Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 21

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Von dem ursprung des geschlechts deren schenken und herren von Erpach und etlichen bickenbachischen handlungen.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 182–198
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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[182]
Von dem ursprung des geschlechts deren schenken und herren von Erpach und etlichen bickenbachischen
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handlungen.
Wir haben gehört, das herr Johanns Wernher freiherr zu Zimbern der jünger mit rat des alten herrn landtcomenthurs von Altschausen und schenk Christofs von Limpurg mit frölin Catharina, geporn schenkin und freiin von Erpach[1],
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sich verheirat. So ist nun zue wissen, das dieselbig frölin Catharina sampt irer schwester, frölin Anna, in iren kündt-

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[183] lichen und unmündigen jharen von iren nechsten verwandten und andern höchlich veruntrewt, der herrschaft Bickenbach, auch merthails ires vätterlichen erbs und guets gewaltigclichen entsetzt und[WS 1] beraupt worden. Dieweil nun das ain
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lange historia und darauß allerlai zu erlernen, sich in gleichen fellen wissen zu berichten, kan ich nit underlassen, solchs neben disen zimbrischen geschichten zu beschreiben. Zu bösserm verstandt will ich den anfang und ursprung des geschlechts Erpach, dieweil der wunderbarlich und der
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gedechtnus wol würdig, vermelden, auch darauf, sovil von netten, die succession ungefärlichen biß uf unsere zeiten continuiern. Kaiser Carle, so seiner fürtreffenlichen thatten halb der groß zugenempt worden, hat under vielen canzlern und
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secretarien, die er bei sich gemeinlich zu hof erhalten, ain deutschen secretarien gehabt, genannt Einhart. Der ist ain gelerter, junger, angheender mann, der seim herren, dem kaiser, insonderhait lieb und wert, auch in besonderm hochem vertrawen und gnaden gewesen, zudem derselb Einhart sich
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zu hof gegen menigclichem hoches und auch niders stands also erwisen, das in iederman bevor gehapt. Es het bemelter kaiser ain junge, unverheirate dochter, genannt Imma; die hett er vor etlichen zeiten ains griechischen kaisers sone versprochen; es wolten sich aber die sponsalia solcher jungen
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künigin, iezundt in blüeendem alter, zu lang verziehen, dann obbemelter Einhart und die Imma, des kaisers dochter, gewonnen in mitler zeit [403] ain solche liebe und naigung zusamen, inmaßen ains des andern willen und begierden wol vermerken kunte. Und ob wol die forcht des kaisers
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hierinen lang erschine und sie beiderseits abhielte, begab sich doch letzstlich, demnach die liebe blind und verwegen, das der guet Einhart uf ain zeit beschaiden ward. Der verklaidet sich und uf ain nacht schlich er haimlich und verborgenlich zu der jungen künigin zimmer daselbst. Dieweil
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sie seines fürnemens und aller sachen zuvor wol verstendiget, wardt er unverzogenlich ingelassen. Wie es nun dieselbig nacht weiter ergangen, das laß ich bleiben und gibs denen, so in dergleichen erkündigt und erfaren, zu bedenken. Als aber der tag begunt zu nahen, macht sich der guet
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Einhart wider darvon. Im gab also die Imma biß zu der thür das glait. So baldt er aber die thür ufthuet, sicht er, demnach es zu winters zeiten, das doch wider sein verhoffen

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[184] ain großer schnee dieselbig nacht gefallen war, derhalben sie baide in höchsten nötten; berathschlagten, wie die angefengten sachen verschwigen bleiben, auch der Einhart verporgenlich darvon megte gebracht werden. Und als in
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der eil kain rat oder schick, das solchs füeglichen megte beschehen, erfunden, erdacht die Imma (als dann das weiblich geschlecht gemainlich zu allen listen und geschwindigkaiten behendt) ein fundt, und damit die mannsdritt im schnee nit gesehen und dardurch verratten werden, so nimpt
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sie iren Einharten, den sie villeucht sonst die ganz nacht auch getragen, uf den ruggen[2], tregt den unerschrocken durch allen schnee über den platz, biß zu seiner bewonung. Am widerkeren tritt sie wider in die vorige fueßstapfen mit höchstem fleis. In solchem geschwinden fall allain aber
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übersahen, das die Imma etwas zu gech und unbedacht, sich selbs nit gnugsam verklaidet het. Vermainten also baide liebhabende menschen, von niemandts gesehen oder erkennt worden. Nun hett aber der kaiser dieselbigen nacht von wegen seiner vilfeltigen, zufallenden gescheften wenig
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geschlaffen, und war zu allem glück denselbigen morgen gar früe ufgestanden, gieng also seinem prauch nach allain im pallast betten. Der ersicht ohne geferdt diß obehört seltsam spektakel und ie fleißiger er sich erkundiget, befindt er, das es sein dochter Imma und seinen canzler Einharden
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uf dem ruggen tragendt. Und wiewol er als ain vil erfarner und weiser kaiser wol merken kunt, wie die sachen beschaffen, und desshalben zu aim zorn und verdienter straff wol ursach gehapt, so ließ er sich doch denselbigen dißmals nit überwinden, sonder ußer aim hochen gemüet und
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bedenken, fürnemlich aber damit ime die dochter, die er heftig lieb hett, nit geschmecht wurde, verdruckt er allen vätterlichen schmerzen. Und aber es stunde ain kurze zeit, fieng es an, dem Einharten ungehewr zu werden, dann im alle des kaisers, auch anderer reden und thon argwenig warden,
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wol gedenken kunte, das ein solches hoches fürnemen und that in die harr und sonderlichen aim solchen weisen kaiser nit verborgen bleiben konte; darneben auch bedacht, wie thorlichen und unverantwurtlich er gehandelt, auch was unrat ime noch hierauß ervolgen megte; derhalben entlichen sich
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entschloß, mit böstem glimpf unverzogenlich vom hof zu

