Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 61

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aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 415–422
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[415]

Von etlichen handlungen, so herr Wörnher freiherr von Zimbern mit Österreich, Würtenberg, Pettershausen, Lupfen und andern gehapt.

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Es ist herr Wörnher von Zimbern ain gute zeit grave

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[416] Ludwigs von Würtenberg rat gewesen. Auf ain zeit hat gedachts graven forstmaister bei Weil der stat gebaist, der ist mit aim burger von Weil, so ungeverde dozumal im feldt gewesen, dermaßen zu unfriden worden, das die andern
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burger zugeloffen, irem gesellen geholfen, und ist der vorstmaister übel geschlagen darvon komen. Dise misshandlung hat gedachter forstmaister grave Ludwigen von Würtenberg, der dann zu Aurach dozumal gewesen, fürgebracht [209] und mit etwas pesserung, auch mit meren umbstenden,
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dann villicht die sach an ir selbst gewesen, clagt. Der hat sollichs so hoch zue herzen genomen, das er im endtlich fürgesetzt, noch dieselbige nacht gemelte statt Weil mit macht zue überziehen. Demnach [A160a] aber herr Wörnher dozumal zu Urach und bei gedachtem von Würtenberg
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in großem ansehen, hat in grave Ludwig allain in sein gemach gefordert und ine aus besonderm vertrawen nach der lenge seines fürnemens bericht, darauf gefragt, wie im der anschlag gefalle. Herr Wörnher hat im ain kamerknaben, so ongeverde im gmach beliben, ain brinnend liecht bringen
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haißen, welcher das gebracht. Das hat grave Ludwigen nit wenig verwundert, was er damit anfahen welle. Indes hat herr Wörnher mit der prinnenden kerzen allenthalben im gmach umbher zünt, derhalben graf Ludwig, zu zorn bewegt, in großer unduldt gefragt, was er doch damit
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bedeuten welle. Do hat im herr Wörnher geantwurt, er such ain kaltsinnigen herren, den er doch nit finden kinde; hat darauf das frech fürnemen dergestalt widerraten, das graf Ludwig von seinem unbedächtlichen fürnemen gestanden, und in wenig zeit hernach ist die handlung in der güete
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vertragen worden. Als herr Wörnher bei herzog Sigmunden von Österich zu hove gewesen, hat sich ainsmals begeben, das gedachter herr Wörnher von ainem hofrat, genannt der Tschan, bei herzog Sigmunden haimlichen verclagt und dargeben ist
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worden, also das der fürst ain große ungnad zu im getragen, welches nu herr Wörnher wol spürn, auch angesehen seiner getrewen und geflissnen diensten, die er gedachtem fürsten und dem haws Österreich von jugendt auf bewisen, nit gering erwegen hat. Derhalben er im auf ain zeit
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fürgenomen, zum fürsten allain sich zu verfüegen und bei demselbigen aller notturft nach sich zu entschuldigen. Wie er aber zum gmach komen und hinein begert, ist im von aim

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[417] thürhüeter [A160b] (der dann wol gewist, wie herr Wörnher in ungnaden) der eingang des gemachs versagt, und wie er daruf trungen, geweret worden, welches in so hoch erzürnt, das er den thorhüeter bim haar aufgehaben und die stiegen
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zu nechst darbei hinab geworfen hat; darauf zum fürsten gangen, den er dann allain im gmach gefunden. Wie nu derselbig ab seinem komen sich etwas bewegt erzaigt, hat doch herr Wörnher angefangen zu reden und gesprochen, er hab ain gute zeit wol spüren mögen, das er (doch
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unverschuldter weis) gegen seinen fürstlichen gnaden versagt worden, derhalben er underthenigclich pit, im anzuzaigen, was doch die ursach solcher ungnaden, sich dester bas wissen zu verantwurten, auch wer der verlogen, unredlich orenplaser, damit er sich hinfüro vor demselbigen zu hüeten
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wisse, mit mererm anhang, das sein fürstlichen gnaden solchen merentragern hinfüro nit so leichtlich glauben geben, sonder der sachen zuvor ain vleißige erfarnus haben. Dise rede und entschuldigung hat herzog [210] Sigmundt zu gefallen angenomen, im darauf die hand gepotten und gesagt,
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das solche ungnad aufgehebt etc. Hernach ist herr Wörnher in größerm ansehen und eheren bei ernenntem fürsten gewesen, dergestalt das hinfüro niemandts gegen gedachtem fürsten in zu versagen sich understanden. Uf ain zeit ist gedachter herr Wörnher bei etlichen
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priestern an dem markt zu Möskirch gesessen; indes ist Wilhelm von Reischach, der dann her Wörnhern vill hochmuots und widerdrieß zuvor bewisen, selbander gerust durch die stat geritten. Herr Wörnher, als er in ersehen, ist er den nechsten [A161a] ins schloß gangen, niemandts nichts
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darvon gesagt, sonder allain dem von Reischach nachgeilt, den er im feld angesprengt und, unangesehen das er selbander und gerust, geschlagen und gewaltigclichen nidergelegt und gefangen; den er doch auf sein vleisige pit widerumb auf glipt reiten hat lassen. Hernach ist die handlung durch
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ain gemain ritterschaft hingelegt und vertragen, auch Wilhelm von Reischach seiner gefengknus und glipt ledig gelassen worden. Es ist Hamman von Reischach der reichsstet, auch der grafen von Werdenberg vil und lange jar feind gewesen,
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hat auch vill reiterei wider sie braucht und vil guter thaten gethon. Ainsmals hat herr Wörnher von Zimbern hinab geen Aurach reiten wellen, do ist im gedachter Hamman

