Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 52

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Was herren Gotfriden Wernhern freiherren zue Zimbern in der beurischen empörung begegnet, auch wie sich die von Mösskirch mit ime irer handlungen halb vertragen.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 522–539
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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[578] Was herren Gotfriden Wernhern freiherren zue Zimbern in der beurischen empörung begegnet, auch wie sich die von Mösskirch mit ime irer handlungen halb vertragen.

Hernach anno domini 1525 ist die ufrur der paurn schier

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durch die ganz deutsch nation entstanden, also das solchs

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[523] vil mere ain plag oder straf Gottes über reich und arm, edel und unedel, dann ain krieg hat solten gehaißen werden. Der anfang sollichs kriegs hat under den grafen von Lupfen in der herrschaft Stüelingen sich erhept und auch hernach
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daselbst geendet. Solchs hat sich der alt graf Sigmundt so hoch belaidiget angenommen, das er dessen vor lauterm kommer und traurigkait hernach gestorben. Man sagt, seine, des grafen, amptleut haben die pauren gleichwol scharpf und grim genug regiert, und haben schneckenheusle in fron
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lesen müesen, durch solcher cleinfüeger ursach willen ein unseglichs würgen und brennen durch ganz Germanien sich erhept. * [1359] Von disen Stüelinger pauren, die also den paurenkrieg angefangen, hat man ain besonders liedt
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gemacht, darin die selbigen der pauren und aufrüerer glimpf nit vergessen, soll nit underlassen, etwas von dem zu vermelden, und lauten dessen gesatz im thon »Bona dies, mein schwarzer münch« also:
Die pauren zogen wider haim, sie wolten sich baß besinnen,
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Da muesten sie erdbern und die morachen gewinen.
Sie zogen wider heim und waren nit lang außgewesen,
Da muesten sie auch schneckenheusle lesen.
[1360] Sie megten sein nit geniesen,
Sonder muesten geen in die kriesen.
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Die herren samleten sich und hueben an zu dagen,
Do sprachen die pauren: »Wir wendt den herren zwagen.«
Die herren zogen wider heim, inen fieng an zu grausen.
Do sprachen die pauren: »Den herrn wellen wir lausen.«
Sie kamen zusamen und fiengen an zu schiesen,
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Dess wardt die herren ser übel verdriesen[1].
Es waren die pauren zu Walwis im Hegew sonderlichen in diser beurischen ufrur verwicklet. Die machten ein kreiden domals under inen, das sie under ainandern schrien »weberpu« und vil mutwillens triben. Aber nachdem die
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ufrur gestillt, ward es inen wol widergolten, darumb megen sie das »weberpu« nochmals nit vertragen, und da ainer mit solchen geschrai under sie käme, der würde von inen nach vortel abgeschmirbt. * Danzumal ist herr Gotfridt Wernher mit seiner gemahl,
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auch aller haushaltung zu Mösskirch gewest, als er aber

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[524] vermerkt, das in der stat ain meuterei werden, und derhalben gewarnet, bedacht er weislichen die erschröckenlichen und tirannisch handlung, an dem fromen grafen Ludwigen Helferichen von Helfenstain zu Weinsperg begangen, und
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thette sich heimlich hinauß geen Wildenstain. Sein gemahl blib die ganzen zeit des kriegs alda, der begert niemands was args zuzufüegen. Es waren zu Mösskirch etlich haimlich schuelen, da warden winkelpredigen gehalten und allerlai meutereien angericht. Dieselbigen brüeder wolten ain
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evangelisch leben zu Mösskirch anrichten und vermainten, alle unkeusche in der statt, so userhalb der ehe bescheh, abzustellen, und wolten keine in der statt dulden, so mit solchen handlungen beschrait oder verargwonet were. Und damit aber solchs abgestelt, hielten sie ain gemaindt
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darumb, wie sie domals auch, unersucht der obrigkait, alle tag pflagen zu gemainden, und wardt von dem merertail gepöfel ainhelligclichen dahin geschlossen, das man solche beschraite personnen uß der stat weisen und alle unzuchten sollten abgeschnitten sein. Es war aber ainer under inen, ain
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spaifogel, genannt Jörg Schüßlendreher, der biß daher geschwigen. Wie der das dorecht plebiscitum höret, sprücht er unverdacht: »Lieben freundt, so ir die verargkwonnten und armen sündernen alle uß der stat zu jagen vorhabens, ist zu besorgen, es werden unser ainsteils selbs kochen
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müesen.« Das hat der pöffel so hoch ufgenomen, das sie gleich anfahen über in schreien und zu im greifen, und er were von inen in sollicher furia domals umbpracht worden, aber er warde von etlichen seinen gesellen mit groser müeh und vil gueten worten von inen errettet. Noch waren sie
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nit zufriden, und wolt der vogt daselbs, Gangolf Örtlin, nit ains uflaufs von dem gemainen man der dorechten ansprach halben erwarten, so muest er den armen Schüßlendreher fahen und einlegen. Der wardt also dem herren Omnes zu gefallen [579] etlich tag in ainer, gleichwol gnedigen,
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gefengknus enthalten. Hiezwischen wardt herr Gottfridt Wernher aller sachen nachlengs bericht; der bevalch dem vogt, den gueten man, der gleichwol nichs verschuldt, dann das er die warhait gesagt, wider ledig zu lassen. In dess, als das ganz landt uf war, kamen die enzbergischen pauren
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und andere für Mösskirch, do wardt in der statt gerathschlagt, ob sie bei irer herrschaft bleiben, oder die pauren einlassen oder sich zu denselben schlahen wellten. Es

