Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 57

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: In disem capitel wurt vermeldet, wo herr Wilhalm Wernher freiherr zu Zimbern etc. in seiner jugendt erzogen, auch was sich nach seinem rectorat zu Freiburg begeben.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 570–589
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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[600] In disem capitel wurt vermeldet, wo herr Wilhalm Wernher freiherr zu Zimbern etc. in seiner[1] jugendt erzogen, auch was sich nach seinem rectorat zu Freiburg begeben.

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Der jüngst under den vier gebrüedern freiherren von Zimbern, herr Wilhelm Wernher, seinen baiden anherren nach also genempt, ist, als er noch über vier jar nit alt gewesen, in weilunt seins herren vatterns vertreiben und verjagen in das Churer Rhetia geen Ortenstain zu graf Jörgen
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von Werdenberg zu Salgans geschickt worden; dann als der alt herr Gottfridt von Zimbern deren von Werdenberg zu Sigmaringen grim gemüt der jungen herren halb, wie hievornen gemeldet, vermerkt, hat er den jüngsten under

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[571] inen haimlichen hinauf ins Oberlandt geflöhnet, und damit dester weniger argwons uf dem weg, wardt der guet jung herr uf aim ross in ainer kretzen, wie die seumer pflegen zu faren, durch ain vertrawten mann hingefüert, und ward
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im vil dockenwerks zu ainer kurzweil in den kretzen gegeben. Als er nun geen Ortenstain gepracht, hat ine graf Jörg, auch sein gemahl, fraw Barbara, war ain grefin von Sonnenberg und graf Endresen schwester, mit frewden angenomen, dann bemelter graf Jörg und herr Johanns Wernher
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freiherr zu Zimbern der elter sich also mit ainandern ainhelligclichen verglichen, dieweil graf Jörg kein elichen leibserben hünder ime verließ, sollte graf Jörg iezbemelten jungen herrn Wilhalmen Wernhern in heredem nominis et omnium bonorum an ains sons statt instituiren und annemen. Der jung
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herr wardt mit allen trewen und nit anders, dann als ob er ir leiblicher sone gewesen, etliche jar von inen erzogen, so lang, das graf Geörg ine, herrn Wilhelmen, zu ainem erben aller seiner ligenden und vahrenden güetere ordnete. Und ist diser jung herr nit allain von graf Jörgen von
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Werdenberg zu aim erben angenomen, sonder auch graf Gaudenz von Metsch, welcher der letzst graf war seins geschlechts, der het ain Mailendere zu aim gemahl, hieß Hipolita, war des geschlechts von Simonetis; von der het er nit mer der zeit, dann ain klains döchterlin, das war irer baider erbe.
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Dasselbig fröle von Metsch wardt herr Johannsen Wernhern dem eltern für sein jüngsten son, diesem herr Wilhalmen Wernhern, versprochen, so er zu seinen tagen keme, das er die baide grafen Werdenberg und Metsch allerdings erben solte. Aber es wardt hernach nit gehalten. Wo graf
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Gaudenzen von Metsch dochter und sein verlassenschaft hernach hinkommen, ist nit bewist[2], macht alles, das herr Johanns Wernher der elter so zeitlich mit todt vergieng und sich der sachen hernach niemandts so hoch anname. * [1319] Anno 1485 ist herr Wilhelm Wernher freiherr
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zu Zimbern geboren worden zu Mösskirch, uf der hailigen drei künig tag. Herr Hanns Zimberer, ein priester, des alten herren Gotfrids freiherrn zu Zimber bastardtsone, hat herr

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[572] Wilhelm Wernhern geen Ortenstain in die Pünt gefüert, und ist grave Gaudenzen von Metsch das haupt von kaiser Maximiliano abgeschlagen worden. Die landtschaft hat der kaiser eingenomen, die erbdochter ist aim freiherren von Polhaim
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vermehelt worden. Diser grafen von Metsch schloß oder sitz ist gewest Churburg, nit weit von Meran gelegen. * * [1471] Grave Gaudenz von Metsch ist in dem Venediger krieg, den herzog Sigmund anno 1487 mit den Venediger gefürt, über den ganzen deutschen haufen veldoberster
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gewest und hat sich wol gehalten. * Und nachdem grave Jörg von Werdenberg abgestorben, wardt der jung herr widerumb herauß geen Rotweil zu seiner fraw muetter geschickt. Seine gebrüeder so wol, als er, vertriben, andere von der freindtschaft namen sich der
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sachen nichs an, man ließ die gueten jungen herren machen und genug blueten; wer konte, der gewermbt sich ob dem iren, so böst er mocht. Die grefin von Sonnenberg, [601] weilunt graf Jörgen witib, het ir haushaltung zu Ortenstain ir lebenlang. Nach irem absterben ist alle graff Jörgen und ir
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verlassenschaft an ligenden und vahrenden güetern an herrn Wilhelmen truchseßen von Waltpurg erbsweis gefallen. Der hat solliche güeter auch nit lang behalten, sonder, so hoch er gemegt, wider verkauft. Sein dieser zeit in handen der Tschudi. * [1467] Grave Jerg von Werchberg ist letstlich gar
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kündtlich worden; do hat er durch prattiken seins weibs seinen baiden schweger, grave Endres und graf Hannsen, die herrschaften Ortenstain und Hainzenberg umb zwelf tausendt guldin zu kaufen geben. * * [1414] Ehe und zuvor graf Jörg von Werdenberg zu
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Salgans sich mit der graven von Sonnenberg schwester verheirat, do ist er eins mals zu seinen vettern, den freiherrn von Brandis, herab [1415] gen Maienfeld kommen, und als er selbiger zeit noch ain junger, angehender man, do stall er sich gegen aubends von seinen vettern, der mainung,
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in der nechsten derfer ains, do er alle kundtschaft hett, der bulschaft nachzuwandlen. Wie er nun ufs feld ganz spat und darzu allain hinaus kompt (war gleichwol an ainem hailigen aubendt), do ersicht er ain veld- oder waidross, dem legt er widen an fuß, ain zaum, fert damit fort seinem
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fürgenommnen weg nach. Er war ain klainen weg darauf geritten, so begegnet im ain thier, wie ain gaiß, dem hieng ain junges thier zum leib auß. Sollichs alles war ain lauters

