Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 56

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Wie graff Felix von Werdenberg den engen Krais herr Gottfridt Wernhern freiherren zu Zimbern widerumb zuzustellen begert, ist aber verliderlichet worden, auch von Martin Spanier und dem alten Dürren von Gutenstain.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 563–570
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Wie graff Felix von Werdenberg den engen Krais herr Gottfridt Wernhern freiherren zu Zimbern widerumb zuzustellen begert, ist aber verliderlichet worden, auch von Martin Spanier und dem alten Dürren von
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Gutenstain.
Es ist derzeit herren Gotfriden Wernhern ein besonders glück zugestanden, so er das annemen künden oder wellen; dann demnach im augspurgischen vertrag, anno 1504 ufgericht zwischen Zimbern und Werdenberg, der eng Krais mit
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hagen, jagen und aller forstlichen obrigkait denen von Werdenberg blieben, hat sich graf Felix von Werdenberg, der dozumal Sigmaringen zu seinem thail inhett, ganz nachpurlichen mit herrn Gottfrid Wernhern gehalten, und seitmals er augenscheinlichen befinden und speuren muste, das der
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stam Werdenberg zu grundt geen, wollt er das, so von Zimbern herkame, auch denen zuvor abtrungen worden, niemands andern, dann dem zimbrischen stammen wider gonnen. Derhalben er uf ain zeit ein diener, Martin Spanier genannt, war gar ain abenteurig man, zu herrn Gotfridt
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Wernher schickte und ime under anderm anzeigen ließ, er sollte zu ime geen Sigmaringen kommen, wellte er ime den engen Krais wider geben, auch die brief, so er darüber bei handen, zustellen. Herr Gottfridt Wernher nam das erbieten zu hochem dank an, empott ime bei Martin Spanier, er
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wellte zu im kommen, geschach aber nit. Alhie mueß ich ain gueten schwank einmischen, der sich in dieser werbung des Martin Spaniers begeben; dann als herr Gottfridt Wernher under andern reden den Martin ansprach, wie es keme, das er noch so ain schwarzen bart
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het und ain solchen gar growen kopf, antwort der Martin herr Gotfridt Wernhern nicht, sonder sagt zu den umbstehenden zimbrischen dienern: »Botz unden! ir habt nersch her, waist nit, das mein haar uf kopf zwainzig jar elter, dann mein bart.« Die diener fiengen all an zu lachen.
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Herr Gottfridt Wernher wolt ie wissen, was er gesagt hett, und als er dessen bericht, het er ain groß gefallen darab und fertiget ine erlichen widerumb ab. In wenig zeit darnach schickt graf Felix den pfarrer von Guetenstain, herr Gallen Maute, zu herr Gotfrid
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Wernhern geen Wildenstain, mit dem bevelch, er solte ine laden, das er doch ainmal zu im geen Sigmaringen keme, dann

