Zedler:Tibet, Groß Tibet, Thibet, Thibeth, Tobbath

Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Tibet, Tibeth, Tabameth

Band: 44 (1745), Spalte: 28–29. (Scan)

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Tibet, Groß Tibet, Thibet, Thibeth, Tobbath, Tobbat, Lat. Tibetum magnum, Thibetum magnum, ein Königreich in Asien, in der grossen Tartarey, welches viele andere in sich begreifft, Gegen Norden hat es die eigentlich so genannte wüste Tartarey, gegen Osten Tangut und Catay, gegen Süden den Fluß Indus und gegen Westen Usbeck. Einige sagen, es sey ein Stück von Turquestan, und so groß, als gantz Teutschland, Spanien und Franckreich zusammen. Es ist allhier 6 oder 7 Monat lang des Jahrs eine grosse Kälte, so, daß die Einwohner genöthiget werden, sich auf diese Zeit mit Proviant zu versehen; zu welchem Ende sie im Anfange des Novembers sehr viele Kühe und Schaafe schlachten, und sie einsaltzen.

Die Tibetaner halten ihre Gesetze sehr strenge, und straffen die Uebelthäter mit grossem Ernst. Sie hauen ihnen erstlich ihren rechten Fuß ab, und stechen ihnen eines von ihren Augen aus. Zwey Tage hernach hauen sie ihnen den andern Fuß ab, und stechen das andere Auge aus. Sterben sie davon nicht, so hauen sie ihnen auch ihre Hände ab.

Sie haben einen Abscheu vor dem Mahometanischen Gesetze, und wollen sich doch auch nicht Heyden nennen lassen. Ihre Priester werden Lamas genennet, und beobachten einerley Religion, wiewohl ihre Ceremonien und Gebräuche von einander unterschieden sind. Einige heyrathen, andere leben eheloß. Unterschiedliche [29] leben in Gesellschafften unter gewissen Superioren. Sie erhalten sich alle zusammen von Almosen, und gehen betteln, wiewohl viele unter ihnen reich sind. Sie glauben, daß GOtt dreye und eins ist, und nennen die erste Person Lama Conjoc, die andere Cho-Conjoc, die dritte aber Sanvuya-Conjoc.

Sie glauben auch, daß ein Paradieß für die Frommen, und eine Hölle für die Bösen sey. Die Lamas haben eine grosse Ceremonie, da sie Wasser weyhen, indem sie einige Gebete in einem Buche, so sie sehr hoch halten, darüber lesen. Darauf vermischen sie es mit Golde, Corallen und Reiß, und sprengen etwas davon in ihre Häuser um die Teuffel wegzutreiben. Ueber dieses eignen sie ihnen auch die Krafft zu, unterschiedliche Kranckheiten zu curiren, nebst andern Aberglauben.

Sie ruffen das Volck, durch den Schall einer Trompete in die Kirche, welches aber des Jahrs nur 2 mahl geschiehet. Die Lamas hingegen gehen öffters hinein, und bleiben bisweilen 3 oder 4 Monat darinnen, um zu beten, und sich mit einander über das, was in ihren Büchern ist, zu unterreden. Sie trincken aus Menschen-Hirnschädeln und haben Paternosters von Toden-Beinen, um sich dabey des Todes zu erinnern. Im Handel gebrauchen die Einwohner an statt der Müntzen Corallen. Die Königreiche welche darunter gehören, sind vornehmlich diese:

1) Das Königreich Nechbal.
2) Das Königreich Assen.
3) Das Königreich Lassa.
4) Das Königreich Belor.
5) Das Königreich Tanchut oder Tangut, und
6) Das Königreich Mogul, oder Pestrejan.

Besiehe die Beschreibung von Tibet, welche an die Historie von denen Dingen, welche 1624, 25 und 26 in Aethiopien geschehen sind, angehencket ist. Baudrands Lex. Geogr. T. II. p. 226. Melissantes Geogr. Nov. II Th. p. 400.