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[573] gespens und ain sollich pleren und geschrai allenthalben umbher, das er gar nahe mögt darvon doll sein worden. Iedoch rannt er dem thier nach in ainer unbesinten weis, so wurt ainsmals ain grose kugel darauß, die lauft vor im
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hin; und mit sollichem gescheft so wurt er so weit verfürt und ab dem weg gebracht, das er mit dem ross in Rein fellt und gar nahe ertrunken wer. Iedoch half im Gott, das er mit aller marter und großer müehe zu aim felben kam, an dem enthielt er sich mit höchsten sorgen und
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geferden die ganz nacht, das im niemands zu hilf kam. Des andern tags ist im hilf von vischer bewisen worden, die haben in ußer dem maienbad widerumb zu landt gebracht, und wie man sagt, so ist im auch zu ander zeiten vilmals mainich seltzame abenteur von gespensern begegnet, darvon
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vil zu schreiben. * * [1413] Anno 1504 uf s. Matheis abendt ist grave Georg von Werdenberg und Sargans gestorben, uf Ortenstain, ward begraben zu Sargans. In selbigem jhar den 24 Aprillis ward grave Gaudenz von Metsch, ritter, zu Insprug enthauptet
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und ward im closter Marienberg begraben, het sein sitz und wonung uf Kürburg gehapt. * Man sagt, das in kürze, nachdem graf Endres entleibet, sein gaist manche nacht zu iezgedachter seiner schwester, der grefin von Werdenberg, gen Ortenstain komen seie, in
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der cammer umbher gangen und vil unruhe gemacht. Eines mals, als er nachts zu der grefin bet kommen und lang stil gestanden, do hab sie ain herz gefast und den gaist unerschrockenlich, wer er sei, von wesswegen er aldo gang und im doch zu helfen seie, befragt. Der hab in oberlendischer
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sprach verstendtlich und in dem accent, wie weilunt graf Endres sellig in seinem leben geredt hat, geantwort: »Mein schwester, ich bin dein brueder, graf Endres, und bin jemerlich ermürt; laß mein seel dir bevolchen sein! mir ist mit so vil almuessen und anderm (dess er ir hiemit genempt
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hat) zu helfen. Dess hat sie im zugesagt und zu laisten versprochen, darauf er ir trawlichen gedankt und also von ir abgeschaiden. Und demnach sie laut seins begerens gewilfaret, hat man hinfüro nichs mer also unrüebigs oder ungehewrs gehört.
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Herr Wilhalm Wernher ist, nachdem er wider von Ortenstain herauß kommen, zu herzog Ulrichen von Würtemberg gethon worden. Derselbig war dozumal noch gar jung.

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[574] Man erhielt im etlich junger grafen, herren und vom adel, die mit im studieren sollten. Das warn namlichen graf Ulrich von Helfenstain, graf Carl von Öttingen, herr Jörg von Haideck, Leonhart marschalk von Bappenhaim, Ulrich
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marschalk von Hochenriechen, Wolf von Rechberg, Conradt von Rechperg, Wolf von Sperberseck, Hanns von Wernow, Hanns Marx von Bubenhofen und Albrecht Haller, der war von Tübingen bürtig, war iren aller famulus. Sie hetten ein preceptorem, hieß magister Adam N.[3], war ain priester
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und gleichwol ein fromer man, aber ain grobs helzle. Zu denen kam herr Wilhalm Wernher auch, alda er auch etliche jar verharret, biß er zu denen jaren kam, das er den hochen schulen nachgeschickt wardt. Hiezwischen wardt das landt Würtemberg durch landthofmeister und räth
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regiert. Der landthofmeister dozumal war herr Hanns Caspar von Bubenhofen, ritter. Von dem sagt man, das er sein herren nit wol erzogen, wie sich dann hernach wol beschaint hat. Er hat ainer rauchen, grimen disciplina gewonet, so doch ain sollichs ernstlichs ingenium vil mer ad
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humanitatem und ad leniores affectus sollte gezogen sein worden. Sein präceptor, so hernach zu Stutgarten mit gaistlichen beneficiis versehen worden, hat sich ainer ungewonlichen zucht oder straff gegen seinen discipeln beflissen, dann so ainer zu zeiten, es sei in der lehr oder moribus, was
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verschult, hat er im ain krum, ungeformts holz, so der essel genennt worden, angehenkt, welches er nit allain in irem gemach oder lernstuben, sonder auch in der türnitz oder hofstuben vor iederman antragen, welches sovil dester schimpflicher, seitmals das der jung herzog selbs vor seinen
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vasallen und lehenleuten, auch aignen dienern, dergleichen seiner räth, auch des landthofmaisters selbs dorheit und groben unverstandt dermaßen hat beweisen und vor iederman anzeigen müeßen, welches dann mermals von treffenlichen leuten beredt und undersagt [602] worden. Bemelter
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herzog, als er erwachsen, ist er iren keinem der verächtlichen zucht nie dankbar oder hold worden; er hat auch hernach dem preceptori, so von den räthen mit gaistlichen beneficiis versehen worden, ansagen lassen, das er im under augen nit kom oder sich nichs guets gegen im, auch keiner
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gnad versehen solle. Sonst hat er weiter nichs gegen im

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[575] ungnedigs fürnemen lassen, welches an ine nit wenig zu loben. Aber herr Hanns Casparn ist er etlicher reden halber stets ingedenk gewest, darum im auch feindt worden. Es ist dem loblichen kaiser Maximiliano in seiner jugendt
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auch also ergangen; dann als er anfangs ain langsamen verstandt und gar ungelirnig gewest, ist er durch das boldern seines zuchtmaisters von studiis also deterrirt worden, das er von allem studieren gelassen. Derhalben, wie er erwachsen, hat er zu dem preceptore kein liebe oder gnad
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nie gehapt. Sein herr vatter, kaiser Friderrich, hat im das bisthum zu der Newenstatt in des sons Maximiliani namen verlihen, und als der bischof in wenig jaren hernach gestorben, hat sichs der Maximilian nichs angenommen, auch sich nit erzaigt, als ob was laidts hieran beschehen; und
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als er von räthen darumb angesprochen, hat er inen alle ursachen angezaigt und sie mit beschaiden, das sie ine hinfüro in solchem fahl weiter unangeredt haben gelassen. Bei herzog Ulrichen ist herr Wilhalm Wernher also etliche jar zu hoff gewest, in welcher zeit er sich gegen dem herzogen
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und andern gehalten, darab der herzog ain gnedigs gefallen, wie er ime dann hernach dessen überflissige zeugnus bei ainem domcapitl zu Costanz geben. * [1377] Wie nun der preceptor markt, das er ain grober, raucher pilz gewest, als im dann das genugsamlich, wie
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gehört, war undersagt worden, do het der jung herzog hernach vil mehr freies willens, als hievor. Begab sich kurzlich hernach, das der herzog geen Nürtingen ward uf ain vassnacht geladen, do warden ime alle kurzweiln, was meglich, von der alten herzogin, so iren widem alda gehalten, und
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dieweil ain großer beer alda an ainer kettin lag, do begert der herzog ain starken, fraidigen ochsen an den selbigen zu hetzen und dem kampf zuzusehen. Das beschach. Es wardt der ochs vorhin erzürnt und mit aim langen sail an den beren, der dozumal ledig gelassen, gebunden. Der wolt
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den beren getriben und angrifen haben. Aber demnach es noch winterszeiten, ganz kalt und der hof gefroren, war ganz glat und hel, do schlipft der ochs, fiel mit den hündern fießen so frevenlich uf den boden und von ainandern, das er nit wider kont ufkommen, blib ligen. Der wardt gleich
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von den köchen und andern gestochen, damit er nit verderbe, und darvon gezogen, und ußer bevelch des jungen herzogen do wardt gleich ain junger farr dargebracht und,