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[185] weichen und in andere frembde landt sich zu begeben; [404] wurd sein vergessen, er megte auch die überigen tag seins lebens dester sicherer und mit weniger geferden zubringen. Als er nun das entlich bei ime entschlossen, kam er zum
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kaiser, dem fiel er zu fueß, mit anzaig, demnach er Ir Majestat etliche jhar gedient und aber sich nun hinfüro seiner besoldung nit betragen, vil weniger den zufallenden gescheften vor sein künde, so bette er Ir Majestat ganz underthenigist, sie wellt in des diensts mit gnaden erlassen, dann er ihe
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gesinnt, sich zu rhuo zu schicken, mit weiterer außfierung, hierzu dienstlichen. Wiewol nun der kaiser ab solcher red, dergleichen ab dessen gegenwurte, der im ein solche schmach und herzlaidt zugefüegt, höchlich in seinem gemüet bewegt warde und wol verstande die verborgnen ursachen, darum
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der Einhardt urlaub begerte, iedoch, als er ain guete weil darüber stilgeschwigen, hat er im letzstlich die antwurt geben, er welle sich darüber berathen, auch ime, Einharden, ohne verzug ain tag ernempt, darauf er ime ein gepürliche und gnedige antwurt geben welle. Damit ist der Einhart,
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unangesehen des gnedigen zusprechens, in großen engsten und sorgen wider von ime abgeschaiden. Der kaiser aber, dem[3] dise handlung so tags so nachts angelegen was, auch darfor nit schlaffen, noch ainige rhuo haben kunte, ließ im des andern tags merthails seine gaistliche und weltliche fürsten
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und herren, sampt allen seinen räthen, die dozumal am hof waren und zu denen er ain vertrawens hette, beruefen. Denen, als die an gewonlichem ort im pallatio in großer anzall ankommen, hielt der kaiser, iedoch in abwesen des canzlers, der hiezwischen wol mag lange weil gehabt haben,
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alle handlung für, was sich zwischen seiner dochter Imma und dann seim canzler, dem Einhardten, verloffen, mit bericht, was er selbs augenscheinlichen gesehen, das was er inen mit allen umbstenden eröffnen, mit beger, seitmals die kaiserlich hochait hierinen so gar hoch und vil angriffen,
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das sie als seine getrewe räthe im getrewlichen rathen wellten, was im doch hierinen fürzunemen oder zu thon. Als der kaiser diß fürbringen gethon, ist kainer under inen gewest, der darab nit ain erschrecken empfangen, auch ain besonders underthenigs mitleiden mit dem kaiser gehabt. Es sein
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under inen mancherlai und widerwertige mainungen fürge-

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[186] fallen, dann etlich under inen berathschlagten, ain solchen frevelichen thetter, als den Einhardten, andern zu aim ewigen beispil eintweders in das ellendt zu verjagen, oder aber mit dem leben, vermeg der kaiserlichen, auch der frenkischen
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und salrechten, zu straffen. Aber der ander theil und die eltesten under denen räthen giengen gemainlich für den kaiser, baten underthenigist, Ir Majestat welte als ain weiser und erfarner kaiser hierinen allergnedigist handlen und gnad mittailen, und ob wol Ir Majestat hierinnen zum höchsten
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angriffen und verletzet worden, so künde doch Ir Majestat, als der herr und der vatter, gnedigiste und die Ir Majestat in ewigkait zu unsterblichem lob raichen werden, mittel fürnemen. Derhalben der großmüetig kaiser sie alle gemainlich angeredt, sprechende: «Ich bin gar nit gesinnt, mein
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canzler, den Einharden, oder auch mein dochter irer gleichwol verdienten und straffwürdigen handlung entgelten zu lassen, dann hiedurch [405] die schandt und schmach meiner dochter bewisen, nicht hingenommen oder außgelescht, sonder vil mehr zunimpt und noch weiter wurde außgepraitet;
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darumb ich dann bedacht, meiner dochter und meim canzler zu verzeihen, sie zu gnaden kommen zu lassen, auch inen zue allen ehren und wolfart zu verhelfen.» Solche gnedigeste und verhoffte mainung des kaisers wardt von allen räthen höchlichen gelopt, in bedacht das der kaiser in solchem
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fall nit seine feindt oder widerwertigen, wie vilmals hievor beschehen, sonder sich selbs het künden überwinden. Hierauf der kaiser sein canzler, den Einharden, beruefen ließ, der hiezwischen im pallatio gewartet und ohne zweifel, seitmals er alle tractation und handlung wol argwonnen und
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abnemen mögen, in höchsten ängsten und sorgen gewest. Den hat der kaiser ganz güetig angesprochen, sagendt: »lr habt mir als canzler vil jahr nunmehr gedient und bin ewerer dienst zufriden; dieweil ich dann an ewern gestrigen reden vermerkt, das euch dieselbigen dienst noch unvergolten,
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wiewol es ohne mein wissen, auch wider mein willen beschehen, so bin ich dahin entschlossen, euch mit dem liebsten, des ich hab, zu begaben, verhoff auch hinfüro, euch dester getrewer zu befinden, dardurch ich verursacht werde, ewer gnedigster kaiser und herr zu sein und zu bleiben.»
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Hiezwischen het der kaiser nach seiner dochter, der Imma, geschickt. Die war nun aller verloffner sachen, auch ires herren und vatters, des kaisers, fürnemens underricht. So

