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Titel: Zimmerpflanzen im Juni
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aus: Die Gartenlaube, Heft 24, S. 407
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1889
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[407] Zimmerpflanzen im Juni. Solche Pflanzen, welche nicht zur Ausschmückung der inneren Wohnräume dienen sollen, müssen nun, wenn es nicht schon im Mai geschah, notwendig an die freie Luft gestellt werden; ja es ist sogar notwendig, auch die Zierpflanzen, welche den Winter über in den Zimmern standen, zu wechseln und mit anderen zu vertauschen. Die eine tägliche Zimmerwärme nicht ertragenden grünen Holzpflanzen haben dann oft schon junge Triebe angesetzt, welche aus Mangel an Licht und Luft ungesund sind, daher am besten ganz weggeschnitten werden, damit sich daneben andere kräftigere bilden. Es ist dies das sicherste Mittel, buschige Zierpflanzen zu ziehen Krautartige Blattzierpflanzen, wie Palmen, Blattbegonien, Aspidistra (Plectogyne), Drazänen, Clivia etc. können im Zimmer stehen bleiben, vorausgesetzt, daß sie hell genug stehen. Den zur Erholung im Freien aufzustellenden Pflanzen sind in Ermangelung eines schattigen Platzes in einem Garten schattige Balkone, offene Gänge und ähnliche Plätze anzuweisen. Alle Pflanzen, welche in Wohnräumen gestanden haben, müssen im Freien einige Wochen schattig stehen, weil sie sonst verbrennen, d. h. von der Sonne Flecken bekommen, die jahrelang sichtbar bleiben. Selbst Pflanzen aus heißen Gegenden, welche dort an Sonne gewöhnt sind, wie Kaktus, Aloe, Drazänen, Palmen etc. verbrennen, wenn sie unvorbereitet der vollen Sonne ausgesetzt werden. Die zum Schmuck des Blumenbrettes und außen am Fenster angebrachten Pflanzen müssen an den Töpfen mit Moos umgeben werden, damit die Töpfe nicht von den Sonnenstrahlen zu heiß werden und die Pflanzen zu schnell austrocknen. Dieses Moos muß stets durch Begießen feucht gehalten werden. Die im Garten zur Zierde einzeln aufgestellten großen Pflanzen umgiebt man am besten mit schmuckreichen Uebertöpfen.

Sollten die zur Ausschmückung der Blumenbeete bestimmten Pflanzen nicht schon im Mai ausgepflanzt worden sein, so ist es im Juni die höchste Zeit. Viel Wärme verlangende Pflanzen, wie Canna und Pisang (Musa), pflanzt man überhaupt in nicht besonders warmen Gegenden erst Anfang Juni aus. Um sie recht üppig und vollkommen werden zu lassen, gräbt man die Erde der für sie bestimmten Beete aus und macht die Grube nach Art der Mistbeete durch Pferdemist und Laub warm. Geschieht das nicht, so erlangen sie selbst in heilen Sommern erst im August die gewünschte Ueppigkeit. In Gefäßen erreichen solche Pflanzen selten die ganze Vollkommenheit.

Zieht man im Zimmer Gloxinien und andere schon blühende knollenbildende Pflanzen aus der Familie der Gesneriaceen, so beginnen jetzt bereits. einige zu blühen. Diese Pflanzen müssen schattig stehen und dürfen nicht vor das Fenster gestellt werden. Hat man viele Töpfe mit solchen Blumen, so kann man, um den Flor zu verlängern, einen Theil davon kühler stellen Ein wöchentlich wiederholtes Begießen mit einer sehr verdünnten Lösung von Guano oder einem ähnlich wirkenden Düngstoffe trägt viel zur Vergrößerung der Blumen und zu einem reicheren Knospenansatze bei.

Hat man die Absicht, die im folgenden Winter blühenden chinesischen Primeln und Cinerarien selbst aus Samen zu ziehen, so ist es jetzt höchste Zeit dazu. Man säet den Samen in flache Samentöpfe, in Ermangelung solcher in flache Cigarrenkisten oder ähnliche Gefäße, in fein gesiebte sandige leichte Erde (Heide- oder Lauberde) bedeckt sie schwach und hält die Erde bis zum Keimen durch Bedecken mit einer Glastafel feucht. Letzteren Zweck erreicht man auch durch Auflegen von Löschpapier, welches man durch Bespritzen immer feucht hält.

H. J.