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[525] wardt das mehre, das die porten geöffnet und die ufrüerigen pauren ingelassen sollten werden. Das beschach. Gleichwol dieselben kain schaden thetten, sonder des andern tags weiter hinzogen. Für das ander war diese turba nit
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allain zu Mösskirch, sonder es hette sich die ganz ober herrschaft entpört, inmaßen das under allen underthonnen uf dem landt nit mehr, dann zwen pauren bei der herrschaft bliben, nemlich der alt Galle Hach zu Oberbeuchtlingen, welcher ain sollichs wolgefallen ab seinem herren, herr
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Gottfridt Wernhern, hett, das er offenlich in ernst sagte und vermainte, sein herr wer wert, das er ain ross het, so über ein ieden geladnen hewwagen könte ußspringen. Der ander hieß Jacob Friderich, war von Guttenstain, und war sein vatter ain lediger von Ramsperg gewesen. Under
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denen baiden Galle Hach den ufrüerischen paurn, so in auch ufzuwiglen understanden, die antwort gab, er hette ain gueten herren, den er nit zu verbössern begerte, und wellte daheim bleiben. Der ander, Jacob Friderich, verließ sein weib und kinder, haus und hof, und als die andern
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Guetenstainer alle in die rais, do zoge er zu seinem herren geen Wildenstain, bei dem blib er in der besatzung, biß die ufrueren merthails gestillt wurden. Welcher baider nachkomen ein solche gehorsame und standthafte in höchsten nöten bißher billich genosen, soll inen auch von der
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herrschaft zu ewigen zeiten zu fürdernus und guetem nimmermer vergessen werden. Es sollte ain billich verwundert haben, das die underthonnen in der herrschaft Mösskirch von herrn Gotfriden Wernhern, irem herren, also abgefallen, dann sie dess kein ansehenliche oder erhebliche ursach
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anzaigen, sonder allain fürgewendt haben, in dem beschwerdt zu sein, das sie mit söldnern oder taglönern in den dörfern übersetzt, die inen mit abnutzung der waiden zu überlegen, das sie ire narung und underhaltungen von iren güetern nit in maßen, wie von alterhero, haben künden, wiewol sich
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in warhait hernach befonden, das mertails derselben dagdienster der mair söne, dochtermener oder nechste verwandte gewesen. Dieweil sie nun kein andere oder wichtigere clag ab irem herren herfür ziehen, sonder mertails iren brüedern in Christo, ir vermainte christenliche freihait
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zu handthaben, zuzogen, haben sie irem herren kain schaden gethon, im nichs genomen oder entwert, welches sie doch wol thuon hetten künden. Als sie nun haufecht hinab geen

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[526] Unlengen zu denen truchseßischen und werdenbergischen pauren kommen, liesen sie inen zu Riedlingen ein aigens fendle machen und das zimbrisch wappen darein malen. Der fenderich hat gehaißen Letz von Rordorf, der wolts
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nit tragen, es wer dann ain zimbrisch wappen darin [580] gemalt. Mit denen zogen sie fürter und kamen mit den selbigen in den weingartischen bericht, welcher under anderm inhielt, das ain ieder an die ort und ende er gesessen, zu seinem haimwesen sich thuon sollte, seinem herren oder
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obrigkait von newem wider schweren und sich vertragen. Also zerstoben die pauren von ainandern, die zimbrischen kamen auch widerumb ieder in sein dorf. Herr Geörg truchseß von Walpurg, des schwebischen pundts obrister, het die empörung zu Mösskirch vernomen, zu dem, als er
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etliche pferde ins Madach und Hegew schickte, wolten die von Mösskirch solliche nit einlassen, vil weniger umb billiche bezallung inen profiant oder andere notturft zukomen lassen, dardurch er erzürnte, ime entlichen fürname, die von Mösskirch nach gestillten ufruren im Hegow auch zu strafen.
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Als herr Gotfridt Wernher solchs bericht, bedacht er weislichen, zu was grosem spott, auch verderplichem, langwirigen nachtail das ime und seinen erben geraichen würde. Dieweil er dann in sonder gueter freintschaft und guetem vertrawen mit herr Georgen stande, so erlangt er bei ime,
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als kriegsobersten, das er ime guetwilligclichen zuließe, die statt Mösskirch, auch die landtschaft umb ire empörung und abfahl zu straffen. Das beschahe. Herr Gotfridt Wernher brantschatzet seine pauren, iedoch leidenlich; wie hoch aber solche brandtschatzung geloffen, hab ich nie erfaren
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kinden. Er ließ im die paurn allenthalben in der herrschaft von newem wider schweren. Die erkannten iren abfahl und ungehorsame und schwuren mit guetem willen. Als seine ambtleut und bevelchshaber geen Hewdorf kamen, die huldigung daselbs zu empfahen, als auch beschach, war ain
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böser paur alda, genannt der rot Staud, und wie die andern underthonen alle mit ufgehepten fingern schwuren, wolte er kein handt oder finger ufheben. Wie er darumb befragt, was er damit gemaint, gab er zu antwurt, er hette den vorigen aide nit gehalten, besorgend, er mechte den auch nit
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halten. Dieser boshait des pauren ward herr Gotfridt Wernher zeitlich bericht, der ließ in fengclichen einziehen, der mainung, in für recht zu stellen. Aber er wardt erbetten,

