Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 51

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aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 319–329
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[319]
[A126b] Wie herr Johanns von Zimbern seine enkl
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auferzogen, auch wie er auf dem Howberg von ainem filhe verletzt worden, dessen er unlangs hernach sterben müeßen, doch zuvor seine herschaften seinen enkln vorm hovegericht zu Rottweil vermacht.
Demnach nu herrn Johannsen von Zimbern sein
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gemahel, auch sein son und sein dochter von Werdenberg gestorben, ward er gar ain ernsthafter, gotsferchtiger mann, dann gleicherweis, wie er alle seine tag der welt gedient, sein jugendt für ander seins gleichen in weltlichem pracht und wollust verzert, auch die fürnempsten turner, so bei
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seinen zeiten gehalten, besucht, als namlich den turner zu Bamberg anno ain tausendt dreihundert[1] zwaiundsechzige, mer den turner zu Esslingen anno ain tausendt dreihundert vierundsibenzige, mer den turner zu Schaffhausen anno ain tausendt dreihundert zwaiundneunzige, also schickt er sich
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nu in seinem altar ganz und gar zu Got. Damit er aber an sollichem seinem fürnemen dester weniger verhindert,

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[320] thet er den eltesten under den jungen herrn, seinen enkln, so bald er ain wenig erwachsen, zu grave Ulrichen von Wirtemberg, der ain son was grave Eberharts von Würtembergs, bei dem iezgedachter herr Johanns von Zimbern also
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angesehen, das er im verpfendt, was er wolt, und es widerumb lost, wann er solchs begert. Noch waren der jungen geschwistergit fünf, herr Gotfrid, herr Conradt und drei[2] fröle; denen hielt er ain edle frawen, war aine vom hof, die was ir zuchtmaisterin und erzoch dise fröle zu
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Mösskirch bis nach seinem tod. Herr Conradt wardt achtzehen jhar alt und dermaßen durftig, das man [172] in alle die zeit seins lebens mit heben und legen, essen und trinken und aller anderer wartung halten must, wie ain jungs künd. Er kund nit steen, nit reden, noch gar nichts bedeuten, und
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was doch von leib und gestalt so schön, das man kaum achtet, von angesicht, von har oder von allen seinen glidern, im iemandts het megen vergleichen. Er starb im jhar 14 . . und ward zu Mösskirch begraben. Er ist sein lebenlang nit mehr dann ainmal, als deren mägt aine, so auf in warten
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haben sollen, ain furz unferr von im gelassen, lachen gesehen worden. * [1533] Bei unsern lebzeiten hat der curfürst zu Menz ain kuchenmaister zu Erdfort gehapt im hof, genant Friderich Kuch; derselbig Friderich het ain döchterlin, genannt
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Elsbeth, die het von jugendt kain wort nühe reden künden, also das die eltern besorgt, sie wurde ain stumin bleiben. Das ist also bestanden biß in das sibent jar; do het man ain lebendigen lewen gen Erdfort gepracht. Wie man nur pfligt, das menigclichen zulauft, do ain seltzams thier oder
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sonst was ungewonnlichs uf der ban, das beschach aldo auch. Diser kuchenmaister gieng mit seiner hausfrawen, auch dem andern gesindt, uf den markt und namen ir stumendt sibenjärigs döchterlin auch mit. Wie bald aber das döchterlin den lewen ersicht, wiewol es sein lebenlang
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kain wort nie het geret, so facht es doch in ainem schrecken gleich mit verstentlicher stimm an zu reden, sprechend: »Ho fatterle, ain großer aff«, und hernach hat sie deglichs

1 [321] in der sprach zugenommen, das sie perfect, wie ain ander mentsch, hat geret. *