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[564] er sich gegen ime des engen Krais halben erweisen wellte, darab er freuntlichs gefallen und im zu danken het. Aber herr Gottfridt Wernher ließ es ain red sein, und blib also ersitzen. Hernach starb graf Felix uf dem großen reichstag
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zu Augspurg anno 1530, darvon hieoben meldung beschehen. Hiebei ist abermals zu merken, das dem zimbrischen leon noch das ain aug verborgen, nur mit dem ainen gesehen hat, dann was großer spenn und irrungen, waverr der eng Krais restituirt worden, seither underkommen, das wurt in
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etlichen capitln hernach gesagt werden. Es hat auch herr Gottfridt Wernher nit allain den engen Krais, wie gehört, zu handen bringen könden, sonder auch mit den strittigen obrigkaiten und mit den ettern het er durch mittelpersonnen, die graf Felixen ganz angenem waren, mit ainer geringen
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verehrung ein große accession erhalten megen. Aber was nit sein soll, das schickt sich auch nit. Und ob uns gleichwol das glück selbs betrach[596]tet und mermals für die thür komen, haben wir doch das nit annemen, vil weniger behalten künden oder wellen. Der allmechtig verleihe
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hinfüro sein gnad und was guet seie! Und seitmals des Martin Spaniers hieoben gedacht, will mich nit für unrathsam ansehen, zu melden, wer er gewesen und waher er zu graf Felixen von Werdenberg komen. Es ist graf Hanns von Werdenberg, weilunt graf Jörgen sone,
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uf ain zeit in Italia im soldt der könig von Napolis gewest; begab sich ainsmals, das er mit anderm kriegsvolk uf dem mer etlich schiff, die feindt waren, antrafe. In solchem angriff lagen die köngischen ob, es waren etliche schiff gefangen, die andern kamen darvon. Under denen gefangnen
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war ain Bisquiner raubschiff ußer Biscaia, das wardt geschetzt; was sie nun an gelt und guet nit vermochten, das versprachen sie uf etlich zeit also bar zu erlegen. Dess gaben sie geisel und pürgen. Under denen war Martin Spanier, seins alters im vierten oder fünften jar. Er war in aim
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guldin rock beclaidet, wie er geisels weis übergeben, wardt graf Hannsen von Werdenberg zu seinem thail. Der hat in nachgends mit im herauß in Deutschlandt gebracht. Es ist niemands hernach kommen, der ine zu lösen begert habe, und dieweil er noch so jung dozumal, hat er sein vatter
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oder muetter, auch sein heimat nit anzaigen künden, oder wer er sei. Sein taufnamen hat er allain gewist. Got waist weiter, wer er gewesen, dann man sollichs nie erfaren kün-

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[565] den. Es ist dahin kommen, das er seiner aignen sprach entwönet und vergessen. So hat er auch das Deutsch, wiewol er ganz jung in deutsche landt kommen, nit recht lernen künden, und wiewol er also mit vil frembden nationen,
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als Spanier, Franzosen, Walhen und andern sein notturft reden, so hat er doch kain sprach recht geredt, sonder das er blösig hat megen verstanden werden. So baldt er ins Deutschland kommen, ist er zu Sigmaringen erzogen. In hat graf Christof von Werdenberg vilmals zu seinen schwegern
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geen Mantuam geschickt; was im also bevolchen, das hat er ganz getrewlichen und mit großem ernst verricht. Es haben nach absterben graf Hannsen von Werdenberg seine baidt brüeder, graf Felix und graf Christof, ine ir Iebenlang bei sich zu hof gehapt. Was wunderbarlicher, seltzamer
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handlungen, die zeit er bei inen gewest, er überstanden und zu glücklicher endtschaft gepracht, darvon were wol vil zu schreiben, insonderhait als in graf Felix uf ain zeit ußer Italia geen Sigmaringen mit etlichen geladnen mauleseln und anderm geschickt, hat Martin Spanier spennitor sein
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sollen und alle ußgaben verrechnen. Als er nun alles glücklich und wol geen Sigmaringen verfertiget und von seinem herren zu der rechnung gehalten, hat er geantwurt, er hab die rechnung uf die schwertschaiden geschriben, und damit hat er die schaiden besehen und gesagt: »Botz unden! es
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ist alles wider ußgangen.« Und wiewol graf Felix derhalben nit gesettigt und weiter nachgefragt, hat er gesprochen, wie er wissen künde, wo esel ider nachhin gezürkt. Wiewol nun mit graf Felixen nit guet zu schimpfen, iedoch, dieweil bemelter Martin ein herzhafter mentsch und mit dem er ain
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mehrers het versehen künden, hat es graf Felix ein guete sach sein lassen. In seiner jugendt hat im uf ain zeit graf Christof von Werdenberg bevolchen, uf den sigmaringischen forst zu geen und, ob wilpretschützen verhanden, die neben und
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mit andern zu vertreiben. Also ist er hinauß gangen, und wie er kommen, genannt uf den Hennenbühel, hat er ain schützen funden, der hat sein büchsen neben im ligen gehapt und geschlaffen. Also hat ine Martin Spanier geweckt, und in dem, als der selb im schrecken ufgewest, nach seiner
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büchsen griffen, ist im Martin zu geschwindt gewest, hat die büchs [597] erwüscht und in damit erschossen. Darab gleichwol graf Christof nit vil gefallens gehapt, aber es ist

1 [566] geschehen. Und wiewol der umbkomen ain ansehenlicher und wolbeklaidter gewesen, so hat doch niemands clagt, und ist die sach ersitzen bliben. Villeucht hat den, so also erschossen, niemands wissen oder erkennen wellen.