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[527] und wolt er ledig sein, vertrug er sich umb ain hundert parer guldin und mueste dennost schweren. Der pfarrer von Kraienhainstetten, herr Hanns Mauk, war ain geborner Mösskircher, der war auch zu den ufrüerigen zimbrischen
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pauren gefallen, mit denen er zogen und iren predicant gewesen; darab herr Gotfridt Wernher ain sollichs misfallen, ob gleichwol das glück des pfaffen verschonet, das er an keinem ast behangen, so straft er in doch, und muest S. Martin ain hundert gulden also par an die fabric erlegen,
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so wol het er den newen glauben geprediget. Es het der pundt ain haufen pauren, die sich bei Erenbach und an der Tonaw herumb zusamen gethon, bei zeiten angriffen und in die flucht geschossen; kamen ir etlich hundert derselben ins Riedt, also das die reuter inen nichs abbrechen
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oder zu inen kommen konten. Die warden gefangen, und fürt man sie geen Ulm. Dieweil aber iren sovil, und nit thürn oder gefenknus gnug verhanden, warden die alle in die schulstuben daselbst eingeschlossen. Die lagen alda etlich tag wie die sew [581] ob ainandern gefangen;
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letzstlich, als die ufwigler und hauptsecher, sovil deren noch under inen vorhanden, uß inen außgehemlet und gestrafft, ließ man die übrigen wider laufen. Under denen waren nit wenig zimbrische underthonnen. Es entstande hierauß vil gespais, sie wurden nur die schueler von Ulm genempt.
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Das ertruege hernach vil frevel, die nam die obrigkait und ließ es gericht sein. Nachdem nun die empörung und ufruren allenthalben in Oberlanden gestillt, auch die ungehorsamen ainweders geschlagen oder sonst gestrafft und sich zu iren haimwesen
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widerumb gethon, wurden die von Mösskirch kleinlauts, sonderlichen aber die, so sich vormals am meisten empört und die schreier waren gewesen, auch die, so die winkelkirchen und haimliche predigen hetten gehalten, warden sich nit wenig besorgen. Als sie nun niergends her keiner
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rettung gewarten kunden, auch sich selbs berichten megten, das inen herr Gottfridt Wernher, ir herr, die unnöttige empörung nit nachlassen würde, langten sie bei herr Johansen Wernhern, auch bei herr Wilhelmen Wernhern, gebrüedern, umb ain leidenlichen underhandlung und begerten nit mehr,
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dann hinfüro ain gnedigen herren zu haben, mit dem erbieten, in allen müglichen und billichen sachen aller underthenigkait und gehorsams gegen ime, als irem herren, auch

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[528] seiner nachkomen, zu befleisen. Also namen die baide herren, zu denen die von Mösskirch ein besonders herzlichs und underthenigs vertrawen hetten, sich der sachen mit allen trewen an; sie kamen geen Mösskirch und hörten ir
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begern; von dannen ritten sie geen Wildenstain zu irem brueder ab und zu. Sie geprauchten den Johann Ulen, fiscal zu Rotweil, des Niclasen Ulen sone, in dieser sach als ain secretari. Nach langer underhandlung warden alle missverstendt in der güete vertragen, dergestalt das herr
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Gotfridt Wernher alle ungnad gegen denen von Mösskirch der peurischen ufruer halben gnedigclichen fallen lassen und hinfüro iren gnediger herr sein sollte, dargegen sollten sich die von Mösskirch keinerlei obrigkait geprauchen, sonder dieselbig sollte in allwege herr Gotfriden Wernhern und
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seinen erben zusteen, ohne verhündert iren oder irer nachkommen; auch sollten sie sein und seiner erben bevelch und haißen in allen zimlichen sachen gehorsam und gewertig sein. Sie bewilligten auch ime und seinen erben ein järliche erhöchung der steur, iedoch sollte inen dise
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handlung und der vertrag an iren ehren [nit][2] verletzlich sein; damit sollte alles, so sich hierinen verloffen, gegenainandern ufgehept sein. Diesen vertrag, wie der in originali noch vorhanden, haben die von Mösskirch guets, freies willens angenomen. Es hat herr Gotfridt Wernher ganz weislich
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und wolbedechtlich[3] gehandlet, das er alle oberkaiten dermaßen zu Mösskirch an sich gebracht, dann hiedurch die statt in ain ufgang kommen und ußer sonder gnaden des allmechtigen in kurzen jaren also zugenomen und sich gebössert, wie auch noch teglichs beschicht, das sich dessen
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zu erfrewen; zu dem hetten sie inen selbs hievor etliche freihaiten angemast, die warden domals alle cassiert. Als herr Johanns Wernher die herrschaft Mösskirch vor jaren noch ingehapt und in seiner behausung, dem undern hoff genannt, ein fenster durch die rinkmauren brechen wellen,
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haben sie im das zu underkommen understanden. Grave Felix von Werdenberg hat uf ain zeit herr Johannsen Wernhern geschriben und für ain, den man zu aim salzrechner zu Mösskirch nemen sollte, gebetten. Also hat herr Johanns Wernher bei aim rath desselben [582] halb angehalten, ist
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im aber abgeschlagen worden, dann sie haben domals alle

