Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 53

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Wie herr Gotfridt Wernher freiherr zu Zimbern die alt kirchen zu S. Martin abbrechen und von newem widerumb erbawen lassen, auch von etlichen sachen, derzeit zu Mösskirch verloffen.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 539–546
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Wie herr Gotfridt Wernher freiherr zu Zimbern die
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alt kirchen zu S. Martin abbrechen und von newem widerumb erbawen lassen, auch von etlichen sachen, derzeit zu Mösskirch verloffen.
Gleich im andern jar nach dem paurenkrieg hat herr Gotfridt Wernher von Zimbern s. Martins kirchen zu
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Mösskirch abbrechen lassen, dann die so klein und eng gewesen, das nit der halbtail des volks darein megen. Man sicht auch heutigs tags noch am alten kirchenthurn, so mit den quadern erbawen, die zaichen, das die kirch vorhin etliche mal ist vergrößeret worden, und ist zu achten, es seie
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anfangs nur ain capellen gewesen, die keine abseiten gehapt. Herr Gotfridt Wernher hat die newen grundt zu der kirchen gar nahe umbs halb erweiteret, wie noch augenscheinlich. Als die grundt sein gegraben worden, hat man im boden

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[540] vil markasit gefunden; der ist im feur propiert worden und im rauch darvon gangen. Mer hat man vil schöner, alter, silbriner münzen von clarem silber gefunden, welche ainstails noch vorhanden und ires pregs halben nit für haidnische
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oder remische[1], sonder für christenliche minzen sein zu achten. Darneben hat man dief im boden wunderbarliche fundamenta von alten mauren gefunden, die sein [583] also geformiert gewest, als ob man zwen strell in ainandern gesteckt hett; es kan auch niemands sagen oder erdenken,
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was das vor jaren für ain wunderbarlichs gebew gewesen seie. Dieselbigen fundamenta sein im boden weiter gangen, als wie die alt kirch gestanden, noch auch die iezig kirch sein mecht. Und wiewol herr Gotfridt Wernher die kirchen nit mit geringem costen also erweiteret und widerumb
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ufgebawen, nochdann hat sich von gnaden des allmechtigen das volk also gemeret, das auch heutigs tags die nochmaln zu klein und wider ainer statlichen erweiterung noturftig were, in erwegung auch, das vil volks ab dem landt dahin pfarret. Und dieweil die kirchen nach irer uferbawung zu
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nider, ließ herr Gottfridt Wernher die also ergraben biß uf die fundamenta, wie noch augenscheinlich, das man etliche stafeln hinab geen mueß; ist zu besorgen, es werde ein bös alter nemen, in sonderhait so ain erdbidem sich erzaigen sollte, wie bei unsern vorfarn vilmals beschehen. Zu
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solchem paw s. Martins pfarrkirchen hat herr Gotfridt Wernher ain werkmaister gepraucht, war vom Reinstram herauf ußer der stat Speir, hieß maister Lorenz. Der hett etliche jar darvor am tom gewerket zu Costanz und war ain gueter, fromer man, und so zu zeiten was ungereimpts am paw zu
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Mösskirch fürging oder was unrecht gemacht warde, pflag herr Gotfridt Wernher das mit höflichen worten an ine zu strafen und zu undersagen, sprechende: »Maister Lorenz, das oder jens geet für, es solt nit sein,« antwurt der maister: »Ei, gnediger herr, wer sagts?« sprach herr Gotfridt
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Wernher: »Die bös welt redt also darzu.« Alsdann vermarkt der maister wol, wa es herkame, und sagt: »Ei, gnediger herr, sein Ewere Gnaden nit auch die welt? ich main, Ewer Gnaden seien auch die welt, man mueß die auch die welt sein lassen.« Es vermegt sich sein herr Gotfridt Wernher
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sonderlichen wol von wegen seins gueten gesprechs und

