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Textdaten
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Autor: Ad. Gründler
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Titel: „Auf Flügeln des Gesanges.“
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 5, S. 73
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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„Auf Flügeln des Gesanges.“

O spiele nicht, mein Mägdlein,
Die Weise so lind und so weh,
Daß nicht vor Leid und Sehnen
Mein Herz bei den Tönen vergeh’!

Du weißt nicht, meine Tochter,
was jenes Lied mir gilt,
wie’s vor die Seele mir zaubert
Ein holdes leuchtendes Bild.

Sie sang es, deine Mutter,
Die meiner Jugend Glück;
Drum tragen die sanften Töne
In ferne Zeit mich zurück.

„Auf Flügeln des Gesanges,
Herzliebchen, trag’ ich dich fort,“
Sie sang es mit süßen Lippen;
Da fand ich das Zauberwort, –

Das Wort, das uns gebunden
Für Zeit und Ewigkeit,
Daraus mir unsägliche Wonne
Erwuchs und – unsägliches Leid!

Denn als sie dich geboren,
Mein Kleinod du, mein Kind,
Da glich sie der welkenden Rose,
Entblättert von rauhem Wind.

Noch seh’ ich die Bleiche dort ruhen,
Hör’ leis sie mir flüstern ins Ohr:
„Auf Flügeln des Gesanges, –
Herzliebster, spiel’ es mir vor!“

Dann glitt ich über die Tasten,
Daß das Lied den Saiten entquoll;
Doch mir war von Schmerz die Seele,
Das Auge von Thränen voll.

So mußt’ ich’s oft ihr spielen,
Sie lächelte sanft und hold,
Meine bleiche süße Rose
Im Abendsonnengold.

So spielt’ ich’s jeden Abend,
Sie lauschte mir still verklärt,
Das Antlitz umleuchtet von Frieden,
Der nicht von dieser Erd’.

„Auf Flügeln des Gesanges,
Herzliebchen, trag’ ich dich fort,“ –
Weit über das Weh’ der Erde
An einen glückseligen Ort.

Auf Flügeln des Gesanges
Zog lind ihre Seele empor
Zu des Himmels lichten Höhen,
Zu der Engel vielstimmigem Chor.

Und mit ihr sah ich scheiden
Von hinnen all mein Glück, –
Doch nein, sie ließ ja dich mir,
Mein theures Kind, zurück!

In dir will mir aufs neue
Die Vielgeliebte erstehn;
Oft mein’ ich an dir ihr Lächeln,
Ihr hold Erglühen zu sehn,

Oft dünkt dein blaues Auge
Mich wie das ihre so hold –
Doch küßt die Abendsonne
Deinen Scheitel mit flüssigem Gold,

Entperlen deinen Fingern,
Den schlanken, die Töne lind:
„Auf Flügeln des Gesanges,“
Dann wird mir angst, mein Kind,

Um dich, du meine Sonne,
Du meines Abends Licht,
Daß du mich könntest verlassen, –
O spiel’ das Lied mir nicht! Ad. Gründler.