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[529] empter in der statt (ohne ain statamman) ires gefallens zu verleihen, auch ain aignen burgersthurn gehapt, darauß der obrigkait vil unruhe und abziehens erfolgt. Was bemelter herr Gottfridt Wernher in der capitulation des vertrags
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weiter het künden erlangen, das ist in der ernewerung des urbars artikelsweis fleißigclichen ufgezaichnet worden, denen nachkommen in künftigen zeiten sich darnach wissen zu richten. Es ist an herr Gotfriden Wernhern nit wenig zu loben gewesen, dieweil er kein ungnedige straff gegen seinen
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underthonnen fürgenomen, so doch etwann andere obrigkaiten in solchem fahl grewlichen gewütet. Was glück aber hernach darbei gewesen, das hat sich an vil orten beschaint[4]. * [1537] Es het herr Gottfrid Wernher in solchem tumult wol etwas namhafts bei denen von Messkürch künden
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erlangen und sonderlich, das es auch ain abzug gehapt, wie zu Engen und in andern stetten, aber man hat der zeit kaine gedanken an sachen, die einer herschaft zu gutem heten kommen mögen, und wie die haushaltung, also gewan auch das haus zu letst, wie man spricht, ain gibel,
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und so der ainzig artikel bei denen von Messkürch erhalten, het es biß daher gemainer statt und dan ainer herschaft zugleich etlich tausent guldin ertragen mögen; die sein ußer der steur und hinweg kommen, und so bald man ainem ufhilft, das er was bekompt, so fert er darvon oder er gibt
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seine kinder hinauß, damit so kompt das gut hinach, dardurch dann andere stett reicher, dargegen Messkürch nit zunemen kann, wie sonst beschehen mögt. Aber man spricht, was nit sein soll, das schickt sich nit und straift aim ain reis ab. *
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Als alle sachen der peurischen empörung wider gestillt, haben die von Überlingen etlich alte ansehenliche menner von Sernatingen und auser andern iren gerichten, ußer ursach, das sie von den ufrürigen pauren zu der rais waren gezwungen, auch der newen religion halb
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verargkwonet, fahen lassen und die ohne alle barmherzigkait oder genugsame vorgende inquisition und erkundigung uf dem Prüel zu Sernatingen[5] enthaupten lassen. Man sagt, es seie

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[530] inen unrecht beschehen. Dess zu ainer gleublichen anzeige so wechst uf solchem platz, dem Prüel, alda die gericht worden, uf heutigen tag weder laub noch gras, ist vorhin ain trefenliche, guten wisen gewest; zu vil zeiten ist es
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ganz ungehewr alda. Es sollen dero, so gericht worden, ob den zwainzig gewesen sein. Die von Überlingen haben diser that halben bei iren underthonnen und menigclichem ein großen unwillen und nit vil lobs erlangt. * [1357] Zu sollicher zeit und in sollicher ufruer war
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ain paur zu Sauldorf, genannt Bastion Brugger, der standt zu Sauldorf uf die canzel, prediget offenlich seins gefallens; aber so baldt die ufruer gestillt, wardt diser unzeitig predicant von herr Gotfridt Wernhern, als dem vogtherren zu Sauldorf, fengklich angenomen, geen Mösskirch
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gefüert, daselbs ain guete zeit gefangen gehalten und gestrafft. * * [1298] Als die ufrürigen pauren im landt zu Franken nit merer gewist, was sie für muetwillen sollen anfahen, haben sie das closter Eberach ingenomen und
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darin die helfenbainen büchs, darin der bischöf von Würzburg herz nach irem absterben behalten werden, geöffnet und darin hoffirt, mit vermelden, sie thetten den bischöfen uf ire herz. Es ist aber solcher hochmuet hernach wol gerochen worden.
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* [1417] Diser brauch oder gewonhait hat bei zeiten der regierung königs Conrads des dritten angefangen von bischof Sigfriden von Würzburg. Derselbig hat ein große anmutung zu dem closter zu [1418] Eberach, von wegen das der gotsdienst so empsig und geflissen alda verpracht
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warde, auch die münch zu derselben zeit ain so unsträfflichs und gaistlichs leben fürten. Darum hat er innen große renten und gülten verschafft. Nach im haben die volgenden bischöf sich auch gericht, wurt auch noch also gehalten, namblich so bald ain bischof stürbt, so entwaidet man in,
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das wurt im schloß unser Frawen berg in der capellen begraben; den cörper fürt man hinab in tom, das herz aber gen Eberach. Das geschicht mit ainer solchen ceremonia. Man thut das herz in ain pleien truchen, die legt man uf ain darzu ußgerüsten wagen; sollichs alles sampt dem wagen
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und den rossen das bleibt volgends dem closter; dargegen aber so sitzt des verstorbnen bischofs eltesten und getrewesten diener ainer uf dem wagen bei dem herz und

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[531] überlifferts[6] zur begrepnis [dem][7] closter. Demselbigen diener mußten dann die münch ain herrenpfrundt geben und inne sein lebenlang ehrlichen erhalten. Zu solchem nammen gemainlich die tumheren ain alten, getrewen diener, der lang
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gedient und ain sollichs umb das gestift hat verdient. Wer obgenannter bischof Sigfrid[8] gewest von geschlecht, ist in vergess kommen. * [1299] Es megen die pauren zu Walwis das »weberpu« ebensowenig leiden oder verguet haben, als die pauren zu
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Borsum im stift Hildeshaim vom »weihen«; dann der inen darvon meldung thuet, der mach sich kurz ußerm staub, will er anders nit frembde hendt im haar haben, und das hat die ursach. Die selbigen pauren zu Porsum hetten ain lone geordnet allen denen, so inen die weihen und andere
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raubfögel uffiengen, die inen großen schaden thetten. Füegt sich, das ain paur ain forder großen weihen fieng; den schickten die pauren gemainlich irem bischof geen Stewrwaldt für ain present, vermainten, es were ain habbich. Wie nun der paur mit dem weihen ins schloß kam, wolt
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er nun selbs für den bischof. Das ließ man zu. Also kam er in sall und setzt den korb nider, und ohne ainiche reverenz sprücht er: »Gnediger herr, die menne von Borsum scenken Ewer Gnaden diesen habacuc und ick ock.« Der bischof lacht und iederman. Also hieß der bischof den
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korb ufthon, und wolt iederman den habacuc sehen. Wie man aber nit guet sorg het, scheucht der weihe und wischt eins mals ußerm korb, floch etliche mal im sal umbher; letzstlich aber traf er ain fenster an, das gar schön geschmelzt war, und floch mit ainer großen ungestüm
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dardurch und thet wol schaden. Der bischof war übel zufriden, vermaint, es hettens im die pauren zu ainer buberei thon, war im mehr umb den spott, dann den schaden, zu thuon, sprach zum pauren: »Segge den mennen to Borsum, se scellen me twe sceppel roggen geven für den schaden
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unde du ock,« damit ließ er den dollen cujon hinhawen. Es werden die pauren von Borsum noch immerdar mit diesem weihen geplagt. Sie haben sich lang der zweier scheffel roggen geweret, ehe sie die geben haben dem bischof. Es hat ain dorf im landt zu Bayrn, nit weit vom