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[576] nachdem er erzürnt, an das sail zum beren gebunden. Nun het es im schloß zu Nürtingen domals ain hoche stegen, [1378] die gieng vom hof hinauf ins haus. Die selbig stegen stand aller voll leut, dem kampf zuzesehen, wie dann sonst
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vil volks im fenster lag. Zu der selbigen stegen trang der ber mit dem jungen farren, do war ain groß fliehen von menigclichem uf der stegen hünder sich dem haus zu. Die ersten, so hinein kamen, schluegen von forcht[4] wegen des beeren die thür zu und wolten niemands mer hinein lassen.
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Do war jamer und not uf der stegen, wie der rausendt beer die stegen antratt. Es drangen die leut oben uf dem drippel ainandern dermaßen, das etlich auser groser forcht under den eusersten freies willens dohinden übern trippel und ains tails auch beseits hinab in hof sprangen und fielen, wie sie
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konten. Und wiewol am leben niemands nichs beschach, so kamen doch iren etlich übel verletzt darvon, hetten sich hart zerfallen, und da die hausthür so geschwindt nit geöffnet, were unmüglich gewest, solchs ohne schaden zu zergeen. Es gefiel dem herzogen das purzlen über die masen wol,
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dann ime von jugendt uf mit solchem wol gewest, darbei sich sein grim gemiet immerdar erzaigt und mit gelofen. * * [1544] Ich findt, das bei den 175 jaren darvor ain gleichförmiger handel sich zu Bruesel[5] am Brurrain[6] begeben, das die leut auch also, gleichwol in ainem
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erschröckenlichern und ernstlichern handl, geengstiget sein worden, das sie zun fenster und laden sein hinauß gefallen, weibs- und manspersonen. Das ist also zugangen. In anno 1321, under bischof Emmichen von Speir, der seines geschlechts ein graf war von Leiningen[7], do war ain man zu Brusel, hieß
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Gotfrid, seines handtwerks ain ferber, der begert sich aber mit müßiggehn zu erneren, darum übt er sich in reimen und sprechen, wie dann solche lotterbuben vor jaren in sondren deliciis bei unsern vordern sein gewest. Uf ain zeit, und sonderlichen in iezernemptem jar, do begab sich, das ain
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hochzeit zu Bruesel war, welcher diser Gottfrid auch beiwonet. Under dem sprechen, als er sein geferd trib, do stunde im ain unversehenliche krankhait zu, das er zu boden fiel und menigclich nit anders vermaint, dann er were dodt, lag auch also ain gute weil. Ainsmals kompt er widerum

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[577] zu sich selbs und spricht: O we! o we! ich bin verdampt und werden mich die besen gaist hinfüren, dann ich stirb.« Er ward von gaistlichen und weltlichen personen getröst, aber er gab antwurt, er wer der barmherzigkeit Gottes nit
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wert, begert iedoch ains priesters; von dem ward er wie ain cristenmentsch versehen und starb gegen abents. Der baar wartet man die ganze nacht, etlich priester, auch sonst etliche weiber und ander leut vil die betteten, wie dann ainest ain gotsförchtigere welt gewest, dann man laider zu
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unser zeiten an vil orten findt. Gegen dag do kam der dodt Gotfridt wunderbarlicen wider zum leben und unversehenlichen do fieng er überlaut an mit heller stim zu schreien und Got zu loben. Darab erschracken die guten leut, so umb die bar umbher saßen und betteten, so gar, das iren
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den merertail die thür nit treffen künden, sonder zu den fienster und ledinen, gleichwol zimlich hoch hinab, an die gassen fielen; die ander entlüffen, iren etlich darunder haben sich übel zerfallen. Ich glaub, etlich sie haben gemaint, der leubhaftig deufel si vorhanden und werde sie gar
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hinfüren. Diser Gotfrid lept noch hernach bei zwelf jaren; er sagt auch, das er warhaftigclichen gestorben wer und von wunderbarlichen dingen, die er gesehen het. Hinfüro die übrige zeit seines lebens do lacht er nit mer, fürt auch ain strenges leben bis an sein ende. *
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* [1420] Das aber herzog Ulrich in seiner jugendt und auch darnach in seinem alter so abenteurig gewest, hat er seiner ort halb vom vatter reuchlichen bekomen; dann was für ain unutz man das gewest seins haltens und wesens halb, das bedarf ains aignen capitels. Kurzlich darvor, ehe
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er sich verheurat, do hat man dem alten graff Haugen von Montfort ain frölin von Bitsch vermehelt; dasselbig fürten etlich von der fründtschaft herauf in das land zue Schwaben zu irem[8] herr und gemahel. Füegt sich aber, das sie mit dem frawenzimmer durch das landt zu Würtenberg raisen
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mußten und graf Hainrich von Würtenberg, der nit lang darvor sein canonicat zu Straßburg verlasen, zu inen kam. Es schos im der düppel ins hirn und vergafft sich dermaßen ab dem frölin Bütsch[9], das er kurzum die haben wollt, auch damit denen anwesen von der fründtschaft angst und not
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macht, wie sie desselben sich mit glimpf entledigen mögten,