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[541] seltzamer sprüchen. Er hat ain weib, die kunte in maistern, wie sie wolt, als dann der sitt laider in allen landen ist. Man kunte dem gueten man kein größers gefallen erzaigen, dann so im die fraw gelobt wardt, sonderlichen so das von
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herr Gotfridt Wernhern geschach; wa aber die niemands loben, wie im oftermals zu boshait das underlasen wardt, pflag er sie selbs zu riemen und zu preisen. Wann sie dann schwanger wardt, konte im kein größere frewdt begegnen, so sprach er dann: »Mein Barbel (also hieß die
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fraw) hat aber ainmal angebissen.« Er ist hernach wider geen Speir hinab in sein heimat kommen, da ist er in guetem alter gestorben. * [1353] Es hat von unverdechtlichen jaren ein alte hülzine cassa gehapt zu S. Martin zu Mösskirch, ist mit
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schönen, altfrenkischen bildern geschnitten und gefast gewest, voller hailtum, und haben die alten, unsere vorfaren, glaupt, es sei der leib s. Wolfgangen, wie es dann allernechst bei Mösskirch ain kirchle und ain flecken gehapt, welches iezundt aller zerstört und zu Sant Wolfgangen noch wurt
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genennt, und hat man gesagt, man dürf dise cassa nit öffnen, oder es werde dem selbigen nit wol darob ergeen, derhalben auch die alten herren sich iren fürwitz nie haben überwinden lassen. Iedoch, nachdem herr Gottfridt Wernher die kirchen zu S. Martin zu Mösskirch widerumb uferbawen, hat er die
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cassa gueter mainung ufthon lassen, do hat man die truchen voller gepain, das schier aller verwesen, gefunden, und ist ain großer permentiner brief darbei gelegen, der ist aber elte halb und das er in so langer zeit nie an luft kommen, dermaßen verblichen und vermordert gewest, das man nit
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ain wort darin lesen künden, sonder ist von ainandern zerfallen. Also hat man das gepain und brief widerumb in die truchen gethon und beschlossen, das man nit gründtlichen wissen mag, was es für hailtumb oder durch wen es dohin und darein sei verordnet worden. Also ist vor jaren
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ein monstranz zu Kempten im gestift gewest, voller hailtum, die hat niemands dörfen öffnen, dann etlich prelaten, so sich dessen understanden, die sein erplindet oder erlamet darob, das sich dessen hernach niemands mehr underfahen wellen. Damit ist aber der fürwitz dester mehr
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gewachsen, das man begert zu wissen, was darin seie. Das ist also bliben ansteen biß uf unsere zeit und der regierung abt Wolfgangen, ist seins geschlechts ein edelman von

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[542] Grünenstain[2] gewesen. Derselbig ist solcher haimlichkait ohne alle gefar innen und gewahr worden; dann als in denen vergangnen kriegen und durchzügen derselbig prelat das haitum und was er guets gehapt, mehrmals flöhnen müeßen,
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do ist dieselbig monstranz in dem vilfeltigen hin- und widerfüeren und einpacken ohne geferdt also zerbrochen und zergengt worden, das man notturft halben darüber geen und die ein goldtschmidt wider hat müeßen machen lassen. Da ist diser prelat des unfals oder plagen seiner vorfaren in
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sollichem fahl eingedenk gewest und mit großen sorgen die zerprochen monstranz geöffnet, mit angezünten kerzen und großer andacht. Do hat man anders nichs darin befonden, dann ain kleins, zusamengelegts, silberins gaisele von wunderschöner und subtiler arbait. Das hat der apt,
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nachdem die monstranz zugericht, widerumb darein vermachen lassen. Gott [1354] waist, wo das gaißele herkompt oder was es bedeuten soll. Der allmechtig ist in seinen werken wunderbarlich; wann er will, so ist seins gefallens, was er will, verborgen; wann er will, kan ers durch seltzame
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mitel öffnen. Zu Rotweil hat es noch bei unsern zeiten ein kleine laden, die ist zum bösten vermacht, ist hünder ainer statt bei iren briefen und anderm, das sie haben; die hat von alter her auch niemands sollen öfnen. Aber bei wenig
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jaren hat ain rat daselbs drei man ußer inen darzu verordnet, die solche laden sollen ufthuen und, was darin sei, besichtigen, nachgends die gleich widerumb, wie hievor, vermachen. Dieselbigen verordneten haben auch ain leiblichen aidt schweren müeßen, das sie ir lebenlang, was sie in der
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laden finden, verschwigen halten wellen. Das ist alles beschehen. Sie haben die laden geöffnet und wider zuthon und vermacht, also waist niemands, dann sie drei, was darin behalten wurt. Das dörfen sie auch nit sagen, und ist eben, als vor. Gleichwol vil vermainen, es seien nur brief,
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die vor vil jaren hünder ein gemaine statt seien erlegt worden, und villeucht alsbaldt zimbrische brief, als von andern, aber es ist diser zeit noch unbewist und verborgen. *

Es ist zu wissen, das im nechsten jar nach dem paurenkrieg, nemlich anno 1526, baide gebrüeder, herr Johanns

