Zimmerische Chronik/Band 2/Kapitel 16

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Autor: Froben Christoph von Zimmern
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Titel: Diz capitel sagt von herrn Gottfriden freiherrn zu Zimbern, wann derselbig gestorben, auch von Hainrich Zimberern, dessgleichen von grave Hugon von Werdenberg, der auch desselben jars mit todt vergangen.
Untertitel:
aus: Zimmerische Chronik Band 2. S. 117–135
Herausgeber: Karl August Barack
Auflage: Zweite Verbesserte Auflage
Entstehungsdatum: 16. Jahrhundert
Erscheinungsdatum: 1881
Verlag: Akademische Verlagsbuchhandlung von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Freiburg und Tübingen
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Quelle: Digitalisat der UB Freiburg
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Diz capitel sagt von herrn Gottfriden freiherrn zu Zimbern, wann derselbig gestorben, auch von Hainrich Zimberern, dessgleichen von grave Hugon von Werdenberg, der auch desselben jars mit todt vergangen.

Herr Gottfridt freiherr zu Zimbern ist gar ain alter herr, 1

[118] uf die neunzig jhar oder darob worden, dann er gar gesundt gewesen. Er hat gar ain guete ordnung mit essen und trinken gehalten, damit er biß an sein ende ain gesunder mentsch gewesen und beliben. In allem seim leben
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hat er kain krankhait nie gehabt. Ainer großen iebung hat er sich all sein tag beflissen, also, da er zu Wildenstain etlich jhar, wie obgehört, haus gehalten, ist er den mererthail alle tag geen Peurn in die probstei, wiewol das ain gueten weg ob Wildenstain, an der Tonaw gelegen, gangen,
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daselbst er möss gehört und darnach widerumb hinauf in das schloß gangen. Er ist nie gesehen worden von der Tonaw hinauf in das schloß lehr geen, sonder hat allweg etwas mit im hinauf, im selbs zu ainer iebung, getragen. Dergleichen hat er auch gethon, so er zu Mösskirch oder
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Seedorf gewest, do ist er selten ain ainigen tag verlegen, darauf er nit ain iebung gehabt; hieran er sich nichts, dann die hochen fest oder sonderliche handlungen, hat lassen verhündern. Durch dise iebungen und täglichs arbaiten, auch sein ordenliche dieta hat er obangezaigt alter erlangt,
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welches sich doch naturlich noch etlich jhar, wie etlich mainen, über die hundert het megen erstrecken, wo das nit durch unfaal und boshait seins pastardtsson, Hainrich Zimberers, underkommen wer, welcher im den todt durch sein übelhalten gefürdert. Damit aber [380] sollichs dester baß
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meg verstanden werden, will die notturft erfordern, gemelts bastardts handlungen zu eröffnen. Gedachter Hainrich Zimberer, als er erwachsen, ist er zimlich beredt, verstendig und ganz geschwindt worden, woverr er solchen sein verstandt gepürlich gebraucht het. Er hat ain edle junkfraw,
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aine von Heggelbach, genomen, die im etlich sön und döchtern geben. Nun het in der alt herr Gottfridt seer lieb, derhalben er im den sitz zu Herrenzimbern dem schloß eingab, auch ordnet er in zu aim oberamptman in der herrschaft vor Waldt. Dieselben regiert er nach allem seim
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willen und gefallen, dann sich der guet alt herr kains regiments annam; derhalben gedachter Hainrich als ain unverrechneter amptman sich in kurzer zeit wol bösserte. In hat herr Gottfridt uf ain zeit geen Wien geschickt, der außgangen declaration halb über die zimbrischen güeter bei
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kaiser Fridrichen zu solicitiern, und im desshalben 1000 guldin geben. Dieselben hat er verthon und ist ungeschafft wider haim zogen; hat dem fromen alten herren, der im

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[119] leuchtlich glaubt, ain storkennest gezaigt. In wenig jharen hernach, als er anno 1500 zu Augspurg gewest und uf solchem reichstag von der zimbrischen handlungen wegen hat anhalten sollen, hat er am hof sovil praticiert, das er vom
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römischen künig Maximiliano legitimiert und geehlichet ist worden, welcher in auch darauf geadlet, schilt und helm, nemlich ain gelen ufrechten lewen in aim roten veldt und uf dem helm zwo hirßstangen, die ain gelb, die ander rot, geben. Solch wappen hat er hinach gefiert. Als er zu
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Herrenzimbern dem schloß sein sitz gehabt, hat er am alten herren sovil vermegt, das er im das schloß, darvon der zimbrisch stamb sein namen und herkommen herpracht, frei ledigclichen mit allem seinem begriff und zugehörde übergeben. Davon hat sich bemelter Hainrich geschriben.
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Dessgleichen hat er im den undern hof zu Mösskirch sambt dem garten, darzu gehörig, verschriben; actum anno 1501. Nun hat diser Hainrich us ain zeit zu Zimbern im schloß gebadet, und, als das feur nit recht verwart worden, ist das schloß angangen und verbronnen, also das wenig darvon kommen.
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Es hat aber bemelter Hainrich als ain amptman vil brief, redel, register, urbar und anders, der herrschaft zugehörig, do dann nit wenig daran gelegen gewest, dozumal im schloß gehabt, welches merthails alles verbrunen. * [1350] Es ist sich nit wenig zu verwundern, als das
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schloß Herrenzimbern verbrunen, das allain die capell daselbst unversert und vom feur unangefochten bliben, und auch darbei zu vermerken, das Gott seine heuser und was er will, gewaltigclich und wider allen mentschlichen verstandt in netten erretten kan, wie auch bei wenig jaren in unserer
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landsart das beschehen in der großen brunst zu Bibrach[1]. Als der spittl daselbs allerdings verbrunen, do ist die capell und der altar[2] mitten im feur bliben, welches doch mehr miraculose, dann mentschlichen zu schetzen. Baldt hernach, in anno 1562, als der greusenlich groß hagel zu Stutgarten
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gewest, do hat das wetter alle scheubenfenster im schloß gegen dem hagel ußgeschlagen, ußerhalb ainer glassscheiben, darin ain crucifix geschmelzt, ist bliben, mit großem verwundern des herzogen und aller deren, die es gesehen haben, welches doch nit unbillich die bildt- und kirchenstürmer zu