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[578] seitmals sie dem grafen von Montfort versprochen war. Als aber grave Hainrich ie nit absehen, do ward er doch damit abgewissen, seitmals die hochzeitere noch ain jüngere schwester hett, die vil schener wer (also rüempt mans ime,
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nur das man ine geschwaigen und mit glimpf uf dißmal abweisen könnte), so sollte im dieselbig werden. Und das ist domals der anfang gewest des würtenbergischen heurats mit Bitsch; dann nach dem vertrösten hat er darnach dasselbig frölin nit ußgesetzt, sonder sich mit ime vermehelt.
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Die hat im den herzog Ulrich, der gleichwol in seiner jugent nur graf Ulrich genennt warde, geporn, und wie man sagt, soll sie nit lang darnach gelept haben. Hernach ist im noch ain heurat zugestanden, nemlich ain greffin von Salm, von deren er ain sone, graff Jergen, und dann ain dochter, hat
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hernach herzog Hainrich von Brunschwig genommen. Die gräffin von Salm hat ime zu heuratgut zugepracht die herschaften Harburg und Reichenweir mit seinen zugeherd, in Elseß gelegen. Aber sein wesen war unfürstlich und wilde, derhalben unleidenlichen. Man hat seltzame ding von ime
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gesagt, sonderlichen aber, das er ain knaben hab umgebracht; suma, er hat also gehandlet, das man im die landtschaft zu Hochen-Urach eingesetzt; da ist er die zeit seins lebens erhalten worden, und soll der sone, herzog Ulrich, nachdem ime das fürstenthumb und das regiment übergeben,
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wenig zu ime kommen sein. Die gräfin von Salm, sein gemahel, graf Jerg, der sone und dann das frölin, sein dochter, sein bei ime weniger nit, dann als ob sie auch gefangen gewest, daher spricht man gemainlichen: »Gris schlecht noch gramen«[10], und das der alt so abenteurig nit
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gewest, der sone ist vil grimmer und seltzamer gewest. Solche mängel alle hat das edel land biß anher vil jar laider wol erarnen müßen. * Bei wenig jaren darvor und vast zu anfang, als das landt herzog Ulrich anname, wardt ain große fassnacht zu
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Stutgarten gehalten, dahin vil ehrlicher leut von lehenleuten und nachpurn kamen. Nun hett man in der ritterstuben ain große credenz ufgeschlagen, und dieweil es große ungelegenhait gehapt, ieder nacht das silbergeschier und anders an sein ort iedes zu behalten, do ließ man ain alten

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[579] und wolvertrawten diener alle nacht in der stuben ligen, das silber zu verwaren. Der beschloß die stuben und het sorg. Begab sich ainer nacht, als der silberknecht in der nacht erwacht nach dem ersten schlaff, do sahe er etlich der alten
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grafen von Wirtenberg sampt iren weibern mit großer herrlikait hinein geen. Man trueg inen vil wintliechter vor; under denen allen er vil bei iren lebzeiten het gekennt. Ein tail tanzten, die andern saßen zu disch, detten, als ob sie eßen, drünken und ganz frölich weren, iedoch alles
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still. Der guet alt man sahe dieser abenteur lang zu, und war im nit gehewr darbei, dann er wol verstandt, das es alles ein gespenst was. Letzstlich, wie das wesen am bösten, do warden die personnen alle feurig und fueren mit ainandern zun fenster hinauß. Der alt man ist ab diesem
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gespenst in ain solchen schrecken gefallen, das er sein in ain tedlich leger kommen, iedoch nach langem wider zu gesundhait kommen, die er doch nit lang behalten, sonder des schreckens halb zum alten haufen gefaren. Diese geschicht ist gewisslichen also, wie gehört, beschehen.
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Mittler weil herr Wilhelm Wernher bei herzog Ulrichen, begab sich, das die alt herzogin von Würtemberg, so zu Nürtingen iren widdumbsitz, uf ain jagen geen Waiblingen fure. Sie ließ maister Adamen, des herzogen preceptorem, ansprechen, das er dem jungen herren Wilhelm Wernhern
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mit ir uf das jagen welte erlauben. Das thette er. Wie nun der guet jung herr bei der herzogin im wagen sitzt, neben ainer Scheppechin, war ain alte junkfraw bei der herzogin, entschlief er ohne geferdt, das er für sich und der herzogin in den schoß fiel. Er erschrack übel, standt uf
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und entschuldiget es, so böst er mocht. Es mocht sein die alt herzogin wol lachen und sagt der alten Scheppechin ain guete histori, die herr Wilhalm Wernhers herr vatter uf der hochzeit herzog Jörgen von Bayrn [603] zu Landtshuet begegnet wer und das er gleichfals also an sie hinan wer
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gefallen. Solche historia ist an aim andern ort[11] angezaigt. Als er nun ain wenig erwachsen, ist er geen Tübingen, hernach geen Freiburg ins Preisgew uf die hochen schuelen gethon worden, anno 1504. Alda er etlich jar in studio juris und artium biß uf das jar 1509 gewesen und sich also
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geiebt, das er dessen hoch gelobt worden. Derhalben auch,

1 [580] als er zu Freiburg in rectorem erwellt, hat er seine lateinische orationes suo Marte selbs ußer aignem verstandt schreiben und auch reden künden, dardurch er dann nit wenig lobs erlangt.

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* [1480] Kurzlich darvor, als der bayrisch krieg angieng, do kam herr Wilhelm Wernher gen Tübingen uf die hochen schul und fürt in Lorenz Münzer dahin. Er ward bei aim doctor der rechten eingedinget, hieß Endras Drostel, der war sein preceptor und auch sein costherr. Wie man im
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den jungen herren pracht, fragt er den Münzer ganz spottlich: »Darf man auch in schlachen oder mit ruten streichen, da ers beschuldt?« spricht der Münzer ganz spottlich: »Nain, man soll in weder schlachen oder streichen, dann man hat mirs also befolhen, zu dem ist er ain herr; aber sonst soll
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man ime das gold in busen legen,« und hiemit thet domals der doctor beschaids gnug. Mitler weil und herr Wilhelm Wernher zu Tübingen, do het es ain abenteurer alda, man nampt in nur doctor Hainrich Starrenwadel, gleichwol er kain doctor war, sonder
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ain dorechter, verruckter mensch. Der wollt kurzum nit vergut haben, das man in Starrenwadel zusprach. Es war aber menigclich darauf abgericht, das im hin und wider in gassen, wo er hinwandlet, also zugeschreien ward. So er dann solchs hört, so thet er nit anders, als ob im omechtig
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werden und zu haufen falen wellt, und schrie mit lauter stim: »Ich here ain stim, ain stim, brich, himel! brich! brich! marbelstaine saul brich!« Kaiser Maximilian hett in ger zu sich an hoff gehapt, als dann laider auch ain deutscher brauch, das die großen herren ire kurzweilen bei
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narren suchen, aber man kont den gauch nirgends von statt bringen, wie man im thet, so kunt er nit gen, nit faren, nit reiten; dann so man in uf ain ross bracht, so gebaret er, als ob er herab wellt fallen, und schrie: »Ich scheiß, ich scheiß«, so mußt man in dann widerum herab nemen
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und an seinem alten ort bleiben lassen, ein narren vor, als noch. Es saß der zeit ain ritter zu Kilperg, ainer von Ehingen, hieß herr Jerg und war des ritters vatter, der herr Ruedolf von Ehingen hieß. Der sprach, er het ain hüpschen bart
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und sech gerad, wie ich. Derselbig herr Jerg von Ehing kam vil gen Tibingen; so er dann hert und sach, das man den guten gauch Starrenwadel also fatzet und blagt, so

