ADB:Heinrich IV. (Markgraf von Istrien)

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Artikel „Heinrich, Markgraf von Istrien“ von Edmund von Oefele in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 11 (1880), S. 526–527, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Heinrich_IV._(Markgraf_von_Istrien)&oldid=- (Version vom 5. Juni 2020, 23:51 Uhr UTC)
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Heinrich, Markgraf von Istrien, wahrscheinlich der zweitälteste Sohn des Herzogs Bertold (IV.) von Meran aus dem Hause Andechs (vgl. Bd. II. S. 515) ist durch seine angebliche Mitschuld an König Philipps Ermordung (21. Juni 1208 zu Bamberg) bekannt geworden. Der Verdacht konnte sich freilich wol zu keiner Zeit auf ein anderes Factum stützen, als daß unter den Bewaffneten, mit welchen Otto v. Wittelsbach in die königliche Wohnung eindrang, Leute des Markgrafen waren. Nicht das geringste verlautet hingegen auch nur von einer Spannung zwischen letzterem und dem Könige, der ja am nämlichen Tage seine Nichte Beatrix dem Bruder Heinrichs, dem Herzoge Otto von Meran, zur Ehe gegeben hatte. Indessen, was am Verurtheilungsgrunde gebrach, konnte das Rachegefühl um so leichter ergänzen, als es auch solche gab, die aus dem Sturze des Markgrafen Vortheil zu ziehen hofften. In dem Hochverrathsprozesse, welchen der königliche Spruch vom 6. Januar 1209 zum Abschluß brachte, seiner Würden, Lehen und Eigengüter verlustig erklärt, suchte sich H. dennoch in Baiern zu halten. Doch im März d. Js. räumt er das Land und geht nach Rom, wahrscheinlich um sich zu reinigen. Dann sehen wir ihn bei seiner Schwester, der Königin Gertrude von Ungarn. In Bälde gestaltete sich sein Loos erträglicher. Persönliche Folge ward der Aechtung nicht mehr gegeben, sein Bruder Otto ließ ihm das Familieneigen in Steiermark, Kärnten und Krain, Herzog Leopold von Oesterreich kam ihm freundlich entgegen. Vermählt mit Sophie, der Tochter des krainischen Grafen Albert von Weichselburg, hielt er vermuthlich zu Windischgrätz Hof. Der Dichter Ulrich von Lichtenstein weiß Viel zum Preise des Markgrafen von „Ysterich“, bei dem er Minne und höfische Zucht gelernt habe. Daran ist nicht zu zweifeln. Aber die Fürstenversammlung zu Friesach behufs Verhinderung eines Krieges zwischen H. und dem Kärntnerherzoge ist von Ulrich erfunden als geschichtliche Folie für ein breitgeschildertes dreizehntägiges Einzel- und Massenturnier, an dem auch H. hervorragend theilgenommen. Man braucht sich also nicht weiter darum zu kümmern, ob diese Zusammenkunft im J. 1224, wie Lachmann meint, stattfinden konnte, ob die genannten Theilnehmer überhaupt gleichzeitig waren; die Erzählung hat nur kulturhistorischen Werth. – Endlich wird Heinrichs Unschuld auch am kaiserlichen Hofe erkannt: seit 1220 ist der „Markgraf von Andechs“ wiederholt, allerdings nur auf wälschem Boden bei Friedrich II. Auf Istrien muß er freilich zu Gunsten des Patriarchats Aquileja verzichten, dagegen will er mit österreichischer Hülfe andere Gebiete wiedererlangen, die bei seiner Aechtung an den [527] Herzog von Baiern gekommen waren. Doch erst im Beginne des J. 1228 zeigte sich dieser einigermaßen willfährig: H. erhielt die Grafschaft Wolfratshausen zurück. Aber schon am 18. Juli desselben Jahres starb er zu Windischgrätz und ward im Chorstifte Dießen, der Gruft seiner Väter, bestattet.

S. des Verfassers Geschichte der Grafen von Andechs. 1877.