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[120] herzen sollten fassen und deren gepew und piltnusen sollten verschonen, die von Gott, der natur und dem gewitter werden beschützt. Es kan doch der Türk sampt allen seinen Machometischen nit mehr wieten und tirannisieren. *
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Nach beschehner prunst ist Hainrich Zimberer hinauf eilendts geen Wildenstain geritten[3], dem alten herrn Gottfriden, der dozumal sein haushaltung zu Wildenstain, sollichs anzuzaigen. Als er nun geen Wildenstain zum alten herren komen, hat er im sein schaden anzaigt und clagt, hat im
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herr Gottfridt die waal geben, ainweders er welte im das schloß Herrenzimbern von newem widerumb aufbawen und eingeben, oder aber Seedorf, schloß und dorf. Darauf hat Hainrich das schloß Zimbern begert, wiewol im Seedorf nutzlicher und bösser gewest. Gleich darnach hat Hainrich
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Zimberer das schloß widerumb anfahen zu bawen und die bawsteur selbs nach seim gefallen genomen. Von aller nutzung gab er seim herren nach seinem gefallen, das überig behielt er alles; und wiewol sollichs herr Gottfridt wol merkte, so thett er doch nit dergleichen, seitmals er im das gunte.
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[381] Mit diser amptsverwaltung kam Hainrichs sach darzu, das er [in][4] ains edelmans narung und vermegen kam und sich seins erlittnen schadens wol wider erholte. Dann als er Herrenzimbern widerumb erbawen, kauft er ain schlössle, Mieringen, am Negker gelegen, sambt den dörfern Mieringen
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und Wisenstetten und dem Domelsperg, auch bracht er andere mer gueter zuwegen; und nach seiner ersten hausfrawen, der Hegkelbechin, absterben nam er ain andere edl fraw, aine von Weitingen, zu der ehe, die doch kain kündt bei im gehabt. Unangesehen das bemelter Hainrich
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Zimberer also in ain vermügen komen, so ist doch sollichs nit bestendig bliben, dann wie er sollich guet überkommen, also ist es auch wider hingangen; er hat in kurzer zeit ain groß guet verthon. Sollichs hat herr Gottfridt der alt vorhin besorgt und weislich bedacht, das Hainrich zu armuet komen
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mechte, derhalben er im das ampt oder vogtei über sein thail des dorfs Hülzingen und darzu dreißig malter früchten jerlichs mit verwilligung seiner vetter leibdingsweis verschriben, und hiemit hat in herr Gottfridt am basten und nutzlichisten versehen gehabt, dann er sonst, wa das nit
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beschehen, hernach durch hunger sterben het mießen. Als

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[121] nun junker Hainrich vil verthon, derhalben in große schulden kommen, hat er angefangen, dem alten herrn mehr und gröber in die wollen zu greifen, dann er im haimlich vil gelts entwert, dessgleichen etlich hundert gulden
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hauptguets hünderrucks aufgenomen, darumb er den alten herrn unwissendt verschriben und mit seinem sigel, das er im haimlichen abentlehnet, besiglet und verfertiget. Zudem er seins herren und desselben agnaten etliche zimbrische adenliche und ander lehen den inhabern haimlich verkauft
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und geaignet. Er hat auch gelt und schenkinen von den herrschaftsleuten genomen und denselbigen brief irs gefallens aufgericht, und nemlich denen von Seedorf hat er brief geben, das sie hinfüro bei Oberndorfer meß sollen bleiben etc. Dise und dergleichen handlungen hat er vil in der
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herrschaft gepraucht und ain lange zeit vor dem alten herren verhelingt. Nun ist der alt herr Gottfridt, nachdem die herrschaft Mösskirch wider in die zimbrische handt komen, den merthails zu Mösskirch gewest, daselbst hat er sich in undern hof, bei unser Frawen thor gelegen, mit wenig
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gesündts enthalten. Es hat sich aber zutragen, das im jhar nach Christi gepurt 1508 bemelter Hainrich abermals gelt in herr Gottfrids namen haimlichen entlehnet, und hat aber die bezallung lassen ansteen, das die gleubiger herr Gottfriden auf das hoffgericht zu Rotweil citiert haben. Als nun
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solchs herr Gottfriden fürkomen, der dann umb solchs entlehnen nichts gewist und erfarn, wie die sachen seins Hainrichen halben beschaffen, wie in derselbig ain lange zeit inher geeffet und betrogen, ist er dermaßen darüber bewegt und erzürnt, das er gleich krank worden und sich zu pet
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gelegt hat, und seitmals er sich niemands bereden oder uf ain andere pann bringen wellen lassen, ist im in solchem unmut ain zufall, genannt paralisis, begegnet; derhalben wenig tag krank gelegen, in welcher zeit er nit wol reden künden, dann im sollich krankhait die rede mehrthails
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gelegt. Doch hat er sich [382] in seiner krankhait, wie aim christenmentschen gepürt, mit allen sacramenten lassen versehen, und uf sant Gordians, den zehenden tag des Maien, ist er zwischen acht und neun uhren vormittag verschaiden. Der allmechtig welle im und allen christgleubigen ewige
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freud verleihen! In wenig stunden darvor hat er, wie man maint, große anfechtungen gelitten, dann im der angstschwais außgangen; soll er gesagt haben, er besorge, er seie ewig-

