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Artikel „Brenner, Friedrich“ von Friedrich Lauchert in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 47 (1903), S. 221–224, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Brenner,_Friedrich&oldid=- (Version vom 27. Februar 2020, 05:14 Uhr UTC)
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Brenner: Friedrich B. katholischer Theologe, geboren am 10. Januar 1784 zu Bamberg, † am 20. August 1848. Er absolvirte die sämmtlichen Studien in Bamberg; am 22. September 1803 wurde er Doctor der Philosophie, studirte dann Theologie und empfing am 12. April 1807 die Priesterweihe. Hierauf wurde er zuerst am 17. December 1807 als Cooperator an der Stadtpfarrkirche zu St. Gangolph in Bamberg, am 28. März 1808 als solcher an der Stadtpfarrkirche zu St. Martin daselbst angestellt. Am 4. August 1808 erhielt er von der Universität Landshut die theologische Doctorwürde. Am 13. October 1813 wurde er Subregens am Clericalseminar zu Bamberg, 1820 Regens desselben, am 10. December 1820 Professor der Dogmatik am Lyceum, im October 1821 Mitglied des wieder errichteten Domcapitels, am 5. November 1844 Domdechant; 1845 legte er seine Professur nieder. Er war auch Vorstand des historischen Vereins zu Bamberg. – Brenner’s erste litterarische Arbeit war die während der Studienzeit ausgearbeitete gekrönte Preisabhandlung: „Was hat der Seelenhirt an Jesus als dem vortrefflichsten und nachahmungswürdigsten Muster aller Seelenhirten vorzüglich nachzuahmen? Mit stäter Rücksicht auf die classischen Schriftstellen der vier Evangelien beantwortet“; dieselbe erschien später gedruckt in der Theologischen Zeitschrift von Batz, Bd. III, 1810 (S. 1–45; 95–129). Vorher war seine theologische Dissertation im Druck erschienen: „Was ist ein wahrer Gottesprophet nach dem Sinne der Schrift? Eine historisch-exegetische Abhandlung“ (Landshut 1808). Die schon erwähnte, von seinem Freunde, dem damaligen Bamberger Professor Johann Joseph Batz begründete und seit 1809 herausgegebene „Theologische Zeitschrift“ hatte an ihm von Anfang an einen thätigen Mitarbeiter. Außer der erwähnten Preisschrift erschienen von ihm in den ersten [222] Jahrgängen derselben die Aufsätze: „Der Seelsorger im Verhältnisse zum herrschenden Zeitgeiste“ (Bd. I, 1809, S. 1–21); „Etwas über die Einführung der Muttersprache bei der Liturgie“ (Bd. I, S. 275–319); „Ueber die der ganzen Offenbarungsökonomie zum Grunde liegende Idee eines Himmelreiches“ (Bd. II, 1810, S. 410–425); „Auch noch eine Antwort auf die Frage: Läßt die Ehe nach dem Ausspruche Christi in irgend einem Falle eine Auflösung vom Bande zu?“ (Bd. III, 1810, S. 46–73); „Ideen zu einem Unterrichte über die Erbsünde“ (Bd. III, S. 129-142). Als Batz auf eine Landpfarrei versetzt wurde und deshalb nicht mehr in der Lage war, die Redaction der Zeitschrift fortzuführen, übernahm B. dieselbe mit dem 4. Bande; unter seiner Redaction erschienen in den Jahren 1811–14 die Bände 4–10, worauf die Zeitschrift zu erscheinen aufhörte. Er selbst ließ darin, neben mehreren Kleinigkeiten, die folgenden wichtigeren Beiträge erscheinen: „Dämonologie. Eine philologisch-historische Untersuchung“ (in Bd. V u. VI, 1811 f., in einer Reihe von kleinen Abschnitten zerstreut); „Sittlich-religiöse Betrachtungen über die laufenden Zeiten“ (Bd. V u. VI); „Ueber messianische Weissagungen, nebst einer Erklärung der wichtigsten Stellen des A. B., die als solche in den Schriften des N. B. angeführt sind. Eine exegetisch-dogmatische Abhandlung“ (in Bd. VI–VIII, 1812 f.); „Die Vergangenheit im Spiegel der Gegenwart, oder: