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Zum Wappen und zur Familiengeschichte der Baldung

Textdaten
Autor: Robert Stiassny
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Titel: Zum Wappen und zur Familiengeschichte der Baldung
Untertitel:
aus: Wappenzeichnungen Hans Baldung Griens in Coburg, in: Neues Jahrbuch der K. K. Heraldischen Gesellschaft „Adler“
NF 5–6, 1895, dieser Abschnitt S. 391–394
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1895
Verlag: Selbstverlag
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Erscheinungsort: Wien
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung: Artikel über das Wappen der Familie von Hans Baldung Grien
Siehe auch Schwäbisch Gmünd
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Wappen baldung 1.png
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Zum Wappen und zur Familiengeschichte der Baldung.

Vorstehende Abbildung gibt nach einer Bause aus dem Osthausener Codex das Wappen des Straßburger Bürgergeschlechtes Baldung wieder. Es zeigt in Roth ein silbernes, goldenbewehrtes Einhorn, wachsend; auf dem Stechhelme ist über einem rothgoldsilbernen Wulste und rothsilbernen Decken die Schildfigur wiederholt (vgl. Kindler v. Knobloch, Oberbad. Geschlechterbuch I, 39 [1]). Dieses Familienwappen hat schon Eisenmann, Meyers Künstlerlexikon II. 620, auf dem Holzschnitte Baldungs, der „Schlafende Stallknecht“ (Pass. 76: Hirth-Muthter, Meisterholzschnitte, Nr. 412[2]), nachgewiesen. Eine Anspielung auf sein Wappenbild hat der Künstler auch in die von ihm gezeichnete Illustration zum achten Gebote in der Grüninger’schen Ausgabe der „Zehn Gebote“, Straßburg 1516, einfließen lassen; hier ziert die Wange des Richterstuhles das Reliefbildchen eines Einhorns und seines Jungen (Muther, Deutsche Bücherillustration II, Taf. 245 [3]). Die Baldung stammten aus Schwäbisch-Gmünd und hatten ihr Wappen offenbar aus dieser ihrer Heimat mitgebracht; denn das ehemalige Reichsstädtchen führt noch heute das silberne Einhorn mit goldenem Horn und ebensolchen Hufen im rothen Schilde (Neuer Siebmacher I, 4. Abth., Taf. 37, S. 19; C. Pfaff, Württ. Jahrbücher, 1854, Heft 2, S. 187 f.; Rosenberg, Karlsruher Skizzenbuch, S. 6). Auch der jüngere Bruder des Malers, U. J. Dr. Caspar Baldung[4], seit 1522 Stadtadvocat von Straßburg (s. die Coburger Zeichnung, Nr. 29), siegelt auf einem im städt. Archive erhaltenen Schreiben aus demselben Jahre, das er noch als Rector der Universität Freiburg unterfertigt, mit dem Einhornskopfe; einen Auszug aus diesem Schriftstücke, dessen Bekanntschaft ich Hrn. Conservator Seyboth verdanke, hat Dacheux, Les plus anciens écrits de Geiler de Kaisersberg, Colmar 1882, [392] pag. XXXX squ., Note 4 veröffentlicht [5] (fehlt in der deutschen Ausgabe des Werkes, Freiburg i. Br. 1882).