Herr Gottfrid kam erst nach seins anherren todt an seines brueders, herrn Wörnhers, stat zu grave Ulrichen
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von Würtemberg; dann gedachter herr Wörnher zu herzog Sigmunden von Österreich an hof komen was; so warden die zwai fröle erst nach herrn Johannsen absterben durch iezgemelten iren bruedern, herrn Wernhern, als von dem eltisten herrn ires geschlechts, verheirat. Das dritt fröle,
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Küngundt gehaißen, die die eltest under inen allen was, die verspraeh ir anherr, herr Johanns von Zimbern, ainem freiherrn von Stoffeln, aber sie starb zu Wildenstain, ehe die hochzeit und beischlaffen beschach, in ainem gemainen landtsterben. Wie gehört, das herr Johanns denen dreien
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frölen zu lieb, auch herrn Conradten, irem bruoder, auß notturft zu Mösskirch haushalten mueste, het er doch für sein person nit wenig gesündts zu Rottweil in seinem aignen haus, in dem Sprengerort gelegen, daselbst er auch ain haushaltung. Er verordnet im, auch weilundt seinem
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gemahel, fraw Kunigunda, dessgleichen seinem herrn vatter und fraw muotter seeligen, auch allen seinen vorfarn und nachkomen, ain jharzeit geen Mösskirch in der pfarr zu Sant Martin, das alle jhar zu viermaln, uf die vier fronfasten, mit allen priestern begangen soll werden, anno domini 1433.
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Auch hat er ain aigne caploni in gemelte kirchen in sant Jörgen capellen, darin er der herrschaft Zimbern ain aigne begrebtnus gemacht het, gestift, anno domini 14 . .; item ain andre caploni zu unser lieben Frawen jenet der Ablach, anno domini 1431; noch ain caploni in das stöttle Hayingen[3]
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auf der Alb, in die pfarrkirch daselbst, welches stöttle von seiner fraw mutter seeligen, der von Gundelfingen, an in komen war, actum anno domini 1404. Item er stiftet ain ewig liecht geen Mösskirch in sant Jörgen capellen und ain anders geen Dietershofen, anno domini 14 . .; sollichs alles
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verordnet er, bei seinem leben gehalten zu werden. Mer stiftet er ain caploni geen Seedorf, auch in das schloß, anno domini 1432. Diser fundation baider caploneien hat in iezbemeltem jhar Julianus cardinalis sancti Angeli, des bapsts Eugenii quarti legat auf dem concilio zu Basel,
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confirmiert und bestettiget. Des unangesehen hat der pfarrer

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[322] von Tunningen, so der zeit gelebt, solche fundation und stiftung der zwaien pfrunden zu Seedorf und Herrnzimbern, sovil im möglich, verhündem wellen, von wegen das von alter her, demnach die herrschaft Zimbern vor jharen
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verderbt und in ain [173] abgang komen, von baiden orten Tunningen als die recht pfarr besucht worden; und wiewol auß solchem spann erwachsen, hat doch herr Johanns, damit sich der pfarrer seiner pfarrlichen recht halben billich nit beclagen mege, mit dem pfarrer, auch den edelleuten
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von Kürneck, der pfarr castenvögten, wie es hinfüro in allweg gehalten werden solle, sich güetlichen vertragen. Dises herrn Johannsen von Zimbern vatter, herr Wörnher, hat bei seinem leben ain friemess, die allweg die erst im Predigercloster zu Rotweil solt ains ieden tags gehalten werden,
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gestift, dieselbig stiftung er aber bei seinem leben nit ohne ursach widerrueft. Do haben die münch zu fürderung irs geiz herrn Johannsen von Zimbern, seinen son, dahin vermögt, das er seins herrn vatters, nit on bewegliche ursachen cassierte stiftung wider von newem ratificiert, auch zu
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mehrer bechreftigung die vor dem kaiserlichen hovegericht anno domini 1385 bestettiget hat. Nach disen handlungen allen, dieweil er auf sein alter komen, bedacht er, als ain weiser herr, das villeucht nach seinem absterben zank und unfriden seiner herrschaften halb erwachsen megte, wiewol
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er, solchs durch den verzig seiner dochter, wie obgesagt, fürkomen haben vermaint; nochdann, zu merer sicherhait, hat er die zwo herrschaften Zimbern und Mösskirch mit allen iren zugehörden, auch alle seine pfandtschaften, ligende und vahrende hab und güeter, seinen enklen, herrn
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Wörnhern und herrn Gotfriden, gebrüedern, vor dem hovegericht zu Rotweil vermacht, auch wie es nach seinem absterben in anderwege in der herrschaft gehalten, sonderlich das ainer ieden seiner enklinen, deren zwo gewesen, drei tausendt guldin in golt zu ehesteur gegeben sollten werden,
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geordnet. Solchs ist im jhar nach Christi gepurt 1439 vor grave Hannsen von Sulz, kaiserlichen hoverichter, mit gepürlichen ceremonien und rechtlichen solenniteten beschehen etc. Im andern jhar hernach hat sich begeben, das vil
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bemelter herr Johanns von Rotweil geen Mösskirch reiten wolt und iezundt auf den Hewberg unferr von dem dorf Bettingen komen, liefen gegen im ungestimmer weis etliche feltross,

