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Artikel „Büren, Moritz von“ von Josef Bernhard Nordhoff in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 3 (1876), S. 585–586, Digitale Volltext-Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=ADB:B%C3%BCren,_Moritz_von&oldid=- (Version vom 14. Oktober 2019, 23:45 Uhr UTC)
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Band 3 (1876), S. 585–586 (Quelle).
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Büren: Moritz v. B., Edelherr, Reichskämmerer, Präsident des Reichskammergerichts, Jesuit, letzter männlicher Sproß seiner Geschlechtlinie, wurde am 12. Febr. 1604 auf dem Stammsitze Büren (südwestlich von Paderborn) geb. und starb am 7. Nov. 1561[1] zu Haus Geist bei Oelde. – Schon früh, 1610, verlor er den Vater Joachim, der ein entschiedener Verfechter der lutherischen Lehre, namentlich gegen die Restaurationspläne des Paderborner Bischofs Theodor v. Fürstenberg war; seine Mutter Elisabeth, geborne Freiin v. Loe, trat indeß drei Jahre später unter der Einwirkung der Paderborner Jesuiten zum katholischen Glauben über und ließ sodann, obwol sie sich 1617 von neuem dem Landdrosten Wilhelm v. Westfalen vermählte, ihrem hoffnungsvollen Sohne eine streng confessionelle, jedoch so umfassende Erziehung angedeihen, daß er dereinst nicht nur ein würdiger Vertreter seines Geschlechtes, sondern auch ein Mann von hohen Würden werde. Vorgebildet bei den Jesuiten zu Paderborn, besuchte Moritz in Begleitung des Hofmeisters Balthasar Bönninghausen, dessen geschmeidiges, schlaues Wesen noch lange hin bedeutsam in die wichtigsten Lebensphasen des jungen Edelmannes eingreifen sollte, von 1615–1620 das Jesuitengymnasium zu Köln, bezog sodann, um die Rechte und Staatswissenschaften zu studiren, die Universität Douay, und bereiste von 1621–1626 Belgien, die Niederlande, England, Frankreich, Spanien und Italien. Nicht weniger die Gewandtheit und Thatkraft Bönninghausen’s, wie die einnehmenden Formen Moritzens verhalfen dabei zu einflußreichen Verbindungen und Empfehlungen, welche ihm nicht nur die schwierigsten Reiseverlegenheiten glücklich beseitigten, sondern auch Zutritt verschaffen zu den Höfen der niederländischen Statthalterin Isabella, Philipps IV. von Spanien und Ludwigs XIII. von Frankreich. Zu Rom verlegte er sich noch ein Jahr auf das Studium der Rechte und machte er die für seine spätere Lebensstellungen so wichtigen Bekanntschaften des Polyhistors Kaspar Schoppe (Scioppi) aus der Oberpfalz und des Jesuitengenerals Vitellesci. Diesem gibt er Kunde von seiner Neigung für den Jesuitenorden, erhält aber den Rath, mit Rücksicht auf die in seinen Familienverhältnissen liegenden Hindernisse, den Eintritt in den Orden vorerst zu verschieben. Nachdem er 1626 noch Unteritalien besucht, tritt er von Neapel über Venedig, Trient, Innsbruck, Main und Rhein die Rückreise nach Westfalen an. So durch Studien und Reisen mit vielen Kenntnissen bereichert und in die Formen des höfischen Verkehrs eingeweiht, bewarb sich B. zur Freude seiner Mutter und Freunde um keine geringere Würde als jene des Präsidenten am Reichskammergericht zu Speier, und als dafür sein Geburtsrang nicht vollgültig erschien, legte er dem Kaiser eine auf Bönninghausen’s Betrieb von Schoppe gefertigte, jedoch in den fraglichen Punkten gefälschte Stammtafel vor, welche sein Geschlecht eben so ruhmreich an Alter wie an Würden darstellte. Gestützt auf diese und andere Empfehlungen verlieh ihm der Kaiser neben andern Auszeichnungen die höchste Stelle der Reichsjustiz. B. bekleidete dieselbe bis 1644. In diesem Jahre trat er, nachdem die Mutter schon 1632 gestorben war, wirklich in den Orden der Jesuiten, verwaltete jedoch vorerst seine Güter, zumal die Häuser Büren, Ringelstein, Volbrexen und Geist, die er dem Orden schon 1640–1644 [586] im Geheimen verschrieben hatte, durch seinen alten Mentor Bönninghausen. Sieben Jahre lebte er der strengern Klösterlichkeit theils als Novize zu Trier, theils als Scholastiker zu Köln, sodann, von Ordensgenossen begleitet, wieder der Verwaltung seiner Güter Büren und Geist, um allerhand Verwicklungen, welche – seine Standesveränderung hervorgerufen hatte, persönlich zu lösen. Vor allem erzeugte die Veräußerung seiner Güter, welche die Stellung der Jesuiten in Nordwestdeutschland wesentlich befestigte und erweiterte, Streitigkeiten mit Bönninghausen, der einer betrügerischen Verwaltung bezichtigt wurde, weiterhin mit seiner Schwester Anna Dorothea, Brigittinerin zu Köln, welche nunmehr einen andern Vermögensantheil beanspruchte, und mit seinem Schwager Herman Godschalk v. Malsburg; – mit seinem Stiefvater Westfalen und mit dem Paderborner Bischof Adolf von der Reck kam es wegen der Bürener und Geister Besitzungen und Gerechtsame sogar zu offenen Fehden. – Noch heute bezeichnet eine Metallplatte mit wortreicher Inschrift und dem Familienwappen, einem steigenden Löwen, in der Jesuitenkirche zu Münster die Ruhestätte dieses eigenthümlichen Mannes.

Vgl. F. v. Löher, Kampf um Paderborn, Berlin 1874, S. 317–319. Rosenkranz, in der Zeitschrift für Geschichte und Alterthumskunde (Westfalens), Münster 1845, Bd. VIII, 159–213.

[Zusätze und Berichtigungen]

  1. S. 585. Z. 12 v. o. l.: 1661 (st. 1561). [Bd. 10, S. 767]