1 [532] Hag, darin mögen die pauren nit dulden, das man inen von aim krebs sag; damit ist inen einest ain boss[9] begegnet. *

* [1305] Es sagen gleichwol die von Walwis und geben für, das diß geschrai ain ander ursach hab, und nammlich,
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als vor jaren vil unruhe im land gewest und die reuterei noch im schwank, do haben die unrübigen leut uf diß dorf Walwis geschnapt und inen die herd vihe genommen und hintriben; aber die Walwiser seien inen nachzogen und haben inen das vihe mit gewalt wider abgejägt und erhalten.
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In sollichem trippel do haben die weber im dorf sich des nachzugs nichts beladen, sonder die ander verlassen; also, demnach das vihe wider bekommen, do sei inen von der beut nichts verfolgt, haben des iren mit nachtail manglen müßen und mit disem geschrai »weberpu« gespait worden.
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Das mag nun auch sein und das baide stuck und mainungen war. * * [1418] Man hat vor vil jaren ain geschribne propheci gefunden in ainem alten buch zu Straßburg, zum jungen Sant Petter, darin der baurenkrieg, auch die endrung der
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religion clärlichen angezaigt wurt, dann es sich mit der jarzal gerat mit der baur ufrur verglicht, und ist des inhalts:
M semel, quatuor quoque C,
LX duplicatum utrumque,
V quando pertransibit,
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Tunc hereditas clericorum peribit. *
* [1382] Wie nun alle sachen des paurenkriegs halben im Oberlandt gestillt, do schickt die regierung [1383] zu Inspruck etlich fürnem commissarios in dise vorlender, ain gründtlichen und bestendigen fridt im Hegew und andern
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österreichischen landen zwischen dem adel und der paurschaft zu machen. Dieselbigen commissarii, darunder herr Christof Fuchs deren fürnembsten ainer, beschriben die grafen und herren, auch den merertail des adels, dergleichen auch die fürnembsten deren pauren geen Radolfzell an den undern
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see. Daselbst warden alle sachen, in maßen noch darumb vertrag vorhanden, zu fridlicher endtschaft gepracht. Das wurt alhie uf dißmal allain darumb vermeldet, das uf solch tag zu Radolfzell ain großer adel dahin kommen. Wie nun uf den bestimbten tag menigclich uf dem rathaus vor den

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[533] österreichischen commissariis in der gewonlichen großen rathstuben erschine, do standen die edelleut mehrtails hünder dem und umb den offen, wolt auch kainer herfür oder nider sitzen, damit die herren commissarii irer werbung hetten
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machen künden. Sie warden mehrmals darumb angesprochen, aber es wolt keiner herfür. Das wolt nur ein verlengerung und ain unordnung pringen, darab die commissarii, auch die grafen, herren und deren panksverwanten nit an kleine ungedult entpfiengen. Letzstlichen, als sie ie nit herfür
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wolten, so sprücht herr Christof Fuchs (wie er dann ain runder mentsch war) überlaut, das es menigclich hören mocht: »Wolan, lieben junkern, wellt ir nit vom offen herfür geen, so bleiben in Gottes namen darhünder, dann alle, die hünder und bei dem offen steen bleiben, die seien uf
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der ufrürigen pauren parthei.« Er mocht das wort nit gar haben ußgeredt, sie stoben alle hünder dem offen herfür und wolt kainer mehr da sein. Gemanet mich vast an den abt von Weingarten, herrn Gerwigken Plaurern, der pracht mit ainem sollichen scommate zu wegen, das ainsmals die
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stendt uf dem reichstag, zu Speir anno 1541 gehalten, im rath geschwindt nidersaßen. Es wolten die fürsten, auch die reichsstendt domals und die gesandten lang nie nidersitzen und gieng ainer den sal hinauf, do zwen oder drei herab. Das verdroß den übelredenden münch, kunts in
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die lenge nit verschweigen oder inhalten, darumb sprücht er überlaut: »Ir meine gnedige und güetige herren, ir laufen uf und ab, hin und wider, nit anders, als bei mir die pauren pflegen, da sie ain sawhirten under inen erwellen.« Mit diser red, so gleichwol frech und frei genug, bracht er sie
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uf die benk, aber ain schlechten dank erlangt er bei menigclichen, und wo es hernach ime nit nach seinem willen gieng, da frolocket iederman. Das beschaint sich wol uf dem reichstag zu Augspurg anno 15[48][10]. Do wolt bemelter abt einer nacht sich mit ainem julep oder ainer andern süßen
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composition erlaben; es hetten etliche hurnaußen hinein, dem apt unwissendt, genistet, wie dann solche insecta dem süeßen gern nachwandlen. Wie er nun bei der finstere darvon nimpt, so erwüscht er auch darmit ein hurnaußen; dieweil er dann nit sehen kunte, auch sich solches zufals