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[122] clichen verlohren. Hernach hat er nit vil mehr geredt, sonder allain dem priester, so bei im gewest, nachgesprochen, sovil er seiner krankhait halb thun künden. Er ist mit großer clag deren von Mösskirch und menigclichs zu
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grab getragen und in die alt zimbrisch begrebnus zu seinem brueder, herrn Wernhern, und andern seinen altvordern begraben worden. * [1278] Herr Gottfridt freiherr zu Zimbern ist, wie in der histori vernomen, höchlichen von seim bastardtsone,
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dem Hainrichen von Zimbern, erzürnt worden, und als in darob in dem zorn und unmut das parlis getroffen, bei achtagen ungefärlich vor seim absterben, do hat er immerdar, wie er im bet gelegen und im also fürgefallen, die umbstender gebetten, sie sollen ime die socken abziehen,
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gleichwol er keine anhette. Also hat man ime gewilfaret und hat im an den füeßen gezogen, nit anders, als ob man im die socken het abgezogen. Das ist im seins erachtens ganz wol bekommen, also das er oftermals gesagt: »Botz mag! das ist recht; lieber, ziehen waidlich!« Sein
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peuchtvatter ist gewesen ain caplon von Oberndorf, genannt herr Hanns Musierer. Der hat, wie in der christenlichen kirchen von alter herkommen, ine mit allen sacramenten providiert und versehen. Unlangs darnach hat er zu seim jüngsten vettern, herrn Wilhalmen Wernhern, der dozumal zugegen,
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mit leiser, niderer stim gesagt, er besorg, er sei ewigclichen verloren. Iedoch hat er wenig zeit vor seinem absterben begert drei ding, die ime nach seinem absterben erstattet sollen werden, namlich daz man seine underthonen gnedigclichen und in guetem befelch welle halten und mit zinsen
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weiter nit beschweren. Zum andern, das man zu seiner begrept kain hoffart oder sonder ceremoni welle gebrauchen, dann allain, so man in begraben[5], das von ainer priesterschaft und den schuelern das lobgesang sanctorum Arnbrosii und Augustini zu der orgel werde gesungen. Zum dritten,
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so hat er ain geschmelzt fenster in ain capellen[6] bei Hilzingen

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[123] verhaisen gehabt, aber noch nit gelaist, do hat er begert, das sollichs nach seim abschaiden dahin werde verordnet. Das alles ist im von seinem jungen vettern, herr Wilhalmen Wernhern, auch den andern allen zugesagt, ist auch hernach
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gelaist worden. Hierauf ist der from, alt herr uf den tag s. [Gordians][7], wie in der historia vermeldet, im herren verschaiden. Dem Gott gnedig sei! Wie man ine zu S. Martin gepracht und in die grebtnus gelegt, hat man das herrlich [1279] lobgesang sanctorum Augustini und Ambrosii zu der
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orgel, wie er das vor seinem ende begert, mit fröden gesungen und ine also der erden befolchen, dann er zu sollichem gesang von jugendt uf ain besondere affection hat gehapt, also das er manichmal nach mittemtag oder sonst zu unzeiten, so es im fürgefallen, zu kirchen ist gangen, so
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hat er dann nach priestern und schuelern geschickt; die haben ime dann solch gesang uf sein begern zu der alten orgel gesungen, und allemal so hat er inen ain gulden geschenkt. Nach seinem absterben ist herr Wilhalm Wernher gleich in abwesen seiner baider gebrüeder geen Hülzingen
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geritten und die underthonnen daselbs die erbhuldigung schweren lassen, ußer ursach, das ich eracht, damit die von Clingenberg, so domals das schloß Twiel noch inhetten und an herr Gottfridts erbschaft was ansprach und gerechtigkait zu haben vermainten, sich nichs an Hülzingen kunten
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understeen und attentiern. Also gerieth herr Wilhelm Wernhern die sach bei den pauren, das sie guetwilligclichen inen, denen dreien geprüedern, schwuren und gewonliche pflicht thetten. * * [1258] Es ist oft gehört worden, das Hainrich
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Zimberer, des eltern herrn Gottfriden freiherrn von Zimbern lediger bastardtsone, übel gehauset, das sein verliderlichet und [1259] verthon. So ist zu wissen, das uf ain zeit, als maister Petter Keufelin[8], pfarrer zu Oberndorf, im pfarrhoff daselbst zu imbis gessen, bemelter Hainrich zu im in die
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stuben gangen und ohne ainiche vorrede oder begrießung zu dem pfarrer ganz ernstlich gesprochen: «Eilend! und baldt! maister Petter, leihen mir ain par guldin!» darauf im der pfarrer geantwurt: »Eilend! und bald! ich wills nit thon.»

1 [124] Also, wie eilend er, Hainrich, den pfaffen überloffen, hat er sich nach empfangner antwurt gleich umbkert und ist ohne ainiche weitere rede ungeschafft und ohne gelt widerumb abgeschaiden. *

