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Titel: „Um Sunnawend’“
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aus: Die Gartenlaube, Heft 49, S. 820
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1878
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Blätter und Blüthen
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[820] „Um Sunnawend’“ ist der Titel einer Sammlung neuer Gedichte in oberbaierischer Mundart von Karl Stieler. Unter den süddeutschen Dialektdichtern ist Stieler in kurzer Zeit einer der beliebtesten geworden, wie wir unseren Lesern früher schon dargelegt haben. Das neue Buch Stieler’s reiht sich den früheren Werken des Dichters nicht nur würdig an, sondern offenbart sogar einen Fortschritt, den wir mit Freude begrüßen. Alle hier gebotenen Gedichte und Lieder sind mit photographischer Treue copirte Bilder aus dem Volksleben im Hochgebirge; während in den früheren Sammlungen aber der Lust an Schelmereien und dem übersprudelnden Volkswitz am eifrigsten gehuldigt wurde, treten in der neuen Sammlung auch die Nachtseiten im Leben des Volkes uns entgegen. Der Dichter stellt sie unter der Aufschrift: „Auf der scharfen Seiten“ zusammen. Mit derselben Sprache, die für den Reimtanz der Schnaderhüpfel wie geschaffen erscheint, erzählt er uns Erlebnisse aus den Kreisen der Familie und aus den Schicksalen Einzelner, die das Gebiet der Genremalerei hinter sich lassen und sich bis zu Geschichtsbildern erheben. Das Gedicht: „An Anfrag“, aus dem Kriege von 1870, und das „Hoch drob’n am Berg“, welches den Eindruck schildert, den die Kunde vom Mordanfall auf den deutschen Kaiser bei den Holzknechten des Gebirgs erregte, sind Cabinetsstücke dieser Abtheilung. Ihnen folgen nun in buntem Wechsel die Liedchen: „Von die kloane Leut’“, die das lustreiche Leben bei und mit den Kindern darstellen, dann „Die Politikaner“, das „Umanander-Doctern“ und „Von die G’strenga“ – reich an neuen und alten Anekdoten über politische Kannegießer, Aerzte und Beamte –: in immer frisch strömendes Fahrwasser locken uns die Gedichte „Aus die boarischen Wirthshäusl“ und die „Ehhalten-Stroach“ (Dienstboten-Streiche). Auch „Bei die Viecher“ finden wir den neckischen und sinnigen Geist der Gebirgsmenschen wieder. Daran reiht sich die weitschichtige Rubrik: „Unter viel Leut’ giebt’s allerhand“, und ein Schwarm von „Schnadahüpfln“ macht den Beschluß des Büchleins. Es wird ja wohl schon mit dieser Inhaltsangabe Lesern, denen die im Ganzen recht verständlich behandelte Mundart nicht zu fremd ist, genugsam empfohlen sein.

Fr. Hfm.