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[543] Wernher und dann herr Gotfridt Wernher freiherren zu Zimbern, sich einhelligclichen verglichen, nemlichen, seitmals ir brueder, herr Wilhelm Wernher, kein leibserben, auch dessen nit gewertig, welcher dann under inen baiden
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vor dem andern mit todt abgienge und keine eheliche leibserben, manspersonen, hünder ime verließe, so solte alsdann der ander brueder alle des abgestorbnen ligende güeter, ohne alle ver[584]hündernus oder irren, erben und inhaben. Sollichs ist in obernemptem jar, zinstags nach Exaudi, vor
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hofgericht zu Rotweil, als grave Jörg von Lupfen das versehen, vermeg der brief, so noch darumb vorhanden, ufgericht worden. Es ist auch zu wissen, das nach dem paurenkrieg ain zeit lang ein groß missvertrawen under der burgerschaft zu Mösskirch gewesen, derhalben iren etliche ein liga
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machten, die hielten sich zusamen; war der alt Hainrich Weiglin, statamman, Jacob Rennisfeldt, Hanns Beringer, Franz Scherer, Conz Ower und andere mehre, und seitmals sie der herrschaft parthei, brachten sie vil hindurch, und was sie handleten, das war gethonn, also das ire
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widerwertigen sich wider sie öffenlich nit legen dörften. Man hieß sie nun under dem gemainen man das geschlecht mit denen langen oren, zu achten, derhalben beschehen sein, dieweil sie der herrschaft parthei, und vermaint der gemain man, was sie hörten oder erfüeren, das würde der
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herrschaft unverzügenlich und auch von weitem here fürgebracht. Dieser nam des geschlechts mit den langen ohren hat lang geweret, und ist aber dieser zeit ußer diser ganzen gesellschaft und parth über ainer nit mehr in leben, die andern sein alle gestorben. So ist auch seithero ain junge und ain
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newe welt ufkommen, die der alten sachen wenig achten thuet oder denen nachdenkt, sonder nur dem newen anhengig und dessen begirig ist. Under dieser parthei ist der alt Hainrich Weiglin der fürnembst gewesen, dann er war statamman und giengen der merertail gescheft und
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handlungen durch in zu; so hett er durch sein alter und langen geprauch ain große erfarnus erlangt, dergleichen het er große güeter von seinen voreltern, die vor vil jaren, wie man sagt, von Mülhaim geen Mösskirch waren kommen, ererbt, die het er bei seinen lebzeiten wol gebösseret. Er
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het drei söne, under denen er die zwen, Jacoben und Bonefacium, weltlich sollten bleiben geordnet; so het er den dritten son, Hainrichen, uf die hochen schuel zu Tübingen

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[544] geschickt, den wolt er gaistlich machen, dann im desshalben vertröstung von herr Gotfridt Wernhern uf die pfarr Guetenstain beschehen. Aber es gieng dem gueten mann, wie mermals geschicht, das die kinder den eltern nit volgen.
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Die zwen eltern söne, Jacob und Bonefacius, warden kriegsleut, vertheten dem vatter vil, das er nachgends alles bezallen muest, wiewol sie baide im krieg vergiengen. Der dritt son, Hainrich, het des vatters bevelch nit wol behalten, und an stat das er uf die weihe sollte ziehen und sich
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ordinieren lassen, nam er ain weib zu Rotenburg am Necker, war ain Hippin, ains gueten, ehrlichen geschlechts; die pracht im gleichwol das nutzlich guet Schadenweiler sampt anderm mehr zu, dardurch dann der alt Cremes dester ehe begüetigt wardt, und ließ es ain geschehne sach sein. Er
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war so karg, das er seines gueten weins nit zu benüegen drinken dorft, sonder den aller ergesten den drank er. Derselbigen mainung aber waren seine söne nit, dann sie dranken den aller bösten; darzu half inen der Conz Ower ganz trewlichen. Uf ain zeit het der alt ain vorder gueten wein
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eingelegt und das vaß also bezaichnet, das im seins verhoffens niemands darüber geen oder darvon geprauchen sollte, aber es half nit; dann ob er gleichwol über den andern tag darzu gieng und seine zaichen und gemerk am faß gerecht fande, iedoch hetten seine söne und der Conz
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Ower ein andern grif, dann sie zepften das faß dahinden an, [585] und wie er uf ain zeit ein gasterei im haus und inen des gueten weins zu versuchen geben wolte, do war nit ain tropf mehr im faß, aber es wolts niemands gethon haben oder daran schuldig sein. Was wolt der guet man
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thuon? Er hette bei seinen lebzeiten billich wol merken und abnemen kinden, wie es nach seinem todt zugeen oder ain ende nemen würde. Es ist ganz lecherlich, wie er das faß selbs angezepft und mit aim zigelen den wein hat lassen wellen, und als der nit laufen, hat er haißen den sponten
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oben ufthon und dem wein luft machen, aber der luft war lengest gemacht, dann es war nichs mehr im faß. Er ist hernach anno domini 153 . . zu Mösskirch gestorben, und ist wol müglich, waver in sein große karkhait nit überwunden, das er noch etlich jar het megen leben, dann es sonst
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ain gesunder man war; aber als er uf ain zeit sich übel befande, wolte er allain zu ersparung des gelts und uncostens nach keim medico schicken, den er dann wol het bekommen