Das alte und neue Jerusalem. Eine histor. Parallele“ (in Bd. IX u. X, 1813 f.); zuletzt noch der Nekrolog: „Johann Joseph Batz“ (Bd. X, 1814, S. 508–524; auch separat unter dem Titel: „Einige Nachrichten von dem Leben des Professors und nachherigen Pfarrers Joh. Jos. Batz“, Bamberg 1814). Die unter Batz, wenn auch in gemäßigter Weise, von dem aufklärerischen Zeitgeiste berührte Zeitschrift nahm unter Brenner’s Leitung, der in jüngeren Jahren zwar auch nicht ganz von Unklarheiten frei, aber jedenfalls immer ein positiv gläubiger Katholik war, mehr und mehr eine kirchlichere Haltung an. Er und die Zeitschrift wurden deshalb auch von Seiten eines rationalistischen protestantischen Kritikers in den „Ergänzungsblättern zur allgemeinen Literaturzeitung“ (Jan. 1814, Nr. 10, S. 74) derb angegriffen, worüber er sich in einer „Erklärung auf die Bemerkung eines Rezensenten“ (Bd. X, 1814, S. 261–266) äußert. Inzwischen war auch sein erstes größeres Werk erschienen: „Versuch einer historisch-philosophischen Darstellung der Offenbarung als Einleitung in die Theologie“ (3 Theile, Bamberg und Würzburg 1810; 2. Aufl. 1812). Er verfolgt darin, von der Idee des Himmelreiches als der der ganzen Offenbarungsökonomie zu Grunde liegenden Idee ausgehend, dieselbe durch die Offenbarungsgeschichte des Alten und Neuen Bundes hindurch (vgl. die kurze Zusammenfassung seines Gedankenganges in dem oben erwähnten Aufsatze in Bd. II der Theol. Zeitschr., S. 410–425). Dieselbe Idee des Himmelreichs ist auch die sein System der Dogmatik beherrschende und dessen Eintheilung und Anordnung bestimmende Grundidee, wie sich dies schon im Titel der ersten Ausgabe seines dogmatischen Hauptwerks ausdrückt: „Freye Darstellung der Theologie in der Idee des Himmelreichs. Oder: neueste katholische Dogmatik nach den Bedürfnissen unserer Zeiten“ (3 Bände, Bamberg u. Würzburg 1815–1818). Umgearbeitet erschien das Werk wieder unter dem einfachen Titel: „Katholische Dogmatik“ (3 Bde., Frankfurt a. M. 1826–1829; davon ein Nachdruck Rottenburg a. N. 1831). Endlich abermals umgearbeitet und erweitert unter dem Titel: „System der katholischen speculativen Theologie“ (Bd. I: „Fundamentirung der kathol. speculativen Theologie“; Bd. II, Abtheil. 1–4: „Construction der katholischen speculativen Theologie“; Regensburg 1837–38; davon eine neue Auflage: „Katholische Dogmatik, oder System der katholischen speculativen Theologie“, 3. Aufl., [223] Regensburg 1844; dazu erschienen noch: „Nachträge zu seiner katholischen Dogmatik“, Regensburg 1847). Für seine Zeit war dieses Werk eine höchst achtungswerthe und erfreuliche Leistung. „Wenn auch die tiefere, speculative Auffasssung der kirchlichen Lehre und hie und da auch die theologische Genauigkeit noch Manches zu wünschen läßt“, urtheilt Brück (Geschichte der kathol. Kirche in Deutschland im 19. Jahrh., Bd. I, 1887, S. 391), „so hat das Werk doch den Vorzug einer gefälligen Darstellung, einer gründlichen Beweisführung der Dogmen aus Schrift und Tradition und der Betonung des historisch-apologetischen Momentes“. (Vgl. darüber auch K. Werner, Geschichte der kath. Theologie, S. 371–374; Drey in der Theol. Quartalschrift 1838, S. 83–103.) Einen bleibenden Werth besitz auch das dritte größere Werk Brenner’s: „Geschichtliche Darstellung der Verrichtung und Ausspendung der Sakramente, von Christus bis auf unsere Zeiten, mit beständiger Rücksicht auf Deutschland und besonders auf Franken“, durch das reiche darin enthaltene historische und archäologische Material; die drei erschienenen Bände (Bamberg u. Würzburg 1818–1824) behandeln indessen nur die Taufe, Firmung und Eucharistie. Einen ungünstigen Erfolg hatte dagegen die Schrift: „Ueber das Dogma. Zugleich Beantwortung der Frage: Wer wird selig?