Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 9

<<< Kapitel 9 >>>
aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 52–56
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[31] Wie kaiser Hainrich denen Obotriten und Wenden vier obriste hauptleüt gesetzt, under denen herr
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Friderrich freiher von Zimbern ainer gewest; auch wie her Georg, her Gottfrid und her Sigfrid, seine gebrüeder, in den turnieren zu Maidenburg und Rotenburg, an der Tauber gelegen, eingeritten.

Nachdem nu kaiser Hainrich dise victoria wider die

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Hunos erlangt, hat er die landtschaft der Obitriten und Wenden widerumb eingenomen und zum reich bracht. Damit aber gemelte lender hinfürter wider vilgemelte Hunos gehandthabt und erhalten wurden, gab er inen zu hauptleuten herrn Adamen freiherrn zu Hohenclingen und herrn
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Philipsen freiherrn von Wulsdorf aus Meichsen, baide [Al8b] ritter, mit ainer guten anzal kriegsvolks, die sie regieren und bei des reichs gehorsame behalten solten. Es könte aber der kaiser so bald nit verrucken, die Gothen, Obitriten und Wenden wurden abermals von denen Hunis, als denen,
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die sich solcher fruchtbarer und nutzlicher lender nit gern verzigent und verwagent, durch haimliche underrede angesuocht, auf mainung, sich widerumb vom reich ze thun, und inen, den Hunis, nach voriger gewonhait ires glaubens und sonst zuzufallen. Darzu was sie nit wenig verursachen der
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leumedt, so ausgangen, wie alle fürsten und stende des reichs verritten, und das nit leichtlich das reich sich widerumb in ain solche rüstung begeben wurde, beschloßen darauf, sich widerumb under die Hunen zu begeben. Sollichs kam dem kaiser mit treffenlicher kundtschaft für, wie sie die Hunos
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wider einlassen wolten; hetten auch darauf obgedachte obriste hauptleüt und anwälte, herrn Adamen von Hohenclingen und herrn Philipsen von Wulsdorf jamerlichen erschlagen. Derhalben gepot Ir Majestat, in allen iren lendern eilendts mit aller macht gerüst zu sein, des willens, mit höres craft
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widerumb auf die königreich der Obitriten und Wenden zu

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[53] ziehen. Darzu waren die fürsten und stende des reichs sampt der gemainen ritterschaft von dem kaiser noch nit verritten, die er den mererthail zu Goslar, Embich, Angershausen, Quedelnburg, Maidenburg und desselben landtsrevier
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nahent bis in das dritt jar behalten het, dann gedachte lender [A19a] sich allweg und ihe ains großen unwillens gegen ernempten irn hauptleuten angenomen, auch große aufruorn und empörungen zu erwecken sich understanden. Als nu die Obitriten und andere, wie der kaiser sich widerumb
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ins veld begeben und berait [32[ mit allem höre anzogen, vernamen, schickten sie Ir Majestat eilende botschaft entgegen, welche obgedachte lender der aufgelegten aufruor halben und der dotschleg, an Irer Majestat hauptleuten und anwälten begangen, entschuldigen solten, gnad und frid zu
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erwerben, das sie doch nach vil und ernstlicher underhandlung vast aller fürsten und stende des reichs schwerlichen erwerben möchten. Nachdem aber der hochloblich kaiser Hainrich der Obitriten und anderer lender bös fürnemen und prattiken
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fürkomen, gab er inen widerumb an der zwaien obersten stat vier andere, namlichen grave Braunen von Eberstain (ist der zeit in Sachsen gesessen und hat den schwarzen eber in weisem feldt gefüert), herrn Friderrichen freiherrn von Zimbern, herrn Ludwigen freiherrn von Rotenburg oder Radenburg,
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und herrn Eberharten freiherrn von der Lippe. Dise herrn hetten dem kaiser vor vil jarn trewlichen und wol gedient, derhalben er ain sonders gnedigs vertrawen vor andern zu inen gewonnen, das er inen die ernempten lender eingab und bevalch. Denen muesten die einwoner globen und
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schweren, der kaiserlichen Majestat und dem hailigen reich getrew, underthenig und gehorsam zu sein, mit vilen andern artigkln, welches alles sie willigclichen und gehorsamlichen annament, hielten sich auch fürohin, das kain clag weiters von inen [A19b] erhört ward.
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Das aber dises ain warhaftige geschicht sey, so sicht man noch heut bei tags die begrebtnus herrn Friderrichs von Zimbern, der in dem land todts verschiden und in aim closter in Cassuben, Benedicter ordens, Abelshausen gehaißen, in ainer sondern cappelln begraben ligt, inmaßen sein
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abcontrofetung in ain fenster in selbiger cappel geschmelzt etc[1].

