Wie der ZundelFrieder eines Tages aus dem Zuchthaus entwich und glücklich über die Gränzen kam

Textdaten
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Autor: Johann Peter Hebel
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Titel: Wie der ZundelFrieder eines Tages aus dem Zuchthaus entwich und glücklich über die Gränzen kam
Untertitel:
aus: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes
S. 266-267
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum: 1803-1811
Erscheinungsdatum: 1811
Verlag: Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: ULB Düsseldorf und Djvu auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[266]
Wie der ZundelFrieder eines Tages aus dem Zuchthaus entwich und glücklich über die Gränzen kam.

Eines Tages als der Frieder den Weg aus dem Zuchthaus allein gefunden hatte, und dachte: „ich will so früh den Zuchtmeister nicht wecken,“ und als schon auf allen Straßen Steckbriefe voran flogen, gelangte er Abends noch unbeschrieen an ein Städtlein an der Gränze. Als ihn hier die Schildwache anhalten wollte, wer er sey, und wie er hieße, und was er im Schilde führe; „Könnt ihr polnisch?“ fragte herzhaft der Frieder die Schildwache. Die Schildwache sagt: „Ausländisch kann ich ein wenig, ja! Aber polnisches bin ich noch nicht darunter gewahr worden.“ „Wenn das ist,“ sagte der Frieder, „so werden wir uns schlecht gegeneinander expliciren können. Ob kein Officier oder Wachtmeister am Thor sey?“ Die Schildwache holt den Thorwächter, es sey ein Polack an dem Schlagbaum, gegen den sie sich schlecht expliciren könne. Der Thorwächter [267] kam zwar, entschuldigte sich aber zum voraus, viel polnisch verstehe er auch nicht. „Es geht hie zu Land nicht stark ab, sagte er, und es wird im ganzen Städtel schwerlich jemand seyn, der capabel wäre, es zu dollmetschen.“ „Wenn ich das wüßte“, sagte der Frieder, und schaute auf die Uhr, die er unterwegs noch an einem Nagel gefunden hatte, „so wollte ich ja lieber noch ein paar Stunden zustrecken bis in die nächste Stadt. Um neun Uhr kömmt der Mond.“ Der Thorhüter sagte: „Es wäre unter diesen Umständen fast am besten, wenn ihr gerade durchpassirtet, ohne euch aufzuhalten, das Städtel ist ja nicht groß,“ und war froh, daß er seiner los ward. Also kam der Frieder glücklich durch das Thor hinein. Im Städtlein hielt er sich nicht länger auf, als nöthig war, einer Gans, die sich auf der Gasse verspätet hatte, ein paar gute Lehren zu geben. „In euch Gänse,“ sagte er, „ist keine Zucht zu bringen. Ihr gehört, wenns Abend ist, ins Haus oder unter gute Aufsicht.“ Und so packte er sie mit sicherm Griff am Hals, und mir nichts dir nichts unter den Mantel, den er ebenfalls unterwegs von einem Unbekannten geliehen hatte. Als er aber an das andere Thor gelangte, und auch hier dem Landfrieden nicht traute, drei Schritte von dem Schilderhaus als sich inwendig der Söldner rührte, schrie der Frieder mit herzhafter Stimme: Wer da! der Söldner antwortete in aller Gutmüthigkeit: Gut Freund! Also kam der Frieder glücklich wieder zum Städtlein hinaus, und über die Gränzen.