Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 25

<<< Kapitel 25 >>>
aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 116–120
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Wie herr Wilhelm freiherr von Zimbern dötlich verwundt, auch kaiser Conradt die freiherschaft Zimbern mit der rotten hirßprust auf den helm begabt. Item wie das closter Frawenzimbern besetzt, und fröle Beatrix von Zimbern darin den orden angelegt hat.

[84] Im sechsten[1] jar nach diser geschicht, so herren 1

[117] Albrechten von Zimbern auf dem Stromberg widerfaren, wardt herzog Conradt von Schwaben nach absterben kaiser Lotharii des andern mit ainhelliger stim von allen churfürsten zu römischem künig erwelt. So bald sollichs bapst
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Innocentius, der ander des namens, gewar, besorgt er, so iezgedachter könig Conradt in Italiam, die kaiserliche cronen zu erlangen, keme, das er dann gleich alsbald das königlich Siciliam widerumb [A61a] zu dem römischen reich [zu] bringen unterstehn wurde, welches diser gaistlich vatter und
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nachvolger sant Petters listigclich und durch wunderbarliche welsche prattiken an sich gebracht het. Dasselbig zu fürkomen, richtet er an, das herzog Hainrich von Bayern, der ain dochterman was weilund kaiser Lotharii, auch desselben brueder, herzog Welphen, so auch ain guten thail an dem
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landt zu Schwaben inhet, sich wider disen loblichen könig treffenlich setzent, im vil hochmuots und ungehorsame bewisen. Zu solchem wurden sie von dem römischen Antichristo und erzbuben Innocentio, der pillicher zu friden und ainigkeit solt geraten haben, verursacht und besoldet.
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Derhalben rüstet sich auf ain zeit herzog Fridenreich von Swaben, könig Conradts brueder, so best er möcht, zog mit aim großen raisigen zeüg, auch aim merklichen fuesvolk herzog Welphen entgegen. Unferr von Nerishaim, im Rieß gelegen, da geschahe ain grose schlacht, dann herzog Welpho
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nit weniger auch mit aim trefflichen großen zeug zu ross und zu fueß gerüst war, insonderhait mit Italianern, die im der bapst zugeschickt. Doch behielt herzog Fridenreich den sig und ward herzog Welphen den mererthail seins volks erschlagen, kam auch mit seiner person schwerlich darvon.
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Bald hernach geschahe zwischen iezernennten zwaien fürsten aber ain harte schlacht, da ward unferr von Weinsperg herzog Welpho erschlagen. Under herzog Fridenreichs volk waren namlich grave Hainrich von Hohenberg, dergleichen grave Herman von Sulz, herr Wilhelm freiherr von Zimbern,
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herr Craft freiher von Eisenberg und die stat Rotweil. Mit disen waren sonderlich [A61b] vil des gemainen adls ab dem Schwarzwaldt. Herr Wilhelm von Zimbern, der von jugendt auf bei dem könig auferzogen, ward in diser letsten schlacht auf den tod verwundt, das er mit großer mhüe
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lebendig außer dem getrenge und denen verwundten und todten cörpeln bracht möchte werden. Es wardt sein von herzog Fridenreichs arzet mit allem vleis gewartet; kam

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[118] darzu, das er nach großer und langwüriger krankhait widerumb reiten und geen mocht; aber bis an sein ende, das im kurzlich nahet, gewan er kain rechte gesundthait nimermer. Demnach aber bapst Innocentius [85] das ganz reich,
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den kaiser, die chur- und fürsten und gemainlich alle stende teutscher nation genugsam vexiert, angefochten und umbtriben, schicket er sant Bernharten zu könig Conradten geen Speir, welcher fast alle chur- und fürsten anno domini ain tausend ain hundert zwaiundvierzige dahin beschriben, etlich
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notturft des reichs zu beratschlagen, als ain mitler und underhendler, zwischen im und dem könig ain vertrag zu machen. Auf dieselbige zeit zieret und begabt könig Conradt die freiherrschaft Zimbern mit dem clainot auf dem helm, nemlich mit ainer rotten hirßprust und aim guldinen gehürn
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von zwölf enden, sambt ainer guldinen zungen, zu ainer eewigen und langwürigen gedechtnus der seltzamen, wunderberlichen geschicht, die herrn Albrechten von Zimbern auf dem Stramberg begegnet und widerfaren was; dann bis daher [A62a] alle freiherren von Zimbern allain das guldin
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hirsgehürn, wie man das zu Lorch in dem closter auf dem grabstain irer begrebtnus noch sehen mag, gefüert heten. Ferrer, auf vleisig anhalten herzog Fridenreichs von Swaben von wegen herrn Albrechts von Zimbern und grave Erchingers von Monhaim, besetzet sant Bernhart das new
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closter, so dise zwen herren in der grafschatz Monhaim von newem aufgepawen, mit sechzig closterfrawen, daher es Frawenzimbern genennet ward. Es kam auch darein aus aigner bewegnus fröle Beatrix, herrn Albrechtens von Zimberns dochter, die vorhin zu Waldtkirch in dem freien stift
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gewesen; die leget da den orden an, darin sie auch bis an ir ende verharret. In kurzer zeit nach dem obangezaigten reichstag zu Speir begab sich, das der hochloblich könig Conradt abermals ain reichstag ausschrib und geen Frankfurt an Mein
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leget, welchen fast der mererthail aller chur- und fürsten, gaistlichs und weltlichs standts, ersuchten. Demnach aber umb dise zeit und auch darvor der könig von Herusalem, und gemainlich aller Christen sachen, so sich in Asia nidergelassen, ihe lenger ihe erger wurden, hielt sant Bernhart
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könig Conraten, auch allen fürsten und stenden für, was stet und lender in Asia von denen ungleübigen potentaten erobret und eingenomen, das auch könig Ludwig von Frank-