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[54] [34] [A20a] Demnach aber ain so große menig von fürsten, graven, freien, herrn und vom adl nit allain aus deutschen, sonder aus Frankreich, Italia, nidern und andern frömbden landen, dergleichen vorhin in deutscher nation
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ainsmals nie erhört oder ersehen, so gehorsamlichen erschinen, auch so erlichen und ritterlichen an dem hailigen reich gemainer deutscher nation und ainer ganzen christenhait wider die Hunos gehandlet, bedacht der hochloblich kaiser ain tropheum oder ewige gedechtnus solcher victoria aufzurichten.
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Seitmals aber der turner derzeit in allen teütschen landen frembd und ganz unbekannt, allain in Gallia und der größern Britania von dem adel vormals gepraucht, nam Ir Majestat für, ain solichs eerlichs und dapfers ritterspil auch in dem reich teutscher nation zu fürdern und anzurichten, darin ain
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ieder rittermeßiger nach adelichen eeren, was standts der wer, vor andern so strafbar erkant werden möcht[2], und nicht darumb, damit der jung adl so vil thätiger, fraidiger und geschickter wurdt gegen denen feinden zu handlen, oder aber denen frawen und junkfrawen kurzweil und freide zu
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machen, aus welchen ursachen dann die obgemelte lender des turners sich underzogen heten. Derohalben bevalch er denen vier obersten hauptleuten des reichs, den turner, auch die ordnung und statuta desselben zu beratschlagen. Dise erwelten zu sich vier turniervögt, nemlichen herrn Meinolphen
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freiherrn von Erdtpach, herrn Carlen freiherrn von Hohenhewen, herrn Jörgen von Wolfartshausen und herrn Ernsten von Grumbach, ritter, setzten darauf zwölf artigkl, also welcher hinfüro diser zwölf artigkl ainen oder mer [A20b] nach gehaltnem turner verachtet oder verprech, das dann derselb
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in offnem turner vor allermenigclichem geschmecht, geschlagen und mit im umb das pferdt turniert, er auch selbst auf die schranken gesetzt werden solt, bei peen und verlurst seines adelichen namens, schilts und helms. Also ward der turner beschlossen und der erst geen Maidenburg auf den werdt
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den zwölften Januarii des jars nach Christi gepurt neunhundert achtunddreißige gelegt. Man findt, das der hochloblich kaiser Hainrich[3] sampt baiden seinen sönen, herzog Othen

