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Textdaten
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Autor: Emil A. Göldi
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Titel: „Thiere der Heimat“
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aus: Die Gartenlaube, Heft 42, S. 692
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1883
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[692] „Thiere der Heimath.“ Deutschlands Säugethiere und Vögel, geschildert von Adolf und Karl Müller. Mit Original-Illustrationen nach Zeichnungen auf Holz und Stein von C. F. Deicker und Adolf Müller. Kassel und Berlin. Verlag von Theodor Fischer. – Die Namen der Verfasser, den Lesern der „Gartenlaube“ seit langen Jahren bekannt durch eine Reihe anziehender Schilderungen aus dem Thierleben, ließen auch diesmal etwas Gediegenes erwarten. Brehm hatte es mit einigen Mitarbeitern unternommen, die Gesammtheit der Thierwelt, beziehungsweise deren biologische Eigenthümlichkeiten dem gebildeten Publicum aller Stände zugänglich zu machen, und die große Verbreitung des „Thierlebens“ dürfte als erfreuliches Zeichen des erwachenden Interesses an den Naturwissenschaften gelten. Wenn nun die Gebrüder Müller für ihr Werk die Rahmen enger gezogen haben, indem sie ausschließlich die „Thiere der Heimath“ zur Sprache bringen, so muß das ein recht glücklicher Gedanke genannt werden.

Die Aufgabe, die gewiß keine leichte war, ist in dem vorliegenden Werke in glänzender Weise gelöst. Da es Original nicht nur in Hinsicht auf das Beobachtungsmaterial, sondern auch in Bezug auf bildliche und sprachliche Darstellung, holt sich unzweifelhaft jeder Naturfreund, Forscher wie Dilettant, gern in dem auch durch äußere Vorzüge ausgezeichneten Buche Belehrung und Rath. Selbst denjenigen aber, dem das Interesse an den Werken der Natur abgegangen, dürften die lebenswarmen Thiercharakeristiken, welche die unverkennbaren Züge eines von Jugend auf im Verkehr mit der Natur geübten Scharfblicks und einer treuen Hingebung und minutiösen Sorgfalt tragen, sicherlich nicht kühl lassen, sondern sie werden in ihm den Wunsch rege machen zu eigener Beobachtung, zu einem vertraulicheren Umgang mit der Welt der lebenden Wesen, die gleichzeitig mit uns den heimischen Boden bewohnen. Es ist eben nicht Studirstubenluft, die uns entgegenweht aus diesen Blättern, sondern der würzige Hauch des Waldes, wo wir bald der Spur des flüchtigen Rehs folgen, bald auf den hämmernden Specht lauschen. Bald werden wir in’s frische Grün des Baumgartens geführt, wo der Buchfink schlägt, bald zum plätschernden Mühlrad, dem Lieblingsaufenthalt der Wasseramsel, bald an das Gebälk einer alten Scheune, wo bei Mondschein eine Marderfamilie auf das Raubhandwerk auszieht – alles lebendig, alles frisch; überall wirken Belehrung und Erzählung in wohlthuender Abwechselung, und selbst dem Humor ist an der richtigen Stelle sein Plätzchen vergönnt. Aber auch mancher beherzigenswerthe Mahnruf ist eingefügt, wo es heißt, gegen Unwissenheit, Kurzsichtigkeit und Vorurtheil zu Felde zu ziehen und einem verkannten Freunde des Landwirths die Ehre zu retten.

Wir wünschen dem trefflichen Buche die verdiente Anerkennung!

Dr.Emil A. Göldi.