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[534] nit besorgte, do schob er ein, und war der hurnauß durch solche bewegung erzürnt. Dem geriet ain stich, wie der abt schlande, in die kelen, das dem abt gleich der hals und der schlundte dermaßen verschwal, das er sich seins lebens
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und alles glücks verwage. Man schickt gleich nach den medicis und het allenthalben, dann die gröst gefahr war im verzug, rath, wie im zu thuen. So kont auch der abt nit wol reden oder gründtlich die ursach seins mangels anzaigen, und muesten die arzet ußer den vorgenden, nemlich dem
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julep, darin sie noch mehr lebendiger hurnausen fanden, gelegenhait und herkommen der krankhait nemen. Der merertail mentschen, die bemelts abts wesen wusten und inne erkannten, urtailten gleich, bevorab aber die protestierenden und lutrischen stende, das im sollicher
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unversehenlicher zufahl als aim impio und gotlosen mentschen ußer sonderer verhengknus Gottes und [1384] zu ainer straf were zugestanden, die andern aber vermainten, ime were vergeben worden, und waren der reden mancherlai. Under den medicis war ainer, hieß Adolphus Occo, ain gelerter
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und vil erfarner, alter doctor; derselbig lag in dem geschwinden zufahl nit lang im armbrost, sonder kam dem halb gestorbnen abt eilends mit ainer warmen gaißmilch zu hilf, das die geschwulst nachließ, und dardurch bei dem leben erhalten warde, wie er dann noch vil jar hernach
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gelept und anno [1567][11] in großem alter zu [Weingarten][12] gestorben ist. Den unfal, wie iezgehört, haben im vil leut wol gonnen, dann in vil jaren kaum ain abt gewest oder ain prelat, der ain solchen großen unwillen gehapt, welches er auch zum thail wol hat künden beschulden. Uf dem
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reichstag zu Regenspurg, anno domini [1541][13], do hat herzog Ott Hainrich, der pfalzgraf, der hernach nach absterben pfalzgraf Friderrichs die chur bei Rhein ingehapt[14], nach aim gehaltnen banket uf ain nacht disen abt in seiner herbrig im bett verkuntschaft, ist mit mehrertails seines hofgesinds
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und der gest in großer stille in die herbrig kommen, dem abt sein kammer ufstoßen lassen und mit vil windtliechtern überfallen. Do haben die drommeter und zinkenblaser an-

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[535] fahen ufblasen, und hat der abt also nackendt, velis nolis, ußer dem bet, unverbunden und ohne ain bruch, ufsteen und in der cammer umbher mit dem herzogen danzen müeßen, in gegenwürtigkait ainer großen somma volks, das dem abt
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nit mehr worden, sich zu bedecken, dann allain das er mit der ainen handt die pfeifen und das geschier begrifen und verdeckt, et a la reste hat er imer mit großem gelechter und wolgefallen aller zuseher lassen in feirabendt gucken. Wiewol in nun das haimlich nit wenig verschmacht, dann
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ain groß gespött menigclich darmit getriben, so muest er doch das darbei lassen bleiben und verdrucken, dann der herzog mit seinem gesündt nach volbrachtem danz gleich widerumb ohne alle schmach oder verletzung abschidt. Aber zu solcher verachtung hat er nit wenig ursach mit seiner
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leuchtfertigkait geben, dann er zu zeiten gewon war, sein concubin[15] oder balmesel mit uf die reichstäg en maniere deguisee, in form ains raisigen, mit sich zu nemen. Die rit mit, war ufwarten; und war nur gar ein hüpsche sach, die von den evangelisch als ain guts vorbilde eins gaistlichen
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vatters wol ward herfür gezogen und ußgericht. Man sagt glaublichen von ime, das er ains mals seine gedanken und böse begirden uf ain schöne junge dochter im flecken zu Weingarten geworfen, das er im auch entlichen fürgesetzt, seinem willen des orts nachzusetzen, und hab durch seine
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kupler und vogelhundt, die zu denen sachen nach allem vortel abgericht, sover practiciert, daz bemelte dochter, gleichwol under ainem andern schein, zu im ins closter seie kommen. Die hab er zu im in sein gemach hinauf gelöckert, damit seien seine diener und bueben, die ires herren
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willen und fürnemen wol wusten, abgeschaiden und haben das guet jung plut bei dem unrainen münch gelassen. Der hab gleich nach abscheid seiner diener den rigel am gemach fürgeschoben und anfahen seine preludia oder vorleuflin seines vorhabens zu machen. Die jung dochter, als sie
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verstanden sein vorhaben und das er villeucht ein gewalt würd an sie begen (dann er schon ußgehenkt), ist sie nit unbehendt gewest, hat im das geschrött mit baiden henden erwüscht und das von allen iren creften gedruckt. Dem münch ist hiemit so wehe beschehen, das im unmechtig het werden
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megen, hat sich auch gegen der dochter nit weren künden,