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[323] so daselb hin auf die waid getriben waren. Von denen selbigen verletzet in ain filhe in ain pain, angesichts und in gegenwurtigkait seiner diener, die sollichs nit erweren oder darvor sein kunten. Als er nun geen Mösskirch kam
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und alda ain kurze zeit gewesen, ward der schad ime an dem pain, von dem fülhe beschehen, sich üblen, und das name an im so vast zu, das er befandt, die zeit seins abschaidens von diser welt sich nahen; derhalben er eilendts seine baide nepotes, herrn Wernhern und herrn Gottfriden,
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die derselbigen zeit einlendig und bei ainandern waren, beschickt; denen übergab er die herrschaften und ließ inen die armen leut und hünderseßen gewonnliche huldigung thuon, gab inen darzu vil nutzlicher leren, das sie sich freundtlich und brüederlich mit ainandern halten, auch die
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herrschaften güetlichen, ohne zank thailn, sonderlich aber, wie sie sich mit [174] iren freunden, nachparn und underthonnen halten sollten. Als aber sich nahet die stund seines todts, ließe er sich auß seim gemach in ain clains, unachtbars pfisterstüblin tragen, daselbst sich mit den hochwürdigen
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sacramenten versehen. Darnach ließ er sich auß dem bet auf die erden, die er mit eschen überseen hieß, legen; das banzer, so er alle seine tag gewon was zu fieren gewesen, hieß er im für ain kissin under sein haupt legen, und also name er mit großer rew über seine sündt, andacht und
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gedult ain vernunftigs und sonder zweifel ain selligs ende, mit großer clag aller der seinen, ain mann auf die hundert jhar alt, anno domini 1441, im Januario uf s. Agnesentag. Er wardt zu Mösskirch in sant Jörgen capellen, die er gepawen, zu seinem herrn vatter, mutter, gemahel, son und
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enkel begraben. * [1226] Bei lebzeiten bemelts herr Johannsen freiherren zu Zimbern des eltern hat sich ain wunderbarlicher fall in ainem großen sterbendt zu Mösskirch begeben. Bemelter sterbendt ist anno 14 . . gewesen, der hat vil mentschen
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ab diser welt [1227] genomen. Der zeit hat Haug von Hausen mit seiner hausfrawen, war aine von Winenden, zu Mösskirch gewonet. Was nun die ursach, das er sich den sterbendt zu Mösskirch begreifen lassen und nit zu Hausen an der Tonaw, als einer ainode, gewonet, das ist vergessen
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worden, mag grundtlich nit angezaigt werden. Disem Haugen von Hausen ist sein hausfraw, die von Winenden, an dem gebresten der pestelenz auch krank worden, und ob sie

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[324] gleichwol guete wart gehabt, auch mit der arznei allerlai mit ir versucht, iedoch ist sie (anders ir huswirt, der von Hausen, und alles gesünd vermaint oder gewist) des legers gestorben. Es sein alle todtzaichen bei ir gewesen, dann
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alle empfindtlichkait, auch naturliche werme von ir entwichen. Wie nun der zeit, und auch lange jhar hernach die weihelege oder kirchhof zu S. Martin bei und umb die kirchen gewesen, het man domals etliche große gruoben uf den kirchhof gemacht, darin man die abgestorbnen[4] haufecht
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begrueb, wie dann auch heutigs dags noch in andern stetten mehr beschicht, so dise krankhait also überhandt nimpt. In deren grueben aine ward die von Hausen sampt sonst noch dreien abgestorbnen personnen gelegt. Ir hauswürt, der von Hausen, het ir in disem zugestandnen laidigen fal
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ungeferlich zwen der bösten röck lassen anthon, auch iren mehelring an den finger stecken; damit ward sie zu grab getragen. Wie sie nun mit andern todten in die grueben, wie obgemelt, gelegt, nam ainer under den todtengrebern des rings, auch der gueten kleider war, betauret ime, das
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sollichs also verloren und im boden[5] verderben und bleiben sollte; derhalben verschuff er, das die gruben selbige nacht mit britter gedeckt wurden, ob villeucht den nachgenden morgen mehr abgestorbner darzu kemen. Aber in der nacht schleicht er, als niemands uf dem weg, uf den kirchhof,
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der mainung, die gueten röck sampt dem guldin ring der frawen abzeziehen und mit sich heim zu nemen. Wie er nun die britter ab der gruben hinweg nimpt, steigt er hinein, findt die edelfraw under andern abgestorbnen, der zeucht er den obern rock ab; wie er aber ir den guldin
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ring auch ab dem finger nemen will und doch zweifelt, ob es die recht seie, auch derhalben mit sich selbs redt, so befindt sich, das die guet fraw, sonder zweifel ußer der gnad und barmherzigkait des allmechtigen, wider zu ir selbs komen, wie dann in gleichem fall an andern orten mehr
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beschehen. Die wurt ab dem abziehen und bewegung wider ermundert, kompt ir die gedechtnus, sprücht mit verstendtlicher stim zu dem todtengreber: »Guet fründt, bindt mich gar uf!« Ab diser red und ungewonlichen sach erschrickt der todtengreder, in maßen daß er der frawen den rock,
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den er ir ußgezogen gehabt, auch die gruben also unver-