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[187] baldt die hinein kam, fielen sie, auch der canzler Ainhart dem kaiser zu füßen, underthenigist umb gnad und verzeihung bittendt, dardurch der kaiser sampt allen seinen räthen und menigclichem zu noch merer erbärmbdt und mitleiden
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bewegt wurden. Es kunte sich der kaiser lenger nit ufhalten oder das vätterlich gemüet gegen der dochter weiter verbergen, sonder hueb sie baide also vor im knüeendt[4] und weinendt wider uf, sprechende: «Seitmals du, dochter, ein solchs gefallen ab meinem canzler gehapt, das du dich von
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seinetwegen so hoch ufgeschürzt und in durch allen schnee hiendurch tragen hast künden, so will ich in dir auch mit guetem willen geben und lassen.» Hierauf wardt die Imma durch iren herrn vatter, den kaiser, dem Einharten selbs an die handt geben und wardt also unversehenlich ein
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hochzeit gehalten. Sie wurt diser thatt halber in der geschrift nur Imma portatrix genannt. Man findt, das kaiser Karle seiner dochter Imma, auch dem Einharden, seinem dochterman, ain große haimstewr an parschaft und an klainatern geben hab, insonderhait hat er inen die herrschaft Erpach
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sampt irer zugehörde, uf dem Ottenwaldt gelegen, eingeben, darauf ine und seine elliche erben zu herrn gemacht. Und von ime und seiner gemahl, des kaisers dochter, kommen alle schenken und herrn von Erpach biß uf unsere zeiten. Bemelter herr Einhart von Erbach hat dem kaiser, seinem
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herrn schweher, dieweil er gelept, mit allen trewen gedienet und die zeit Ludovici Pii erraicht. Under dessen regierung ist er gestorben und sampt seinem gemahl, der Imma, im closter Seligenstat, Benedicterordens, am Main gelegen, begraben worden, welches herrlich closter bemelter herr
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Einhart anno domini [810][5] uf seinem grundt und boden gestift hat, auch das erbawen und mit güetern reichlichen dotirt und versehen, und damit sein auch mehrtails güeter und parschaft mit ufgangen. Ich hab mich zu vil maln bemüehet, zu erfaren, wer doch diser herr Einhart von seiner gepurt
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her gewest, hab aber gründtlichs nichs erkundigen megen, doch ist kein zweifel, er seie von ehrlichen leuten herkommen, auch guetlich zu glauben, er seie gleichfalls vom Reinstram, oder [406] uf dem Ottenwaldt und auß der Pfalz bürtig gewesen. In seiner jugendt hat er gestudirt, also
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das er die lateinisch, auch griechisch sprach fürbindig ge-

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[188] lernt; darneben ist er in alten wichtigen handlungen und sachen sein Iebenlang zu hof gebraucht worden. Andere sprachen hat er wol künden, wie er dann mit seim herren, dem kaiser, vilmals in Frankreich kommen und welsche landt
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durchraiset. In somma, es ist diser herr Einhart ain weiser, vernünftiger herr gewesen; ob gleichwol im die thorheit mit ainis römischen kaisers dochter in der jugendt widerfaren, ist im doch sollichs hinach zu hochen ehren, auch aller wolfart geratten. Er hat seins herren schwehers, kaiser
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Carles, leben und geschichten in seinem alter ordenlich und in ganz zierlichem latein beschriben, welches noch vorhanden, in welchem er die modestiam erzaigt, das er weder von im selbs oder seiner gemahl meldung thuet, allain anregt, das er bei der ufrichtung kaiser Carles testament zu
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Ach gewesen. In welchem jar aber herr Einhart oder sein gemahl, die Imma, gestorben[6], mag man aigentlichen nit wissen[7]. * [1500] Diser herr Ainhard, als er uf sein alter kommen, hat er sich in orden zu Selgenstatt gethon; zu achten, das im sein gemahl, fraw Imma, des kaisers dochter, sei mit
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todt abgangen gewesen. Darauf ist er auch der erst apt im selbigen closter worden. Von ime schreibt herr Wilhalm Eysengrein von Speir in seinem »Catalogo doctorum virorum orthodoxae fidei«[8] mit diesen worten: [1501] »Eginhardus, [consiliarius] et cancellarius[9] Caroli magni, qui primus ex
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francica stirpe romanorum imperatorum factus est, natione Germanus, postea s. Marcellini et Petri in Salingostadio, moguntinae dioceseos, benedictinae professionis monachus et abbas primus, philosophus insignis, theologus celeberrimus multarumque literarum et rerum peritissimus, qui corpora
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b. Marcellini et Petri Roma Salingostadium honorifice transtulit, imitatus Bedam abbreviavit gallicanum psalterium, excerpens de eo omnes versus, verba orationis habentes. Temporum historiam, eclesiae atque pontificum res gestas potissimum prosequens absolvit, et alia plura, quae eximii
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ejus studii satis magno sunt documento, scripta reliquit.[10] *