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Wie er uf sein alter kommen, hat er sich noch bei lebzeiten graf Christofs von Werdenberg in der grafschaft Hailigenberg bestattet und hat die zeit, als graf Friderrich von Fürstenberg dieselbig hernach ingehapt, erlebt. Er hat etliche kinder hünder im verlassen, die auch noch heutigs
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tags, wer iren vatter und woher er gewesen, nit wissen megen. Er hat von seiner hausfrawen ain holtselligs döchterle gehapt, welches im die marggrefin von Mantua, graf Christofs von Werdenberg gemahl, ußer teuf gehapt und ir seer lieb gewesen. Das ist nun in der jugendt gestorben, und
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als sein gott, die von Mantua, in uf ain zeit gefragt, wie ir taufgotte lebe, hat er, Martin, ir geantwurt: »Botz unden, fraw! kindt ist storben; was lieb, fürt teufel gleich hin.« Man sagt, in hab sein weib eins nachts angesprochen, demnach sie ain weinends kindt, er soll ir doch einmal das
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kindt helfen wiegen. Das hat er ir verhaißen. Also hat er die wiegen mit dem kindt in der cammer versetzt, daran hat er ain heerin windstrick gebunden, und nachts, als das weib entschlaffen und das jung kind anfahen schreien, hat Martin mit dem heerin strick anfahen zu wiegen. Dieweil
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aber der strick dem weib über die bloßen prust gangen, ist die guet fraw baldt erwacht und hat iren Martin hinfüro mit dem wiegen rüebig gelassen. Vor jaren hat es ain maier zu Guetenstain gehapt, genannt Ulrich Buel, man hieß ine aber nur den Dürren, war
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ain wunderbarlich man. Der hett, wa er hinkame, ain groß geschrai und redet so seltzamlich und laut, das man sein wol lachen mogte. Sein vatter was gleichfals, wie er, ain abenteurlich man gewesen, mit dem der alt herr Wernher freiherr zu Zimbern, dieser dreier herren geprüedere anherr
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sellig, vil geferts und wesens einest hat getriben; insonderhait aber, so herr Wernher uf dem waidwerk im engen Krais zu zeiten benachtet, ist er in des Bulen haus bliben. So dann herr Wernher zu im gesprochen: »Wolan Buel, du kompst mein abermals zu schaden,« antwort dann der
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paur: »Ach, herr, nein, mir ist ain leib prots nit an hindern bachen,« und auch mere gegen seim herren nit betaurete. Gedachter herr Wernher het uf ain zeit in gefragt, wie baldt

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[567] es mittag, sprücht der Buel: »Herr, das kan ich euch wol sagen; secht ir das ketzlin vorm fenster? so baldt das zum fenster einschlupft, so ists gewiss mittag, so gibt man ime zu essen.« Derselbig Buel hat zwen sön verlassen, der ain,
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Hanns Buel, wardt ain maier zu Rordorf, der ander, Ulrich, wardt ain maier zu Guetenstain. Dieser Ulrich, von dem hieoben auch gesagt, het uf ain zeit ain freffl begangen, der war von den vögten und amptleuten übers jar unangefochten oder gerechtfertiget bliben. Begab sich, das er anno
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1523 in der fassnacht mit andern maiern zu herr Gotfriden Wernhern geen Falkenstain gieng, dann herr Gotfridt Wernher ine sonderlichen seins abenteurlichen geschrais halben und das er ganz kurzweilig ware, wol umb sich leiden megte. Damit er nun den pauren ufbrechte, sprücht er zu im:
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»Buel, du bist mir noch ain freffel schuldig, du solst mich zufriden stellen!« Do fieng der paur an sich zu verantwurten, mit aim sollichen geschrai und lauten geprecht, das iederman sein lachete. Also redten die umbstender zu der sach, und wardt des freffels halb gethedingt [598] und ain
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sollichs mitel getroffen, das der Dürr herr Gottfriden Wernhern für solchen frefel zu abtrag drei waidtschrai sollt thuen, und das sollte aber fürnemlich zu Mösskirch beschehen, wann er dessen von der obrigkait ermanet oder gehaißen würde. Sollichs nam der Dürr an. Begab sich in kürze
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darnach, das ain groß capitel nach ostern zu Mösskirch von dechan und den capitularn gehalten warde, darzu dann herr Gotfridt Wernher sampt etlichen vernachpurten vom adel geladen. Wie nun das morgenessen ein ort, beschache in Bastion Heckers haus, am Markt gelegen, so ersicht herr
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Gotfridt Wernher ohne alle geferdt den Dürren oder den alten Buelen von Guetenstain, der war uf den wochenmarkt in die statt kommen. Damit er nun den edelleuten und andern etwas kurzweil machte, beschickt er den Dürren, ermanet in der tedigung und abtrag des freffels, zu
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Falkenstain beschehen, mit beger, die versprochne waidtschrai zu thuon. Das bewilliget der Dürr, aber mit aim sollichen lauten und hellen geschrai, das sie alle fro waren, das er ußer der stuben kam. Uf dem Mark thet er zwen waidschrai mit sollicher zierlichkait, das ußer etlichen gassen ain
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zulaufen wardt, als ob ain osterspil sollt gehalten werden. Herr Gottfridt Wernher empott im bei aim diener, er sollte den dritten waidschrai auch thon, sprücht der Dürr mit aim

