Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 44

<<< Kapitel 44 >>>
aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 245–250
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Wie hern Johannsen freiherren von Zimbern dem jungern ain grevin von Sonnenberg vermehelt, und wie vil ime die kinder geboren, auch wie er hernach von Behemen tödtlichen verwundt worden und gestorben.
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Als nu herrn Johannsen von Zimbern sone, auch herr

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[246] Johanns gehaißen, erwachsen, und fast ain starker, grader herr worden, vermehelet im sein herr vatter fröle Frenen, ain tochter herrn Johannsen truchseßen von [154] Waldtpurg, ritter, und fraw Ursulen freinen von Abersperg, im
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jar nach Christi gepurt ain tausent vierhundert achtzehene. Aber ee und zuvor die haimfierung beschehen, ist sie, wie ir bruoder, grave Eberhart, auch auf Sonnenberg von kaiser Sigmunden gegravet[1] worden, vermög ainer kaiserlichen freihait, die noch verhanden. Und ist noch ain gemainer
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leumat, die von Meskirch haben gemelte fraw Ferenen zu Meskirch nit einlassen, sie habe dann zuvor die obgeschribnen freihait erlangt gehabt. Sie gepar nachvolgender zeit irem hern und gemahel drei sön, herrn Conradten, herrn Wörnhern und herrn Gotfriden, auch drei töchtern, fröle
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Kungundt, fröle Anna und fröle Ferena. Drei jar ehe und zuvor die haimfüerung und hochzeit geschach, fieng an das concilium zu Costanz, welches von allen nationen Europae, auch von den Indianern, Moren und vilen asiatischen, libischen und scitischen völkern besucht
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ward, die den mererthail durch vilfältig, ernstlich anhalten[2] kaiser Sigmundi erwegkt, die zwispelt der römischen kirchen hinzulegen und dieselbig gemeiner christenhait zu merung und aufnemen zu reformieren sich understanden. Solch concilium wert biß in das viert jhar, darauf auch herr Johanns
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von Zimbern der elter sambt seinem son gewesen. Als aber kaiser Sigmund mit sambt dem pabst Martino, auch allen chur- und fürsten, dessgleichen den stenden des reichs, auch andern herrschaften zu Costanz widerumb aufbrachen und hinweg zogen, begab sich, das diser loblich kaiser zu
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Sigmaringen an der Tonaw bei denen graven von Werdenberg übernacht sein wolt. Als er nun geen Mösskirch underwegen kam und da neben der statt hinreiten, so bald das herr Johanns von Zimbern der elter innen wardt, der dann mit obgedachtem seinem son das concilium auch
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besucht, ließ er im gleich alsbald ain tisch für das Angerthor beraiten, also das der kaiser allernechst vor im hinreiten mueste. Als nun des kaisers hofgesünd iezund vil für in komen, und vilgedachter kaiser denselbigen nachruckt[3] und

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[247] iezundt so nach zu herrn Johannsen von Zimbern kam, das er sein seltzame dischstatt und stillsitzen gesehen mechte, welches sich herr Johanns von Zimbern gar nit annemen, noch achten[4] geberdet, darab der kaiser nit ain clains
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verwundern het, doch wolbedacht, das solchs ohne ursach nit beschehe; darumb hieß er in erfordern und begert ain bericht zu haben, was er mit seinem stilsitzen gemaint. Herr Johanns zog, wie nit unbillich, gegen dem kaiser ab seinen huet, den er biß daher aufbehalten hett, buckt sich biß
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auf die knie, entschuldiget sich underthenigclichen, das sollich sein stilsitzen Irer Majestat nit zu verklainerung oder [156][5] verachtung [A115a] beschehen; das het er aber damit anzaigen wellen, das er ain freier herr und weder Ir Majestat, oder niemants mit kainerlai phlicht oder glipt verbunden
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wer, davon auch weder lehen, oder gar nichts het, und zu gnugsamer urkundt weren im und weilandt seinem vattern die regalia und hohen gericht von kaiser Carolo dem vierten, Irer Majestat herrn vattern, hochloblichister gedechtnus, auch andern seinen vordern römischen kaisern und königen,
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seinen allergnedigisten herrn, allain us gnaden, und altem, langem hergeprachtem prauch, one alle verphlicht gegeben und verlihen worden, vermög deren brieve, die er darüber het und die er Ir Majestat hiemit zaigen was. Als nu kaiser Sigmundt sollichs verstandt, het er nit wenig verwundern
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darab, erpot sich gar vil gnaden gegen im, des Ir Majestat herr Johanns von Zimbern hinwider underthenigen dank sagt.