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[536] dann allain mit ainem jämerlichen geschrai hat er hilf seiner diener begert, die ime aber ainige hilf [nit][16] beweisen kinden, von wegen das sich der abt, wie vorgehört, selbs beschlossen gehapt. Wie er aber mit seinem geschrai nit nachlassen,
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haben zu letst die [1385] diener das gemach mit gewalt ufdretten und öffnen müesen, damit sie den abt erretten. Sie hat im das geschier also zertruckt und zugericht, das er sich ain guete zeit hernach solcher unmünchischen sachen enthalten und eins chirurgen hilf gebrauchen müeßen.
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* [1428] Under kaiser Fridrichen dem ander begegnet aim bischof von Wormbs, hieß Landolf, war ain edelman von Hohenegk bei [Kaisers]lauter[17], dahin gar nahe ain solche sach bei den closterfrawen zu Nonnenmünster zu Wormbs in der vorstatt. Dieselbigen wolt er irs übelhaltens und
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ergerlichen lebens reformiren und ußer closter thon; dess wollten sie ime nit zugeben. Er kam ains mals mit wenig diener ins closter und wollt ain schadhaften baw besichtigen. Wie die nonnen den bischof allain und ir gelegenhait ersahen, da überfielen sie in, schlugen und rauften in gloriose;
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zu letzt, als sie in dahin nit tringen konten, inen zu wilfaren, do erwüschten sie in bei den hoden und truckten in dermaß, das er schier gestorben, da im sein hoffmaister nit eilends zu hilf kommen und in mit gewalt erret het. Die nonnen gaben, gleichwol mit der unwarhait, für, der bischof
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het aine ußer inen notzogen wellen, der hetten sie müßen[18] rettung beweisen. Da ich iren bischof gewest, wellt ich one ain salva guardia oder ain haufen doller landsknecht zu inen nit mer komen sein. Aber es half diser list die nonnen nit, sie musten denost fort, und ward das closter
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mit andern frawen besetzt. * Das er [Blarer] sich aber solcher hendel beflissen, gipt ain guete anzaig die höflich antwurt, die im seiner schalksnarren einer, genannt Wolf Felber, geben. Derselbig ist seins handtwerks ain schneider, wurt aber nur als ain
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kurzweiler rath gehalten. Der solt ains mals dem abt ain costlichen ornat in die kirchen machen. Was beschach? Der ornat ward nach des willen nit gemacht, sonder verderbt, dann er zu eng und zu kurz. Wer war übler zu pass, dann der abt? Fur derhalben den schneider mit rauchen worten

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[537] an, das im die gueten seiden also verwüst were; sprücht der Felber: »Herr, ich hab euch biß anher nit vil ornaten in ewere kirchen gemacht, das ichs lernen künden; wover ich aber derselbigen so vil [gemacht][19], als ich ewern mägten
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und dürnen hab[20] müeßen underreck und miederle machen, so welts ich gewisslichen nit verderbt haben.« Der abt muest zufriden sein, der narr het im die warhait gesagt. * [1493] Da es [Blarer] aber ain sölcher unrainer Satyrus gewest, gibt ain anzaigung sein unverschampte rede zu dem
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canzler von Baden, doctor [J. J.][21] Varnbüler, das er vor jaren seine hend, da in gefroren, an seinem penitenzer hab gewermbt, iezo aber gleichfals dieselbigen, da sie ime sonst erhitziget, in solcher gestalt widerum kennte abküelen. Als er aber in solchen scharmützlen die Franzosen erkrieget,
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und landtgraff Phillips von Hessen ine uf aim reichstag darmit speiet, spricht er: »Ach, gnediger her, es ist wol etwas an der sach, aber möcht ich nur enen arzet auch bekommen, der euch an Franzosen so wol hat gehailet, ich wellt ine wol halten und erlichen bezalen.« Er sagt ains mals, er
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het die Franzosen durch ain damastin rock bekommen; das glaubt im menigclich, wiewol es in zwen weg war zu versten. Aber er hat allerhand reden auch müeßen für gut annemen, zu zeiten auch von hochen leuten; dann als er uf ain zeit vom kaiser Carln [vor][22] gemainer clerisei ganz spottlichen
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redt, erzelt bischof Phillips von Speir, war ain edelman von Flershaim, die historiam, wie sich grave Rudolf von Reinfelden wider kaiser Hainrich den 4ten ufgeworfen hett und ime[23] zu letsten nach vil gemachter unruhe in ainer schlacht die recht hand, damit er dem kaiser geschworen, abgehawen wer worden. Der landgraff verstand das überig wol, dorft
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kainer application. Wie es ime hernach ab seiner ungehorsame ergangen, ist daher undienstlich zu erzellen, wurt von ander nachlengs beschriben. * * [1426] Her Egenolf von Rapolstain ist uf ain zeit zu
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im geen Weingarten kommen und im closter übernacht bliben; dieweil aber der apt zu selbiger zeit mit etlichen münchsmägten wol versehen, ließ er dieselben bei sechs