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[581] hett er ain groß betauren mit im, undersagts im, mit vermelden, er söllt sich dessen so hoch nit anfechten, sonder die burst reden lassen, so würden sie selbs ufhören. Aber es möcht nit sein, er kunt im nit folgen, sonder sprach:
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»Ja, lieber herr Jerg, ir sagen wol darvon, wann ainer kem und one underlaß zu euch sagt: Jergle, Jergle, ritter Jerg, herr Jerg, herr Jerg! ich waiß wol, ir kündents auch nit dulden oder vergut haben.« Es war diser herr Jerg für ain weisen und vil berüempten ritter[12] geachtet, zugleich auch
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wie herr Herman von Sachsenhaim[13], der das artlich poetisch gedicht von der Merin het gemacht und dessen herr Jerg[14] coetaneus[15] ist gewest. Bemelter herr Jerg kam anno 14. ., als ain jubeljar war, gen Rom, und demnach der tisch alda sein soll, uf dem unser hailand Cristus das osterlam mit
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seinen jüngern soll gesen haben, so wurt derselbig uf die zeit menigclichen zaicht und zu küssen dargebotten, beschichter summa veneratione. Dozumal hat sich herr Jerg mit aim scharpfen messer darzu gerüst und in dem getreng ain spon ab dem tisch geschnitten, den, gleichwol mit großer
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geferd seines lebens, darvon gebracht. Den selbigen spon, tanquam rem sacram (wiewol vil daran zweifeln), er hernach in deutschen landen ganz köstlichen einfassen lassen und zu Kilperg behalten lassen. * * [1426] Mitler weil und herr Wilhalm Wernher in
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studio zu Tübingen, do ist anno 1505 gestorben ain wunderbarlicher man, wollt nur ain doctor sein, hieß Hainrich Ritter und war von Talhain pürtig, bei Andeck, man nampt in nur doctor Stairenwadel, und hielt sich den merer thail bei seinem leben zu Tübingen, da er auch gestorben[16] und
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im closter zu Bebenhausen begraben worden. Er ist ain seltzamer abenteurer gewest, hat sich des warsagens und vil lecherlicher sachen underwunden; es wer von ime ain besonder tractat zu schreiben. * Nach ußgang sein, herr Wilhalm Wernhers, rectorat
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begab sich ain seltzamer handel zu Freiburg. Es het ain junger mentsch bei dem abt von Tennenbach etliche jar als ain organist und cemmerling gedienet, also das im der

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[582] abt über alles wol vertrawt. Und wie aber der bös gaist unrüebig, wen er kan zu fall bringen, nit underlast, also facht er den gueten jungen an, dem abt ain gesetz silberner becher zu stellen. Damit macht er sich darvon den
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nechsten Freiburg zu, wiewol er hernach bekannt, er hab nach begangner thatt kein ruhe in seim gewissen gehapt, auch nit wol fliehen künden. Wie nun der abt seins dieners und auch der silberner becher manglt, schickt er uf alle straßen, und ward der arm jung soverr verkuntschaft, das
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er zu Freiburg bedretten und von der obrigkait alda ingelegt wardt. Die becher und was er sonst entwert, wardt noch alles bei ime gefunden, darvon het er nichs verthon oder verendert. Die warden dem abt wider zugestellt, er aber wardt von der obrigkait zu Freiburg, wie
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gepreuchlichen, peinlichen beclagt, und lief das recht so weit, das er verurthailt wardt, unangesehen seiner jugent, das er hievor weder diebstall oder andere böse stuck nie begangen, mit dem strang gericht zu werden, wie dann bei den reichsstetten, auch andern in deutschen landen ein strenges recht,
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auch leuchtlichen umb kleine diebstal oder dergleichen verbrechen gericht wurt. Es rauhe der jung mentsch iederman, das er also jemerlichen umb sein junges leben sollte gebracht werden, derhalben die gaistlichen zu Freiburg, auch andere guetherzigen mentschen, bevorab aber die von
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der hochen schuelen, ein sollichs betauren mit hetten, das sie herr Wilhelmen Wernhern von Zimbern und dann ain jungen grafen von Hanow-Liechtenberg, genannt Reinhart, wardt hernach ain tumherr uf dem hochen stift Straßburg, ufwigleten, die sollten als illustres personae und vermeg irer
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freihaiten dem nachrichter im außfieren den armen jungen vom strick nemmen und erretten. Wiewol nun baider herren preceptores, fürnemlich herr Wilhelm Wernhers preceptor, doctor Jörg Northoffer[17] genannt, solch fürnemen bewilligten, iedoch verfüegten sich zu genannten zwaien jungen
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herren ain großer hauf doctores, magistri, studenten, priester und ander, die alle giengen in den spittl daselbst, alda dann der arm jung sollt fürgefiert werden und daselbst, wie gepreuchlich, sant Johanns segen drinken. Wie nun das beschach, standen die zwen jungen herren under der spittl-