Dem Maler Baldung Grien sind in der älteren Literatur zwei Wappen zugeschrieben worden, die ihm beide fremd sind. Die dreiblätterige grüne Lindenstaude auf grünem Dreiherg, die auf einem Entwurf des Künstlers zu einer bürgerlichen Allianzscheibe in der Albertina mit einem Engelsschilde gepaart erscheint, und von Grenser (Taf. XVII) als sein redendes Wappen (Grien) angesprochen wurde, scheint sich auf das Freiburger Geschlecht Tulenhaupt zu beziehen. Wenigstens ist dieses Wappen auf einem von den Eheleuten Franz und Adelheid Tulenhaupt in das südliche Seitenschiff des Freiburger Münsters gestifteten Votivfenster aus dem 14. Jahrhunderte zu sehen, mit der einzigen Abweichung, dass der Schild golden, nicht silbern bemalt ist, wie ihn eine Farbennotiz auf dem Blatte der Albertina bezeichnet (Mitth. v. Knoblochs; vgl. auch die Zeitschrift „Schau-ins-Land“. IX, 33). Ein zweites Wappen war Dacheux, a. a. O. auf Grund einer Angabe im „Bürgerfreund“ von 1777 (II. Jahrg., I, 72) dem Maler beizulegen geneigt: in Gold zwei schwarze Balken, begleitet von drei, 2 zu 1 gestellten Posthörnern. Dieses Wappen gehört aber der Gattin des Künstlers, Margarethe Haerlin († 1552). an. „Herrn Christmann Herlins, canonici zum Jung St. petter Schwester“ und einer Verwandten des in den Jahren 1522–1546 von der Kürschnerzunft fünfmal zum Ammeister gewählten Martin Haerlin (Hertzog. Edelsasser Chronik. VIII, 93).

Als den ältesten Bruder des Malers bezeichnet v. Knobloch Hieronymus Baldung. Art. et Med. Doctor. kais. Rath und Leibarzt Maximilians I., mit dessen Bewilligung er sich 1496 in Straßburg niederließ. Im folgenden Jahre, 1497. erschien bei Grüninger ein Buch von ihm: „Aphorismi compunctionis theologicales“, das in der 1493 von Gmünd aus datierten Vorrede dem Bischof von Augsburg, Friedrich von Zollern – dem Gönner des Ulmer Malers Bartholme Zeitblom – gewidmet ist. Ein Holzschnitt auf der Rückseite des Titelblattes führt den Verfasser vor, wie er knieend den ihm in Wolken erscheinenden Gottvater adoriert, neben ihm sein Wappen: zwei gegeneinander aufgerichtete goldene Löwen in Roth, auf dem gekrönten Stechhelme ein wachsender Löwe (Dacheux, LI; Ch. Schmidt, Répertoire bibliogr. Strasbourgeois I, II, 28)[6]. Dieser selbe Löwenschild kehrt, von einem Bischofshute überhöht, auf einem Holzschnitte Baldungs mit der Halbfigur der Madonna in der Strahlenglorie wieder. Das signierte Blatt findet sich in dem 1514 bei Hans Schott in Straßburg erschienenen „Enchiridion poeticum“, einer vom Verleger selbst zum Schulgebrauche zusammengestellten Compilation classischer Epitheta, hauptsächlich aus Virgil (Passavant 65: Schmidt, Répertoire II, 20, 25)[7]. Den Träger dieses Wappens, gewiss gleichfalls ein Verwandter des Künstlers, festzustellen, ist mir bisher nicht gelungen. In Hieronymus Baldung wird man aber mit Dacheux eher einen Oheim als den Bruder Baldung Griens zu erblicken haben. Am 24. Oct. 1514 erneuert ihm der Kaiser sein Bestallungsdecret als Leibarzt: in dem Schriftstücke, von dem in den Reichsregistraturbüchern im Haus-, Hof- und Staatsarchive zu Wien eine Copie vorliegt, wird ihm ein jährliches Wartegeld von 52 Gulden Rhein. – an Stelle der bisher bezogenen 80 – auf die Kammer in Innsbruck angewiesen, „darmit er sich in seinem alter desto statlicher vnderhalten muge“. Doch ist er noch 1517 am Leben, wie aus einer andern kaiserlichen Anordnung in den Registraturbüchern [393] hervorgeht, welche die Regelung einer von ihm in Augsburg gemachten Schuld verfügt. Vielleicht hat der Arzt noch einem Studienaufenthalt an der Universität Löwen sein Familienwappen aufgegeben und ein neues angenommen. Thatsächlich führte die von ihm abzweigende Linie des Geschlechtes, vorab seine Söhne Exuperantius und Pius Hieronymus, den Namen „Baldung von Loewen“.

