ADB:Deutsch, Immanuel Oscar Menahem

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Artikel „Deutsch, Immanuel Oscar Menahem“ von Jakob Freudenthal, Emil Rödiger in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 5 (1877), S. 92–93, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Deutsch,_Immanuel_Oscar_Menahem&oldid=- (Version vom 1. Dezember 2020, 08:18 Uhr UTC)
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Deutsch: Immanuel Oscar Menahem D., geb. 28. Oct. 1829 zu Neiße in Pr. Schlesien, besuchte das Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog 16 Jahre alt die Universität zu Berlin. Hier widmete er sich verschiedenartigsten, insbesondere theologischen, philologischen und philosophischen Studien. Da er als Jude in seinem Vaterlande keine seinen Neigungen und Kenntnissen entsprechende Stellung finden konnte, ging er 1855 nach England, wo er bis zu seinem Tode als Assistant in the library departement am British Museum lebte. Als solcher setzte er mit rastlosem Eifer seine ausgedehnten wissenschaftlichen Untersuchungen, insbesondere über talmudische, phönikische und assyrische Litteratur fort; aber unvermögend sich mit ganzer Kraft Einem Gegenstande zuzuwenden und durch aufreibende Berufsgeschäfte in Anspruch genommen hat er weniger Bedeutendes geleistet, als ein reicher Geist, ein beispielloser Fleiß und ein umfassendes Wissen erwarten ließen. Von Arbeit, qualvoller Krankheit und vielfachen Widerwärtigkeiten verzehrt, starb der begabte und liebenswürdige Mann auf seiner zweiten Orientreise am 12. Mai 1873 in Alexandrien voll bitteren Schmerzes, daß er keinen seiner großen wissenschaftlichen Pläne auszuführen vermocht hatte. – Die zahlreichen mehr oder weniger gründlichen, zumeist aber glänzend geschriebenen Artikel, die D. in Zeitschriften und Encyklopädien gelegentlich veröffentlicht hat – in Chamber’s Encyclopaedia allein 190 – geben keinen [93] sichern Anhalt für die Schätzung seines wissenschaftlichen Werthes. Hervorzuheben sind ein 1867 erschienener und bald in viele Sprachen übersetzter Essay über den Talmud, in welchem er gegenüber vielen gehässigen Beurtheilungen dieses Riesenwerkes die Lichtseiten desselben allgemeiner Theilnahme so nahe zu bringen sucht, als das in einer derartigen populären Abhandlung eben möglich ist, und ein 1869 veröffentlichter, nicht auf selbständiger Forschung beruhender Essay über den Islam, in welchem er vorzüglich den Einfluß jüdischer Anschauungen auf Mohammed’s Lehre hervorhebt. Werthlos sind seine Arbeiten über hellenistische Litteratur und Geschichte der Philosophie. – Seine sämmtlichen hinterlassenen Papiere sind seiner Weisung zufolge nach seinem Tode verbrannt worden. Nur früher schon veröffentlichte Arbeiten enthalten seine „Literary Remains“ (Lond. 1874; Nachdruck New-York 1874), denen eine ausführliche Lebensbeschreibung voraufgeht.