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[189] Ire nachkomen haben die herrschaft Erbach ingehabt und besessen biß zu der regierung kaiser Hainrichs des ersten; do ist umb die jhar 938 nach Christi gepurt ain herr von Erpach in leben gewest, genennt herr Meinolpf, der ist
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von pfalzgrave Conradten bei Rhein zu eim obristen turniervogt am Reinstram erwellt worden, wie er dann solch ampt uf dem ersten turnier zu Maidenburg auch getragen hat. Und ist zu merken, das sie von anfang ires geschlechts sich nit schenken zu Erpach, sonder herren zu Erpach genennt
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und geschriben haben. Das hat also geweret biß ungefärlichen umb die jhar nach Christi gepurt 1204, das sein sie under der regierung kaiser Philipsen der churfürstlichen Pfalz bei Rhein erbschenken worden, haben sich der Pfalz schenken und herrn zu Erpach geschriben, wie das außer
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den turnierbüechern, auch anderer alten verzaichnussen klarlichen zu erweisen. * [1389] Man findt, das dise herren von Erpach vor vil jaren der römischen kaiser und künig erbschenken gewesen seien, gleich so wol als die schenken und herren von
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Limpurg, Biberstain und Albeck, also das deren geschlechter vier im ampt, so abwechseln muesten oder aber iren dienst nach dem gefallen der kaiser oder künig versehen haben. Also hat der freiherr von Albeck als ain erbschenk bei künig Philipsen sein ampt verwalten; kaiser Otto der viert dem
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ist der herr von Biberstain anmuetiger gewest; so haben die schenken und herren von Erbach noch bei künig Adolphs zeiten hernach solch ampt getragen. Volgender zeiten, als kaiser Carle der viert die guldin bull zu Metz[11] in beisein des künigs von Frankreichs ufgericht, hat er gar nahe alle
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reichsstendte und glider derselbigen registrirt und in ain gewisse ordnung gebracht, auch hinfüro denen herren von Limpurg allain das erbschenkenampt verlihen und darauf sie confirmiert, wie sie das lehen noch inhaben. Die herren und schenken von Biberstain und Albeck aber sein vor vil jaren
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abgestorben. Wie nun die herren von Erpach also durch die verleihung kaiser Caroli, wie iezgehört, vom reichserbschenkenampt verschalten, do haben sie darum iren alten titel des schenken nit verlassen wellen, sonder sein der churfürstlichen Pfalz bei Rhein erbschenken worden, darvon sie

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[190] dann noch heutigs tags mertails ire lehen haben. Also sein auch vor jaren vil erbtruchseßen des römischen reichs gewesen. Bei zeiten der kaiser ußerm geschlecht Barbarossae sein die truchseßen von Waltpurg im ambt gewest,
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hernach die graven von Hirsperg, insonderhait bei der regierung kaiser Otten des vierten. Die sein bliben biß uf kaiser Ludwigen von Bayrn; der hat ain freiherren von Aimerberg dohin befürdert. Herzog Friderrich von Österreich, der wider kaiser Ludwigen in misshelliger wal ans reich kam,
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der schepft ime ain besondern erbtruchseßen extra ordinem, das was ein herr von Waldsee. Sollichs weret nit lang, do wardt das ambt nach abgang der grafen von Hirsperg den edlen freiherrn [1387] von Bolanden verlihen. Die starben auch bald ab und kam das ampt an etliche
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edelleut. Aber bei unsern zeiten hat kaiser Carle der fünft disen titel und gerechtigkait aines erbtruchseßen anno 1526 denen truchseßen von Waltpurg verlihen. Man schreibt noch von zwaien erbtruchseßengeschlechtern, nemlich Heffwick und Wallerswalden, die sein aber vor disen obgehörten
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allen irer empter halber ersessen und abgangen, auch von den nachkommen darfür nit erkennt oder angenomen worden. Dergleichen hat es vor vil jaren auch vier erbmarschalk gehabt im reich, nemlich Bappenhaim, Bürgel, Wolwerkhofen und Bremen, sein aber alle abgangen biß an die von
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Bappenhaim, die sein von kaiser Carolo dem vierten vor menigclichem bei solchem erbampt und lehen bestettiget worden. Von den erbcammerern, ob der vor zeiten auch vil gewest, oder nit, das hab ich nie gefunden, dann die fürnemen und edlen freiherren von Weinsperg solch lehen vom römischen
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reich lange her zu lehen getragen. * * [1386] Der letzst freiherr von Weinsperg[12] ist bei kaiser Maximiliam zeiten gestorben. Dieweil aber nur das erbcammerat dardurch ledig, das die herren von Weinsperg vom reich vil jar getragen, do erlanget das grave
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Eitelfriderich der elter, gleichwol herr Jörg von Absperg, ritter, das ampt auch ansprach, uf den fahl das ain marggraf von Brandenburg vor jaren seim geschlecht ain expectanz darauf sollt gegeben haben. Aber Zollern ist in der possess bliben. *