“ (Landshut 1832; 2. Aufl. 1834). Dieselbe gab, vielleicht weniger durch die eigentliche Meinung des Verfassers, als durch gewisse Unklarheiten und Mißverständlichkeiten der Darstellung, Anlaß zu Beanstandungen. Seinen Recensenten antwortete B. in den Broschüren: „Nachtrag zur Schrift: Ueber das Dogma … deren Beanstandung und Rechtfertigung betreffend“ (Landshut 1833; besonders gegen Simon Buchfelner), und: „Offener Brief an Herrn Professor Dr. Troll zu Aschaffenburg, als weiterer Nachtrag zu der Schrift: Ueber das Dogma“ (Landshut 1833; gegen Letztern wendet sich ferner die Antikritik: „Bemerkungen zu des Herrn Professors Dr. Troll Recension der Schrift: Ueber das Dogma“, in Benkert’s „Allgemeinen Religions- und Kirchenfreund“, VI. Jahrg. 1833, 17. Bd., 2. Heft, Nr. 45, Sp. 705–713). Das Buch „Ueber das Dogma“ selbst nebst den beiden Nachträgen wurde durch Decret vom 15. Januar auf den Index gesetzt. (Vgl. Reusch, Der Index der verbotenen Bücher, Bd. II, S. 1088.) – Brenner’s übrige Schriften sind: „Erhebung des Geistes zu Gott an den besondern Festtagen des Jahres“ (Bamberg 1810); „Kaiser Heinrich der Heilige und König Maximilian Joseph in Bezug auf Bambergs kirchliche Verfassung. Eine historische Parallele, veranlaßt durch das zwischen Sr. Majestät Maximilian Joseph König von Baiern und Sr. Heiligkeit Papst Pius VII. abgeschlossene Konkordat“ (Bamberg u. Würzburg 1818; Frankfurt 1826); „Beyträge zur Erhebung des Sinnes für heilige Wissenschaft und geistliches Leben“ (Bamberg 1820; Frankfurt 1825); „War Jehovah den Hebräern bloß ein Nationalgott?“ (Landshut 1821); „Das Gericht, oder Aufdeckung der Unwissenheit und Unredlichkeit lutherischer Doctoren der Theologie und Pastoren in Darlegung des katholischen Lehrbegriffs“ (Bamberg 1829; 2. Aufl. 1830); „Lichtblicke von Protestanten, oder: Neueste Bekenntnisse für die Wahrheit bei ihren Gegnern“ (Bamberg 1830); „Einige Worte über die Wiederherstellung des Doms zu Bamberg bei seiner Wiedereröffnung am 25. August 1837“ (anonym, Bamberg 1837). Ferner erschienen jeweils im Druck seine Trauerreden auf die Päpste Pius VII. (Bamberg 1823), Leo XII. (1829). Pius VIII. (1830), und Gregor XVI. (1846); auf die Bamberger Erzbischöfe J. von Stubenberg (1824) und J. M. von Fraunberg (1842); auf die Herzogin Amalie (1823) und die Königin Karoline von Baiern (1841). Als Dichter trat er auf in einer Ode an König Ludwig I.: „Empfindungen des Domkapitels zu Bamberg [224] bei dem höchst erfreulichen Eintritte Seiner Majestät des Königs Ludwig I. in die Metropolitan-Kirche daselbst“ (gedruckt in der Festschrift: „Ein Blatt in König Ludwigs Lorbeer-Kranz“, Bamberg 1830, Beilagen S. XIII f.).

Jäck, Pantheon der Literaten und Künstler Bambergs, 1. Heft (1812), S. 111 f.; 2. Pantheon (2. Aufl. 1844), S. 15 f. – Felder-Waitzenegger, Gelehrten-Lexikon der deutschen kath. Geistlichkeit, Bd. I (1817), S. 93–97; Bd. III (1822), S. 476. – Georg A. Thiem, Dr. Friedrich v. Brenner“ in: 12. Bericht über das Bestehen und Wirken des historischen Vereins zu Bamberg (Bamberg 1849), S. XIV–XXI. Dasselbe in der (Bonner) Zeitschrift für Philosophie u. kath. Theologie, Neue Folge, 10. Jahrg. 1849, 4. Heft, S. 213–218. – Schematismus der Geistlichkeit des Erzbisthums Bamberg f. d. J. 1850, S. 87 f., 93 f. Schematismus f. d. J. 1848, S. 84. – Patr. Wittmann im Kirchen-Lexikon, 2. Aufl., Bd. II, S. 1231 f. – Hurter, Nomenclator lit. recentioris theologiae cat., T. III (ed. 2, 1895), p. 923–926.