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[418] von Reischach wol gerust und mit ainer guten anzal pferdten unferr von Trochtelfingen begegnet, der dann anderst nit vermainet, es seien die graven von Werdenberg. Als aber herr Wörnher eben so wol gerust, haben baide vortrebe,
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so bald die ainandern ansichtig worden, dweil kain thail das ander kennt, mit ainandern darein gehawen. Indes sind baide herrn mit iren pferdten hernach geruckt, die on alle geferdte im angrif ainandern personlichen antroffen haben. Do hat herr Wörnher dem Hamman von Reischach sein
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harnasch dermaßen in den leib geschlagen, das er sich, wann und wohin er gemant werd, gefangen hat geben müeßen; doch hat Hamma ee sterben wellen, ee er sich zu den graven von Werdenberg geen Sigmaringen in fengknus stellen. So bald aber Hamma von Reischach sich genennt, ist er von
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herrn Wörnher gleich widerumb ledig gelassen worden, dann sie sonst allweg gut freundt gewesen; haben derhalben ainandern gnadet und mit gutem willen von ainander geschiden. * [1318] Hamman von Reischach der ist lange jhar der statt Ulm abgesagter feindt gewest und hat inen vil laids
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zugefüegt; letzstlich aber, als das stündlin kam, do wardt er von inen gefangen. Sie ließen im recht geen. Das gab, man sollt im das haupt abschlagen. Darvor aber ward die herzogin von Österreich[1], witib zu Rothenburg, von der freundtschaft angesucht, das sie für ine pitten sollt. Das
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thet sie, raiset personlichen in großer eil geen Ulm. Aber die Ulmer hetten guete kuntschaft, wolten der herzogin[2] nichs abschlagen, auch sie vil weniger gewehren; darumb, als die herzogin zun ainen thor einritt, do fürten sie den Hamman zum andern thor hinauß, schlugen ime das haupt
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ab. [1319] Damit kunten sie der herzogin ein antwort geben. Eben zu der zeit hett bemelter Hamman zwo schwestern zu Waldt im closter. Die wusten umb ires brueders unfahl und das der umb sein leben gefangen lag; derhalben verhießen sie ain walfart zu unser lieben Frawen zu der Schrayen[3]
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bei Pfullendorf. Wie sie nun den selbigen laisten (beschach eben uf den tag und zeit seiner enthauptung), do hörten sie ußer hellem himel ein großen donderklapf. Derhalben sagten inen ire aigen herzer, das es nit wol umb iren brueder

1 [419] steen wurde; verbrachten dennost ir walfart mit großer traurigkait, und in dreien tagen darnach do bracht man inen ires doten brueders leib, der wardt zu Waldt im creuzgang begraben.*