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[191] Es hat sich das geschlecht mitler weil in zwo underschidliche linias getailt, also das der ain theil die ober herrschaft Erpach mit seiner zugehörde ingehapt; die sein die obern schenken genennt worden, haben auch zu
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underschidt der andern, so die nideren schenken genennt worden und den thail der herrschaft Fürstenaw und Michelstatt besessen, ein enderung im wappen gethon, und nemlich, als sie vormals die sternen mit fünf spitzen gefüert, haben sie sechs spitzen angenomen. Der underschidt ist also zwischen
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baiden linien gehalten worden biß uf das jhar nach Christi gepurt 15(03][13], als schenk Erasmus von Erpach abgestorben und kein son verlassen, ist die ober herrschaft Erpach sampt dem wappen an die undern schenken als die nechsten agnaten und lehenserben gefallen. Sie haben sich sonst zu
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treffenlichen geschlechtern verheirat, als namlichen zu den alten grafen von Leonstain, Würtemberg, Hennenberg, Lisperg, Zigenhaim und Werthaim, auch zu denen herzogen von Teck, zu den freiherren von Weinsperg, Strolenberg, Gundelfingen, Epstain und andern, insonderhait aber haben
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sie zum oftermal zu denen freiherrn von Bickenbach geheirat, und namlich ist umb die zeit kaiser Sigmunds in leben gewest schenk Conrat, herr zu Erpach, ein sone schenk Eberharts[14] und fraw Elsbethen grefin von Catzenelenbogen, der hat die ober herrschaft Erpach sampt den herrschaften
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Schönberg und Freienstain ingehabt. Derselbig schenk Conradt, so den ritterstandt erlangt, hat im vermehelt ein frölin von Bickenbach, genannt Margretha, ain dochter des theuren und weit berimpten herr Conrads von Bickenbachs und fraw Anna grefin von Nassaw[15], welcher herr Conradt sonst
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noch zwo döchtern gehabt, deren aine nach seinem absterben aim Blieken von Liechtenberg, sein [407] edelleut und im Wormbser gew gesessen und von denen hernach die gerechtigkait an die Euler kommen; die ander aber, fröle Susanna, ist graf Albrechten von Mansfelden vermehelt
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worden, welche grefin gar alt worden; dann sie das jhar 1529 erraicht und uf hundert jar kommen. Und dieweil er kain

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[192] sone bei seinem gemahl, der grefin von Nassaw, bekommen und der letzst seins stammens und namens gewesen, ist die ganz herrschaft Bickenbach als ain aigenthumb sampt allen ligenden und vahrenden an die drei döchtern gefallen, doch
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der merer und bösser thail der herrschaft sampt dem titul bei schenk Conradten von Erbach bliben. Der hat sich hernach ain herren zu Bickenbach geschriben, auch das wappen neben dem seinen quartirt gefiert. Die von Kronburg[16] und der stift Menz haben gleichwol auch was
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gerechtigkait alda gehabt, die inen aber nach und nach von den herren schenken zu Erbach mit parem gelt bezallt und abkauft worden. So ist fröle Susanna, die graf Albrechten von Mansfeldt vermehelt, mit der parschaft vernüegt und hündangewisen worden. Herr Conradt, der letzst freiherr
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von Bickenbach, ist anno domini 14[83][17] mit todt abgangen und zu [Aschaffenburg][18] begraben worden. Man kan aigentlichen nit wissen, wo der letzst herr Conradt von Bickenbach hinbegraben worden[19], aber das waist man gründtlichen, das der mererteil in der großen kirchen under dem schloß,
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auch Bickenbach gehaißen, begraben worden. So ligen iren vil in ainem clösterle under Bickenbach, die Bergstraß hinab uf ainem berg. Wer aber dasselbig gestiftet, hab ich noch nie erfaren kunden. Hiebei kan ich nit underlassen, ain schimpfliche
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abenteur, so ime wenig jar vor seinem absterben zu Bickenbach widerfaren, zu erzellen. Er hat in seinem frawenzimmer ain hipschen eisenhuet oder erenwadel, wie man dann solche leut nennen thuet; dem selbigen ist nun der guet alt herr ußer teglicher beiwonung im angesicht verirret, inmaßen er
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sie angesprochen. Als sie im aber nit willfaren, sonder abschlegige antwort gegeben, ist er dardurch noch mehr und weiter anzuhalten verursacht worden. Wie nun die from dirn gesehen, das kain ufhören seines begerens, und villeicht sie ain jungers und liebers schimmele im haus, hat
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sie zu erhaltung irer ehren, wie sich dann den frommen junkfrawen gepürt, alle sachen irer frawen, der grevin von Nassaw, mit allen umbstenden geoffenbaret. Die hat sich der sach nit wenig verwundert und der dienerin silentium