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* [1493] Es geraten gleichwol zu zeiten die bastard auch und das fürnem leut darauß werden, aber es ist de raro contingentibus. Wie ein seltzammer vogel ist es umb ein weißen rappen, oder umb ain schwarzen schwanen? Man sagt wunder von dem großen marschalk von Burgunden,
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war ain gebornner graff von Newschotte[9] und in ainem großen ansehen bei herzog Phillipsen von Burgund. Also auch, wie der fürstenkrieg war in Frankreich wider könig Ludwigen den ailften, do gab bemelter herzog, der gleichwol neutral sein wollt, disem großen marschalk seinen ainigen sone,
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herzog Carln, zu ainem gouverneur oder ufseher. Als aber der jung herzog durch sein jugend und freche weis gar nahe ins königs handen komen, kund sich hernach diser alt graff nit enthalten, sonder sagt seinem jungen fürsten den text wol zu haus, under ander sprechendt: «Und ob ir gleich
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durch ewer ubersehen und dorhait gefangen worden, wellt ich doch mein herren, sein land und leut zu retten und zu erhalten mich understanden haben», und man sagt, es habs im auch der herzog Carln domals zu gnaden ufgenommen. Was guter thaten derselb seine tag bei dem herzogen von
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Burgundi verpracht, das findt man noch hin und wider in geschriften, welches auch von seinen herren erkennt worden, daher im dan so grose und herrliche pfandtschaften und güeter hin und wider zugestanden. Er hat, wie man sagt, etliche söne verlassen. Wie er aber uf sein alter kommen
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und anfahen schwach werden, hat er bei gesundem verstand und guter vernunft seine söne beschickt, die thailungen gemacht und aim ieden sein tail und was er erben solle, eröffnet. Nun hat er ain ledigen bastardsone gehapt, ist ain geschickter junger gewest, der ist uf solch zeit, wie die
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thailung ufgericht, darbei und mit gewest. Der hat ain beschwerd entpfangen, das er mit stillschwigen umbgangen werde, [1494] und zuletst doch erkecket, hat den alten herr befragt, was aber doch er haben werd. Derselbig ist nit unbehende gewest, hat ime haisen ain diener sein alt
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kurißschwert, das er allweg gewon war im krieg und schlachten

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[125] zu füren, herzuzubringen. Wie nur das beschehen, gibt er dem bastard das schwerdt in die hand, sprechend: «Wolan, du begerest auch ain tail von meiner erbschaft zu haben, darum so gib ich dir zu deinem tail diß mein schwert,
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damit ich land und leut vilmals erhalten und überkommen hab, und gib dir das darum, das du sollichs zu herzen fürest und dich dergleichen beweisest und mit disem schwert deine andere brüder (domit was er ime uf die ander söne deuten) und ire güetere, sovil dir möglichen, beschützest[10].» Darneben
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so hat er seinen sönen befolhen, was im ieder järlichs zu seiner underhaltung geben solle. Man sagt, das disem jungen solche des alten herren rede dermaßen zu herzen gangen, das er sich hernach herfür gethon, in allen kriegs- und erlichen sachen hab brauchen lassen und damit seinen elichen
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gebrüdern getrewlichen gedient hab, darneben auch erdienet, das er one nachtail seiner brüder sich in einem erlichen stat hab künden erhalten. Es haben die grafen von Eberstain vor jaren auch ain sölichen ledigen bastard gehapt, hieß Adam von Rosenstain,
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war des alten graf Hannsen lediger son. Diser ist ain eberstainischer amptman gewest und in den grösten nöten seinen herren getrewlichen beigestanden, auch denselbigen zu gutem hat er kain eeweib genommen, und damit die ligende und andere güeter, die er nach seinem absterben verlassen, seinen
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herren, den grafen, widerum zufielen, wie dann hernach beschehen. * * [1494] Es steckt gemainlich in disem volk ain große junkerschaft und haben vil uf inen selbs. Herr Jerg truchseß von Walpurg der jünger verließ bei unser zeiten ain
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bastardson, hieß Hans Muffler, seiner muter nach, der schöpft im auch selbs ain nammen, sprechend: «Herr Hanns ist zu vil, aber junker Hanns ist eben recht und gat wol hin.«  * In wenig zeit hernach ist herr Johanns Wernher von Zimbern, der diser zeit nit anhaimsch, sonder bei dem
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churfürsten von Trier, erzbischof Jacoben, zu hof war, widerrumb zu landt komen; der hat in namen sein und seiner gebrüeder die freiherrschaft Zimber vor Waldt eingenomen und die gewonnliche pflicht und huldigung von underthonnen empfangen.
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Ich hab hievornen von den seltzamen gebreuchen und

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[126] dem notlichen wesen, das herr Gottfridt freiherr von Zimbern an ime gehabt, meldung gethon; dieweil er aber deren handlungen vil mehr gehabt, kan ich nit wol underlassen, derselbigen etliche mit stillschweigen zu umbgeen. Dann
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als Hainrich von Rechberg, weilunt Hannsen von Rechbergs zum Schramberg sone, in etwas widerwillen und missverstande stuende mit seinem schwager, . . . von Clingenberg, dann sie zwen hetten zwo schwestern, waren herren Johannsen Wernhers freiherren zu Schwarzenberg erbtöchtern, kame
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er uf ain zeit zu herr Gottfriden von Zimbern, der dozumal sein haushaltung im schloß zu Seedorf, seitmals der Schramberg unferr von Seedorf gelegen. Nun war herr Gottfridt des morgens früe in ainem fenster und sahe bemelten Hainrichen von Rechberg selb ander mit ainem diener über den
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werd reiten. Als er gar nache zum schloß komen, rueft ine herr Gottfridt an, was er so früe thon wellte und wa hinauß; antwurt im Hainrich von Rechberg, er keme zu ime umb rath wider sein schwager von Clingenberg. Dieweil dann herr Gottfridt dem von Clingenberg gleichfals wie
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Rechberg verwandt, wollte er kainem thail wider den andern rathen oder den ainen uf sich laden, derhalben, als Hainrich von Rechberg noch vor der schloßbrucken hielte, künte im herr Gottfridt den rath ab, mit vermeldung, was er zu ime umb rath keme, er wist im nit zu rathen, sprechende:
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«Vetter, das dich[11] botz mag schende! was kumst du zu mir umb rath? wir baid seind nit witzig, ainandern zu rathen; ich wurd dich dergestalt nit einlassen; so du rath begerest, magst wol hinreiten, das dich botz mag schendt! ker umb! ich dich dergestalt nit einlaß.» Nun kante Hainrich von
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Rechberg herren Gottfridts abenteurliche und notliche weis gar wol und ließ sich nit gleich abweisen; letzstlich sprach er: «Wolan, herr! so ir mir ihe wider mein schwager von Clingenberg nit rathen wellt, der euch gleichwol so nahe als mir verwandt ist, so will [383] ich von meinem vorhaben
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absteen und will mit euch zu morgens essen.» Das gefiel dem alten herren Gottfriden, hieß ine einlassen und waren ganz frölich mit ainandern. In aim solchen hohen vertrawen und doch in ainer schlechten einfeltigen gestalt sein die alten, unsere vorfaren, einest im aureo seculo und da es
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noch wol umb alle adelsstende deutscher nation beschaffen