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[583] thür; inen halfen etlich magistri und andere. Was soll ich sagen? Sie schnitten dem nachrichter den verurthailten[18] von dem strick, zogen den zu sich in den spittl. Wie aber zu Freiburg die gewonhait, das in dergleichen fellen der
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schulthaiß daselbst, so allweg ainer vom adel sein soll, sampt andern der statt geraisigen und diener mitzureiten pfligt, das beschach alhie auch. Derselbig, so dozumal ein Schnele von Zeringen was, genant Arbogast Bernlapp, het ain große beschwerdt, das im ain übelthetter also liederlich von
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studenten sollte genomen und der gepürlichen straff entzogen[19] werden, derhalben ruckt er mit seinen reutern hinzu, schlecht sein richterstab uf denen, so dozumal den [604] armen jungen bei handen, enzwei. Es fielen auch die statknecht den jungen widerumb an. Aber es mocht alles nit helfen. Es
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hankten sich die studenten als die ansehenlichisten, magistri und andere umb die zwen jungen herren, das sie die herren und den übelthetter mit gewalt und undanks aller Ölberger in den spittl hineinzogen und den volgends in die freihait prachten. Also muesten der schulthaiß mit seinen soldatten
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domals abziehen. Der nam solliche that so hoch uf, das er eilends eim rath zu Freiburg wider gewonhait und zu unzeiten zusamen ließ leuten. Denen clagt er den gewaltigen eingriff der studenten; hinwider aber ließen sich die studenten von der obgenannten jungen herren wegen sovil
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merken, waver sich die statt weiter desshalben inlassen und die herren als illustres und in sollichen fellen vilbefreite personnas bei irem herkommen und geprauch nit bleiben lassen wellten, würden sie verursacht, für die kaiserlich Majestat und an ander gepürlich ort umb handthabung
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anzurüefen und anzuhalten. Also bedacht sich ain rath eins bössern und ließen es ain guete sach sein, iedoch mit pitt, das sie hinfüro sich solcher freihait wellten mäßigen. Damit kam der arm jung darvon. Der nam sein begangen handlung, auch das er also unversehenlich durch die genad
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Gottes dem schandtlichen todt entrunen war, so hoch zu herzen, das er in ainer kürze hernach sich in den Barfüeßerorden begab, darin er auch sein lebenlang verharret. Er ist über etliche jar hernach zu herr Wilhalmen Wernhern geen Oberndorf kommen, bei dem er sich angezaigt und
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empfangner guetthaten ingedenk und dankbar gewesen.

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[584] Gleichfals hat herr Wilhalm Wernher in etlichen jaren hernach ein, genannt Baschion Federer, ist nachgends ain würt zur Chronnen zu Schafhausen worden und in ehr und guet kommen, bei seinem leben erhalten und im, wie das noch
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vil leut wissen, darvon geholfen, dess er dann dem allmechtigen zu vorderst und dann diesem frommen herren insonderhait zu danken gehapt. Domals, als herr Wilhalm Wernher zu Freiburg in studio, waren zwen junge herren von Rappolstain auch daselbst,
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genannt herr Ulrich und herr Jörg, waren des alten herren Wilhalmen von Rappolstains söne. Die woneten bei dem vernampten deutschen jureconsulto Zasio[20]; bei dem hetten sie den disch und habitation, waren auch in seiner disciplin. Wiewol nun herr Wilhalm Wernher under denen jungen
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herren, so in studio alda, der elter, den andern auch am herkommen und geschlecht gleich und gemeß, iedoch wolt der Zasius nit zugeben, das herr Wilhalm Wernher über seine zwen junge herren von Rappolstain in publicis actibus oder auch in der kirchen den standt haben sollte, vermaint
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auch, dieselbigen weren vil edler, dann die andern herren. Darum befalch er inen, sie sollten sich der seiten im chor, da herr Wilhalm Wernher stunde, hinfüro enthalten und uf der andern seiten bleiben, damit sie nit under im steen müesten. Das wardt nun von herr Wilhalm Wernher, wie
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jung er gleich domals noch war, auch von andern verstendigen nit geachtet und liesen ieselben jungen herren von Rappolstain so edel sein, als sie selbs wollten, und so edel, als ain haselhun, wie ain pawr vor jaren in Bayrlandt sein herren, den herzogen, schatzte. Und fürwar, so ist die
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vermaint opinion ains hochen adels von vil jaren here bei denen von Rappolstain[21] dermaßen eingewurzelt, werden auch von jugendt uf in dem wohn uferzogen, das sie anders nit wissen oder darfür halten, dann sie seien vil bösser, eins höchern herkommens und stands, dann sonst kain graf
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oder herr, daher auch dieser zwaier obgenannter jungen herren herr vatter, herr Wilhalm, uf ain zeit sich der hochait seins [605] geschlechts vil berüempt, sich doch letzstlich dahin erclert, er sei kain herzog oder kain fürst, aber nit

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[585] minder; so sei er auch kain graf oder freiherr, sonder vil bösser, also das zu achten, sie werden nach irem absterben zu s. Francisco losirt, dem seine münch kain gepürliche und wolverdiente session im himel kunten erdenken. Wie
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aber hernach solliche leut gerathen, die in dergleichen hoffart und übermuet uferzogen und dero gewonnen, das gibt die erfarnus, das bemelt geschlecht Rappolstain mermaln gar nahe darob zu boden gangen und noch glücks bedarf, das es ain bestandt hab. Es ward bei wenig jaren ain
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graff- und herrentag geen Riedlingen außgeschriben, darzu dann herr Eglof von Rappolstain, obgenannts herren Ulrichs sone, auch erfordert. Der erschin, und wiewol seiner schwester kinder, die jungen truchseßen von Walpurg, umb formundtschaft willen solch tagsatzung belangt, iedoch kam er
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über ain mal nit zu der freundtschaft, allain, wie ich bericht, der session halben, das er besorgt, er megte die seinem herkommen und standt gemeß nit bekommen. Derhalben blib er in der herbrig, luede die stattknecht daselbs zu gast, so im von gemeiner stat wegen den wein hetten
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geschenkt, wolt also zu gleich der Cajus Cesar in der herbrig lieber der fürnembst, dann uf dem rathaus und bei seinen freundten der viert oder der fünft sein. Herr Wilhalm Wernher ist gar nahe bei fünf oder sechs jaren in studio zu Freiburg verharrt, darzwischen er rector
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gewesen; und demnach domaln der sitt alda, das die rectores rote underfüterte kappen[22] tragen muesten, starb eben selbigs jars künig Philips von Hispania, anno 150[6][23], kaiser Maximiliani son, derhalben in allen österreichischen erblanden groß laidt. Also bekam herr Wilhalm Wernher auch
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die schwarzen laidtkappen in seinem rectorat, welches sich hievor in vil jaren nie begeben het. Nach im sein vil rectores zu Freiburg gewesen ex illustribus familiis biß uf annum domini 154 42[24] als graf Felix von Zollern daselbs in studio und zu rector erwellt worden. Der hat sich in
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seinem rectorat dermaßen erwisen, das die andern glider der universitet, wie man sagt, sich verglichen, hinfüro allain uß den doctoribus und gelerten ein rectorem zu erwellen, und hat sie übel verschmacht, das die rectorkappen nachts also im kat uf der gassen hat sollen umbzogen und verspottet
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werden.