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[325] deckt verlast, fleucht eilendts darvon, thuet sich zu haus und last Got walten. Die guet fraw richt sich in der grueben uf und mit großer müehe, ganz beschwerlichen, kompt sie ußer der grueben, geet in der nacht zu ires junkheren
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behausung, darin sie hievor gewonet het. Sie klopft an und nempt sich, darab der von Hausen, ir hauswirt, auch alles gesündt, höchlichen erschracken, auch nit anders vermainten oder darfür hetten, dann es were ain gespenst und trugnus des bösen feinds; wolten sich wider zu ruhe thuon. Aber
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die guet fraw wolte nit nachlassen, het ihe lenger, ihe größer geschrai. Das trib sie so lang, sagt auch so guete warzaichen, mit darbietung des rings und wie es ir mit dem todtengreber ergangen, [1228] das letzstlich ir hauswirt alle forcht von im legt, thet ir uf, empfacht sie wider mit frewden.
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Nachdem aber ir hauswürt, Haug von Hausen, erkundiget, wer der todtengreber, durch den sein hausfraw also uf das mal bei dem leben erhalten, hat er nachgendts denselbigen und alle seine kündt die überigen zeit seins lebens allerdings erhalten. Bemelte von Wineden hat hernach noch drei
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jhar gelept, da hat sie Gott auch zu seinen gnaden berueft[6]. Es hat sich auch ain gleichförmige sach bei unsern zeiten mit der alten grevin von Lupfen, war ires herkomens ain geporne schenkin und freiin von Erpach, begeben. Die selb ist ains mals in ainer krankhait in ain solche onmacht
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gefallen, das sie etliche, und nit wenig, stunden also vor todt one alle empfindtlichkait und anzaig einigs lebens gelegen, das auch die arzet und andere kain weiters nachdenkens oder hoffnung ires lebens haben künden, sonder genzlich darfür geachtet, sie seie schon lengest hinüber. Als man
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sie aber, wie gebreuchlichen, einnehen, hat aine under denselbigen alten weibern ohne geferd wider ein kleine werme bei ir empfunden, welches sie gleich angezaigt. Also ist sie mit warmen diechern gerüben worden, auch anders mit ir nach verordnung der arzet gebraucht, das sie fein wider
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zu ir selbs komen, der krankhait zum theil genesen und hernach etwas mehr dann noch drei jhar gelept hat und erst anno 154 . gestorben und zu Engen begraben worden. Sie hat ain solchs wunderbarlichs anligen gehabt, das ich mehrmals von irem vertrawtesten arzet, doctor Antonio
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Klumppen, gehört, das er ain solchs anligen in allen seinen

1 [326] büechern nie erfunden, sonder hab das zu ainer langwirigen gedechtnus in seine büecher (doch one benennung der personnen) registrirt und inverleibt. *