* [1400] Anno 1414[6], als bapst Johannes im concilio abgesetzt, sang man allenthalben in deutschen landen:

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»Christ ist erstanden,
Bapst Johannes ist uß den landen,
Dess sollen wir alle fro sein,
Das wir des böswichts los sein. Kirieleison.« *
Man findt in den alten geschichten der Teutschen, das
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ain freiher von Krenchingen, so zu Thüngen[7] an der Wuottach gesessen gewesen, dergleichen kaiser Friderichen dem ersten, genannt Barbarossa, gethon hab, darab gedachter kaiser ain solchs wolgefallen tragen, das er gedachten freiherren mit ainem lehen vom reich begabt hab, namlich das

1 [248] er und seine nachkomnen zu Thüngen eewigclichen münzen sollen und mögen, auch zu sondern gnaden seiner Majestaat bildtnus auf die ainen seiten schlahen, so zu derselbigen zeit für ain grose freihait gehalten und geachtet worden.

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Kaiser Sigmundt nam nach gehaltnem concilio etliche ernstlich züg wider die Behem für, die bishere vil irrthumb im glauben an sich genomen, auch ain merclichs plutvergießen under sich selbs geüebt heten. Dieweil aber alle stende des richs in ainer großen rüstung, schickt herr
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Johanns [A115b] von Zimbern seinen son, herrn Johannsen, wolgerust zu dem kaiser geen hove, von dannen er mit dem ganzen zeug fort in Behem kam. Als man sich aber unferr von ainer stat, Saz genannt, gelegert, und über etliche tag die obersten beratschlagten, wie die gemelt stat zu erobern,
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auch die findt, so in merclicher anzal in der nehne lagen, mit vorthail anzugreifen, begab sich, das unversehenlich an vil orten im leger feür aufgieng; derhalben, als iederman zuliefe, dasselbig zu dämmen, fielen die feindt mit macht aus der stat, dardurch dann besonder vil vom adl, auch
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graven und herrn erschossen und auf den todt verwundt wurden. Als nu der lerman erstlichs angefangen, kam herr Johanns von Zimbern mit andern graven und von der [157] ritterschaft auch an die findt; alda, wie er zu weit herfür geruckt, ward er von den feinden dermaßen umbgeben,
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das er nit weichen, oder auch ine seine diener erreten mögten. Zuletst, als sie im seinen hengst erlegt, aber nichts desterweniger große wher hinder im befunden, schußen sie so lang mit vergiften pfeilen nach im, bis er für tod niderfiel, also auch ligen blib. Als nu das feur im leger gestilt,
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und die Behem wider hinder sich triben, suchten herrn Johannsen diener iren herrn, die in nach langem suchen auf den todt verwundt und übel getretten auf der maalstat fanden. Den brachten sie nach vilgehabter mhüe wider in das leger. Wie aber in kurzen tagen hernach das leger
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aufbrach, ließe sich herr Johanns, also krank und dötlich verwundt, des er auch sterben mueste, aus Behem in ainer rossbaar haimfüern; doch wolt er nit geen Messkirch, sonder unferr davon beschickt er sein gemahel, auch sein herr vatter und seine liebe [A116a] kinder, deren er sechs lebendig
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verließ, zu sich geen Meningen, an der Ablach gelegen, welches sein her äni, weilund herr Wörnher, denen Gremlichen, nämlich Othen dem Schuoler, wie obgesagt, zu lehen