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[586] Zuvor und ehe herr Wilhalm Wernher zu doctor Jörgen Northoffer kommen, hat er ain präceptorem gehapt, ain priester, hieß magister Nicolaus Knobloch. Derselbig het mehr discipulos, insonderhait aber ain jungen von Andlow.
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Das war ain freier mentsch; beschaint sich ußer dem. Dieser magister Nicolaus war ain rauher, grober, frommer man; so dann die herrn und edelleut, seine discipuli, zu disch saßen und das gebrattens uf den disch kam, pflag er gemainlichen zu sagen: »Lieben herrn, hawen darein!« 
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vermaint damit, sie sollten sie nit schemen, sonder waidlichen essen. Das beschach so oft und vil, das derselbig von Andlow einsmals, wie das der pfaff abermals sprach, sein waidmesser außzoge ob disch, mit kreften in das gebrattens hiebe, das die stuck darvon über sich sprangen. Die freche
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wolt der pfaff nit verguet haben, sonder bezallt in gleich also bar nach dem essen mit ainer rueten, dess sich der jung wol het versehen gehapt. Er ist hernach in den deutschen[25] orden kommen und darin gestorben. Herr Wilhelm Wernher ist nit lang zu Freiburg
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gewesen, es kam auch graf Wilhalm von Fürstenberg[26] dahin, welcher hernach ein solcher wunderbarlicher und verrüempter graf worden, als er bei seinen zeiten in deutschen landen hat sein megen; und wie man gemainlichen sprücht: »Was zu ainer nesslen werden, das print flux«, solche geschwinde
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und abenteurige art hat in disem jungen graven sich zeitlichen eraigt[27]. Er wardt in seiner grösten jugendt, als er über zehen jar nit alt, geen Freiburg zu obermeltem magistro Nicolao gethon, das er studirn sollte. Der pfaff het großen fleis mit der lehr, darneben aber het er ain sollichs
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ernstlichs, groß ufsehen uf ine, das er in alle nacht in seiner aignen cammer behielt. Es mogte [605] aber das unrüebig herz nit ruhe haben, sonder zu zeiten ganz unversehenlichen gegen der nacht nam er sich an, zeitlich schlaffen zu geen. Er hett ain jungen bei sich, hieß Jacob Faii; derselbig
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mueste sich zu oftermal zu angender nacht an sein, des graven, bet schlaffen legen, auch die gewonlich nachthauben ufsetzen. So dann hernach der guet priester kam, schlafen zu geen, und fragt: »Wilhelme, dormis?« gab der jung ant-

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[587] wurt, sprechende: »Ita, domine,« so wonte der pfaff, sein herr leg im bet, so lief er aber, wie jung er gleich war, die nacht uf der gassen. Er hett seine gesellschaften vom adel und sonst von studenten und allerhandt gesindts, die warten
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im uf den dienst, und under seinem namen warden thürn ufdretten, auch handtwerksleut und andere personnen verletzt und beschediget. Das beschach sovil, das ain rath zu Freiburg ein einsehens haben muesten. Die stallten den preceptorem, den obgenannten alten priester, darumb zu
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rede, mit anzeig, was großer gefahr ime des jungen unrüebigen grafen halb, der ime so hoch bevolchen, darauf stüende, auch zuversichtlich, das er etwann mögte am leib verwundt werden oder villeucht gar umb sein leben kommen. Der guet pfaff nam die warnung zu höchster beschwerdt
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an und außer großer ungedult, dieweil er ie vermaint, sein junger herr lege stettigs nachts in seinem darzu verordneten bet, sprach er: »Per Deum sanctum! lieben herren, ir thuen meim jungen herren unrecht, er leut alle necht in meiner cammer, und dieweil ich das guet wissens, kann ichs von
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im nit glauben,« gieng darmit darvon. Die herren vom rath ließen es im anfang darbei bleiben und lachten seiner einfalt. Es trib aber der jung graf und die jung purs, die sich bei im anhieng, die abenteur so grob und wolt sich auch ihe lenger ihe mehr einreißen, das der rath und auch
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die von der hochen schul der sach sich beladen muesten. Also wardt der guet maister Nicolaus abermals beschickt; der wardt der lengs nach aller sachen bericht und dahin beredt, das er nit so leuchtlichen glauben, sonder auch erfaren sollte, ob der jung herr iedesmals an seinem bet lege.
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Das bewilligt magister Nicolaus, wiewol ungern. Also in wenig nechten hernach, wie der graf vermaint, es were widerumb vergessen, do macht er sich gegen abents verholen ußerm haus zu seiner gesellschaft. Mit denen zog er die nacht nach seinem gebrauch in der statt dorafter. Aber
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der alt pfaff war dieselbig nacht wacker, gieng zu des grafen bet, abermals fragende, ob der graf vorhanden. Wie aber des graven jung antwort gibt: »Assum, domine,« empfacht der preceptor was argwon, derhalben würft er die deckin uf und besicht den jungen nach vortail; und wie er den
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trug vermerkt, auch das der jung so lange zeit darzu verholfen, ist wol zu erachten, wie in der pfaff mit rueten hab abgebutzet und absolvirt. Des morgens, wie der graf gegen

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[588] tags widerumb ins haus schlupft, will in der pfaff nit mehr im haus wissen, und in somma, wiewol vil darzu geredt wardt, iedoch hat der pfaff dahin nit kinden beredt werden, das er den grafen lenger bei sich hat gedulden oder
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behalten wellen. Also ist er in kürze darnach in Burgundt gethon worden, darin er sich in kriegshandlungen begeben und also hinfüro gethon, das er die witfraw von Newschette[28] und Blowmont mit großer reichtumb bekommen und zu Ellencourt etlich jar gehauset hat. Sein gemahl ist im bald
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gestorben und hat im kein kindt geben. Nach irem todt hat er die güeter nit lang behalten, sonder umb halb gelt die dem Salamanken, so hernach der graf von Ortenburg genennt worden, verkauft. Volgends hat er sich geen Straßburg gethon. Da hat er ain hof kauft und haus gehalten;
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darneben hat er noch das Kinzigertal und die Ortnow ingehapt. Darmit hat er sich beholfen und ain wunderbarlis, seltzams regiment gefüert, darvon ain aigens buech wol wer zu schreiben. Und dieweil er die von Straßburg uf seiner parthei, die im von wegen des newen glaubens günstig, hat
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er sich vil spenn und irrthum mit bischof Wilhelmen von Straß[607]burg in solicher zeit angenommen, dem auch vilmals vil drutz und hochmuets bewisen. Bemelter bischof hat in nun den grafen von Straßburg genennt. Was hendel sie baid mit ainandern gehapt, darvon wer vil zu sagen.
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Uf ain zeit hat in der bischof verkuntschaft; der graf ist mit zwainzig pferden und wolgerüst geritten, gleichwol sich vorm bischof domals nit besorgt, der bischof aber hat ob den fünfzig pferden bei sich gehapt und den grafen mit listen also angriffen, das er sich nit weren, im auch enge
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und ungelegenhait halb des wegs nit entrinen, vil weniger im seine reuter zu hilf haben künden kommen. Es ist graf Engelhart von Leiningen neben bischof Wilhelmen mit ufzogner büchsen gehalten. In somma, der guet graf Wilhalm hat die aller gletesten und bösten wort müeßen geben, die
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haben im domals darvon geholfen. Aber der bischof hat sein in wenig jaren hernach nit vil genossen; dann wie anno 1534 der landtgraf von Hessen mit hilf der protestierenden stende herzog Ulrichen von Würtemberg mit gewalt in sein fürstenthumb wider eingesetzt, ist graf Wilhalm ein obrister
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gewest. Der hat dem stift Straßburg ein merclichen schaden