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[568] wunderbarlichen geschrai: »Sag meim gnedigen, lieben herren, in andern schulden und freffeln sei die bezallung nit also richtig und baar, man müeß zu zeiten auch warten, also pitt ich mein gnedigen, lieben herren, er welle mir des
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dritten waidschrais, wie andern seinen pauren, uf den herpst warten, will ich seinen Gnaden richtige bezallung thon.« Indess kompt ain burger, hieß Simon Eberlin, war ain schuchmacher und gar ain gueter gesell, herzu. Der sprücht bemelten Dürren auch an umb ain waidschrai, antwurt der
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Dürr: »Lieber Simon, far hin! wie du ain waidtman und sovil du wiltprett issest, so bedarfstu keins waidgeschrais.« Damit wardt gedachter Simon also verlacht und verspottet, das er sich eilends ab dem Markt zu haus packet. Dergleichen lecherliche sachen hat der Dürr vil gehapt. Uf
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ain zeit ist er geen Mösskirch kommen und hat ain scheuben salz kauft; die hat er aim andern Guetenstainer verdingt, ime heimzufieren. Das ist in der obern statt beschehen. Wie er aber die gaß zum Burkthor oder Draierthor, also hat mans ainest vor vil jaren genempt, hinabkommen, hat
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er immerdar hinder sich geschrien zum andern pauren, er soll ime die salzscheuben fürderlich bringen; damit hat er mit den henden über sich zaiget und unperdet. Nun hat aber der alt Sixt von Hausen sein behausung daselbst am eck bei der kirchen gehapt. Wie der das geschrai gehört,
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ist er eilends ans fenster gangen. Sein magt oder concubin, genannt das Schellefünfe, war auch so fürwitzig, legt sich neben den junker under das fenster. Wie aber der Dürr sein geschrai und deuten mit den henden trib, gleichwol des edelmans, noch auch seiner magt under den fenstern nit
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achten was, do vermaint der guet Sixt, der Dürr hett die magt neben im gesehen und trib also sein fatzwerk mit im. War übel zufriden, schalt den paurn: »Das dich botz leicham schendt, als eden wichts! was darfst mich verspotten?« Wie der Dürr das erhört, schreit er noch vil leuter, dann vor,
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und sprücht: »Lieber junker, was sagen ir? botz kraut! ir sein mir ain lieber junker.« Solch geschrai kunt der guet Sixt nit wol versteen, darumb kompt die magt zu im, sprechend: »Ach, junker, er maint euch nit;« antwort Sixt: »Pack dich! das dich botz leicham schende! er maint dich,«
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trib die magt mit gewalt ab dem fenster. Wie er aber dem paurn will weiter antwurt [599] geben, hett sich derselbig darvon gemacht. Hernach wardt er bericht des Dürren