Dieser Hieronymus Baldung d. j., nach der oben geäußerten Ansicht ein Vetter – nicht Neffe des Malers, wie in der Allgm. Deutsch. Biographie II, 19 f. [8] und von Knobloch vermuthet wird – wirkte 1506–1510 als Lehrer des canonischen Rechtes an der Universität Freiburg, innig befreundet mit den Humanisten Zasius und Amerbach. Im letztgenannten Jahre tritt er in die vorderösterreichische Regierung zu Ensisheim ein. 1521 wird er beim Regimente in Innsbruck erwähnt (Jahrbuch d. Kunstsamml. des ah. Kaiserhauses 1884. Th. II, Nr. 1449); er kann daher nicht identisch gewesen sein mit dem „Doctor Hieronymus von Löwen, genannt Baldung“, der 1521 zum Stadtschreiber von Straßburg bestellt wurde und den Dr. Caspar Baldung in dem vorhin angezogenen Briefe von 1522 als seinen „lieben vetter“ grüßen lässt (Bull. d. l. soc. p. l. conservation des monuments hist. d’Alsace, IIe serie, XV, 244). 1527 erscheint Dr. Hier. Baldung als tirolischer Kanzler des römischen Königs Ferdinand. Damals waren er und sein Bruder Exuperantius bereits geadelt. Das Datum der Standeserhöhung ließ sich nicht ermitteln; sie scheint vor 1520 erfolgt an sein, in welchem Jahre, das Siegel des Hieronymus im Schilde die gegeneinander aufgerichteten Löwen und auf dem gekrönten Turnierhelm den wachsenden gekrönten Löwen zeigt. Er hatte also das väterliche Wappen beibehalten, das Kaiser Karl V. in einem vom 18. August 1531 datierten Diplome ihm und seinem Bruder dahin verbesserte, dass der Dreiberg, auf dem die Löwen bisher gestanden, von nun ab fortzubleiben habe (Knobloch, a. a. O. S. 38 f.). Dieser Dreiberg fehlt allerdings schon den bisher erwähnten drei Abbildungen des Wappens der „Baldung von Loewen“; doch kömmt er auf dem Wappen eines „Hanns Baldung vor, das ein in der heraldischen Literatur bisher übersehenes Tiroler Wappenbuch in der Bibliothek des Chorherrnstiftes Neustift bei Brixen enthalt; und noch im Ausgange des Jahrhunderts führt ihn ein sogleich zu erwähnender Joh. Christoph Baldung von Loewen. Der Kanzler Baldung stand bei König Ferdinand in hohen Gnaden. Bei der Hochzeit seines Sohnes (Aurelius?) in Innsbruck 1531 ließ sich die Majestät durch die Regierung vertreten und einen silbervergoldeten, mit dem „geschmelzten Wappen“ der Baldung verzierten Ehrenhecher als Geschenk überreichen (Jahrb. d. Kunstsammlungen des ah. Kaiserhauses 1884, Th. II, Nr. 1870 und 1874). Hieronymus scheint verstorben zu sein, als am 28. Juli 1539 sein Bruder Exuperantius und dessen Erben als seine Lehensnachfolger zwei vorderösterreichische Burgen (Wielandingen und Namsheim) übernahmen, Exuperantius wurde der Stammvater einer adeligen Familie Baldung, die im 16. Jahrhunderte in Tirol und in Vorderösterreich geblüht hat und deren Zusammenhang mit dem Straßburger Geschlechte von Grenser (S. 5, Anm. 13) daher mit Unrecht angezweifelt worden ist.

Von einem seiner Nachkommen, dem Joh. Christ. Baldung von Loewen besitzt Herr Hofwappenmaler E. Krahl in Wien ein Stammbuch, dessen Daten von 1581 bis 1602 reichen (vgl. den Bericht über die heraldische Ausstellung des Vereines „Adler" 1878, Wien 1881, S. 81 f.). Nach Familiennotizen auf der letzten [394] Seite des Büchleins war der 1564 geborene Eigenthümer in Freiburg wohnhaft und seit 8. Juli 1585 mit Euphrosina Bleysin vermählt; eine zweite Gattin, Maria Cleophe von Danckenschweil, die ihm eine Tochter geschenkt hatte, gieng 1606 eine neue Ehe ein. Die Einträge des Büchleins eröffnet das alte Einhornwappen der Baldung, umgeben von vier Ahnenschildchen. Der Besitzer scheint aber in Wirklichkeit das vermehrte Wappen geführt zu haben, das Blatt 4, Rückseite gemalt ist und die Vorderdecke des Buches in Goldpressung schmückt: im gevierten Schilde das Stamm- und das Löwenwappen combiniert, darüber die beiden Helme mit den bekannten Kleinoden.