* [1432] Ein sollichs mag auch ainer herzogin von
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Schwaben begegnet sein, hieß Adelundis[7], war des grosen kaiser Carls gemahel, der Hiltegardis, schwester; die hat den freien stift[8], aldo sie auch begraben worden, [. . . ,][9] und dieweil der stift etlich mal verbronnen, insonderhait anno etc. 1032, 2a idus Junii, do hat man auch vil monumenta und allerhand
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antiquiteten verloren, under andern[10] auch der stifterin grab, das hat niemands mer grundtlichen wissen künden, und wiewol hernach die aptissinen mermals inen fürgenomen, sollichs zu suchen, so hats doch kaine wagen dörfen, sonder besorgt, do es felen, sie wurde ain spott darob erlangen. Aber die
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abtissin von Gundelfingen ließ sich nichts irren, sonder bei eiteliger nacht und ganz verborgenlich ließ sie in der kürchen suchen und graben, wie dann von den alten ain leumat war, do die stifterin sollt begraben sein, und es ist ir auch geraten, das sie das corpus gefunden; aber es ist uf aim
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elenbogen an ainer seiten gelegen, darbei man abnemen mögen, das sie noch nit dodt gewest, wie sie begraben, sonder villeucht in ainer großen extasi oder onmacht also übereilt worden. Also ist es auch vor jaren mit dem eltern[11] grave Eberhart von Sonnenberg ergangen, dergleichen mit aim herr
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von Brandis, darumb menigclich [1433] in solchem fal sich wol hat fürzusehen. Es ist nit vil glicks darbei, da man also mit den kranken leuten zur begrept eilen thut. Bei kurzen jaren ist ain schene junkfraw zu Haidelberg gestorben und begraben worden, von der sagt man, das [man][12] sie im
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grab, gleich des andern tags ires absterbens, hab heren schmatzen und schnufen, das solchs vil erlicher leut haben warhaftigclichen gehert. Wie nur ir aigner vatter das erfaren, hat er das grab öffnen und den grund erkundigen lassen, hat aber weiters nichts, dann das corpus also dodt
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gefunden. Man hat das grab wider zugescharret, und gleich darauf ist ain leumat[13] und geschrai ußgangen, das ir dise peen allain der ursach halb begegne, seitemal sie bei irem

1 [327] leben so rauh gegen iren liebhaber gewest und die alle, so iren zu der ehe begert, ußgeschlagen und verachtet. Also hat der teufel hin und wider seine vasnachtleut.

Vor jaren, bei zeiten des eltern königs[14] Francisci von
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Frankreich und bei regierung seines sons, könig Hainrichs, war in Frankreich und am hof nichs mer sünd oder unrechtens, dann ain solliche weipliche schamhaftigkait. Was das für ain erbers regiment bracht und ain zucht im land erhalten, das ist wol zu erachten. Man sagt glaublich, könig
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Hainrich hab ain schene dochter allein der ursach, das sie aim türkischen ambasiador sich verwideret zu willen werden, darzu er sie verordnet, in aim zorn umbracht. Das sollt fürwar gehorsam leut im frawenzimmer geben haben. Solch hendel sein ime nit seltzam oder ungewon gewesen. Als
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er nach absterben seins herr vatterns in die regierung getretten und auch ins herzogthum Anjow kommen, gen Angiers, in die hoptstat selbigen fürstenthumbs, alda es dann über alle maßen schene weibbilder hat, was sollt beschehen? er ließ ain turnier und gestechen im schloß daselbst anrichten,
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seitmals darin ain großer, weiter hof ist. Es kammen die furnembsten weiber und jungkfrawen sampt etlichen burger auch hinein, die ließ man mit willen passiren und dem ritterspil zusehen. Uf den abend gaben etlich, so vom künig darzu beschaiden, den mannen erlaubnus, sich wider in ire
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heuser zu begeben, aber under dem weiberfolk do warden under ainer großen anzal zehen oder zwelf ußgehemlet, so die schenesten; die warden geladen, thor beschlossen, und mußten dieselbig nacht im schloß bleiben; zu achten, es seie iren ains thails nit so gar unlieb gewesen. Was sie
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dieselbig nacht haben müeßen verrichten im schloß, das kan kainer grundtlichen sagen, aber doch wol zu gedenken, sie haben nit im bret gespillt oder holz müeßen scheuten, sonder ir steur auch zum nachtturnier thun müeßen. Die Chremetes haben müeßen stil schweigen und zufriden sein.
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Am morgen hernach, apres le desjuni[15], hat man inen ire weiber und döchter widerum zukommen lassen. Wer wolt auch bei so frommen leüten, als könig Hainrich und etlich seiner cardinäl und familiarn, was args oder bes künden gedenken; zu dem, sy beschehen, was do welle, so hat es
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doch inen Got lob am spinnen nichts geschadet. *

