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Titel: „Rheinfahrt“
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aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 564
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1875
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[560]
Die Gartenlaube (1875) b 560.jpg

Die drei Echsen in den Vogesen.
„Zeichnung von R. Püttner. Aus der Kröner’schen „Rheinfahrt“.

[561]
Die Gartenlaube (1875) b 561.jpg

Auf einem Rheindampfer.0 Zeichnung von B. Vautier.0 Aus der Kröner’schen „Rheinfahrt“.

[564] „Rheinfahrt“. (Mit Abbildungen, S. 560 und 561.) Der Rhein, der besuchteste aller europäischen Ströme, ist ohne Frage zugleich der am meisten verherrlichte: Alle Künste haben seinen Ruhm verkündet, und die Poesie hat ihn in allen Zungen verewigt als den imposantesten und naturschönsten, als den sagen- und geschichtereichsten unter den Flüssen der alten Welt. Was die deutsche Natur Schönes und Anmuthiges, was die deutsche Geschichte Großes und Ruhmreiches aufzuweisen hat, das steht in der engsten Beziehung zum sagengeschmückten „Vater Rhein“. Dennoch mangelte uns bisjetzt ein Werk, welches den deutschen Strom in seinem Reichthum an Natur und Kunst, an Geschichte und Sage erschöpfend darstellt. Endlich tritt nun unter dem Titel „Rheinfahrt“ ein Unternehmen in’s Leben, das in künstlerischer Weise alle Schönheiten unseres Flusses zur Anschauung bringen wird. Schon vor mehreren Jahren hatte Wolfgang Müller von Königswinter, der verdiente Rheinpoet, den Plan zu diesem Werke, welches den Rhein von seinen Quellen bis zum Meere in Bild und Wort darstellen soll, eifrig in Erwägung gezogen, mußte aber, vom Tode überrascht, die schriftstellerische Ausführung desselben den reisekundigen Federn Karl Stieler’s, Hans Wachenhusen’s und F. W. Hackländer’s überlassen, die denn auch diese Arbeit übernommen haben.

Wenn zu einer guten Illustration nicht nur ein strenges Abschreiben der Natur gehört, sondern bei aller Genauigkeit der Aufnahme eine poetische, künstlerische Auffassung, in der sich Anmuth der Form, Duft der Stimmung und technische Fertigkeit vereinigen, so stehen wir nicht an, zu behaupten, daß in den landschaftlichen Darstellungen Püttner’s das Vollkommenste geleistet worden ist, was uns bisher im Bereich der xylographischen Kunst zu Gesicht gekommen ist. Püttner’s Rheinwaldgletscher, Zillis, Dorf Hinterrhein, Dorf Splügen, Toma-See, Verlorenes Loch, Rhäzüns, Hohen-Trüns, Ilanz, Pfäffers, Ragaz und vor Allem seine Via mala treten uns mit der Kraft und dem Schmelz der lebendigen Farbe entgegen. Wie gesagt, das landschaftliche Bild hat unseres Wissens noch keine gelungenere Behandlung gefunden, als hier durch den genannten Meister, der sich in den letzten zwei Jahren überraschend schnell entwickelt hat. Wie sehr sich die Verlagshandlung A. Kröner in Stuttgart bemüht hat, dem Werke künstlerische Bedeutung zu geben, geht aus dem Verzeichniß der artistischen Mitarbeiter hervor, unter welchen wir nur A. Baur, E. F. Deiker, J. Franz, F. Keller, L. Knaus etc. nennen. Auch B. Vautier ist durch zwei vorzügliche Bilder, die „Weinprobe“ und „Auf einem Rheindampfer“ im ersten Hefte des Werks vertreten; letzteres, ein reiches Figurenbild, führt unser Blatt in seiner heutigen Nummer nebst einem bisher noch nicht erschienenen Bilde von Püttner im Abdruck den Lesern vor. Den vielen Besuchern des Rheins wird dieses Prachtalbum in den düstern Tagen des Winters manche liebe, farbenreiche Erinnerung an die prächtigen Landschaftbilder wachrufen, welche ihnen der Sommer geboten.