Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 64

<<< Kapitel 64 >>>
aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 433–435
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Dis capitel sagt von herrn Gottfriden freiherren zu
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Zimbern, was derselb für ain haushaltung und wesen gehabt, auch wie er in ain rechtvertigung mit Hainrichen von Clingenberg kommen.
Herr Gotfrid freiherr zu Zimbern, herr Wörnhers brueder, dem ist, wie obgehört, die under herschaft vor Walde zu
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seinem erbtail worden, darin er sich volgendts und namlich zu Seedorf den merer thail enthalten. [219] Er hat auch den undern hof zu Mösskirch gehabt, darumb er oftermals etlich monat daselbst gewonnt, nit allain von seins brueders, herrn Wörnhers, wegen, sonder des gotzdienst halb, dann
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er von jugendt ain gotzförchtiger und vil bettender herr und der sich stetigs dahaim gehalten. Hat sich kainer turner, kains ritterspils oder jagens, dessgleichen sonst kainer weltlichen kurzweil oder gescheften angenomen, in somma, er ist ain schlechter, frommer, alter teutscher Schwab gewest,
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und wiewol sein brueder, herr Wörnher, ain starker, grader, langer herr, so ist doch diser herr Gotfridt [A169a] ain claine person gewest, und unangesehen das sein brueder nit mer dann ain ainigen son, nochdann hat er dahin nit mögen, das er sich verheiraten welle, beredt werden, sonder ganz

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[434] schlechtlich und parce, wie die alten Römer ain solchen haushaltung genennt, sich gehalten. Daraus erfolgt, das er nit ain claine parschaft zu wegen gepracht, die doch mererthails, als herr Johanns Wörnher, sines brueders son,
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hernach vertriben und verjagt, widerumb verthon ist worden. Man sagt, als er auf ain zeit zu Möskirch im undern hof gewest, hab er aus einfalt viertausendt guldin an gold in ain speenhaufen, so one geferd im hof gestanden, verborgen. Nu hab seiner mägt aine, als sie spen für die öfen holen
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wellen, sollich gelt in aim sack gefunden, das herr Gotfriden gepracht und gepetten, hinfüro das gelt in pesserer verwarung zu haben, auch sie und andere eehalten damit nit zu versuchen. Ich find auch, das er herr Wörnhern, seinem brueder, achttausendt guldin in gold anno domini
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vierzehenhundert zwaiundfünfzige gelihen hab. Und wiewol er nie verheirat, seind im doch vill kinder geschenkt worden, deren ainstails döchtern hat er in frawenclöster gethon, ain tochter Lorenzen Münzern verheirat, ain son hat er zu ainem priester geordnet; der hat volgendts die pfarren zu Messkirch und
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Oberndorf, wiewol er nit vil lobs darvon erlangt, ain gute zeit versehen. Noch hat er ain ledigen son gehabt, Hainrich gehaißen, aus dem, als er erwachsen, ain bescheider, wolberedter mentsch worden, unangesehen das er sein geschicklichait nicht, wie seinethalb die notturft erfordert
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oder ime nutzlich gewesen, sonder zu seinem verderben hat angelegt. [A169b] Herr Gotfrid aber ist ain gütiger, barmherziger herr über sine underthonen und armen leut gewest, der inen mermals gülten und schulden, so sie sich irs unvermögens
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bei im erclagten, gutwilligclichen geschenkt und nachgelassen, inen auch nach allem seinem vermögen früchten und anders fürgesetzt und gelihen, darfür im doch merthails wenig wider worden. In soma, so in seine armen leut angesprochen, hat er inen nichts versagen könden, sonder sie in iren nöten
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und anligen selbs gehört, inen auch getrewlichen in iren

beschwerden, sovil im möglich, beraten und beholfen gewest.

Umb dise zeit und auch hernach haben die edelleut vom Stain, genannt von Staineck, das schloß Urslingen

sampt seiner zugehörde und dem hof, genannt der Ramstain,
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auch Schenkenberg das schloß und Epfendorf das dorf, mit mertails [220] derselben zugehörden ingehabt. Die haben nu dem apt von Pettershausen in denen zehenden und lehen-

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[435] schaften sampt etlichen höfen und güetern daselbst, im Neckerthal gelegen, unangesehen das sie des gotzhaus lehenleut gewest, vil irrung und eintreg gethon, dardurch apt Martin von Petershausen mit seinem convent sich entschlossen,
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seitmals sie in täglicher unruhe mit den unrüebigen edelleuten standen, inen auch die güeter vom gotzhaus zu weit entlegen, die von handen zu lassen und zu verkaufen. Dieweil dann diser zeit herr Wörnher freiherr von Zimbern in sonder guter nachparschaft mit gedachtem apt und dem
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convent, haben sie solche stuck und güeter [A170a] niemandts bas, dann der freiherrschaft Zimbern vor Waldt, gunnen wellen, derhalben mit herr Gotfriden freiherrn von Zimbern, dem dise güeter ganz wol gelegen, sich eingelassen. Der hat bemeltem gotzhaus den kirchensatz zu Epfendorf, die
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lehenschaft der pfarr und früemes daselbst, mer die lehenschaft am schlos Schenkenberg, alles am Necker gelegen, item die zehenden der dörfer und weiler zu Epfendorf, Dalhausen, Bösingen, Urslingen, Rambstain und Harthausen, sambt etlichen höfen und güetern, zu Epfendorf gelegen, und den
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aignen leuten abkauft, und ist der kauf umb fünfhundert guldin reinisch in münz, mit bewilligung und zulassen bischof Otten von Costanz, beschehen; actum zinstags post oculi anno vierzehenhundert neunzige. Solche zehenden, lehenschaften und güeter hat hernach herr Gotfridt die zeit seins
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lebens mit guter rhue ingehabt, das er in kain span mit dem alten Conradten vom Stain, seitmals sie von jugend auf ainandern gekennt, auch vil kurzweil und gesellschaft zusamen gehabt, komen. Nach desselben Conradts absterben haben seine zwen sön, Wolf Schwenninger und Wolf Sigmundt,
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alle irs vatters erbschaft, wiewol er iedem ain schlos und dorf, auch ains zimlichen vom adels narung verlassen, in kurzen jarn dermaßen verschwent, das sie baide in großer armuot, der letst aber under inen, Wolf Sigmundt, als er den hunger leiden müßen, ist er von herzog Ulrichen von
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Wirtenberg geen Maulbrunnen verpfrindt worden, ellendclichen gestorben und verdorben sein. Obgemelte [A170b] lehenschaft des kirchensatz, der pfarr und früemes zu Epfendorf sampt angezaigten zehenden sein noch heutigs tags der herrschaft Zimbern vor Wald einverleibt. Wohin dann die
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lehenschaft des schlos Schenkenberg sambt dessen zugehörden verwent, auch wie damit gehandelt, davon wurt hernach an gepürlichem ort meldung gethon werden.