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[538] oder achten in ein gewelb erfordern, darin zwai bettle standen[24]; darauf fürt er her Egenolfen und seine junker mit hinab ins gwelb, gab inen allen gewalt zu handlen und wolt damit von inen abgeschaiden sein. Ob nun her Egenolf
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sich hierab nit sollt geergeret haben, das ist gut zu gedenken, und als er darvon gieng und zum tail nit wol zufriden, do verhieß im der apt ain schen pferdt, so er so herzhaft wer und sein ehe derft bucken, und ist möglich, so ine der apt nit het so wol gekennt, er würde im das
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pferdt nit so leichtlichen verhaißen haben. * Er hat sonst nit übel gehauset, dann im an geschwindigkait wenig seins stands fürzogen. Mit practiken hat er die abtei zu Weingarten überkommen, da doch ain anderer war von gemainem convent erwellt und die merer stim het;
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iedoch kunt ers bei denen, so stimmen und vota beschriben, uf sein vortel richten. Es ist im auch sonst nit ain schlechts glück zugestanden in dem, das im die mechtig abtei Ochsenhausen zu der seinen ist incorporiert und übergeben worden. Das hat sich also geschickt. Es hetten inen die münch zu
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Ochsenhausen ain fromen, ainfeltigen mann zu ainem abt erwelt; dieweil er nun ganz forchtsam und kündtlich, kunt er vor den überstelligen leuten, seinen conventbrüedern, nit ufkommen, sie fatzten und plagten ine ires gefallens, und da er nit gleich der schnur nach, wie es iren
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gelegenhait, handlete, so trawten sie im und streusten sich. So flohe er dann von inen ußerm closter, ließ sie machen; alsdann muesten andere prelaten und nachpuren zwischen inen handlen und sie wider vertragen. Das beschach so oft und vil, das der guet abt seiner kleinmüetigkait halb nit
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allain von seinen münchen, die dann gar nichs uf im hetten, sonder auch von menigclichem wardt verachtet und ain sprüchwort von ime außkame, das man sagt: »Du bist gewaltig im haus, wie der abt von Ochsenhausen«, und wurt glaublichen geredt, er hab uf ain zeit in sein closter wellen
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einkeren, do haben die münch vor ime beschlossen, und müeßen daußen bleiben. Vergleicht sich dem sprüchwort: »Du bist auch gewaltig in deim haus, wie der von Ochsenstain, den warf man die stegen hinab.« Aber dem abt von Ochsenhausen thetten seine münch sovil übertrangs an, das
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er lenger bei inen nit bleiben wolt, sonder gab die prelatur

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[539] uf, resigniert die mit willen des convents dem obgehörten abt von Weingarten. Der war den münchen fluck genug, dann die muesten ain storken haben, nach dem sie so lang hetten gedrachtet und den begert. Man sagt glaublich,
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der alt abt, als er die abtei übergeben, do hab er von aller parschaft nichs behalten, sonder große seck mit geltmünzen dem newen abt zugestellt. Mat hat im pfarr zu versehen eingeben und ain schlechte competenz darzu, mit dem er vil bösser megen sich erhalten und darmit neher
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kommen, dann mit der abtei oder des closters einkommen[25]. Also hab ich auch ain frommen pfaffen kent, hieß herr Asmus Brendle, saß uf der pfarr zu Crumbach im Madach; derselbig hett jars von seiner pfarr ob vierhundert guldin eingends, aber er kont weder schwimen oder watten und
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macht schulden darzu. Also markt sein junker, der Bilgeri von Hewdorf, gleich, was der mangel, nam dem pfaffen alle einkommen [1386] und gülten der pfarr; darvon gab er dem pfaffen järlich anderhalbhundert guldin oder zwaihundert uß maist, das überig behielt er, und damit kunt er, der
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pfaff, wol haushalten, gieng im glücklichen, und wie man sagt, hat er auch darbei künden fürschlagen. So war der junker auch wol zufriden, der kunt sich seiner schaffnerei und müeh selbs bezallen und vernüegen, nach allem seinem gefallen.*



  1. verdriesen] s. Zimmermann, Allgemeine Geschichte des großen Bauernkrieges II, 28, anm. 2; andere lieder s. bei Liliencron, Volkslieder III, 440—516.
  2. nit] dürfte zu ergänzen sein.
  3. wolbedechtlich] hs. wolbedechlich.
  4. beschaint] die erhebung der bauern gegen Gottfried Wernher von Zimmem ist nach dieser chronik erzählt von Ruckgaber, Geschichte der Grafen von Zimmern s. 182 ff., und darnach von Zimmermann a. a. o. II, 382.
  5. Sernatingen] über diese meuterei s. Mone, Quellensammlung der badischen Landesgeschichte II, 130.
  6. überlifferts] hs. überliffends.
  7. dem] fehlt in der hs.
  8. Sigfrid] Sigfrid von Quefurt 1147—1150. WS: Querfurt in der Vorlage handschriftlich gestrichen.
  9. boss begegnet] Liebrecht, Germania XIV, 398, vermuthet, daß der nicht erwähnte possen der in den Schildbürgern cap, 41 erzählte sei.
  10. 15[48] s. Aller deß Heiligen Römischen Reichs gehaltene Reichstäge, Abschiede etc. (1660) s. 416, z. 12 v. unten.
  11. 1567] ergänzt nach Grimm, Versuch einer Geschichte des ehemaligen Reichsfleckens Altdorf, gen. Weingarten s. 324.
  12. Weingarten] ergänzt; s. Kurze Geschichte des vormaligen Reichsstifts Ochsenhausen s. 86.
  13. 1541] s. Reichstäge, Abschiede etc. s. 317, z. 1 und 20 v. oben.
  14. ingehapt] d. Otto Heinrich der Großmüthige; s. Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz I, 630 ff.
  15. concubin] hs. cucubin; s. unten 604.
  16. nit] fehlt in der hs.
  17. [Kaisers]lauter] an der stelle von Kaisers hat die hs. eine lücke.
  18. müßen] hs. muß.
  19. gemacht] hs. hat eine lücke.
  20. hab] hs. haben.
  21. J. J.] wohl Johann Jacob, so ergänzt nach Sachs, Einleitung in die Geschichte der Marggravschaft Baden IV, 86; der a. a. o. s. 308 erwähnte Jacob Varnbüler (a. 1590) scheint ein anderer zu sein; die hs. hat eine lücke.
  22. vor] so ist wohl zu ergänzen.
  23. ime] hs. ine.
  24. standen] hs. stand.
  25. einkommen] hs. einkommens.