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[119] reich in Siriam mit macht zu schiffen willens, Herusalem wider die feind des glaubens zu erreten. So bald solcher fürtrag gehört, ward der zug von dem loblichen fromen könig sampt dem mererthail aller [A62b] fürsten und stend
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teutscher nation beschlossen, auch in denen dreien nachvolgenden jaren vollpracht. Es zogen mit könig Conradten vil fürsten, graven und herrn, als namlich bischof Otho von Freisingen, seins geschlechts ain margraf von Österreich, des königs steifbruder; dessgleichen bischof Hainrich von
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Regenspurg[2] und bischof Reginbert von Passaw, auch her-[86]zog Fridenreich von Schwaben der jung, so hernach an das reich kam und mit seinem zunamen Barbarossa genembt worden, auch andere mer, als herzog Hainrich von Bayern und ain Welfo, item herzog Jabuslaus von Behem,
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herzog Bernhart von Kernten, ain Herzog von Lotringen, margraf Liupolt von Österreich, ain grave von Flandern, ain graf von Frislandt und margraf Odaker von Steyr. Nu wolt sich herr Wilhelm von Zimbern, den der könig weder in seiner krankhait oder darnach von im nit komen lassen
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wolt, also schwach und unvermögenlich auch zu diser loblichen christenlichen expedition rusten, aber sein fürnemen gewan aus anschickung Gottes kain fürgang, sonder die schäden und die wunden, die er in der letsten schlacht, so herzog Fridenreich von Schwaben mit herzog Welphen bei
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Weinsperg thon, entpfangen, und deren er maint genesen sein, fiengen an sich widerumb zu üblen und von tag zu tags böser zu werden. Sollichs meret sich und nam an im so fast zu, das er in kurzen zeiten, ee der könig mit dem hör aufbrach, starb. Da ward er geen Lorch gefüert und
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daselbst neben sein schwager, grave Friderreichen von Zollern, begraben im jar nach unsers herren [A63a] gepurt ain tausendt ain hundert sechsundvierzige. Im vierten jar hernach kam könig Conradt widerumb in das reich, het den mererthail seins volks durch untrew kaiser Eemanuels von
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Constantinopel, der den Hochteutschen den sig vergunnet, verloren; starb nachmals in zwaien jarn anno Christi ain tausend ain hundert zwaiundfünfzige und ward auch zue Lorch begraben. Es[3] ist under der regierung Fridrici Barbarossae und seins
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sons, kaiser Hainrichs des sechsten, ainer des geschlechts

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[120] von Zimbern, der sich graf Albrecht von Zimbern geschriben, in leben gewest, der hat die commenthurei zu Krauten, Johanniser ordens, ingehabt und ist daselbst im orden gestorben und begraben worden im jhar nach Christi gepurt
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1200 under der regierung kaiser Philipsen, auf sant Egidien tag, wie dann sein epitaphium daselbs mit claren lateinischen worten ausweiset, nemlich: »Albertus comes de Zimbern, magister in Krauten, hujus hospitalis sancti Johannis de Hierosolomitano obiit die Egidii; cujus anima requiescat
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in pace, anno domini 1200«. Wes son aber diser graf Albrecht gewesen, auch ob er ainer bsondern linien, so villeicht abgestorben sein mechte, kan man diser zeit nit wissen; es sollen aber noch heutigs tags in der bemelten commenthurei, darin graf Albrecht sein begrebtnus, allerlai
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brüefliche urkunden desshalben verhanden sein, darin guoter bericht zu erlangen. Doch ist nichs gewissers, dann das es alles ain geschlecht gewest; das zaigt an bemelts graf Albrechts schilt [87] und helm, darin ainiger underschidt, dann ain guldine crona auf dem helm zu befünden.



  1. sechsten fehlt in A.
  2. Regenspurg] hs. Regensperg.
  3. Es] bis zum schluß des capitels fehlt in A.