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[545] künden, der in auch mit geringem ohne allen nachteil het evacuirn künden, sonder geprauchte sich ains barbierers zu Mösskirch, war ain gueter wundarzet, genannt Jacob Maienbrun, von dem in disem buch vil gesagt wurt. Der
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understande sich uf sein begern eins sollichen und evacuirte den gueten alten man; dieweil er aber, wie zu achten, in dissem gefellet und die arznei zuvil reülichen gepraucht, wardt der alt Weiglin so gar krank und schwach darvon, das er sein sterben mueste. Nach seinem todt wardt die glock gossen,
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und wie ain alter, erlicher man zu Mösskirch, genannt Conradt Burger, ain sprüchwort het: »User bast macht man hafensail, was ain karger erspart, wurt aim geuder zu tail,« also gieng es mit disem erb auch. Sein sone Hainrich der erbt ine zum halbentail und darob, das überig wardt seiner
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schwester Agnesen, het ain burger, genannt Jörg Weihe. Es kam aber in ainer kürze darzu, das es mertails alles verthon wardt und hingieng, wie der schnee. Das nutzlich guet Schadenweiler bei Rotenburg, das im von seim weib worden, das gab er umb halb gelt hin, wardt aim doctor
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der rechten, genannt Adam Wernher von Themar[3]; herr Gotfridten gab er etliche zehenden und güeter in der herrschaft Mösskirch, das überig ist im gleichwol bliben, aber so hoch beschwert und verkömmert, das es die zins kaum ertragen mag. Noch künden im keine schleckbisslin entgeen,
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die er auch waist vor andern zu bekomen und dann die maisterlich kan ordnen und zurichten lasen, derhalben herr Gotfridt Wernher ainest vilmals sprach, so er ein mechtiger fürst, wiste er kain kuchenmaister, den er mit Weiglin künt verbössern. Letzstlich ist im doch wider ain glück
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zugestanden, als im sein schwester Agnes ohne kinder gestorben, zu dem die herrschaft wol ob im gehalten und möglichen fleis gepraucht, damit er von den Juden, die in schier gar hetten verderpt, mit dem geringesten megte entlediget werden. Under etlichen kindern ist im nur ein sone, genannt
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Michel, bliben, der dann noch in leben.

* [1457] Es hat sich bei seinem gesind beschaind, das er kain glück haben und nichs behalten sollt; dann dieweil er noch zu Schadenweiler hauset, het er ain knecht, hieß

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[546] . . ., der sollt ains mals ain last kernen zu Rotenburg verkaufen, wie er auch thet. Aber gleich satzt er sich im würtshaus nider, verspillt das gelest gelt bei aim pfening. Uf den abendt fert er wider haim, bekennt frei herauß, er
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hab das gelt verspillt, seie aber guter und getrewer mainung von im beschehen, und verhofft, er wellt noch so vil darzu gewinnen und seim maister also ain groß rat haimbringen. Aber Weiglin wolt sich daran nit settigen oder abreden lassen, sonder der knecht mußt im das verspüllt gelt
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abdienen. Darum spricht man gemainlich: »Man kennt den herrn beim gesind und das wetter bim windt.« * In diesem 1564 jar ist auch ain reicher, wolhebiger burger zu Mösskirch gestorben, Matheus Kempf, der ist aber darneben so überkarg gewest, das er, wie man von ime
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gesagt hat, manichmal nit genug essen dürfen, und als man warhaftig von ime ußgeben, so hat er in seinem haus uf ain mal über ain ai nit gessen, hat immerdar besorgt, im werdt noch zerrinnen. Das ist aber seinen freunden, die im gleichwol von weitnus verwandt waren, dann er kein
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leibserben gehapt, ein ebne sach gewesen; die haben [586] hernach, wie er abgestorben, das gütle den ehren nach und ohne alles trawren gebraucht, und wie sie dem gueten man das opfer, sibendt und dreißigest gehalten, ist inen kein schleck vorgangen, haben auch grundtforlen darbei haben
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müeßen. Ich glaub, der guet Theus Kempf hab all seine tag von keiner grundtforell nie gessen, und haben die gueten leut ein solchs schlemmen ab diser erbschaft gehapt, das ain oberkait einsehens haben müesen und den az taxieren.



  1. remische] hs. reinische.
  2. Grünenstain] s. Haggenmüller, Geschichte der Stadt und der gefürsteten Grafschaft Kempten II, 10 ff.
  3. Adam Wernher von Themar] über ihn s. Mone, Quellensammlung III, 158—159; Hartfelder, Werner von Themar, ein Heidelberger Humanist, in der Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins XXXIII (1880), I ff.