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[589] zugefüegt, dann er mit allem seinem kriegsvolk in voller ordnung durch die früchten gezogen und umb vil tausendt gulden schaden gethon. Er hat ain wunderbarlichen sinn zu kriegshandlungen gehapt und ain sonders ufmerken zu
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allem, so zu dem krieg dienstlich sein megt; beschaint sich auß dem. Als uf ain zeit die fürnembsten und fürgesetzten zu Straßburg bei im sich irer festen, wolerbawnen statt rüempten, auch das die zu der wehr also zugericht, das sie kain gewalt besorgen dörften, hat er inen ir dorheit
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endeckt und inen zu versteen geben, das sie der statt, do es am maisten die notturft erfordert, zum wenigisten hetten versorgt, und do es von neten, welt er ires undanks ein haufen reuter in die statt bringen. Dess kunten sich die selbigen nit genugsam verwundern, batten ine, solchs zu
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eröffnen. Das thett er, zaigt inen ain furt durch die Breusch am understen der stat, der gieng aim ross ungefär biß an bauch und het in kainer in Straßburg von vil jaren here nit gewist oder erfaren. Also muesten sie frei bekennen und ime gewonnen geben, und damit hat er denen
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meisenlockern zu Straßburg ursach geben, die statt des orts auch zu befestnen. In somma, es war ain kriegsman. Den muest ine auch [iederman][29] sein lassen, und sache auch reubisch wie ain kriegsman. Ich hab von manichen gehört, so etwar den Martem het wellen fingirn, das man sein angesicht, leib
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und gestalt darzu nit het kinden verbössern. Im schmakaldischen krieg wardt er von den protestierenden stenden geen Ulm erfordert, und wolt man sein als ains berüempten und erfarnen kriegsmans und obristen rath auch haben. Wie im nun der protestierenden macht, geschütz und anderer
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vorrath fürgehalten, sprach er als ainer, dem kaiser Carle und sein macht, dergleichen etlicher fürsten und obristen geiz wol bekannt war: »Lieben herren und freindt, ich laß mir ewer kriegsrüstung und anschleg wol gefallen, aber kaiser Carle, ewer parthei, ist ain kriegsfürst nit uf ain sommer,
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sonder im fall der nott uf etliche jar, mit dem ir zu schaffen werden gewinnen.« Nit mer mechten sie damals ußer ime bringen, also wolt er sagen, es ist pubenwerk mit euch, ir werden kein standt thuon und letzstlich mit schaden und

schanden müeßen abziehen.



  1. seinem] hs. seiner.
  2. nit bewist] nach Hoheneck, Die Stände deß Ertz-Hertzogthumb Oesterreich ob der Ennß II, 120 heirathete die erbtochter des Gaudenz von Metsch, Catharina, den Erhart herrn zu Polhaimb, auf den dessen güter, titel, namen, schild und wappen von kaiser Maximilian im jahre 1497 übertragen wurden; s. 572, 3.
  3. magister Adam N.] er hieß Hamer (Figuli); s. Heyd, Ulrich I, 89.
  4. forcht] hs. fort.
  5. Bruesel] d. i. Bruchsal.
  6. Brurrain] d. i. Bruhrein, hs. Brurraim.
  7. Leiningen] hs. Beimingen.
  8. irem] hs. irer.
  9. Bütsch] hs. Zütsch.
  10. Gris schlecht noch gramen] s. Luther, Werke (Jena) V, 272a; Simrock, Die deutschen Sprichwörter s. 186, hat: Gries kennt den Gramen.
  11. ort] s. oben I, 426, 21.
  12. ritter] s. Des schwaebischen ritters Georg von Ehingen reisen nach der ritterschaft (bibliothek des litterar. vereins I); Schönhuth, Burgen, Klöster . . . Württembergs III, 80—91.
  13. Sachsenhaim] s. oben I, 454, II und anmerkung dazu.
  14. Jerg] hs. Jergen.
  15. coetaneus] hs. oetaneus.
  16. gestorben] über ihn s. Crusius, Schwäbische Chronik II, 164a.
  17. doctor Jörg Northoffer] über ihn giebt nachricht Schreiber, Geschichte der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg I, 132 ff.
  18. verurthailten] hs. verurthailteten.
  19. entzogen] hs. ertzogen.
  20. Zasio] der bekannte jurist; s. u. a. Bauer, die Vorstände der Freiburger Lateinschule s. 18—23; Stintzing, Ulrich Zasius. Basel, 1857.
  21. Rappolstain] über dieses geschlecht s. Schöpflin, Alsatia illustrata II, 614 ff., und Fickler im Archiv für Geschichte, Genealogie, Diplomatik etc. I, 17 ff.
  22. rote underfüterte kappen] s. Schreiber a. a. o. II. 43.
  23. 150[6] die minderzahl ergänzt.
  24. WS: Die Zahl 42 ist im Buch handschriftlich ergänzt.
  25. deutschen] hs. deuschen.
  26. Wilhalm von Fürstenberg] über ihn vgl. Münch, Geschichte des Hauses und Landes Fürstenberg II, I ff., wo diese chronikstelle abgedruckt ist.
  27. eraigt] vielleicht statt erzaigt.
  28. Newschette] d. i. Bona gräfin von Neufchâtel.
  29. iederman] dürfte zu ergänzen sein.