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[A161b] Ich find, das herr Wörnher vill spenn mit seinen nachparn gehabt, insonderhait mit Hannsen von Enzberg, zu Milhaim an der Tanaw gesessen; dann demnach er den wildtpann an halden an der Tanaw bis in Milhaimer thaal vom haws Österreich bekomen, wie obgehört, hat er
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denselbigen als das sein, wie pillich, zu pannen sich understanden, und wiewol er bemelten Hannsen von Enzberg mermals gewarnet, den auch mündtlich und schriftlich ersucht, sich des wildpanns und waidtwerks der orten zu enthalten, hat doch sollichs bei im nit[4] verfangen, sonder
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denselben im zu widertrieß von Milhaim aus, auch ab Brunnen dem schloß, seins gefallens mit [211] allerlai waidwerk anfahen zu prauchen. Welchs nu herrn Wörnhern ganz beschwerlich und etwas unleidenlichen sein wöllen, derhalben seinen vorstleuten und jegern bevolhen, ob sie ainiche
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enzbergische jäger oder paurn in seinem wildtpann, so waidwerk treiben, füro betreten, das sie die on weitere fürwort oder ausrede fengclich annemen und sampt den garnen, sailer oder anderm zeug, was sie dann bei inen fünden, stracks auf Wildenstain füeren solten. Sollichs beschach;
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dann in weniger zeit darnach fiengen sie etliche enzbergische pauren, namen denen die sail und garn, was sie bei inen fanden, das alles fürten sie auf Wildenstain. Und wiewol bemelter von Enzberg hernach umb erledigung der paurn, auch umb den zeug vil angehalten, kan ich doch nit finden,
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das im die garn oder sail wider worden seien. Wol hat herr Wörnher die paurn auf ain landtlöufige urfecht in wenig zeit darnach irer fengknus widerumb erlassen etc. Sich hat auch herr Wörnher sollichs eingrifs im wildtpann gegen [A162a] herzog Sigmunden von Österreich erclagt, und
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wiewol dozumal darin gehandlt, ist doch der zeit endtlichs nichts ausgericht worden, sonder also ansteen beliben und ersessen bis zu zeiten dises herr Wörnhers sone, der hat die sach soweit getriben, das im bemelter von Enzberg etwas urkundt geben, im wildtpann an halden etc. kain gerechtigkait mer
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haben, welche urkundt noch vorhanden.

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[420] Mit Hansen von Bubenhofen hat herr Wörnher vill spenn und irrung gehabt, dann ir baider herschaft und güeter allernechst an ainandern gestosen, zudem hat Hanns von Bubenhofen den zehenden zu Geislingen von herr Wörnher zu
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lehen nie empfahen wellen, unangesehen das seine vorfarn den von alter here zu lehen von der freiherrschaft Zimbern gehabt, desshalben herr Wörnher in große rechtvertigung mit im kam. Dozumal war Hanns von Bubenhofen in aim guten vermögen, dann Hettingen und Gammertingen,
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dessgleichen Falkenstain und Geislingen mit dero iedes zugehörden het er alles allain one verschriben und frei aigen; auch ward er würtenbergischer landthofmaister, derhalben er sich ganz prachtlich und übermüetig hielt. Man sagt, herr Wörnher hab im auf ain zeit erpoten, demnach sie bis
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anher etlich jar in spennen und irrungen der anstöß halben mit Falkenstain, dem weiler Krayen- und Rheinhainsteten gestanden, soverr dann ime gelegen, welt er im iezernempte schloß und dörfer zu hinlegung deren spenn und zu erhaltung guter nachper[A162b]schaft abkaufen und die wol
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bezaln. Darauf soll im Hanns von Buobenhofen wider zuempoten haben, im seien dise güeter nit fail, soverr aber ime, herr Wörnher, Möskirch die stat sampt der zugehörigen herschaft fail were, welle er ine darumb mit parem gelt entrichten und zufriden stellen. Und fürwar, solch parschaft
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und ligend güeter, die er verlassen, sein gleichergestalt, wie er die bei seinen lebzeiten zuwegen [212] gepracht, auch wider nach seinem absterben dahin gangen, wie man gemainclich phlegt zu sagen: «Male quesita male dilabuntur[5]»; dann er zwen sön, Hanns Casparn und Wolfen, verlassen,
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dise haben ire güeter in kurzen jarn dermaßen so überflissigclich verschwent und verthon, das inen baiden letstlichs leibsnarung abgangen und in großem elendt und armuot ir leben haben enden müeßen. Umb die jar ain tausent vierhundert sibenzige hat herr
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Wörnher mit grave Sigmunden von Lupfen so vil gehandelt, daz im derselb die lehenschaft zu Boll im Madach, welchs dozumal Caspar von Hewdorf von der herschaft Stüelingen zu lehen inhet, zugestelt hat, dargegen herr Wörnher ain ander lehen, so Ruodolf von Fridingen inhat, inhendig zu
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machen versprochen; hierauf dann graf Sigmund Casparn