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[569] manier und das er von ainer salzscheuben geredt, ine gar nit verspottet hett, oder die seinen. Also wardt er beredt, das ers ain guete sach sein ließe. Dise concubin, die der alt Sixt von Hausen bei sich het, wardt das Schellenfünfe
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von menigclichem genannt, ußer der ursach. Als sie anfangs zum junkern kam und die sach noch heimlich sollt sein, het sie ain eißen in ainer seiten, darauf sie kartenblat het gepunden, wie man dann sprücht, das sollichs ein fürbindige arznei seie zun eißen. Es standen aber ungferdt fünf schellen
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an dem kartenblat. Begab sich, das die erst nacht die guet diern bei junkern am bett lag, das sie das schellenblat von der seiten oder dem eißen verlore, das blib im bet ligen. Morgens wardt das blat im bet gefunden, und wardt darnach die selbig fraw, so lang sie hernach zu Mösskirch
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bliben, nit anders, dann das Schellenfünfe genannt. Aber Sixt von Hausen ist biß in sein letzstes alter seins gemüets und auch seins leips ganz ufrecht gewesen, hat sich, biß die schweche und das abnemen gar überhandt genommen, nie wellen füren oder im selbs ein besondere pflicht thuon
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lassen. Bei wenig zeiten, darvor er mit todt abgangen, ist er noch so vermüglich gewesen, das er von Mösskirch geen Hausen und dann wider geen Mösskirch hat reiten künden. So man im dann uf das ross geholfen, hat er es gar ungern gehapt und sich erzaigt, als ob er keiner hülf bedürf. So
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er dann langsam und mit müeh uf das ross kommen, hat er im selbs kein schuld geben, sonder sein kittel oder reitrock zu wort[1] gehapt, das er mehrmals in ainer ungedult gesprochen: »Das dich botz leicham schende allers kittels! ich kan nimmer mit nacher kommen,« Aber er hat vil jar
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zu Mösskirch in ganz rüebigem wesen gelept und ist auch daselbs mit großer andacht gestorben und begraben worden. Ist beschehen den . . tag des monats . . . anno 154 . . Herr Gottfridt Wernher von Zimbern ist vor jaren in aim solchen hochen ansehen gewesen, das kaiser Carl der
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fünft mehrmals nach im gestellt hat. Es wollt in kaiser Carle der fünft erstlichs in des reichs regiment brauchen, nachgends zu sich an hof nemen und als ain gehaimen rath haben. Dergleichen der remisch künig Ferdinandt hat etliche mal mit ime handlen lassen, in willens, im das statthalterampt
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in der regierung zu Insprugk zuzustellen, oder aber ine in

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[570] der würtembergischen regierung geen Stutgarten zu gebrauchen. Aber wiewol er ain weltweiser, geschwinder und wolberedter herr gewesen und für andere desshalben berüempt und erkannt, also das er seine sachen mit ainem
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ansehen und besonderer dapferkait wol herfür bringen künden, iedoch wolt er sich von wegen der sorglichen und zweifelhaftigen leuf, und bevorab in der zwispeltigen religion, in dienst [nit][2] inlassen, oder auch ainer parthei über und mehr, dann der andern, oder er zu thuon schuldig,
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annemmen. Im ist das stetle Ebingen von den köngischen und namlichen von herr Ruedolfen von Ehingen, ritter, in namen der regierung ußer ursachen, das es dem landt Würtemberg entlegen, umb ein gerings gelt zu kaufen angepotten worden. Aber wie höchlichen er gleich das genieß, hat er
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doch betrachtet die guetthatten und gnaden, im in seiner jugent von herzog Ulrichen von Würtemberg beschehen, und hat sich wider den herzogen in seinem vertreiben und verjagen in dienst nit begeben wellen oder auch ainicherlai weis wider ine handlen, geschweig, das er vom landt
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Würtemberg an sich zu ziehen het sollen. Sollichs alles ist der herzog Ulrich wol bericht worden, auch darab ain besonders gnedigs wolgefallen getragen, so doch andere hoche geschlechter, dessen unbetrachtet, und denen vil gnad, beistandts und hilf von ime bewisen, treffenlich wider in
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gehandelt und auch den grösten widerstandt erzaigt.



  1. wort] hs. wart.
  2. nit] fehlt in der hs.