Aus dem interessanten Inhalte dieses Stammbüchleins sei nur das Wappen eines Friedrich von Gottesheim aus dem Jahre 1585 (Blatt 81. Vorderseite) hervorgehoben, weil es uns auf den Künstler selbst und ein namhaftes Werk seiner Hand zum Schlusse zurückführt. Margaretha, die 1560 verstorbene Tochter Hans Baldungs, war in erster Ehe mit einem Sprossen dieses Hagenauer Patriziergeschlechtes, Matthis v. Gottesheim († 1530), vermählt. Das Wappen der Gottesheim war ein goldgerandeter blauer Schild, darin ein mit 3 goldenen Sternen belegter rother Schrägbalken; auf dem Spangenhelme mit blaurothen Decken ein blauer Schwanenhals mit goldenem Schnabel und rothem Rückenkamm, daran 3 goldene Sterne. (Knobloch, Her.-gen. Zeitschr. XIV, 101). Dieses Wappen findet sich nun zweimal auf dem großen Flügelaltare Baldungs, mit der Taufe Christi als Mittelbild, der aus der Dominikanerkirche in das Historische Museum zu Frankfurt a. M. gekommen ist. Bei dem Donatorenpaare auf dem linken Flügel erscheint es als Manns-, bei jenem auf dem rechten Flügel als Frauenwappen. Das Triptychon war also von der Familie des Tochtermannes Baldung Griens gestiftet worden.

Anmerkungen (Wikisource)

Nach Erscheinen der Arbeit von Stiassny bekannt wurde das von Hans Baldung Grien geschaffene Wappen-Exlibris für seinen Bruder Kaspar. Bei der Inkunabelkatalogisierung der Bestände der Universitätsbibliothek Mannheim wurde ein neues Exemplar aufgefunden: "Koloriertes Wappenexlibris von Hans Baldung Grien, verwendet von seinem ältesten Bruder Caspar Baldung. Beischrift Arma d. doctoris Caspari Baldung C¸esarei pretorii Adsessor in Urbe Spyra Ao. 1532 (bisher nur jeweils ein Exemplar in Basel und Hamburg bekannt. Vgl. dazu Mela Escherich: Hans Baldung-Grien Bibliographie 1509-1915. Straßburg 1916. Studien zur deutschen Kunstgeschichte 189, S. 14 und Abb. 2; Staatliche Kunsthalle Karlsruhe: Hans Baldung Grien. Ausstellung ... 4. Juli - 27. September Karlsruhe 1959, S. 285, Nr. 84; Hans Baldung Grien: Das graphische Werk. Bearb. von Matthias Mende. Unterschneidheim 1978, S. 48, Nr. 81 und Einblattholzschnitt Nr. 81).". Überliefert in Ink. 128a, zitiert nach INKA (Zugriff 27.7.2007).

  1. Siehe Scan auf Commons
  2. Siehe Commons
  3. VD16 M 1076, Bild auf Commons
  4. Siehe ADB:Baldung, Caspar und den Wikipedia-Artikel
  5. Siehe Google = Internet Archive
  6. Siehe das Digitalisat http://diglib.hab.de/inkunabeln/96-1-theol-6/start.htm?image=00002
  7. Bild auf Commons. Nicht vorhanden im Digitalisat MDZ München. Man vergleiche die beiden Holzschnitte in dem Stiassny unbekannten "Mariale" des Hieronymus Baldung des Älteren von 1514 (Nürnberg: bei Peypus): MDZ München
  8. Siehe ADB:Baldung, Hieronymus Pius

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