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[127] war, gewesen. Und ist zu wissen, das diser Hainrich von Rechberg ain gotzförchtiger und frommer mann gewesen, der seinem vatter, dem alten Hannsen von Rechberg, der die stett kriegt und vil wunderbarlicher handlungen bei seinen
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lebzeiten gehabt, wie hieoben gemeldt, gar wenig nachgeschlagen, und so unfridlich und unrüebig der vatter, so fridlich ist hernach der son gewesen. Man sagt, er seie uf ain zeit seiner gescheften halb uf ain tag geen Ellwangen geritten, daselbst ist er unversehenlich und todenlich krank
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worden. Als aber sich seins absterbens menigclichen versehen thette und derhalben von seinen freunden und vertrawten mit glimpfigen worten angemanet, ob er ainen letzsten willen ufrichten wellte, und wie er das bewilliget, do warden notarii und andere, so in solchen fällen dienstlich
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und gepreuchlich, erfordert. Wie nun die erschinen und neben andern verschaffungen die legata anfieng zu erzellen, wist er seins weibs, der frein[12] von Schwarzenberg, tawfnamen nit, unangesehen das er mit dero nunmehr vil jhar hausgehalten. Als er derhalben von seinen verwandten,
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so umb in waren, zu rede gestellt, sprach er: «Ich hab nie gewist, wie mein hausfraw haist, ich hab ir allweg fraw gesagt.» Hierauf hat er mit dem testament verziehen und ain potten geen Elzach (das, sambt der herrschaft Schwarzenberg, het er von seim gemahel, der von Schwarzenberg,
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ererbt) schicken müeßen, bemelter seiner gemahel taufnamen zu erfaren. Ob er nun mit seinem leben des potten widerkunft erwarten und das testament ufrichten künden, oder ob er des legers gestorben, kan ich weiter nit finden. Also befindt sich, das die künder selten den eltern nachschlahen.
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Also sagt man auch von dem alten graf Alwiken von Sulz, der bei seinen zeiten ein theurer, namhafter graff gewesen; der hat ain son verlassen, graff Rudolfen, der hat das statthalterampt zu Insprug vil jhar versehen und den
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vatter wol ersetzt. Noch hat graff Albeck ein son gehabt, gehaißen graff Herman; von dem sagt man, als er geboren worden, hab im sein herr vatter zwen namen[13] im tauf geben lassen, nemlich Wolf und Herman, ußer der ursach, so der jung ain reuterisch mann werde, soll er Wolf haißen, wa

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[128] nit, sölle im der nam Herman bleiben. Denselbigen namen hat er sein lebenlang behalten, dann es ain gueter, frommer, einfeltiger mann gewesen, der billicher Herman, welches ain schaff ist, dann Wolf hat sollen gehaißen werden, und der
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sovil küntlicher handlungen begangen, darvon ain sonder tractat megte beschriben werden. Aber herr Gottfridt von Zimbern, nachdem er wider von Seedorf geen Mösskirch mit seiner haushaltung gezogen und ine die priester oder caplöne im gestift daselbs, oder
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auch andere pfarrer in baiden herrschaften in abwesen herrn Johannsen Wernhers überlaufen und mit ainandern permutieren wellen, oder unnettige [384] bösserungen begerten, hat er darab ain große beschwerdt und missfallens gehabt, auch sie zu zeiten in irem fürnemen übel gescholten. Uf ain
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zeit ist ain caplon zu im komen, der hat mit ainem andern die pfrundt permutiern oder verwechseln wellen; ist er gar übl zufriden gewesen und hat sich so zornig geredt, das er in ainer gehe ein hülzin abbrechen zu handen genomen, mit derselbigen hat er den pfaffen überloffen und hat in
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damit erstechen wellen. Und wiewol solchs den dienern und allen umbstenden ganz lecherlich gewesen, so ist im doch der pfaff ußer den augen gefüert worden. Hernach uf ain österliche zeit ist er in der karwochen zu S. Martin zu Mösskirch zu dem hailigen sacrament gangen;
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als er aber in der alten kirchen zu Sant Martin vorm chor in aim stuel bei dem nebenthürlin gestanden und seine baide jungen vettern, herr Gottfridt Wernher und herr Wilhelm Wernher, die ungeschicht domals zu landt kommen waren, bei sich gehabt und gebettet, und sich aber under anderm
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begeben, das zu dem nechsten nebenthürlin etlich burger, schuler und andere hinein und für in über gangen, hat er das zu ainer sondern müeh ufgenomen; derhalben, wann derselbigen ainer hinein gangen, hat er ußer ainer ungedult mit ainem kleinen stecklin dieselben über das haupt
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geschlagen, sprechende: «Das dich botz mag schende in der muetter ader!» (also hat er geschworen.) So dann dieselben, denen gleichwol nit sonders wehe beschehen, den alten herrn gesehen, den dann menigclich geliebt und gefürcht, sein sie erschrocken, stillschwigendt darvon dichen, darab die zwen
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jungen herren zu ainem sollichen pfuttern und gelechter sein bewegt worden, das sie, unangesehen des hailigen grönen

1 [129] donderstags und darum sie alda gewesen, von ime weichen haben müeßen.

