Partisancorps zu organisiren, als dessen Stamm ihm zwei Husarenschwadronen überwiesen wurden. Von neuem vorgesandt, leistete er am 17. Mai gute Dienste, indem er Lauriston’s Anmarsch zur Schlacht bei Bautzen erkundete, am 28., indem er General v. Borstell’s Rückzug deckte, welchen dieser nach einem verunglückten Versuche auf Hoyerswerda anzutreten genöthigt war. Nach Beendigung des Waffenstillstandes focht er zunächst bei Großbeeren und bei Dennewitz; seine Reiter, deren erstes Glied er mit Lanzen bewaffnet hatte, bewährten sich hier – Ulanen und Kürassieren gegenüber – auch als Schlachtencavallerie; ein erfolgreicher Ueberfall der auf dem Rückzuge von Dennewitz bei Holzdorf eine Brücke passirenden Gegner vervollständigte die Erfolge des Tages. Mit Zähigkeit und Geschick behauptete H. dann das Dorf Wartenburg längere Zeit gegen Ney, am 8. October bestand er, einigen Kosakenpulks zu Hilfe eilend, bei Lindenthal ein glänzendes Reitergefecht, welches ihn bis an die Vorstädte von Leipzig führte und während hier am 17. die Waffen ruhten, überfiel er in Vippach polnische Ulanen. Nach der Schlacht erhielt er Befehl zum General v. Bülow in Holland zu stoßen. Sein Corps war inzwischen auf 4 Schwadronen und 4 Compagnieen, 600 Pferde und 700 Mann Infanterie zählend, angewachsen. Von Zeit zu Zeit selbständig auftretend, dann wieder mit den größeren Heeresabtheilungen gemeinsam operirend, gelang es ihm in Brabant und Flandern, unter Bülow, Borstell und Thielmann, neue Lorbeeren zu pflücken. Auch der Feind versagte ihm seine Anerkennung nicht; der ebenso thätige, wie tüchtige General Maison, dem er in den ersten Monaten des Jahres 1814 vielfach gegenüber gestanden hatte, betonte, als Beide später in friedlichen Verhältnissen sich trafen, ausdrücklich, wie lästig H. ihm häufig gewesen sei. Als der Krieg zu Ende war, wurde das Hellwig’sche Freicorps aufgelöst, der Bildner und Führer erhielt das Commando des 9. Husarenregiments. Dieses führte er in der Campagne von 1815. Ein kühner Angriff auf ein Bataillon von Grouchy’s Nachhut, als dieser am 20. Juni sich auf dem Rückzuge von Wawre nach Charleroi befand, war seine letzte Waffenthat. 1830 zum Brigadecommandeur in Köln ernannt, nahm er 1838 seinen Abschied, zog sich nach Schlesien zurück, wo er seine Jugendjahre verlebt hatte, und starb am 26. Juni 1845 zu Liegnitz.

Militär-Wochenblatt von 1846, Nr. 15–17.

[499] *) Zu Bd. XI, S. 700.