1

[328] * [1241] Umb die jar ongefärlich 1445 begab sich ain erschrockenliche handlung zu Marchdorf mit zwaien handtwerksgesellen, darunder der ain von der Newenstadt uf Schwarzwald soll pürtig gewesen, gesagt und gehaißen Hans[16]
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Schwarzwälder. Hernach ist sein son, der auch ain sollichen namen gehapt, vil jar und biß an sein ende zu Messkürch seßhaft gewest, auch mertails im andern[17] jar, wie das auch die alten stattrechnungen und biecher ußweisen, zu aim burgermaister verordnet worden. Aber der älter
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Schwarzwälder, sein vatter, ist in der jugend dem . . . handtwerk nachgezogen, und, wie etwan beschicht, hat er ain mitwandergesellen gehapt, der ain sonders vertrawen zu ime getragen. Einsmals haben sie baide zu Messkürch under ainem maister gearbait, hat sich aber begeben, das des
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Schwarzwälders gesell unversehens krank worden, welches legers er gestorben. Kurzlich aber in seiner krankheit und vor seinem absterben hat er seinem gesellen uf sein vilfeltigs begeren zugesagt und hoch beteuret, da er gesterb, und es immer möglich seie, ime widerum zu erscheinen und
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anzuzaigen, wie es dort in jener welt umb ine ain gestalt hab. Also in wenig tagen hernach do ist im der gaist zu zeiten dags, zu zeiten bei[18] der naht in ainer feurigen und greusenlichen gestalt, etwan auch in der vorigen form, erschinen und hat ime darbei gesagt, er seie ewigclichen verloren.
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Diser abenteur hat er sovil getriben und ain solche unufherliche unruhe gemacht, das er den jungen man gar nahe von sinnen gepracht. Do hat kain betten, kain beiwonung gaistlicher leuten geholfen, biß man zu letsten der sachen weiters rat gehapt und ain alten münch von Sant Gallen
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bekommen. Der hat den gaist, er sy dann ain guter oder ain beser, mit großer mühe und vilem beschweren, kommerlich von ime abtreiben und verbannen künden. Man sagt, das er in vil zeiten hernach seine sinn nie recht widerumb hab erlangen mögen. Hernach aber über vil jar do hat er
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ain son, erst in seinem gestandnen alter, überkomen, welcher auch Hans Schwarzwälder gehaißen, der hat sich zu Messkürch mit haus gesetzt und vil jar das burgermaisterampt daselbst versehen, in welcher zeit seins lebens er sich als ain erlicher burger und hinderseß erwisen, das im ehrn und

1 [329] alles guten von menigclichem ist vertrawbt worden. Seine rechnungen, die er gemainer statt Messkürch gethon, sind noch verhanden. *



  1. dreihundert] die hss. haben irrthümlich vierhundert.
  2. und drei] in A fehlen die blätter 127 bis 132, d. i. eine vollständige lage, welche vom buchbinder an das ende der handschrift verbunden war, wie noch ein, jedoch unvollständiges blatt, wohl bl. 131, zeigt.
  3. Hayingen] hs. Hanngen.
  4. abgestorbnen] hs. abgestorben.
  5. boden] hs. bad.
  6. berueft] ähnliche sagen bespricht Liebrecht, Germania XIII, 161 ff.
  7. Adelundis] sie heißt gewöhnlich Adelinde.
  8. freien stift] es ist das stift Buchau; s. darüber Ströbele in den Würtenbergischen Jahrbüchern 1824, s. 388 ff.; Beschreibung des Oberamts Riedlingen s. 137 ff., und Stälin a. a. o. I, 371 u. 588.
  9. . . . ,] der satz ist unvollständig.
  10. andern] hs. ander.
  11. eltern] hs. elter.
  12. man] ergänzt.
  13. leumat] hs. leunat.
  14. eltern königs] hs. elter könig.
  15. desjuni] d. i. déjeûner.
  16. Hans] hs. Hais, s. unten z. 36.
  17. andern] hs. ander.
  18. zu zeiten bei] hs. zu zeuchten bei.