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[421] von Hewdorf seiner lehensphlicht erlassen, mit beger, das er die lehen füro von herr Wörnhern empfahen welte. Das ist nu nit beschehen, sonder hat sich bis in das fünft jar verzogen. Hiezwischen herr Wörnher bemelten Hewdorfer
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mermals umb die lehensphlicht ansuchen lassen, der sie doch zu letst unlangs vor seinem absterben erstatet. Nach [A163a] seinem absterben haben die Hewdorfer, seine erben, das lehen von herr Wörnhern weiter nit empfahen wellen, sonder mit grave Hainrichen und grave Sigmunden von Lupfen,
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gebrüeder, sovil praticiert (wol zu achten, sant Johanns mit dem guldin mund sei im spil gewest, dann die Hewdorfer ihe nit zimbrisch lehenleut sein wellen), das dieselben von Lupfen, unbedacht irer übergebnen brieven und sigel, hern Wörnhern wider ab dem sail gefallen, ime geschriben und
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ire übergabbrief wider erfordert, mit beger, herr Wörnher welle sich hinfüro des hewdorfischen lehens weiter nit underziehen, noch das verleihen, dann sie in rat erfunden, das sie solch lehenschaft one vorwissen irer lehenmenner nit befuegt oder macht gehabt zu vertauschen oder hinzugeben;
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woverr aber er vermaine, solchs nit schuldig sein, mög er desshalb mit inen baiden vor irem lehengericht fürkomen. Sollichs hat sich herr Wörnher gewideret und erpotten, ob sie in anforderung dises lehens halb nit erlassen, sei er urpietig, mit inen vor herzog Sigmunden von Österreich und
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seine hofrät, oder vor graf Ulrichen von Würtenberg und seine hofrät, ald vor graf Conradten von Fürstenberg und her Georgen freiherrn von Gundelfingen, oder vor den stetten Costanz und Überlingen etc. fürzukommen, daselbst welle er inen rechts und aller pillichait nit vorsein[6], dann im ganz
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beschwerlich und ungelegen, umb sein aigenthumb vor iren lehenmennern in recht sich einzulassen. Nu haben baid gebrüeder von Lupfen diser, auch anderer lehensachen halb ain lehentag zu Engen gehalten; do hat her Wörnher denselben geschriben und sie aller handlung bericht, mit
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angehenktem begern, in [A163b] diser handlung still zu steen und mit nichten zu procediern etc. [213] Hierauf die von Lupfen widerumb mit vorigem begern replicirt, ob aber er, herr Wörnher, solchs ie nit thon, wellen sie mit im vor bischof Otten von Costanz, oder vor Hanns Jacoben von Bod-

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[422] man, rittern, desshalben fürkomen etc. Was nu hierinnen weiter gehandelt, mag ich nit wissen, dann der mererthails alter handlungen durch sonder unfaal, nit zu clainem nachtail des zimberischen geschlechts, dem Vulcano zuthailt
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worden, derhalben, was durch schickung des glücks noch verhanden, mueß aus lauteren fragmenten gezogen werden. Man findt noch in etlichen missifen, das herr Wörnher umb die jar Christi vierzehenhundert und zwaiundachtzige spenn mit apt Hannsen von Petershausen gehabt von wegen
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des vogtsrecht zu Beichtlingen, auch das derselbig apt Hans etlich spitzwort von herr Wörnhern solt geredt haben; item so soll auch bemelter apt ain tausend guldin gegen herrn Wörnhern vor bischof Otten von Costanz verwettet und verloren haben. Was austrag aber dise handlungen gehabt,
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ist auch in vergessen kommen[7].



  1. herzogin von Österreich] s. unten nach dem register.
  2. herzogin] hs. herzin.
  3. Schrayen] über Maria Schray vgl. Walchner, Pfullendorf s. 34 und 147.
  4. im nit] im fehlt in B.
  5. dilabuntur] hs. dilabantur.
  6. vor] bis vorsein [z. 29] abgedruckt bei Riezler, Fürstenb. Urkundenbuch III, 409.
  7. kommen] von hier an fehlen in A die blätter 164—167.