Und des andern jhars hernach als vor dem hailigen ostertag herr Johanns Wernher freiherr von Zimbern vom
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churfürstlichen hofe zu Trier wider anhaimsch komen und under anderm vermist het, als er den alten herren Gottfriden uf den hailigen tag nit zu gast geladen, name der alt herr das zu ainer solchen großen mühe an, das er sich entschlossen, nachdem er im hailgen ampt gewesen und von
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seinem vettern, dem er vil guts bewisen, nit berueft war worden, in seiner schönen, braunen, samatin schauben, mit guten mardern underfuetert, des wasenmaister am Kugelacker gast selbigs tags zu sein. Und wiewol im solch fürnemen vilfeltigclich von seinen zwaien alten dienern, die er
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bei im hett, genannt Ludin und . . ., vil widerrathen wardt, noch so macht er sich uf die fart. Wie er nun in solcher ungedulte gar nahe bei des wasenmaisters behausung, so kompt im sonder zweifel ußer schickung des allmechtigen ein helfer von Mösskirch; der het uf solchen tag des
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hochzeitlichen fests das filial[14] zu Menningen versehen. Der nam wahr des fürnemens, so herr Gottfridt verhanden, derhalben mit sittigen und gueten worten beredt er den alten herren, das er sein fürnemen endert, wider umbkeret und in dem undern hoff daselbst zu morgens aß.
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Und wiewol herr Johanns Wernher für sich, auch seine baid gebrüeder und irer aller erben uf dem reichstag zu Augspurg anno 1514 des jagens im engen Krais gegen denen graffen von [385] Werdenberg sich verzigen und begeben hett, nochdann het herr Gottfridt sich des nit verzeihen
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wellen, sonder, die zeit er noch gelebt, seins gefallens und wie von alter here darin gejagt und allerlai waidwerk gepraucht. Die zeit als herr Gottfridt noch zu Seedorf mit seiner haushaltung sich enthalten, ist ain große theurung ingefallen,
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derhalben ainsmals ain arme witfraw von Dalhausen, genannt die Schauberin, geen Seedorf kommen und vor der brucken der theure sich hoch erclagt, mit vermelden, sie künde mit iren klainen künden sich nit erneren, müeße betlen oder hungers sterben, derhalben umb ain halb malter korn
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angerueft. Nun ist dozumal der alt Niclas Uol bei dem alten

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[130] herrn gewest, und wiewol er der armen frawen beger wol gehört, so hat er doch den Uolen gefragt, was sie beger. Er hat gesagt: «Gnediger herr, sie beclagt sich ir armut und begert zwai malter korn.» Gleich herr Gottfridt
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gesagt; «Botz mag! haiß ir vier malter korn geben! ich mag irer rüefen nit mehr zuhören.» In kürze darnach ist ain fürnemer junger mann zu [im][15] geen Seedorf gescheften halb kommen, und als derselbig sich bei ime anzaigen lassen, hat er seine voreltern wol
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gekennt und zu ime gesprochen: «Botz mag! ich kenn dich nit, dein vatter und äni hab ich gar wol gekennt, der und der gestalt; insonderhait hastu ain eltere schwester gehabt, war ain fromme fraw und aber ain genge huer, als sie ungevärlich uf dem ganzen Schwarzwaldt war-» Der guet
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mann erschrack und name doch dise wort zu keiner injuri oder schmach uf, dann er menigclichen bekant war, und wust, das er niemandts zu schmehen oder auch sonst übel zu reden begerte. * [1193] Ain jhar ungefärlich, nachdem und der alt herr
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Johanns Wernher freiherr zu Zimbern mit todt vergangen, nemlich anno 1442, wolten die von Horb ain fassnacht mit iren herrn und nachpurn, auch denen umbgesessnen vom adel halten, darauf sie allenthalben mit wiltprett und ander gueten bissen von vischen und flaisch sich bewarben und
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gefasst machten. Begab sich, das acht tag vor der vasnacht ain großer, mechtiger haupthirsch ohne alles geverdt geen Horb in den Necker kam. Er war nit erjagt, so kam auch kain hundt mit im. Der hirsch wolt als in die statt. So liefen die leut haufenweis zu mit spießen und mit andern
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waffen; sie jagten den hirsch auß dem Necker ohne alle hundt, iezo hin, dann her. Das triben sie so lang, daz in zu letzst ain burger stach. Es verwundert sich menigclich ab disem hirsch von wegen seiner überschwengklichen größe und des schweren gehürns, das von 24 enden war. Es het
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schauflen so breit als ain handt, das es sich aim rengehürn[16] vergleichet. Alle die, so den hürsch, auch das gehürn sachen und sich uf solliche ding verstanden, vermainten, er were nit ußer unsern landen, sonder were außer Frankreich kommen. Zu solchem hirsch wurden uf die fasnacht
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geladen herr Hainrich freiherr von Stoffeln, hauptman der