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[193] imponirt. In wenig tagen, als der Chremes in seinem fürnemen beharren wellen, hat die grevin von Nassaw der dienerin bevolhen, dem herren mit worten zu willfaren und den zu beschaiden, doch bei nacht in der finstere ein zeit
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bestimmen, zu der sie selbs zu im komen welle. Wie nun solchs alles nach der frawen bevelch und anschicken versehen, hat die grevin der magt oder der dienerin klaider und allen gewonnlichen ornat angelegt, hat sich also in aller stille und finstere an das bestimpt und ernempt ort
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verfüegt, daselbst sie nit lang gewartet oder bliben. Der guet herr ist kommen, der hat sich waidlich nach gelegenhait uf der pann gedumelt, auch nit anders gewist oder vermaint, dann den eisenhuet bei sich zu haben. Under andern reden, so sich in diser comedia begeben, soll herr Conrat sich
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merken lassen, er hab sein hausfraw noch der holseligkait nihe befunden. Wiewol nun sein gemahl sich biß anher mit reden und allen sachen anders nit gehalten, dann das sie unerkant [408] von im hat wellen abscheiden, villeucht der mainung, in oftermals also anzulassen und zu laichen,
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so hat sie doch zu solcher iezgehörter seiner rede nit schweigen oder sich enthalten kinden, sonder mit etwas ungestimme und ainer harten, rauchen rede ime alle verloffne sachen ufgehept und in dahin gebracht, das er etliche zeit von haus gewest, und, wie man sagt, so ist es darnach nit ein guete
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ehe gewest. Nit mag ich wissen, wie es dem erenwadel weiter ergangen, der billich weiser und sicherlicher handlen künden und zu ainer solchen zerrüttung nit ursach geben. Aber es ist der alt weltbrauch, das wenig weibsbildern zu vertrawen, dann in solchen fellen vill erlicher und weiser
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leut betrogen[20], die von inen in die eußereste geferde und not seind jemerlichen verfüert worden. * [1488] Ich hab von disem herr Conradten von Bickenbach[21] in ainem gar alten geschribnen buch ain lied gefunden, das im würt namlichen zugeschriben, und seitmals auch
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anderer fürnemer leuten lieder, die sie selbs gedicht und gemacht, darbei gestanden, wie hernach volgen würt, so glaub ich genzlich, herr Conrad seie des orts auch der autor, und dem verborgnen sinn nach zu rechnen, so mag das lied uf die obgeherte historia gedeutet werden.

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[194] Ich kan[22] auch sonderlichen nit umbgehn, die zu vermelden, die vermag des gar uralten buchs mit iren namen sein ufgeschriben worden und die gedechtnus bei iren gedichten, der lieder, den nachkommen haben bekannt gemacht, als
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namlich: Herr Herman von Labern, ain Bayr, und herr Wolfram von Eschenbach, baid freiherren, graf Petter von Arburg, herr Reinhart von Brennenberg und her Hainrich von Morungen, baid ritter, herr Conrad freiherr von Bickenbach, und dann nachfolgende vom adel: Walther von
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Gachnang, der von Pawenberg, der von Sonneck und dann der schenk von Landegk; item maister Frawenlob, maister Volzan, m. Conrad von Würzburg, m. Klingsor und m. Süßkind von Trimberg; dessgleichen der Marner, der Müetinger, der Öttinger, der Ellentreich, der Wild von Veldkürch, der
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Rupft-den-mann und dann ain Schweizer, genannt der Haine Zolki, der war ain großer Dolki. Auch het derzeit bischof Niclas von Costanz ain secretari gehapt, herr Hainrich[23], der ist gleichfals mit den deutschen lieder und gerüempten gedichten umbgangen, zu vermuten, sie haben dozumal nit
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größer oder mer gescheft gehapt, sonder nur de faire bon temps. * [1500] Also auch ist herr Wolfram, ain freiherr von Eschenbach, der eltesten deutschen poeten ainer gewest in unser landen, darvon wir wissen, dann was hievor
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desshalben geschriben, davon haben wir kain grundt. Derselbig herr Wolfram hat bei seinen zeiten mertails der tavelrundt ritterbücher uß französischer, pikardischer sprach transferirt und in[24] deutsche reimen gestellt, in welchen bücher unserer altforder hoffsprach und ander ornatus[25] der zungen,
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wie das alles zu derselbigen zeit sein hat kinden, darum haben ime die nachkomen ain kurzen spruch, als ob es sein epitafium het sein sollen, gemacht, also lautend:
»Herr Wolfram von Eschenbach,
Laien mundt[26] nihe baß gesprach.[27]*
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Wann diser herr Wolfram gelept, mag man gründtlichen

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[195] nit wissen, wiewol kain zweifel, das er vor dreihundert jaren gestorben. Noch haben wir ain solchen fürnemen deutschen poeten gehapt, gleichwol nit in unserm schwebischen bezürk, sonder im land zu Bayrn, ist gewesen ain gepornner
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freiherr von Labern, der hat etliche lieder und gedicht ain ganz buch gemacht und hinder ime verlassen, das würt genannt der Laberer.[28]*

Aber das bickenbachisch lied[29] das laut von wort zu wort, wie hernach volgt.

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Stillschwigen und getagt,
Das ist nur der beste sitt;
Dann wer sich vil rüempt und sagt,
Zwar der laidet sich darmit,
Sicherlich er wurt zu schwach;
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Er sei ritter oder knecht,
Wer es thut, der thut nit recht,
Der vil sagt, das nie beschach.
Wer sich wel lieben rainen weiben,
Der hab sie in stetter hut;
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Beschicht aim man dann icht zu gut,
Das kan im laid vertreiben.
Mancher spricht, er sei gelegen
Bei herzlieb dick und dick,
Und hab auch liebe pflegen,
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Mund an mund, blick an blick.
Laider das entpfand ich nie;
Es geschicht, do es geschehen soll;
Mir ist am denken wol.
Kuss von liebe ich nie entpfie.
30
Wer sich well lieben rainen weiben,
Der hab sie in stetter hut;
Beschicht aim man dann icht zu gut,
Das kan im laid vertreiben.
Schweig ich zu der liebe gut,
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Hei, so wer ich gar ain heldt.
Sie kumpt mir selten uß dem mut,
Die ich zu trost hab ußerwellt.
Sie ist bei rainen weiben klug,
Die ich mit ganzen trewin,
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Meins herzen traut, ain kaiserin,
Wer sie mir holdt, ich hett genug.
Wer sich wel lieben rainen weiben,
Der hab sie in stetter hut;