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[249] verlihen. Daselbst enthielt sich herr Johanns auf ain besserung aus der ursach: er het im vestigclich fürgenomen, nit geen Mösskirch zu komen, er het dann zuvor ain walfart zu den Ainsidlen volpracht. Das weret schier auf ain halb
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jar, das sich sein krankhait ihe vester meret und zuname, das ers die lenge nit treiben mögte, sonder starb im jar nach unsers herren gepurt ain tausendt vierhundert und dreißige, im Januario, auf sant Agnesentag[8]. Er ward begraben geen Meskirch, mit großer clag seines gemahels,
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seines herrn[9] vatterns und seiner kinder. Er ist ain seltzamer junger herr bei zeit seins lebens gewest, insonderhait gechzornig, ungotzförchtig, verthonisch, und hat so übel geschworn, das solchs über alle maß gewest; und als im sein erster son, herr Conradt, stum und lam geboren, hat sein
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gemahel mhermals gesagt, es seien ires hern schwüere und flüech, damit er sich gegen Got versündet hab; aber sonst ist er seins leibs und seiner handt ain redlicher, unerschrockner herr gewest. Seine vitia haben seinem herrn vatter ain grose beschwerd und kümernus gepracht, er hats aber alles
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mit großer dapferkait und geduldt überwunden. Vor seinem absterben, anno ain tausendt vierhundert achtundzwainzige, hat Hanns von Honburg der junger den dritthail des schlos Staufen, des dorfs Hilzingen, auch den vogteien der dörfer Weiler, Utznang, Gundelshaim, Horn
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und Hornstat, im Hegaw und der Here gelegen, so vormals die edlleut von Randenburg ingehabt, welche vom haws [A116b] Österreich lehen gewest, herzog [158] Friderrichen von Österreich aufgesagt, mit underthenigister pit, dieweil er, Hanns von Homburg, solche lehen Jacoben,
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Eberharten und Jergen truchseßen von Waldtpurg, rittern, zu kaufen geben, in solchen kauf zu bewilligen. Als nu herzog Friderrich solchs gnedigclich zugelassen, haben vorgemelte truchseßen in wenig jaren hernach (doch aus was ursachen, mag man nit wissen) solche lehen widerumb,
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namlichen irer schwester, fraw Ferena, zu kaufen gegeben; in solchen kauf herzog Friderrich von Österreich abermals gnedigclich bewilliget. Demnach hat herr Jacob, truchseß, ritter, bei herzog Friderrichen desshalben von seiner schwester wegen gehandlt und sovil erhalten, das hochgedachter herzog

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[250] Friderrich in zu ainem lehentrager angenomen, auch die lehen darauf gnedigclichen verlihen hat; sollichs ist anno domini ain tausendt vierhundert zwaiunddreißige zu Insprugg, im zwaiten jar nach herrn Johannsen des jungern absterben,
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beschehen. Hernach hat fraw Verena sich über etliche zeit widerumb mit Hannsen von Rechberg zu dem Schramberg, der die reichsstett bekriegt, verheirat. Sie nam ir heiratgut, widerlegung und morgengab, auch den pesten thail der farenden hab mit sich. Demnach het sie iren sitz zu
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Gamertingen auf der Alb, das was ires hauswierts, Hannsen von Rechbergs. Sie gepar im ain son und ain tochter; der son hieß Hainrich, der überkam kunftig zu ainem weib fröle Anna freiin von Schwarzenberg aus dem Breisgew, des letsten freiherren, herrn Johannsen Wörnhers, tochter. Die pracht
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im zu Schwarzenberg das schlos sampt denen thelern und dem stetlin Elzach. Die dochter, Barbara gehaißen, ward vermehelet Jacoben [A117a] von Falkenstain, zu Vilingen, herrn Erharts, des letsten freiherrens von Falkenstain, son. Darnach bald starb dise fraw Ferena; die ward von
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Gammertingen hinauf geen Eisne in das closter gefüert und daselb bei iren altvordern begraben.



  1. gegravet] die urkunde ist abgedruckt bei Matthäus von Pappenheim, Chronik der Truchsessen von Waldburg II, 139 ff.
  2. anhalten] blatt 114 fehlt in A.
  3. nachruckt] hs. nachruckh.
  4. achten] hs. achtet.
  5. 156] auf s. 155 stehen die wappen von Zimmern und Sonnenberg.
  6. 1414] Johannes XXIII wurde am 29 Mai 1415 zu Constanz abgesetzt.
  7. Thüngen] d. i. Thiengen.
  8. Agnesentag] 21 Jan. B hat Agnesentag durchstrichen und Lucientag darüber, der jedoch nicht in den Januar fällt.
  9. seines herrn] hs. seiner herrn.