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[55] und Hainrichen, aigner person mit etlich und sechzig fürsten hab turniert; sodann bei den anderthalb hunderten von graven, freien und herrn gewesen, und vom adel und der ritterschaft, deren anzal sich bis in die fünfzehenhundert
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geloffen. Wie aber solcher turner verbracht, welche geschlecht und wer turniert, auch was die capitel und ordnungen des turners in sich halten, das ist vor kurzen jaren durch herrn Johannsen von der Alben zu Huobung, rittern, erbtruchsäßen
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des erzstifts Salzburg[4], und hernach durch den ernholden Jergen Rixner[5], mit seinem zunamen genempt Hierusalem, vleisig und seer weitleuf geschriben. Allain ist der turner izmals [35] aus der ursach anzogen, dieweil die alten freiherrn von Zimbern auch darin erfunden, das die nit weniger,
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dann andere ernliebhabende geschlechter, vor sovil hundert jarn der ritterschaft nachzogen, denen römischen kaisern und königen gedient, wider die ungleubigen gestriten und aller eeren und tugenden sich beflissen haben, als nemlichen herr Jörg freiherr zu Zimbern, der hat disen turner besucht;
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so ist sein [A21a] gemahel fraw Agnes, ein geborne grevin von Helfenstain, mit andren frawen und junkfrawen zu der schaw und helmthailung erwelt und geordnet worden; item herr Gottfridt freiherr zu Zimbern; dann dieweil der helm so ain grose menig, das die auf ain turner nit einreiten
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möchten, ward zu vier maln turniert. Der erst ward der kaiserlichen Majestat zugeaignet, der ander pfalzgraven Conradten bei Rhein. Mit im ritten Otho herzog zu Sachsen und Teüringen, des kaisers eltester son, der nachmals zu römischem kaiser erwellet und mit seinem zunamen der gros
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genembt ward; item der herzog von Poln, der fürst von Wenden und der margrave von Merhern, das ir aller waren

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[56] fünfhundert drewundzwainzig helm. In disem zwaiten turnerer wurden zu grieswerteln erwellet grave Johan Wolf von der Mark, grave Otho von Zollern, herr Andre im Rothale und grave Ernst von Hohenloe, sodan zwischen die sailer
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herr Hainrich freiherr von Bickenbach, herr Gottfrid freiherr zu Zimbern, grave Johann von Dießen und her Michel frei von Flugling. Hernach anno domini neunhundert zwaiundvierzige ward der ander turner von herzog Conradten von Franken gen Rotenburg an die Tauber gelegt, darin ist her
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Sigfrid freiher von Zimbern mit andern graven und hern eingeriten. Nach wenig jaren, namlich anno neunhundert achtundvierzige, als herzog Ludolf in Schwaben und Almanien den triten turner zu Costanz am Bodensee gehalten, daselbst hat fröle Richarda, geporne freiin von Zimbern, hern Alberichs
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und fraw Muotlieben von Calv dochter, den driten dank herrn Wilhelmen von [A21b] Leubelfingen, ainem ritter aus Baiern geben, welchen er im rennen in hohen zeugen mit fünfundzwainzig spießen ritterlichen erworben.



  1. etc] in A folgt darauf: Hic imago illa erit inserenda, quemadmodum nobis eam comparavit Joannes Melbrey camerae imp. tabellio. In B folgen auf s. 33 das zimmerische und helfensteinische wappen.
  2. möcht] dieser satz scheint mangelhaft zu sein.
  3. kaiser Hainrich] starb schon im jahre 936, kann also keinem turier im jahre 938 angewohnt haben. Über Rixners erdichtungen s. oben zu 16, 5, und Ruckgaber, Geschichte der Grafen von Zimmern s. 29, anmerk.
  4. Salzburg] »Hans von der Albm zu Hueburg,« wie er in der zueignung der von Marx Wirsung im jahre 1518 zu Augsburg herausgegebenen schrift »Von wann vnd vmb welcher vrsachen willen das loblich ritterspil des turniers erdacht, vnd zum ersten geübet worden« genannt wird, hat dem herausgeber, einem reichen kaufmanne in Augsburg und mitbesitzer einer druckerei, das manuscript übergeben, das dieser drucken ließ und ihm widmete. Unser chronist hält, was auch wahrscheinlich ist, den Hans von der Alben für den verfasser. Über die schrift selbst vgl. Panzer, Annalen I, 419, nr. 914; Turnier Buch Herzogs Wilhelm des Vierten von Bayern, von Senefelder und Schlichtegroll, s. 47, cp. 1, nr. 1, und Die Gumppenberger auf Turnieren. Von L. A, von Gumppenberg s. 12.
  5. Rixner] Thurnierbuch, ausg. 1530 bl. XXVIII-XXXXVII.