1

[196]
Beschicht aim mann dann icht zu gut,
Das kan im laid vertreiben. *
Aber schenk Conradt von Erpach, ritter, hat bei seiner gemahl, deren von Bickenbach, die hernach anno 1451 den
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3ten des monats Mai mit todt abgangen, nit mehr, dann ein ainigen son, schenk Philipsen genannt, überkommen. Der hat sich volgendts nach absterben seines herrn vatterns, so beschehen anno domini 1464[30] den 5ten monats Junii, mit frölin Margrethen von Hochenloe, graf Albrechts und fraw
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Elsbethen von Hanow dochter, elichen verheirat. Der ist bei seinen lebzeiten für ain weisen, theuren herren gehalten worden, ist in zimlichem alter zu Amberg in der obern Pfalz gestorben und in der erpachischen begrebnus zu Schönaw begraben worden anno 1477[30] den 11 tag monats Maii.
15
Darvor, anno 1469 den 11ten Marcii, war fraw Margreth von Hochenloe, sein gemahl, gestorben und zu Schonaw auch begraben worden. * [1554] Diser schenk Philips von Erpach ist vom curfürsten, pfalzgraven Friderrichen, nach der schlacht bei
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Ladenburg[31], als die drei fürsten Metz[32], Baden und Würtenberg im feld nider gelegen und gefangen worden, zu ritter geschlagen worden, als er auch hernach die ritterschaft noch ein mal zum hailigen grab erholet het.[33] * Also ist das edel geschlecht der freiherren von
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Bickenbach, wie oblaut, auch dahin und abgestorben. Herr Conradten, dem letzsten, ist, wie man sagt, obgehörte geschicht [mit] seinem erenwadel kurze jhar vor seinem absterben begegnet. Gleichwol dergleichen hendel sich vilmals begeben und für welthendel zu achten sein, als ich dann bei meinen
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zeiten ein niderlendischen herren gekennt hab, der het ain fromme, gaistliche frawen von großem geschlecht und herkommen, die sich nun vil zeit einher scham halben eußerlich gegen irem herrn gehalten, ime auch bei nacht wenig wilfarung erwisen, sonder der merer theil ist er mit der
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»Ayes paciens!« er söll gedult tragen, abgewisen worden. Als nun das vil mals beschehen, hat der herr dem erenwadel im haus, der gleichwol nit ain bösen, ungeschaffenen

1

[197] helm gehabt, ain namen geschepft und sie »Paciens« oder »Gedult« genannt, derhalben auch verhofft, mehr gerechtigkait zu ir zu haben, seitmals im sein gemahl die so oft erlaupt und geben. Darauf er auch so guete kuntschaft mit
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derselbigen gemacht, das er allen willen erhalten. Das ist nun so lang ansteen bliben und die sachen so unfürsichtigclichen practiciert, das die fraw sollichs letzstlich merken müeßen. Die ist mehrmals hernach geschlichen, aber nie was unrechts befinden künden. Uf ain zeit hat dise Patiens
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irer frawen sollen ain sondern wein im keller hollen, welches der herr wargenommen, derhalben ir eilendts nachgefolgt, im keller sie ergriffen, an ain vaß gelaint und sich wenig seines gemahls ankunft besorgt. Dieselbig aber hat ir kuntschaft durch ire alten aroelles gehapt, ist eilends [409] nacher
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geschlichen und ieren herren an der that beim vaß ergriffen. Wer ist übler erschrocken, dann der herr und sein Patiens? Iedoch hat der herr ain herz gefast und auser der fürfallenden not ain tugendt gemacht, damit den spieß auser der Patienten gezogen, die fraw mit ungestimme erwischt, an das
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vorig vaß gelaint und kegklichen in sie gestochen. Also ist der krieg domals gericht worden. Gleichwol hernach, als dise that für der frawen freintschaft kommen und alle motiva und ursachen von baiden partheien gehört, hat die guet fraw den unglimpfen erlangt und von iren gefreundten
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sovil berichts empfangen, das sie hinfüro irem herren, so tags, so nachts, alle freuntschaft erwisen und den nit mehr zu der Patiente oder der Gedult abfertigen solle, wie hievor. Gar nahe in solcher gestalt, aber etwas lecherlicher, ist es herr Hanns Jacoben von Landaw, ritter, uf ain zeit
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ergangen, das der gedechtnus würdig und ime ain ieder ain warnung soll sein lassen. Er ist uf ain zeit in seiner jugendt in ainer heiratsversamlung etlicher vom adel in ainer statt etliche tag gewest. Nun hat er aber mit seiner basen und fraindin, ainer cammerjunkfraw oder eisenhuet, wie man
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solliche leut gemainlich nempt, sovil kuntschaft gemacht, das sie ain andern in ain alts, finsters kuchele beschaiden und verzilt. Wie sie nun zusammen kommen, hat herr Hanns Jacob die gueten dürnen an die wandt seins erachtens gelaint und mit ir anfahen im pret zu spilen. So ist es aber
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ain theur gewesen, die ist in ain stuben gangen, darin sein etlich vom adel mit iren weibern gesessen und sich des heirats halb, als der sich etwas hat stoßen wellen, in aller