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[131] herrschaft Hochenberg, herr Gottfridt freiherr zu Zimbern, der kam zu Seedorf hinüber geen Horb, der merthail von dem umbgesessnen adel erschine alda, vil Rotenburger kamen dahin, und ward dieselbig fasnacht mit allen frewden
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verzert. Wie man noch findt ufgeschriben, so haben ob den 600 personen von disem hirß gessen, dann die von Horb tailten das wiltprett auß in der statt in alle gassen; sonderlichen ist ufgezaichnet worden, das von dieses hierß wegen die fassnacht ob den 500 pfunt seien verzert worden,
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macht zu guldin gerait 320 gl. Das ist domals für ain groß banket geachtet worden. Zu unsern zeiten wurd ain solliche fassnacht, die nit mer gesteen sollte, für ain karkhait oder schmarotzerei geachtet. Also steigt der pracht und das verthon von tags ihe lenger ie mer, dardurch alle stendt
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abnemen und letzstlichen zu entlichem verderben müeßen gerathen. Darvon würt vil gesagt und geschriben, niemandts will sich aber darab bössern oder absteen. So will auch kainer der böst oder weniger geachtet sein, dann der ander. Was darauß volget, das sicht man alle tag, das der ain
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da, dort ain ander ufsteht und bankarotta macht. Also will die welt betrogen sein, und will doch niemandts die welt sein. * * [1489] Und bei dem ungewonlichen großen hirß mit dem seltzamen gehürn do fellt mir ein die historia mit aim
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hirß, der bei ainhundert jaren ongefärlich, oder mer, bei oder im Zürichgepiet ist gefangen worden. Wie in nur die Züricher haben wellen zerwürken, do hat es im hals ain solche difficultet gewonnen, das die jeger nichts schaffen könnden. Zuletst sein sie im hals uf ain solchs gewechs
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kommen, das kain messer oder schneider nit wellen verfahen; hat man befunden, das ain mitel verhanden. Wie man nur weiter desshalben gesucht, ist ain guldiner, braitgeschlagner ring aller in der haut und dem flaisch verwachsen gewest. Da man den heraußgeschnitten,
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usgesotten und geseubert, do hat man nachfolgende deutsche reimen darin ingegraben gelesen, des inhalts:
»Jäger, lieber, laß mich leben!
Diß halsband hat mir kaiser Karle[17] geben.

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[132] Solch halsband wurt noch zu unser zeiten zu Zürich in der statt behaltnus verwart neben ander kostlichen klainoten, die sie ußer Frawenmünster daselbet und in ander clöster und gestiften geraubt. Man hat in der statt bücher und
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annalen gefunden, das der kaiser Carl ainest (nach dem er vil wonung und haimwesen zu Zürich gehapt) etlich jung hirß fahen und denen iedem ain guldin halsband, wie oblaut, anlegen oder schmiden lassen und wider in wald lassen laufen. Dessen ist diser hirß ain gute zeugknus. Also
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findt man auch, das kaiser Julius vil hirß und wild hat gefangen und wider mit sollichen urkunden laufen lassen. * Der erst herzog Eberhart von Würtemberg, man nempt in nun den weisen herzogen im part, hett herrn Gottfriden zu aim provisoner angenomen; begab sich uf ain zeit, das
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in der herzog manet. Er kam mit seiner anzall pferden geen Stuttgart; als er aber ain tag alda bliben und sich anzaigen lassen, aber weiter nit erfordert oder ainicher beschaidt geben, ritt er des dritten dags wider heim. Noch nam ime der fürst das zu kainen ungnaden uf, dann sie
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kannten ainandern etc. Die ritterschaft s. Jörgen schilts im Hegew hielt uf ain zeit ain große fasnacht zu Costanz, darzu ward der alt herr Gottfridt auch als ain Hegawer von wegen der güeter, die er in der Höre und dem Hegaw ligen het, berüeft. Der
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kam nur und wardt das banket uf der Katzen (ist der junkern stuben daselbs) ganz cöstlichen gehalten; deren von Costanz fürnembste burger und ire weiber und döchtern warden darzu geladen. Begab sich, das under andern frawen und junkfrawen ainer under dem nachtessen etwas
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unversehenlichen von nöten wardt. Nun war domals der brauch, das man an langen, schmalen taffeln aß, wie in den clöstern noch gemainclich der bruch, und beschach der gueten junkfrawen, die allernechst bei herrn Gottfriden saß, so bang und so wehe, das sie lenger nit verziehen, sonder
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hünder der taffel uf wüschte, den langen schwanz an irem rock, wie domals der sitt was, umb den ainen arm wiklet, über die taffel, darzu ir dann die nechstgesessnen alle ver-

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[133] holfen waren, steigen mueste[18]. Es konnte aber so geschwindt nit zugeen, der gueten junkfrawen empfiel ain michels kegele uf den disch, nit weit von herr Gottfriden. Aber sie fuor darvon, [386] ir macht iederman platz. Herr Gottfridt schrie

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ir nach: «Botz mag! jungfraw, nemts mit!» Darvon entstuendte ain sollichs gelechter, und mueste man ain frischen disch machen. * [1293] Fridberg in der Wederaw ist ain fürnemen ganerbenhaus und darauf sich die vom adel in selbiger

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landtsart vil verlassen und dessen vertröst haben. Der alt churfürst, pfalzgrave Philips, als er dann ain tugenlicher, demüetiger fürst gewesen, wie dann alle pfalzgraven von vil jharen here solcher fürstlicher und anmuetiger tugendt für andere fürsten berüembt sein, hat er uf ain zeit vor

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fassnacht mit wenig hofgesündts oder volks, merthails grafen und herren in der Wederow und uf dem Ottenwaldt haimgesucht und also mit seiner nachpurschaft ganz frölich gewesen. Under anderm hat er die von der ritterschaft uf Fridberg auch haimgesucht; an alten orten und uf allen

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heusern, wohin er kommen, ist ime alle er und frewdt, so man haben künden, wie billich bewisen worden, insonderhait haben sich die vom adel beflissen, als er zu inen uf Fridberg kommen. Die haben im under andern kurzweiln ain cöstliche fassnacht und dänz gehalten. So ist auch der

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alt chürfürst ganz frölich gewesen und hat sich gegen menigclichem ganz gnedigclihen erzaigt; insonderhait gegen denen edlen frawen und jungkfrawen ist er ganz holtsellig gewesen. Zu denen ist er gesessen und iezo mit der, dann mit ainer andern ganz holtselligclichen gesprachet. Under

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andern jungkfrawen, bei denen er also sein gesprech gehabt, ist er zu ainer gerathen, die villeucht nicht die höfflichest under dem haufen, oder umb solche hoche leut vil hab gewonet. Zu der hat er under anderm gesagt: »Jungfraw, man hat nechten spat in die nacht gedanzet, ir und

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andere jungkfrawen haben mich übel betauret, dann ir vil staubs haben müeßen einnemen.» Darauf soll sie geantwurt haben: »Ja, gnedigister herr, es hat seer gestoben, ich glaub, wol ein sechter (ist ein meß, so man bei uns

