ADB:Berthold (Graf von Marstetten und Graisbach)

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Artikel „Neifen, Berthold von“ von Sigmund Ritter von Riezler in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 23 (1886), S. 400–401, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:Berthold_(Graf_von_Marstetten_und_Graisbach)&oldid=- (Version vom 25. Januar 2021, 17:00 Uhr UTC)
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Neifen: Berthold v. N., Graf von Marstetten und Graisbach († 1342), aus einer schwäbischen Freiherrenfamilie, deren Stammburg auf einem Bergvorsprunge am Nordgehänge der schwäbischen Alp liegt, führte den Befehl über die deutschen Streitkräfte, welche Ludwig der Baier im März 1323 den durch die Truppen des Papstes, Roberts von Anjou und der Welfen bedrängten Mailändern zu Hilfe sandte. Zugleich ward er vom König Ludwig als Statthalter des Reichs für die Lombardei, Toscana und die Mark bestellt. Er zwang die Gegner die Belagerung Mailands aufzuheben und ließ sich im Namen des Reiches von der Stadt huldigen. Wie dieses Vorgehen den Papst Johann XXII. veranlaßte den Kampf gegen Ludwig offen aufzunehmen, hatte es auch für N. das Urtheil der Excommunication (13. April 1324) zur Folge. Bald darauf wurde N. von Ludwig heimberufen. Damals war das alte bairische Grafenhaus von Graisbach und Lechsmund ausgestorben und der König setzte nun durch, daß Graisbach und die anderen Eigengüter sammt der Grafschaft des Hauses N. zufielen, dessen Mutter wahrscheinlich eine Schwester der letzten Grafen von Graisbach war. Die Grafschaft Marstetten hatte die Familie v. Neifen bereits in der ersten Hälte des 13. Jahrhunderts durch die Heirath Bertholds III. erworben. Neuburg an der Kamlach erhielt N. 1338 vom Kaiser Ludwig als Reichslehen. Viele Jahre lang, schon 1319, dann 1331–1341 erscheint er als Hauptmann oder Generalprocurator für Oberbaiern, mit welchem Amte laut des Bestallungsbriefes von 1331 die Befugniß verbunden war, an Stelle des Kaisers Befehle zu erlassen, Beamte ein- und abzusetzen und deren Rechnungen zu prüfen. Geheimrath des Kaisers und bei diesem, wie Johann v. Winterthur erwähnt, besonders beliebt, muß er den hervorragendsten Dienern des wittelsbachischen Hauses beigezählt werden. Er starb 1342, nachdem er den Kaiser zum Vormund seiner Kinder ernannt hatte, und nun ward es diesem leicht, die Dinge so zu lenken, daß Neifen’s Erbtochter Anna mit seinem Enkel Friedrich, dem Sohne Herzog Stephans, sich verlobte und Neifen’s Allodialgüter als Erbe der Braut nebst den Grafschaften Graisbach und Marstetten von den Wittelsbachern eingezogen werden konnten. Ein gleichnamiger Sohn Neifen’s war in den geistlichen Stand getreten.

[401] Riezler, Gesch. Baierns, II (wo S. 466 statt: um 1295 zu lesen ist: etwa seit 1239). – Ueber die Familie Chr. Fr. v. Stälin, Wirtemberg. Gesch. II, 571 ff. – P. Fr. Stälin, Gesch. Württembergs, I, 432 ff.