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[198] stille ganz haimlichen mit ainandern underredt. Sollich alles ist herr Hanns Jacoben unbewisst gewest, der hat gar nit vermaint, das er so nahe bei inen oder andern leuten sei, derhalben mit dem eisenhuet ain groß scharren an der
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theur gehapt. Die ist nun nit recht zugewesen, oder doch die schnall gelassen, inmaßen, als die gueten biderleut in aller arbait gewesen, do ist die theur ufgangen, und als sie ainandern in armen gehapt, sein sie baide mit ainandern in die stuben hinein gefallen. Zu allem glück ist des eisenhuets
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fraw in der stuben bei den andern gewesen. Die hat der eisenhuet wol erkennt, derhalben, als herr Hanns Jacob erschrocken eilends ufsteen wellen und flihen, dann er sich geschempt, do hat in die guet dürn beim hals gehalten, damit sie von irer frawen und den andern edelleuten nit
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erkennt oder als unverbunden ligen gesehen werde, nit ufsteen wellen lassen. Die edelleut, so herr Hanns Jacoben wol gekennt, haben sich ainstails zu krank wellen lachen, darauf ire weiber mit sich genommen und zu der andern thür hinaußgangen und gueten platz geben. Wie man aber sagt,
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so ist nit allain die ain fraw irer magt halben ungedultig gewesen, sonder auch ir junger, der alwegen hievor vermaint het, er were an dem ort allain der han im korb; der hat sich vil greusenlicher gestellt; und wie sie wider haim kommen, hat ir die fraw ain unbesiglt pasbort geben und
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die wider ires junkers willen beurlaubt und hinhawen lassen.

Anmerkungen

  1. Erpach] über dieses und die folgenden capitel vgl. Simon, Die Geschichte der Dynasten und Grafen zu Erbach und ihres Landes. 1858.
  2. den ruggen] hs. dem ruggen.
  3. dem] hs. den.
  4. knüeendt] hs. kueendt.
  5. 810] ergänzt, fehlt in der hs.
  6. gestorben] Imma starb im jahre 836, Einhard am 14 März 844.
  7. nit wissen] über Einhard und sein leben Karls d. gr. vgl. Wattenbach, Geschichtsquellen. 4. aufl. s. 147; die neueste ausgabe der Vita Caroli besorgte W. Wattenbach, 1876 ff.; s. ferner Simon, Dynasten und Grafen zu Erbach s. 50 ff. und s. 264.
  8. fidei] den titel des selten gewordenen werkes s. oben band I, 161, anm. II.
  9. consiliarius] hs. Eginhardus et cancellarius Caroli magni.
  10. reliquit] s. Eysengrein a. a. o. s. 65—66.
  11. Metz] hs. irrthümlich Menz. Die goldene bulle wurde im jahre 1356 durch kaiser Karl IV in Metz veröffentlicht; s. auch anmerk. zu I, 374, 24.
  12. Der letzst freiherr von Weinsperg] er hieß Philipp und starb nach dem Schönthaler necrologium im November 1503; s. Dulenius, Weinsberg s. 52.
  13. 15[03] in der hs. fehlt die minderzahl. Erasmus starb nach der simonischen stammtafel im genannten jahre.
  14. schenk Conrat (V) ... ein sone schenk Eberharts] stimmt nicht mit der stammtafel I bei Simon a. a. o.
  15. Anna grefin von Nassaw] Wenck, Hessische Landesgeschichte, stammtafel zu s. 450, und Witzleben, Genealogie und Geschichte des gesammten Fürstenhauses Nassau s. 10, nennen sie Agnes.
  16. Kronburg] vgl. Simon a. a. o. s. 171 und 172; Kronburg d. i. Cronberg.
  17. 14[83] die minderzahl fehlt in der hs., ergänzt nach Wenk a. a. o. I, 449.
  18. Aschaffenburg] fehlt in der hs., ergänzt nach Wenk a. a. o.
  19. hinbegraben worden] s. oben z. 15.
  20. betrogen] hs. betragen.
  21. Bickenbach] vgl. über Conrad von Bickenbach aus dieser chronik, Hagen, Minnesinger IV, 760.
  22. Ich kan] bis bon temps [z. 20] s. Hagen, Minnesinger IV, 883.
  23. Hainrich] vgl. Hagen, Minnesinger IV, 237, 463 und 760.
  24. und in] hs. und ein.
  25. ornatus] hs. ernatus.
  26. mundt] hs. mudt.
  27. gesprach] im Wigalois des Wirnt von Gravenberg (1847) heißt es v. 6344—46:
    »Ein wise man von Eschenbach
    sin herze ist ganzes sinnes dach:
    leien munt nie baz gesprach.«
  28. Laberer] hs. haberer.
  29. lied] aus dieser chronik abgedruckt bei Hagen a. a. o. III, 408; der abdruck bei Hagen hat den text der chronik auf die sprache des dichters zurückzuführen versucht.
  30. a b etc.] darnach wäre die simonische stammtafel zu ergänzen und zu berichtigen.
  31. Ladenburg] hs. Ladenberg. Die schlacht war zwischen Seckenheim und Schwetzingen.
  32. Metz] d. i. der bischof Georg von Metz.
  33. het] vgl. Simon, Erbach s. 334 ff., und Häusser, Geschichte der rheinischen Pfalz I, 373.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: uud