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[134] ain fiertel mocht nennen) mit drecks bei mir habe.» Damit hat sie dem churfürsten mit gueten hochdeutschen worten zu versteen geben wellen, das sie und ire klaider vom danz wol seien bestoben worden. Und wiewol ir dise red

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hernach von iren verwandten höchlichen soll verwisen sein, so ist sie doch mit groser ehren bestanden, dann unser jungkfraw im banket zu Costanz, die gleichwol unhöfflicher reden sich enthielte, aber den rogen ließ sie uf den disch fallen. Welcher wolt, mocht den wol ufheben und

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sicherlichen behalten, das ime niemandts den angesprochen oder wider hett sich understanden, den abzujagen und zu nemen. * In bemelt 1508 jhar ist graff Haugo von Werdenberg den sibenden Augusti uf sant Sixten tag tods verschaiden und zu Trochtelfingen begraben worden. Sein todt hat

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weilunt herr Gottfridt selig, der alt, nit erleben mügen, ist bei dreien monaten ungeverlich vor im gestorben. Diser graf Haugo, wiewol er ihe der gröst zimbrisch feindt gewest, auch solchen stammen und namen, sovil im möglich, zu vertilgken begert, so ist er doch ain theurer, weiser graff

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gewesen und der seinem geschlecht vil ehrn und guets zugefüegt. Er ist bei kaiser Friderico dem dritten in ainer solchen großen gnad gewest, das im bemelter kaiser für sein innersten cammerer vil jhar gehabt, in welcher zeit er sich gegen dem kaiser gehalten, das er im vil vertrawt.

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Und demnach der kaiser ain großer nigromanta, hat er allain grave Haugon, so er nachts in seiner cammer etwas praticiern wellen, bei im gehabt, im bevolchen, so er etwas sehen oder hörte, das er still sein, sich nit regen, sonder für sich schaffen soll. Also hat graf Haugo mehrmals

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wunderbarliche und erschreckenliche ding nachts gesehen und gehört. Dise gnad des abergleubligen kaisers hat grave Haugon dester beherzter gemacht, nach seinem willen und gefallen, wie obgehört, zu handlen. Kaiser Friderich hat nach seinem absterben ain große suma dero nigromantischen

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bücher, die er bei seinem leben aus allen nationen, bevorab aber aus Grecia und Ungern, zu wegen gepracht und zum köstlichisten schreiben und zurichten verlassen. Die hat sein son, der loblich künig Maximilianus, behalten und wiewol die nigromancei sambt andern deren anhengigen

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verbotten künsten in disen büchern in ain ordnung und formam artis redegirt, so hat doch der weis künig sich der pratik enthalten, wol wissendt, das im nit vil glück davon mechte

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[135] entsteen. Nach seinem absterben sein dise nigromantische bücher seinem enkl, dem römischen kaiser Ferdinando, worden. Derselbig, besorgendt, das villeucht seine nachkommen sich derselben missprauchen mechten und dadurch in unfall

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komen, hat er gehandlt als ain weiser kaiser und hat die verbrennen lassen.



  1. brunst zu Bibrach] der spital brannte beim großen brande im jahre 1516 ab; s. Beschreibung des Oberamts Biberach s. 83.
  2. altar] hs. alter.
  3. geritten] hs. geritt.
  4. in] fehlt in der hs.
  5. begraben] hs. begaben.
  6. capellen] hs. capillen. Hilzingen s. 1459 in den nachträgen heißt es: Wie es an dem gewest, das er wol gemerkt, er sterben sollen, hat er drei ding begert, namlichen das seine erben die underthonen, die sie von im erbten, gnedig und wol halten wellen, in funere kain uncosten, hoffart oder gepreng geprauchen und ain fienster gen Bollingen, die kürchen, machen wellten. Was er aber mit dem fienster gemaint und ob ers villeucht hab hievor dohin verhaisen, das ist nit bewisst.
  7. Gordians] hs. hat eine lücke.
  8. Petter Keuffelin] er starb am 19. Juni 1543; s. Mone Quellensammlung II, 136. Ein Balthas Käuffelin wird genannt von Schnurrer, Erläuterungen der würtembergischen Kirchen- Reformations- und Gelehrten-Geschichte, 332.
  9. Newschotte] d. i. Neufchâtel.
  10. beschützest] hs. beschetzest.
  11. dich] hs. ditz.
  12. frein] hs. freim.
  13. zwen namen] eine ähnliche namengebung erwähnt Liebrecht, Germania XIV, 393.
  14. filial] hs. fitial.
  15. im] ergänzt.
  16. rengehürn] hs. ehengehurn. (elengehürn?)
  17. kaiser Karle geben] Liebrecht macht Germania XIV, 393 ff., darauf aufmerksam, daß dieselbe sage auch auf Magdeburg bezogen wird; s. Grimm, Deutsche Sagen, nr. 440; vgl. Wolf, Niederländische Sagen, zu nr. 50. Kayser, Historischer Schauplatz Der Alten berühmten Stadt Heydelberg (1733) s. 226, erzählt einen ähnlichen fall mit einem hechte, der am 6. Nov. 1497 gefangen worden ist und auf einem ringe in griechischer sprache die inschrift getragen haben soll: »Ich bin derjenige Fisch, so am ersten unter allen in diesen See (bei Kaiserslautern) gethan worden durch die Hände des Kaysers Friedrichs des Zweyten, den 5. Oct. 1230.«. WS: Die auf der nächsten Seite fortgesetzte Fußnote Baracks wurde auf dieser Seite vervollständigt.
  18. steigen mueste] über die gewohnheit über den tisch zu springen, wenn man hinter demselben vor wollte, s. Liebrecht, Germania XIV, 394; vgl. noch Germania XXV, 296.